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SWEENEY TODD – Premiere in Leipzig

Das lange Warten hat ein Ende! Am letzten Wochenende hob sich endlich der Vorhang für eine teuflisch gruslige Musicalkomödie. In Leipzig wird ab sofort mit glattem Schnitt rasiert. SWEENY TODD, der Barbier aus der Fleet Street schwingt mit sicherer Hand sein Messer. Glatt rasiert wird hier liquidiert. Wie und ob wir unbeschädigt das Theater wieder verlassen haben? Lest selber!

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Sweeney Todd Vikrant Subramanian ©Tom Schulze

In Leipzig wurde am letzten Wochenende wieder rasiert. SWEENEY TODD – The Demon Barber of Fleet Street, nach dem Buch von Hugh Wheeler und der grandios düsteren Musik von Stephen Sondheim, eröffnete am letzten Wochenende mit seiner Premiere auch wieder den Publikumsbetrieb in der Musikalischen Kömodie in Leipzig. Aufgrund der derzeit geltenden Verordnungen ist noch kein Spielbetrieb mit voller Auslastung möglich, aber diejenigen Zuschauer, welche eine der begehrten Karten erwerben konnten, sind mit SWEENEY TODD ganz und gar auf ihre Kosten gekommen.

Der neue Zuschauersall der Musikalischen Komödie Leipzig

©Tom Schulze

Zum Allerersten beeindruckte sicher jeden beim Eintritt in die Musikalische Komödie das neue Ambiente. Mit viel Geschick und Liebe zum Detail wurde sie komplett umgebaut und hat sich zu einem echten Schmuckstück entwickelt. Die Gestaltung des Zuschauerraumes gewährleistet nun von jedem Sitzplatz uneingeschränkte Sicht und auch die Trennung in drei Blöcke mit Gängen dazwischen, erleichtert das Aufsuchen des Sitzplatzes ungemein. Der in ein warmes, rot getauchte Zuschauerraum mit der hellen, liebevoll gestalteten Kassettendecke verleiht dem Saal absolutes Theaterfeeling.

SWEENEY TODD – ein tiefschwarzes Musical

Bis heute ist nicht uneingeschränkt geklärt, ob sich die Geschichte an eventuell realen Vorbildern orientiert. Denkbar wäre es schon, da doch Barbiere bis ins 18. Jahrhundert hinein auch für chirurgisch medizinische Eingriffe verantwortlich waren. Beim Betrachten des Stückes ist man als Zuschauer hin- und hergerissen. Verurteilt man SWEENEY TODD und seine Helfershelferin Mrs. Lovett und ihre Machenschaften, oder kann man sogar ein gewisses Maß an Verständnis für die Handlungen der beiden aufbringen.

Stephen Sondheim bezeichnete sein durchkomponiertes Horror-Musical als tiefschwarze Operette. Das Stück gewann 1979 acht Tony Awards.

Ein Mann, sein Plan, seine Rache!

Der Barbier Benjamin Barker (Vikrant Subramanian) kehrt nach 15-jähriger Verbannung unter dem Namen SWEENEY TODD in das viktorianische London zurück. Einst wurde er von der Londoner Obrigkeit in Gestalt des Richters Turpin (Michael Raschle) unschuldig angeklagt und lebenslänglich verbannt. Ein fieses Intrigenspiel des Richters, um Benjamin Barkers wunderschöne junge Frau für sich zu gewinnen. Barker oder auch SWEENEY TODD ist die Flucht gelungen und er kehrt in sein Zuhause, die Fleet Street, zurück. Dort angekommen, erfährt er von der Pastetenbäckerin Mrs. Lovett (Sabine Töpfer), dass seine geliebte wunderschöne Frau den Freitod gewählt habe und seine Tochter Johanna (Katia Bischoff) nun in der Obhut des so “angesehenen” Richters Turpin als Mündel lebt.

Als SWEENEY TODD erfährt, warum seine Frau den Freitod wählte und das Richter Turpin den Plan verfolgt, Johanna zu heiraten, sinnt er auf Rache an all denen, die er für das Geschehene verantwortlich macht.

Jahrmarktszene Sweeny Todd

©kirsten_nijhof

Durch einen geschickten Schachzug macht er sein Barbiergeschäft bekannt und die Kundschaft lässt nicht lange auf sich warten. Doch SWEENEY TODDs wahre Identität alias Benjamin Barker bleibt nicht allen verborgen. Er muss handeln, um seine Tochter aus den Fängen des Richters zu befreien und den Tod seiner Frau zu sühnen. Dies zu erreichen heiligt für ihn jedes Mittel.

Mit Hilfe von Mrs. Lovett, die schon seit ewigen Zeiten unsterblich in den Barbier verliebt ist, lassen sich alle Unwägbarkeiten, die SWEENEY TODDs Rache mit sich zieht, unkompliziert bereinigen.

Das Barbiergeschäft und die Pastetenbäckerei erlangen bei den Londoner Bürgern großes Ansehen und die Geschäfte laufen grandios. Doch SWEENEY TODD verfällt in einen regelrechten Blutrausch und seine Rachegelüste sind ungezähmt, da sein Ziel, Richter Turpin zu strafen und seine Tochter aus dessen Fängen zu befreien, immer noch nicht erfolgreich abgeschlossen werden konnten.

Die Lage spitzt sich zu und endet in einer ungeahnten und für den Zuschauer überraschenden Dramatik.

Perfekt gewählte Cast und ein gewohnt starkes Ensemble in Leipzig

Die geschickt eingesetzte Komik in den einzelnen Szenen unterstreicht nochmals den so perfiden Plan von SWEENEY TODD. Mrs. Lovettss Lebensansichten und ihr pragmatisches Handeln in einigen Situationen zaubern einem ein Grinsen ins Gesicht. Sabine Töpfer als Mrs. Lovett ist perfekt besetzt. Sie überzeugt mit ihrer gespielten, fürsorglichen Art in SWEENEY TODD, welche doch nur das eine Ziel verfolgt, den ewig geliebten Mann an sich zu binden und in der Gesellschaft finanziell aufzusteigen. Mrs. Lovett will sich endlich aus den Fesseln des Elends und der Armut befreien. Sie sieht die Chance und ergreift sie.

Vikrant Subramanian als SWEENEY TODD überzeugte stimmlich und durch eine starke Bühnenpräsenz. Ein ganzer Kerl, dem man sein Vorhaben ohne “Wenn und Aber” abnimmt. Subramanians Bariton ist perfekt für diese Rolle.

Michael Raschle als Richter Turpin, die unsympathischste Figur im Stück. Dies ist aber einzig und allein der Rolle geschuldet und beweist die geniale Spielweise von Michael Raschle. Seinem Richter möchte man als Frau nicht allein und im Dunkeln begegnen. Die schleimende, säuselnde und verlogene Art des so ehrbaren Richters überzeugte schauspielerisch wie stimmlich, brachte aber auch die Zerrissenheit der Figur Turpin zum Ausdruck.

Katia Bischoff als SWEENEY TODDs Tochter Johanna jung, unschuldig und somit dem “Bösen” vollständig ausgeliefert. Katia Bischoff brilliert und kann in der Rolle komplett überzeugen. Mit ihrer klaren und ausdrucksstarken Stimme wurde Johannas Charakter ideal unterstrichen.

Aber nicht nur den Hauptdarstellern merkt man die Spielfreude nach der erzwungenen langen Bühnenabstinenz an. In gewohnt professioneller Art präsentierte sich auch die übrige Cast und das Ensemble der Musikalischen Komödie. Durch den Umbau der Spielstätte wurde das Orchester auf die Hinterbühne versetzt.
Der ehemalige Orchestergraben kann nun komplett mitbespielt werden und überrascht mit einer absenkbaren Bühne. Die dadurch erzielten Effekte geben der Inszenierung noch einen besonderen Kick.

SWEENEY TODD ein grausames Bühnenspektakel oder ein Spiegel der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts?

Sweeny Todd Szenenbild

©Tom Schulze

Die Inszenierung von SWEENEY TODD trägt eindeutig die Handschrift von Cush Jung. Opulent und ausgefeilt inszeniert zieht das Stück den Zuschauer mitten ins Geschehen hinein. Der schmale Grad zwischen Horror und Komödie wurde exzellent getroffen und lässt das Publikum in keiner Sekunde des Stückes zweifeln, dass der Plan von SWEENEY TODD durchaus nachvollziehbar ist, in den Zeiten eines aufstrebenden Londons, in dem ein Drittel der Bevölkerung in bitterer Armut und Obdachlosigkeit dahinvegetierte. Der Rest scheffelte Geld und Ansehen und die Kluft zwischen Arm und Reich war unübersehbar und überall spürbar. London war zu diesen Zeiten wohl die wohlhabendste Stadt der Welt, aber auch eine der gefährlichsten. Die unübersehbare Armut im Gegensatz zum immer weiter aufsteigenden Empire rief Kriminalität zum Überleben auf den Plan. Die hässliche Fratze der Armut zeigte ihr Gesicht und strafte die Dekadenz der Reichen. Gerechtigkeit konnte nach dem Ermessen der armen Bevölkerung nicht anders herbeigeführt werden.

SWEENEY TODD – zwischen den Gefühlen hin und her gerissen

Wer nun meint, dieses Stück sei nur etwas für hart gesottene Horrorfans, kann unbesorgt sein. Bereits Stephen Sondheim bemerkte sehr schnell: SWEENEY TODD ist gruslig und gleichsam charmant. In sicherer Atmosphäre gruseln wir uns alle doch ganz gerne mal. Die Geschichte ist so absurd, dass man völlig gefangen ist und in der Grundtendenz dem Mann Benjamin Barker Erfolg wünscht, bei seinem Vorhaben. Andererseits schwingt der gesunde Menschenverstand mit, der einem sagt: So geht das nicht. Selbstjustiz ist keine Lösung, aber zu den Zeiten, in der die Geschichte spielt, Alltagsgeschehen. In keinem anderen Stück ist das Zuschauen und die dabei entstehenden Gefühle und die Sondierung des eigenen normalen Menschenverstandes so miteinander verwoben wie bei SWEENEY TODD.

In der Schlussszene wird einem dann aber klar, das blinde Rachsucht keine Lösung sein kann.

Wir können jedem Musicalbegeisterten nur empfehlen, sich diese Inszenierung anzusehen und Spaß an der so absurden Handlung zu haben. Wir versprechen einen humorvollen, gruseligen Musicalabend, der sicher lange in Erinnerung bleiben wird.

Der Musikalischen Komödie und dem gesamten Team wünschen wir eine erfolgreiche Spielzeit ohne Unterbrechungen und eine schnellstmögliche volle Kapazitätsauslastung.

Weitere Aufführungen am 27., 29. Juni | 02., 03., 04., 20., 21. Juli 2021

Aufgrund der derzeit noch geltenden coronabedingten Regeln ist eine Ticketbestellung ausschließlich direkt über die Musikalische Komödie Leipzig möglich.

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  • Christiane Lauer 2. Juli 2021 at 15:28 / Antworten

    Ergänzend zum Artikel über Sweeney Todd wäre zu bemerken, daß das Orchester nicht durch den Umbau des Hauses, sondern ausschließlich durch Corona ( Abstandsregeln) auf die Hinterbühne verbannt ist. Die „versenkbare Bühne an der Stelle des ehemaligen Orchestergrabens“ ist der NEUE ORCHESTERGRABEN !!!!

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