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Interview mit Adrian Becker

Wenn jemand im Musicalbuisness weiß, wie man die Rolle der Zaza in EIN KÄFIG VOLLER NARREN zum Besten gibt, dann er: Adrian Becker. Bereits unzählige Male schlüpfte der Berliner in diese Rolle. Für Musical1 gibt er Einblick in sein berufliches Umfeld und verrät uns, wie sich die Gesellschaft in Bezug auf das Thema Homosexualität in seinen Augen in den letzten Jahren gewandelt hat.

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Adrian Becker
Adrian Becker © Karim Kawatmi

Ihr erstes Musical-Engagement war 1993 in Berlin im Theater des Westens. Dort spielten Sie in der UFA-REVUE. Das ist nun über 22 Jahre her. Macht Ihnen Ihr Job heute noch genau so viel Spaß wie damals?

Na, da hat sich einiges geändert. Vor 22 Jahren verstand ich selten die Texte in den Shows , weil hauptsächlich Kollegen, die der deutschen Sprache nicht mächtig waren, auf der Bühne standen. Das hat dann auch leider dazu beigetragen, dass der Ruf des Genres Musical ruiniert wurde. Wenn die Kollegen nicht wissen, was sie da singen oder sprechen, hat das ja nichts mit lebendigen Menschen auf der Bühne zu tun, sondern mit auswendig gelernten Phrasen, die irgendwie deutsch klangen. Da fühlte sich der Zuschauer zur Recht verarscht. So was interessiert mich nicht. Aber das hat sich ja (bis auf wenige Ausnahmen) dank der Ausbildung in Deutschland geändert.

Aber wenn der Regisseur seinen Job kann und ein Theater die Lust und die finanziellen Mittel für das Genre „Musical“ hat, macht mir das nach wie vor riesigen Spaß und ich möchte nichts anderes machen. Das kann gerne noch lange so weiter gehen.

Schaut man sich die Liste der Produktionen an, in denen Sie bisher gespielt haben, fällt vor allem eines auf: Sie haben sehr häufig im Theater des Westens in Berlin gespielt. Was bedeutet dieses doch sehr geschichtsträchtige Haus für Sie? Erinnern Sie sich noch an den Moment, als Sie dort das erste Mal auf dieser Bühne standen?

Oh ja, daran erinnere ich mich sehr gut. Das war bei der UFA-REVUE. Ich war stolz wie Oscar und hatte das Gefühl (was mich übrigens nicht getäuscht hat), dass ein neuer Lebensabschnitt für mich beginnt.

Einige Wochen nach meinem Debut am Theater des Westens war ich in der glücklichen Lage, dass ich ein Preisträger beim „Bundeswettbewerb für Gesang“ war und dann auch das erste Mal solistisch auf dieser zauberhaften Bühne singen durfte. Wenn ich daran denke, bekomme ich heute noch Gänsehaut.

Bei der Derniere von „UFA-REVUE“ habe ich übrigens geweint wie ein Schloßhund. Heute bin ich da glücklicherweise etwas entspannter.

Bis zum 26. Juni spielten Sie die Rolle des Zaza/Albin Sie am Gerhard-Hauptmann- Theater in Görlitz das Musical EIN KÄFIG VOLLER NARREN. Doch es war nicht das erste Mal, dass Sie bei LA CAGE AUX FOLLES auf einer Bühne standen. Was bedeutet diese Produktion für Sie?

Ich finde das „La Cage“ auf Grund der aktuellen gesellschaftlichen wie auch politischen Situation für Homosexuelle nicht nur in Deutschland ein brandaktuelles Werk ist, was neben dem ganzen Spaß und dem ganzen Glitzer auch eine wichtige Botschaft für Toleranz vermitteln möchte. Es geht schlicht um Liebe und Respekt! Nicht mehr aber auch nicht weniger! Liebe und Respekt!

Übrigens wird es ab dem 06. September eine Wiederaufnahme von „La Cage” am Gerhart-Hauptmann-Theater in Görlitz geben.

Adrian Becker als Zaza

© privat

Die Rolle des Zaza ist ja schon ein wenig speziell. Fällt es Ihnen schwer, diesen doch sehr femininen Charakter zu spielen, und ist es schwierig zwischen Zaza und Albin zu wechseln?

ZAZA ist ein absolute Traumrolle für einen Schauspieler, der auf Highheels laufen kann … und ich kann es!

Einen Menschen darzustellen, der einen Lebenskonflikt zwischen Showstar, liebender Mutter und einem älter werdenden Homosexuellen unter einer Perücke zusammenbringen muss, finde ich eine wundervolle Herausforderung, bedarf außergewöhnlicher Garderobe and always a wundervolle Beleuchtung.

Die Message der Produktion EIN KÄFIG VOLLER NARREN ist auch in der heutigen Gesellschaft noch sehr aktuell. Homosexualität wird leider immer noch nicht so akzeptiert, wie man es sich vielleicht wünscht. Mussten Sie persönlich schon häufig Kontakt mit homophoben Äußerungen machen und wie gehen Sie damit um?

Ich bin ein schwuler Mann und habe bis auf einige doofe Erfahrungen in einem kleinen Dorf im Saarland während meiner Kindheit keine homophoben Erfahrungen machen müssen. Das mag daran liegen, dass ich seit fast 25 Jahren in Berlin lebe und mich dort in einer für Homosexuellen sehr weltoffenen Atmosphäre bewege.

Als ich allerdings Anfang des Jahres während den Proben für „La Cage“ privat einmal mit der Bahn unterwegs war, musste ich in einem Vorort von Dresden umsteigen. Dort musste ich mir dann von einem Pizzaboten mit starkem Oberarm, Stiernacken und viel Hauptschule im Gesicht Kommentare wie „blöde Schwuchtel“ anhören. Diese brodelnde Intoleranz und der aggressive Blick dieser oft bildungsfernen Mitbürger macht mir in der Tat Angst.

Das erste Mal spielten Sie diese Produktion 1996 in St. Gallen. Zwischen damals und heute liegen knapp 20 Jahre. In wie fern hat sich in Ihren Augen die Publikumsakzeptanz in diesen Jahren geändert und was wünschen Sie sich persönlich in Bezug auf Homosexualität in der Gesellschaft für die Zukunft?

Ja, da hat sich schon einiges geändert. Allerdings weniger beim Publikum, das sich eine Karte für die Show gekauft hat. Wenn sich jemand ‘ne Theaterkarte für „La Cage“ kauft, kann man meistens davon ausgehen, dass er sich vorher informiert hat und weiß, was auf ihn zukommt.

Die Akzeptanz Homosexueller, nicht nur in Deutschland, hat sich ausgelöst durch Wladimir Putins „Anti-Homosexuellen-Gesetz” verschlimmert. Dieses Gesetz erlaubt es übrigens, dass in Russland Homosexuelle ungestraft zusammengeschlagen werden dürfen. Die Täter bleiben dort straffrei. Die foltern dort Menschen wie mich, kidnappen sie, nehmen sie mit zu sich nach Hause und demütigen sie, lassen sie dabei russisch-orthodoxe Choräle singen, filmen das Ganze und stellen es dann ins Internet … und bleiben straffrei! Ich finde übrigens, dass man Herrn Putin dafür vor den Internationalen Gerichtshof für Menschenrechte stellen und ihm nicht auch noch die Rechte zur Austragung der Fußballweltmeisterschaft erteilen sollte.

Sie fragen was ich mir für die Zukunft in Bezug auf Homosexualität wünsche? Da bin ich ganz bescheiden. Nachdem kürzlich in Irland und Amerika die „Ehe für Alle“ per Gesetz bzw. Volksentscheid zur Normalität wurde, wünsche ich mir von unserer Regierung in Deutschland, dass Homosexuelle vor dem Gesetz endlich die gleichen Rechte wie Heterosexuelle bekommen, was dazu führen würde, dass Homosexuelle sich vor dem Gesetz endlich nicht mehr als Menschen zweiter Klasse behandelt fühlen müssten.

Außerdem wünsche ich mir, dass Ballerinas für Frauen und Sandalen für Männer verboten werden!

Wie fanden Sie die Umsetzung der Produktion in Görlitz? Und wie hat Ihnen die Zusammenarbeit mit Sebastian Ritschel als Regisseur gefallen?

Es war großartig! Die ganze Bühne besteht aus einzelnen, bewegbaren Spiegeln. Sogar der Bühnenboden ist aus einer Spiegelfolie. Herrlich! Dann wurde das Ganze so klug konstruiert, dass aus dem Spiegelkabinett ruck-zuck ein die ganze Bühnen einnehmendes Pierre-&-Gilles-Bild entsteht oder eben auch ein spießig anmutendes Wohnzimmer. Außerdem sind überall leuchtende LEDs. Eine tolle Ästhetik, die ich so nur aus dem Friedrichstadtpalast in Berlin kenne. Bravo, Görlitz und Bravo Sebastian Ritschel, der sowohl für die Inszenierung als auch für das Bühnenbild und die Kostüme zuständig war. Eine Meisterleistung und ein Glücksgriff für mich. Wir kannten uns vorher überhaupt nicht, stellten aber schnell fest, dass wir genau das Gleiche wollen. Unser Job war lediglich eine gemeinsame Sprache dafür zu finden.

Eine wundervolle Arbeit.

So, nun entfernen wir uns aber für den Rest des Interviews vom Narrenkäfig, denn schließlich ist es nicht die einzige Produktion, für die Sie in diesem Sommer auf der Bühne stehen. Ab dem 4. Juli werden Sie auf der Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz im Erfolgsmusical CATS spielen. Was verbinden Sie mit dieser Produktion? Bei diesem Musical handelt es sich um eine OpenAir Produktion. Das Deutsche Eck ist ja schon eine spezielle Klimazone in Deutschland. Regen ist dort kein Fremdwort. Wie gehen Sie mit solchen Momenten um?

Ich freue mich riesig. Wir sind ja auch schon fleißig am Proben. Bis zur Premiere von „La Cage“ habe ich mich ladylike als Showgirl bewegt und jetzt bin ich der Mick Jagger der Katzen, mit einem Testosteronspiegel, der jedem Kätzchen gefährlich wird. Herrlich, das Leben als Schauspieler.

Und das Wetter…. Na, das ist halt wie es ist. Die Bühne und 2/3 des Zuschauerraumes sind überdacht. Da kann nicht viel passieren. Außerdem habe ich einen guten Draht zum Universum und habe mir Sonnenschein gewünscht…

Handelt es sich bei CATS um die Originalfassung oder wurde das Stück neu inszeniert? Verraten Sie unseren Lesern doch mal ein wenig darüber 🙂

Adrian Becker in Cats

© privat

Ich hatte ja schon die Freude, bei der originalen CATS-Produktion in Stuttgart dabei sein zu dürfen. Das Theater Koblenz hat von der Really Usefull Group die Auflage bekommen, dass kein einziger Schritt, kein einziges Kostüm und kein einziges Make-up so sein darf wie im Original. Eine wundervolle Möglichkeit, das Werk vom Staub der 80er-Jahre zu befreien und neu zu denken. Markus Dietze, der Regisseur und Intendant des Theater Koblenz, hat ein großartiges Konzept entworfen, was zum Beispiel die neu etablierte vierte Sparte „Puppenspiel“ am Theater Koblenz einbindet. Eine wunderbare Möglichkeit, CATS neu zu erleben. Außerdem gibt es in dieser Inszenierung die Verschmelzung der Kollegen aus dem Schauspiel und aus dem Ballett des Hauses … und wir spielen nicht auf ‘ner Müllkippe! Aber Schwänze haben wir alle, und „Memories“ wird auch gesungen werden.

Und dann ist der Sommer auch fast schon vorbei. Wie geht es dann anschließend für Sie weiter? Werden Sie sich auch mal etwas Ruhe gönnen oder stehen schon die nächsten Engagements im Hause Becker fest?

HIRSCHGOLD-EVENTS, meine Firma für Showevents aus Berlin, produziert seit vielen Jahren Shows für Firmenevents, Messen und Tourneen durch ganz Europa. Im Sommer gehen wir auf Europatour für die Schweizer Kosmetikfirma DÉESSE-COSMETICS. Wir haben eine Showkonzept mit diversen Artisten und Sängern entwickelt. „MANEGE FREI….“

Ich freu mich riesig, dass ich in diesem Jahr unter anderem die zauberhafte Michaela Kovarikova an meiner Seite haben werde.

Im September wird es die Wiederaufnahme für „LA CAGE AUX FOLLES“ am Gerhart-Hautmann-Theater in Görlitz geben.. Im Oktober werde ich mich ein wenig zurückziehen und mich der Yogamatte hingeben.

Ab Dezember wird es eine Wiederaufnahme für „CATS“ am Theater Koblenz geben und Februar 2016 beginne ich am Theater Regensburg mit den Proben für „LA CAGE AUX FOLLES“. Die Verantwortlichen dort haben einen guten Geschmack und haben mich als ZAZA engagiert.

Als Musicaldarsteller ist man ja sehr häufig unterwegs. Wie verbinden Sie das mit Familie und Freunden? Und gibt es Freizeitaktivitäten denen Sie nachgehen?

In der Tat ist es sehr schwierig, das Privatleben mit dem Job zu kombinieren. Ich habe mich eindeutig für den Job entschieden und mein Privatleben auf wenige Menschen beschränkt. Das klappt sehr gut für mich. Aber es ist eine Lebensentscheidung. Entweder, oder….

Freizeitaktivitäten? Liegen, essen, Körperpflege und wieder von vorne…

Und zum Schluss möchte ich noch von Ihnen wissen, ob Ihnen unsere Plattform Musical1 vor meiner Anfrage für das Interview schon ein Begriff war?

Ehrlich gesagt, habe ich erst durch diese Interview-Anfrage von Ihnen gehört. Aber wirklich eine schöne HP, die sie da gebaut haben. Immer weiter so und mutig voran.

Kategorie: Allgemein

Autor: C. Demme (11.07.2015)

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