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KNOCKIN’ ON HEAVEN’S DOOR – Interview mit Gil Mehmert

„Gut Ding braucht Weile.“ Ein weiser Spruch, der auf das Rock’n Road-Musical KNOCKIN‘ ON HEAVENS‘ DOOR klar zutrifft. Zehn Jahre hat es gedauert, bis aus der Idee eine professionelle Uraufführung wurde. Am 21. Oktober steht nun die Premiere der Musicalversion zum Kultfilm der 90er Jahre an. Musical1 hat den Regisseur und Autor Gil Mehmert im Stadttheater Fürth getroffen.

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KNOCKIN’ ON HEAVEN’S DOOR ab dem 21. Oktober im Stadttheater Fürth ©Thomas Langer

„Ich denke und erzähle sehr filmisch“

Martin und Rudi haben eine schlimme Diagnose erhalten. Sie haben nicht mehr lange zu leben. Doch statt aufzugeben, möchten sich die zwei jungen Männer einen Traum erfüllen: Sie wollen das Meer sehen. Thomas Jahns „Knockin' on Heaven's Door“ (1997) wurde mit Til Schweiger und Jan Josef Liefers in den Hauptrollen zum Kultfilm. Das Stadttheater Fürth bringt die tragisch-komische Geschichte nun als Musical auf die Bühne. Inszeniert wird die Uraufführung von Gil Mehmert, der schon mit DAS WUNDER VON BERN eine Leinwand-Story in ein erfolgreiches Musical verwandelte. Mit KNOCKIN' ON HEAVEN'S DOOR warteten aber ganz andere Herausforderungen auf den bekannten Regisseur und Autor, der 2015 zum Projektteam stieß.

Herr Mehmert: Angenommen, Sie hätten nur noch 24 Stunden auf dieser Erde, aber eine Million Euro im Kofferraum. Welchen letzten Traum würden Sie sich erfüllen?

Ich glaube, die eine Million Euro bräuchte ich gar nicht. Ich würde die 24 Stunden mit meiner Frau (Bettina Mönch, Anm. d. Red.) verbringen. Ich verweile hier unten ja schon ein bisschen länger als die Protagonisten. Und ich habe schon sehr viel erlebt. Für mich haben sich daher bereits alle wichtigen Träume erfüllt.

Wunschlos glücklich waren Sie bei der Inszenierung von KNOCKIN' ON HEAVEN'S DOOR erst mit der endgültigen Fertigstellung. Was haben Sie nach dem Try-Out der Essener Folkwang-Universität (2018) am Stück verändert?

Sehr, sehr viel! Damals an der Folkwang-Universität lagen uns zwei Fassungen vor, weshalb das Musical noch ein Stückwerk war. Das musste erst einmal zu Ende gebracht werden. Deshalb mussten wir das Try-Out forcieren, um einen gewissen Druck aufzubauen. Du brauchst eine Deadline, damit du weißt: „Jetzt muss das Musical fertigwerden!“ Wir haben gesagt: „Passt auf, wir legen jetzt Aufführungstermine in einem halben Jahr fest. Dann müssen wir ein Stück haben.“ Dabei war uns recht schnell klar, dass es für einen Musicalabend recht kurz war. Die beiden Teile haben jeweils nur 45 bis 50 Minuten gedauert. Jetzt in Fürth haben wir einen richtigen Abend mit zwei vollen Stunden.

Wie oft mussten Sie bei der Erarbeitung des Musicals Ihre Perspektive wechseln?

Wenn man etwas erarbeitet und erprobt, sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Man kümmert sich darum, dass die Bäume schön wachsen. Dann muss man aber wieder auf den Wald blicken. Noch besser ist es, wenn man mit einer Drohne über das Stück fliegt. So sieht man wirklich, was noch alles zu tun ist. Das Try-Out war wahnsinnig wichtig, um diese Perspektiven zu erleben und sich so einen Überblick der Durchläufe zu verschaffen. Irgendwann kommt dann die Erkenntnis: So will ich es machen!

Was war Ihnen bei der Adaption der Filmversion für die Bühne besonders wichtig?

Ich wusste, wenn ich einen Kultfilm als Musical zeige, wollen die Leute trotzdem den „Film“ sehen. Das Publikum interessiert nicht nur die Figuren. Wir versuchten daher, die Figuren und Songs mit der Filmhandlung so zusammenzubringen, dass die vielen Kultsituationen und Kultsprüche nicht verloren gehen. Gleichzeitig wollten wir aber etwas Neues kreieren und hatten dafür den nötigen Ehrgeiz.

Ein Beispiel für eine „Erneuerung“ wären die Klischees der 90er Jahre, die Regisseur Thomas Jahn in seinem Kultfilm bediente. Wie gingen Sie damit um?

Es ist seitdem viel passiert. Das Migrationsthema und Frauenbild waren damals ein anderes. Wir fanden zum Beispiel die Figur Frankie als dramaturgische Idee ganz toll. Daher ist dieser Charakter bei uns eine Gangsterbraut. Frankie ist eine starke Frau, die Männer auch mal als „Schlappschwänze“ bezeichnet. Ihre Geschichte wurde aber nicht richtig zu Ende erzählt. Deshalb haben wir die vielen Zielstränge im Finale so zusammengebracht, dass Frankie mehr Gehalt bekommt.

Da KNOCKIN' ON HEAVENS' DOOR kein Musikfilm ist, mussten für das Musical Songs komponiert werden. Was war dabei die größte Herausforderung?

Alex Geringas ist tatsächlich ein Super-Komponist, aber vor allem für Popsongs. Und Popsongs zu schreiben ist etwas anderes, als Musicalsongs zu texten. Ein Popsong ist eher ein Kommentar zum Leben, der einen Zustand festhält. Er erzählt keine Geschichte. Doch gerade in Musicals brauchen wir Songs, die eine Handlung vorantreiben. Die Erzähldramaturgie ist sehr wichtig. Deshalb hab ich die Songs immer wieder sortiert und ausgetauscht. Ich wurde auf Songs aufmerksam, die in der letzten Fassung gar nicht mehr drin waren. Ich fand sie aber spannend und hab sie aus der Schublade geholt. Ja, bei der Songauswahl hab ich viel eingegriffen. Doch wenn ich sie jetzt höre, macht mich das ein wenig stolz.

Ein ganz bestimmter Song darf natürlich auch in der Musicalfassung nicht fehlen: der legendäre Titel-Hit „Knockin' on Heaven's Door“ von Bob Dylan. Wie setzen Sie den Song in Szene?

Ich wollte den Song „Knockin' On Heaven's Door“ auf eine bestimmte Art und Weise aufwerten. Ich erinnerte mich, dass Bob Dylan eigentlich Robert Alan Zimmerman heißt. Ein Gedanke, aus dem sich ein spannender roter Faden in Gestalt eines „Todesengels“ à la David Lynch entwickelte. Die Figur zeigt einen Zimmermann auf der Walz. Mit seiner Tracht und dem eigentümlichen Hut symbolisiert er den Tod, der die beiden Protagonisten permanent begleitet. Im Grunde soll aber Robert Alan Zimmerman, sprich Bob Dylan, durch den Zimmermann personifiziert werden.

Wenn ich an ein Roadmusical denke, fällt mir spontan PRISCILLA – KÖNIGIN DER WÜSTE ein, das Sie am Münchner Gärtnerplatztheater erfolgreich auf die Bühne gebracht haben. Wie war diesmal Ihre Herangehensweise?

Bei PRISCILLA – KÖNIGIN DER WÜSTE ist es so, dass der Bus lange im Mittelpunkt steht. Allerdings musste er irgendwann aus der Handlung verschwinden. Wir mussten den Bus also umbauen, weil man ihn nicht ständig rauf- und runterfahren konnte. Bei KNOCKIN' ON HEAVEN'S DOOR ist es noch schlimmer. Es gibt keinen Bus, sondern zwei wichtige Autos und am Ende noch einen Krankenwagen. Es braucht diese Autos, nämlich den Mercedes Pagode als Gangsterauto und den Cadillac, in den die Jungs umsteigen. Insofern mussten wir ein Objekt erfinden, das für beide Autos steht und den Krankenwagen zum Schluss.

Wie haben Sie dieses Problem auf vier Rädern gelöst?

Die wichtigste Idee war, an die Stelle der vier Reifen vier junge Damen treten zu lassen – die Soulgirls. Sie sitzen und tanzen genau da, wo die Räder sein sollten, und machen so den Vorgang des Autofahrens auf der Bühne attraktiv und sexy.

Die wilden Verfolgungsjagden laufen also anders ab als zum Beispiel bei den BLUES BROTHERS.

Es ist interessant, weil die BLUES BROTHERS musikalisch und situativ tatsächlich ein bisschen mit KNOCKIN' ON HEAVEN'S DOOR zu tun haben. Ich finde aber, dass bei der bekannten Musicalfassung zu wenig Wert darauf gelegt wurde, aus der Adaption ein Theaterstück zu machen. Man feiert eher die Songs ab und spielt den Film nach. Da machen wir in unserer Fassung sehr viel mehr, um aus dem Film einen Theaterabend zu machen.

Sie sind dafür bekannt, filmische Werke auf die Bühne zu bringen. Auch nach der Uraufführung in Fürth sind es zwei Filme, die in Hamburg und München aufgeführt werden.

Ende Oktober bringen wir die deutschsprachige Erstaufführung von ONCE in die Hamburger Kammerspiele – als Musicaladaption des Films. Nächstes Jahr kommt dann mit dem Musical TOOTSIE eine europäische Erstaufführung ins Münchner Gärtnerplatztheater. Es ist aber nicht so, dass ich mich darum reiße, Filme für die Bühne zu adaptieren. Ich finde auch Originalstoffe für die Bühne toll, wie zum Beispiel bei der WÜSTENBLUME, die ich gemacht habe. Obwohl es einen gleichnamigen Film gibt, hatte meine Bühnenfassung nichts damit zu tun. In diesem Fall war eher die vierbändige Bücherreihe Vorlage für das Libretto. Ein weiterer Film schwebt mir derzeit nicht vor.

Nicht für die Bühne, aber vielleicht für die Leinwand? Ihr preisgekrönter Film „Aus der Tiefe des Raumes“ ist schon 17 Jahre her.

Nun, ich denke und erzähle sowieso sehr filmisch. Es war damals ein langer Weg von der Idee zur Realisierung. Ich bin ja nicht im Filmbusiness verankert, sondern fest im Musicalbusiness. Wenn ich eine Idee für ein Musical habe, hab ich die Mittel und Wege, es schnell auf die Bühne zu bringen. Ich hatte zwar filmische Ideen und zwischendurch auch bestimmt drei bis vier Anläufe gehabt. Sie sind immer noch im Hinterkopf. Doch welches Thema ist für mich so interessant, um so viel Zeit zu investieren? Filme zu machen ist unglaublich anstrengend und es macht eigentlich erst richtig Spaß, wenn man im Schneideraum sitzt. Dann erst kann ich meine Geschichte wirklich erzählen. Und darum geht es mir.

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