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Großes CABARET im Hildesheimer TfN

Im Berlin der späten 1920er Jahre kann man in zahllosen Nachtclubs tanzen, trinken, feiern und den grauen Alltag, die Inflation, Armut und Arbeitslosigkeit und auch die Ängste vor der Zukunft vergessen. Der junge, amerikanische Schriftsteller Cliff Bradshaw hat das vermeintliche Glück sich mit dem sympathisch wirkenden Ernst Ludwig auf einer Bahnfahrt anzufreunden. Ludwig sorgt nicht nur dafür, dass Bradshaw ein günstiges Pensionszimmer in Berlin bekommt, sondern führt ihn auch sofort an dessen ersten Abend in den Kit Kat Club – angeblich den heißesten Ort Berlins... CABARET feierte am 15.10.2016 im TfN Hildesheim seine große Premiere. Noch bis Mai 2017 heißt es dort oder bei Gastspielen in niedersächsischen Theatern "Willkommen, Bienvenue, Welcome" ...

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Cliff Bradshaw (T. Müller, Sally Bowles (J. Bloch) © Falk von Traubenberg

50 Jahre und noch immer aktuell

CABARET – das Musical von Fred Ebb, John Kander und Joe Masteroff wird dieses Jahr 50 Jahre alt. Am 20.11.1966 wurde das Stück in New York uraufgeführt. Spätestens seit der Verfilmung 1972 gehört CABARET zum klassischen Musicalrepertoire und wurde weltweit aufgeführt. Kaum einer empört sich mehr über freizügige Kostüme oder die vielfachen Anspielungen auf das Dritte Reich. Und dennoch lässt sich eine erschreckende Aktualität nicht abstreiten. Das Thema Rechtsextremismus ist noch immer bzw. schon wieder hochbrisant und aktuell.

Die Handlung

1929 kam der britische Schriftsteller Christopher Isherwood nach Berlin. Fasziniert von der Weimarer Republik, der Weltwirtschaftskrise und Machtergreifung der Nazis, aber auch der Unterhaltungsindustrie und Vergnügungssucht, von sozialen Spannungen und politischer Gewalt, hielt er seine Eindrücke in Tagebucheinträgen fest. Diese wurden unter dem Romantitel „Goodbye to Berlin” veröffentlicht und gelten als Vorlage des Musicals CABARET:  Im KitKatClub  lernt Schriftsteller Cliff den Star der Show, die Nachtclub-Sängerin Sally Bowles, kennen. Er verliebt sich in sie. Auch seine Wirtin, Fräulein Schneider findet ihr spätes Glück mit den jüdischen Obsthändler Herr Schultz. Die politische Lage spitzt sich zusehends zu und am Ende weicht die Angst der Liebe…

verschiedene Ebenen

CABARET agiert immer auf zwei Ebenen. Zum einen die Dialoge und Handlungen in der „normalen“ Welt. Dann aber auch die doppeldeutigen Lieder und Handlungen, die im KitKatClub, also dem eigentlichen Cabaret, spielen. Regisseur Wolfgang Hofmann wollte einen Zusammenhang zwischen gesprochenen Texten und den Liedern schaffen und somit die beiden Ebenen verzahnen. Geschaffen wird dies u.a. durch das Bühnenbild von Ester Bätschmann: Die Spielorte (Club, Cliffs Zimmer, Fräulein Schneiders Zimmer, Obsthandlung) sind auf einer doppelten Drehbühne angeordnet. Somit werden fließende Übergänge ermöglicht. Allerdings ist immer auch ein Wenig der anderen Spielorte für den Zuschauer sichtbar; mal arrangieren Darsteller im Hintergrund die wenigen Requisiten oder betreten die Bühne.

Swing, Ragtime und Jazz

Die vom Ragtime und Jazz inspirierten Nummern Kanders werden von der Band unter der Leitung Anderas Unsickers gekonnt aufgespielt. Ein Geheimnis wird jedoch bleiben, warum die Liedtexte im zweisprachigen Mix von Englisch und Deutsch gesungen werden. Vielfach wird zunächst Englisch begonnen, worauf der Schlussteil eines Liede wiederum auf Deutsch präsentiert wird. Diese gewöhungsbedürftige Interpretation lenkt jedoch nicht von der Leistung der Darsteller ab und beschert den Zuschauern einen genussvollen Abend für  Auge und Ohren.  Die Vorstellung der Kit Kat Truppe zu Beginn der Vorstellung gestaltet sich im TfN noch recht zäh. Lang und ausführlich werden die Fünf  (Jürgen Brehm, Judith Hölscher, Elisabeth Köstner, Sandra Pangl, Teresa Scherhag) präsentiert.

Conférencier (A. Prosek), Kit Kat Girls © Falk von Traubenberg

Conférencier (A. Prosek), Kit Kat Girls © Falk von Traubenberg

Ein schöner Regieeinfall ist es dabei, Jürgen Brehm den Part der „Uschi“ zu geben, während Teresa Scherhag den „Walter“ spielt! Nach dieser Eröffnungsnummer konnten Conférencier Alexander Prosek und alle Darsteller die Zuschauer zunehmend mehr in den Bann ziehen. Den für Fräulein Schneider typischen Sprechgesang untermalte Annagerlinde Dodenhoff durch eine facettenreiche Mimik. Ihr Schauspiel ist äußert pointiert, was im Zusammenspiel mit Jens Krause als Herr Schultz vielfach zu einem Schmunzeln im Publikum führte.

Szenenfoto "Ananas - Song": Herr Schultz (J. Krause), Fräulein Schneider (A.Dodenhoff) © Falk von Traubenberg

Herr Schultz (J. Krause), Fräulein Schneider (A.Dodenhoff)© Falk von Traubenberg

Björn Schäffer spielte einen äußerst sympathischen Ernst Ludwig. Erst während der Verlobungsfeier wurde die narzisstische Ader dieses Charakters deutlich. Judith Block spielt sowohl eine selbstsichere und starke als auch eine nachdenklich – unsichere Sally Bowles. Ihr Zusammenspiel mit Tim Müller als Cliff Bradshaw ist stets stimmig; vor allem das „Einmalig, himmlische Girl“ konnte überzeugen. Die Schauspiel- und Gesangskunst des gesamten Ensembles überzeugten auf ganzer Linie. Am Premierenabend gelang beste Unterhaltung durch wunderbare Stimmen, gekonnte Choreografien (Annika Dickel) in einer interessanten Inszenierung. Das Publikum zeigte sich begeistert und lies das „Auf Wiedersehen, À bientôt, Gute Nacht“ erst nach minutenlangen, euphorischen Schlussapplaus Wirklichkeit werden.

Team & Besetzung

  • Inszenierung – Wolfgang Hofmann
  • musikalische Leitung – Andreas Usicker
  • Ausstattung – Esther Bätschmann
  • Choreografie – Annika Dickel
  • Dramaturgie – Christof Wahlefeld
  • Conférencier – Alexander Prosek
  • Cliff Bradshaw – Tim Müller
  • Sally Bowles – Judith Bloch
  • Ernst Ludwig – Björn Schäffer
  • Herr Schultz – Jens Krause
  • Fräulein Schneider – Annagerlinde Dodenhoff
  • Fräulein Kost – Annika Dickel
  • Matrose / Zollbeamter – Dirk Flindt
  • Matrosen/ Nazis – Benjamin Mann, Han Phillipp Steinmann
  • Kit Kat Girls und Boy: Jürgen Brehm, Judith Hölscher, Elisabeth Köstner, Sandra Pangl, Teresa Scherhag

Kategorie: Kritiken,Stadttheater

Autor: R. Imping (17.10.2016)

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