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Tosender Applaus bei CHESS-Premiere

Am 31.12. hob sich im Theater Pforzheim der Vorhang für die deutschsprachige Premiere von CHESS. Die Premiere war ein voller Erfolg, was sich in anhaltenden Standing Ovations und begeistertem Applaus am Ende ausdrückte. Das Stück wird noch bis zum 9.7.2015 zu sehen sein und ist einen Besuch wert.

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Hymn of Chess
Eröffnung der Weltmeisterschaft © Sabine Haymann

One night in Bankok

Am 31.12.2014 hob sich zum ersten Mal offiziell der Vorhang für die deutschsprachige CHESS-Premiere im Theater Pforzheim; es hatte schon zuvor öffentliche Proben gegeben. Nur wenige Minuten nach Vorverkaufsstart war die Premiere ausverkauft und das völlig zu Recht, wie auch die Reaktion des Publikums zeigte, das sofort beim Schlussapplaus auf den Beinen war und alle mit begeistertem Applaus belohnte.

Ein politisches Spiel

Anatoly und Frederick

Talking Chess

1966 findet in Meran die Schachweltmeister statt. Der amerikanische Titelverteidiger ist der Exzentriker Frederick Trumper und wird von dem russischen Spieler Anatoly Sergievsky, der voller Selbstzweifel ist, herausgefordert.
Unterstützt und begleitet wird Frederick von seiner Sekundantin und zugleich Geliebten Florence Vassy und dem amerikanischen Betreuer des Teams Walter de Courcy, während Anatoly von Alexander Molokov, seinem Sekundanten und zugleich Betreuer begleitet wird.
Die Meisterschaft beginnt und schnell wird klar, dass es hier um mehr, als nur um Schach geht, was im zweiten Akt noch deutlicher wird, als es eine neue Weltmeisterschaft in Bankok gibt, die von Intrigen beherrscht wird.
Wie es Frederick Trumper in dem Stück so treffend sagt: „Du denkst, wir spielen nur Schach? Das ist Krieg…“

Neu aufpoliert

Frederick Trumper und Florence Vassy

Frederick Trumper und Florence Vassy

Wolf Widder führte bereits 2008 -2010 in Dresden Regie für CHESS und dies ist unübersehbar, denn er holte das Bühnenbild, das aus einem violetten Hintergrund, auf dem das Orchester platziert ist, einer provisorischen Mini-Drehbühne und einer Bar besteht, und Kostüme fast genauso nach Pforzheim. Ein paar kleine Änderungen – wie die Projektionen und ein neues Kostüm für Walter de Courcy – sind dennoch eingearbeitet. Auffallend ist auch die neue Choreografie – von James Sutherland und Tu Ngoc Hoang -, die dynamischer ist, als sie es in Dresden gewesen war. Vor allem bei The Arbiters Song glänzte das Ballett, doch auch bei anderen Tanzeinlagen, wie im Endgame fällt es durch gute Leistung auf. Einzig beim Chessgame #1 wirkt es störend, da es von dem Geschehen – der Provokation von Frederick Trumper durch Anatoly – ablenkt.
Ein weiteres störendes Element waren die teilweise zu grellen Scheinwerfer, die manchmal die Stimmung störten, sowie kurze, jedoch schnell behobene, Tonprobleme.
Auffällig für jeden, der CHESS in Dresden sah, war auch das Fehlen von Dangerous and difficult times.

Große Stimmgewalt

Das ganze Stück – sowohl die Popsongs, wie auch die gefühlvollen Balladen – wurde von großartigen Stimmen zum Publikum getragen.
So bestach Andrea M. Pagani mit seiner wohlklingenden, sanften Stimme. Er verlieh dem Anatoly eine überzeugende Unsicherheit, wobei vor allem am Ende seine Wandlung sehr authentisch wirkte. Sowohl bei dem Mountain Duet als auch Anthem vermittelte er sehr viel Gefühl. Das meiste Gänsehaut-Feeling bescherte er jedoch im Endgame, wo er auch seine Mimik sehr stark einsetzte und überzeugte.

Svetlana und Anatoly

Endgame

Auch Chris Murray überzeugte als Frederick Trumper. Er schien die Rolle zu leben. Überzeugend brachte er den exzentrischen Engländer auf die Bühne und mit ausdrucksstarker Mimik vermittelte er die verschiedenen Wandlungen, die dieser im Laufe des Stücks durchmacht. Seine voluminöse und prägnante Stimme zog das Publikum in seinen Bann, vor allem bei Pity the child, dem tosender Applaus folgte und auch der weltbekannte Hit One night in Bankok begeisterte das Publikum, bei dem er auch tänzerisch alles gab und das Publikum zum mit klatschen animierte.

Eine weitere kräftige und zugleich angenehme Stimme zeigte Femke Soetenga als Florence Vassy. Gut erkennt man, wie sie sich von der exzentrischen Frau an Fredericks Seite zu der toughen, unabhängigen Frau entwickelt – vor allem bei Nobodys Side, ein Publikumsliebling der Show -, die sich letztlich von Frederick los sagt, um bei ihrer neuen Liebe zu sein. Auch im zweiten Akt überzeugt sie als eine Frau, die sich gegen die Intrigen wehrt und letztlich lernt, los zu lassen.

Anatoly und Frederick

The deal – no deal

Benjamin Savoie fiel wohl am meisten durch die dynamischen Tanzeinlagen, seine sehr deutliche Aussprache und seine unverkennbare Stimme auf. Er spielte den Arbiter (Schiedsrichter) sehr lebhaft und sprang spielerisch zwischen den Emotionen – von dem schon fast überdrehten Auftreten in The Arbiters Song – der viel Begeisterung hervorrief – zum augenscheinlichen Desinteresse. Auffällig war auch seine Choreografie, die anfangs überraschend und irritierend wirkte, dann aber zu der Rolle einfach dazugehörte.

Einen weitere klangvolle Stimme, die einen operhaften, aber durchaus interessanten, Beiklang hatte, legte Klaus Geber als Alexander Molokov an den Tag. Die Rolle schien ihm auf den Leib geschrieben zu sein. Seine Interpretation des kühlen, intriganten Molokov, der stets seinen Willen durchzusetzen weiß, war überragend. Die ganze Zeit wahrte er ein Pokerface, was jedoch keinen Augenblick langweilig wirkte, da man immer die Emotionen dahinter regelrecht spürte.
Seinen Gegenspieler Walter de Courcy verkörperte Aykan Aydin. Dieser ging bedauerlicherweise manchmal ein wenig unter, doch vor allem bei Deal – no deal legte er sich ins Zeug und überzeugte als berechnender und siegessicherer Agent. Auch bei Anatolys Flucht taute er scheinbar auf. Dennoch wirkte seine Rolle stellenweise etwas verloren, was er aber, wenn er auftaute, wett machte.

Svetlana und Molokov

Svetlana und Molokov

Die letzte, tragende Rolle spielte Yvonne Luithlen als Svetlana Sergievsky – Anatolys Frau, die er verlassen hat. Ihre Stimme war sehr klar und die Verzweiflung kam vor allem in Deal – no deal sehr gut zum Ausdruck. Sie spielt die verlassene Ehefrau, die von ihrem Mann verletzt und enttäuscht wurde und nun stark sein will, sehr überzeugend. Auch bei Endgame überzeugte sie in ihrer Rolle.
Natürlich dürfen auch die drei Schachfrauen Aline Münz, Gitte Pleyer und Laura Wick nicht vergessen werden, deren Stimmen gut harmonierten und sich bestens in die Lieder einfügten, vor allem bei Nobodys Side. Auch sehr überzeugend, vor allem auch mimisch, waren sie bei The Story of Chess.

Der Chor war überraschend deutlich und meist sehr gut zu verstehen. Auch war er weder zu laut noch zu leise und spielte die Rollen überzeugend.
Zuletzt darf auch das wirklich hervorragende Orchester, das die zweistündige Show mit Musik versorgt hat, nicht vergessen werden. Es war stimmig, die Lautstärke übertönte nicht die Sänger, was bei vielen Aufführungen vorkommt, und das Tempo war angemessen.

Ein unvergesslicher Abend

Nachdem ich nicht nur die Premiere, sondern auch die Vorpremiere und die zweite Show – bei der es eine grandiose Zugabe gab, die hoffentlich beibehalten wird – besucht habe, kann ich nur jeden empfehlen sich dieses Musical in Pforzheim anzusehen. Es wird nie langweilig, egal wie oft man es sieht. Die Stimmen sind hervorragend, das Bühnenbild sehr praktisch, ansprechend und nicht überladen. Für nur wenig Geld bekommt man im Theater Pforzheim einen garantiert unvergesslichen Abend geschenkt.

Fotos © Sabine Haymann & Kai-Uwe Schulte-Bunert

Kategorie: Kritiken,Stadttheater

Autor: A. Polifka (08.01.2015)

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