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JEANNE D’ARC – die konzertante Aufführung

Das Musical und seine Titelheldin haben eines gemeinsam: Sie hatten es nicht leicht. Nach einer abgesagten Uraufführung ist Autorin Maricel Wölk froh, dass das Theater Lüneburg dem Stück eine zweite Chance gibt. Vorerst gab es dieses zwar nur in einer gekürzten Version als konzertante Aufführung, doch das Ergebnis ist mehr als zufriedenstellend. Und das, obwohl den Künstlern nur wenige Tage Proben zur Verfügung standen.

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Jeanne d'Arc - Maricel
Maricel als Jeanne d’Arc © Cornelia Oertel

Ein Musical über die Jungfrau von Orleans

Maricel Wölk kam vor einigen Jahren die Idee, ein Musical über Johanna, die Jungfrau von Orleans zu schreiben und war verwundert, dass dies bisher noch niemand vor ihr gemacht hat. Für sie ist Johanna eine starke Persönlichkeit, deren Leben sehr viel Material für ein Musical enthält und es verdient erzählt zu werden. Bei der Geschichte von Johanna handelt es sich um eine wahre Begebenheit, die während des 100-jährigen Kriegs geschehen ist. Maricel hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Beweggründe zu beleuchten und ihr Leben trotz Heiligsprechung nicht zu beschönigen. Immerhin handelte es sich um ein 19-jähriges Bauernmädchen, das Soldaten in den Krieg führte. Als Mädchen im Mittelalter musste sie viele Rückschläge einstecken, bis sie sich überhaupt Gehör verschaffen konnte. Frauen hatten zu der Zeit nichts zu sagen und wurden oft wegen Hexerei verbrannt. Ein Schicksal, welches am Ende auch Johanna eingeholt hat.

Von der Idee zum Musical

Maricel hat in der Vergangenheit bereits auf Konzerten und in den sozialen Netzwerken einzelne Lieder aus dem Stück präsentiert, welches große Neugierde bei den Zuhörern auslöste. 2016 sollte es dann soweit sein, die Uraufführung des Musicals am Rhein-Main-Theater in Niedernhausen stand kurz bevor. Doch es kam zu Schwierigkeiten mit dem Produzenten, sodass das Stück bedauerlicherweise abgesagt werden musste. Nach diesem Rückschlag, der wohl nicht nur der Autorin, sondern auch den Musicalfans in Erinnerung geblieben ist, ist ein neuer Versuch mit viel Mut verbunden. Doch Maricel glaubt an ihr Stück und findet drei Jahre später jemanden, der dem Stück eine neue Chance gibt. Das Lüneburger Theater hat Maricel nicht nur die Bühne zur Verfügung gestellt, sondern auch das 30-köpfige Orchester und den 24-stimmigen Chor, sowie Solisten. Der konzertanten Aufführung am 13. Juni stand nichts mehr im Weg. Chefdramaturg Friedrich von Mansberg übernahm die Moderation und war von dem Stoff so begeistert, dass er nicht nur eine simple Zusammenfassung zur besseren Orientierung für das Publikum erstellte. Er bereitete sich so gut vor, dass nach der Vorstellung die Frage aufkam, ob der Erzähler zum Figuren-Repertoire gehöre.

Stimmengewalt auf der Bühne

Maricel als Jeanne d'Arc

Diese Erzählungen rundeten den Abend ab, doch im Mittelpunkt stand die Jungfrau von Orleans. Maricel selbst verkörperte die Rolle der Nationalheldin und erntete für ihre ergreifende Darbietung viel Applaus. Gerade tiefgehende Lieder wie “Große Mädchen weinen nicht” fanden besonders viel Anklang beim Publikum. John Voijs stand in der Rolle des Jean Metz auf der Bühne und brillierte nicht nur im Duett mit Maricel, sondern auch beim “Tanz mit dem Feuer”. Doch auch die anderen Solisten wie Ulrich Kratz als Bedford und Kirsten Patt als Yolande, die als Kontrahenten Johanna gegenüber stehen, überzeugen in ihren Rollen.

Besonders gelungen sind die Ensemblenummern. Ob schwungvoll, anklagend oder trauernd, in dem 24-stimmigen Chor sind einige beeindruckende Stimmen verteten, die die jeweiligen Lieder großartig umsetzen. Sie unterstützen nicht nur die Solisten, sondern glänzen auch selbst.

Mitreißende Musik, ergreifende Texte

Und auch wenn Johanna vor vielen Jahren gelebt hat, schafft es Maricel, aktuelle Thematiken in dem Musical zu verhandeln. Gerade bei jungen Frauen dürfte es den Mut wecken, für sich selbst einzustehen und für den eigenen Weg zu kämpfen. Diese Bedeutung wird von der Musik getragen. Es wird deutlich, dass sich Maricel viele Gedanken um die Musik und die passenden Liedtexte gemacht hat. Bei wenigen Liedern erhielt sie die Unterstützung von Thomas Lange. Thomas Dorsch sorgte für das ausgeglichene Arrangement von Chor und Orchester. Musikalisch ist das Stück sehr vielfältig. Von opulenten Orchesterklängen über gefühlvolle Balladen bis hin zu rockigeren Tönen ist alles vertreten. Und auch den Ohrwurm-Test, den Friedrich von Mansberg nach der Vorführung mit dem Publikum vollzieht, besteht dieses Stück einwandfrei. Mehrere Lieder sind den Zuschauern positiv im Gedächtnis geblieben.

Das Fazit dieser konzertanten Aufführung ist, dass es bei Weitem nicht genug war. Nicht genug in dem Sinne, dass viele Zuschauer im Anschluss so begeistert waren, dass sie das komplette Stück sehen möchten. Es ist oft schwierig, eine breite Masse für ein neues Stück zu begeistern. Gerade für eins, dessen Vorlage wenig oder gar nicht bekannt ist. Deshalb gehen Theater oft auf Nummer sicher und bedienen sich bei Klassikern. Doch die Reaktionen des Testpublikums waren mehr als eindeutig. Dieses Musical kommt sehr gut an und ist bereit für die Uraufführung. Es bleibt zu hoffen, dass sich das investierte Herzblut und Maricels Durchhaltevermögen bald bezahlt machen und sich eine geeignete Bühne finden lässt.

Eine innere Stimme

Nicht nur Johanna wurde von einer inneren Stimme geleitet, auch Maricel folgte ihrer inneren Stimme bei der Erschaffung des Musicals. Abschließend haben wir der Autorin und Musicaldarstellerin drei Fanfragen über das Stück gestellt.

Maricel als Jeanne d'Arc

Wie bist du darauf gekommen gerade über Jeanne d'Arc ein Musical zu schreiben?
Ich bin zu dem Musical tatsächlich gekommen wie die Jungfrau zum Kind 😉
Als mir diese Person in Geschichten und diversen Filmen begegnete, fand ich sie so spannend, dass ich ihre faszinierende Geschichte sofort in Musik umsetzte. Musik und Text erschienen nahezu gleichzeitig vor meinem inneren Auge und ich folgte quasi meiner inneren Stimme und habe so lange weiter geschrieben bis plötzlich ein fertiges Musical vor mir auf dem Tisch lag.
Dabei habe ich die Geschichte eng mit der Historie verbunden und bin zum Beispiel auch die „Route de Jeanne d‘Arc“ abgefahren, um mehr über Johannas Leben zu erfahren. Das war wirklich extrem spannend… Einige Charaktere entwickelten dabei ein Eigenleben mit dem Ursprung realer Begebenheiten.

Wie lange hat es gedauert das Musical zu schreiben?
Das Wort “plötzlich“ in meiner vorherigen Antwort trifft den Nagel tatsächlich nicht wirklich auf den Kopf. In der Tat hat es einige Jahre gedauert, bis das Stück wirklich komplett fertig war. Es ist auch schwer zu sagen, wann genau so ein Stück denn überhaupt fertig ist. Aktuell haben wir komplett neue Arrangements angefertigt. D.h. nun liegen auch die Orchesternoten und das Buch komplett vor, sodass es nun umsetzbar und spielbar ist.

Warum denkst du, dass Musicals über geschichtliche Themen, also wahre Begebenheiten so beliebt sind?
Ich glaube, dass Musicals mit geschichtlichen Themen so beliebt sind, weil sie so nah an der Realität und an echten Charakteren sind.
Sie basieren auf wahren Begebenheiten und sind zu einem großen Teil authentisch und machen es daher so einfach für den Zuschauer in die Geschichte einzutauchen und sie nachzuempfinden. Die Gefühle sind stärker, wenn der Betrachter weiß, dass das was er dort auf der Bühne sieht, tatsächlich in der Realität durchlebt wurde. Und er fühlt intensiv mit.

Kategorie: Kritiken

Autor: S. Müller(14.07.2019)

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