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ELEGIES – Das All Star Musical-Benefiz-Event in Berlin

Mehr als 75 Mitwirkende, darunter 57 renommierte Musical-Darsteller*innen, standen am Montagabend für ein einzigartiges Projekt auf der Bühne: die deutschsprachige (Gesamt-)Erstaufführung von ELEGIES - LIEDER FÜR ENGEL, PUNKS UND DRAMAQUEENS im Berliner Admiralspalast. 75 Prozent der Einnahmen kommen der Deutschen AIDS-Hilfe zugute. Wir haben uns diese besondere Aufführung natürlich nicht entgehen lassen.

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ELEGIES Finale
ELEGIES Finale ©sgerdesmeier/Musical1.de

ELEGIES verarbeitet die Aids-Krise der 1980er und 1990er

Fast 30 Jahre ist es jetzt her, dass ELEGIES FOR ANGELS, PUNKS AND RAGING QUEENS, wie das Musical im Original heißt, zum ersten Mal aufgeführt wurde. Im Jahr 1989 feierte es am Off-Off-Broadway in New York Premiere. Autor Bill Russell und Komponistin Janet Hood verarbeiten in diesem Stück die Aids-Krise der 1980er und 1990er Jahre. Russell ließ sich dabei von Menschen aus seinem Bekanntenkreis inspirieren, ebenso vom AIDS Memorial Quilt der “Names Project Foundation”, der jedem an Aids Verstorbenem ein Feld widmet. In ELEGIES treten sie auf: Die Toten, die an Aids erkrankten und schließlich verstarben, und auch die Überlebenden, die um geliebte Menschen trauern. Das Musical besteht aus rund 30 Monologen, gehalten von den Toten, und zehn Gesangsstücken der Hinterbliebenen. Bill Russell aktualisiert das Stück regelmäßig. Für die Berliner Aufführung im Admiralspalast hat er das Musical abermals um einige Geschichten erweitert, die am 10. Dezember so zum ersten Mal auf die Bühne kamen.

All Star-Ensemble für einen guten Zweck

©sgerdesmeier/Musical1.de

Die beiden Theatermacher, Regisseure und Produzenten Robin Kulisch und Daniel Witzke haben die Monologe und Gesangstexte ins Deutsche übertragen – und ein echtes All Star-Ensemble für das Benefiz-Musical zusammengetrommelt. 57 Künstler*innen, darunter einige der renommiertesten Musical-Darsteller*innen im deutschsprachigen Raum, dazu der 20-köpfige Chor der UdK-Berlin erklärten sich bereit, zugunsten der Deutschen AIDS-Hilfe aufzutreten. Selbst der kurzfristige Warnstreik der Deutschen Bahn konnte sie nicht aufhalten: Alle Mitwirkenden waren am Montagabend pünktlich im Studio des Admiralspalastes zugegen. Auch Autor Bill Russell selbst hatte es sich nicht nehmen lassen, zur deutschsprachigen Erstaufführung seines Stücks nach Berlin zu kommen.

Die Zuschauer waren ebenfalls zahlreich erschienen. Das rund 450 Personen fassende Studio des Admiralspalastes war gut gefüllt. Die Tickets für die Benefiz-Aufführung waren nicht günstig, doch die Rechnung der Macher ging auf. Wann bekommt man schließlich so viele Stars der Musical- und Schauspiel-Szene zusammen auf einer Bühne zu sehen? Und kann zugleich noch einen wichtigen Zweck unterstützen?

Eine eindrucksvolle Collage der Erfahrungen und Emotionen

ELEGIES, das bedeutet so viel wie Klage- oder Trauergesang. Dennoch ist das Musical kein Trauerspiel, wie auch Robin Kulisch im Podcast-Interview mit Musical1 betont. Einige Monologe sind traurig, andere sind wütend, verzweifelt, wieder andere blicken voll Dankbarkeit auf ihr Leben zurück, froh darüber, es für einige Momente voll ausgekostet zu haben. Dazwischen erklingen die Songs, eine Mischung aus Balladen, Swing und Gospel. Das Ergebnis ist eine eindrucksvolle Collage, die ganz unterschiedliche Schicksale sehr verschiedener Menschen vorstellt.

Den Auftakt macht am Montagabend Ana Milva Gomes mit dem melancholischen Song “Engel, Punks und Dramaqueens”. Das Bühnenbild ist schlicht, die musikalische Begleitung erfolgt allein durch Anne Sophie Keckeis am Cello und dem Musikalischen Leiter Philip Gras am Klavier. Das Spotlight liegt ganz auf den Personen, die von ihrem Schmerz und ihrer Angst, aber auch von ihrer Hoffnung erzählen. Patrick (Thomas Wissmann) will die Trauer nicht gewinnen lassen; seine Freunde feiern ihn nach seinem Tod mit einer großen Party. Nick (Carsten Lepper) hat die Wut über seine Erkrankung rücksichtslos werden lassen, er hat sie weitergegeben, eine fehlgeleitete Rache am Leben. Rebecca (Iris Schumacher) hat erst ihren Mann an Aids verloren, dann ihre von Geburt an infizierten Kinder sterben sehen, schließlich verabschiedete sich ihr Verstand. Bertha (Barbara Raunegger) befand sich auf dem Erfolgskurs, als sie erkrankte. In ihrem Monolog dankt sie ihrer Sekretärin, die ihr als einzige Freundin bis zum Schluss zur Seite stand. Helen (Regina Lemnitz) erkrankte durch eine Bluttransfusion und fand im Krankenhaus ungeahnte Freundschaften.

Zwischen Trauer und Lebenslust

ELEGIES Standing Ovations

©sgerdesmeier/Musical1.de

Ebenso wie die Monologe führen auch die Songs durch die komplette Bandbreite der Erfahrungen und Emotionen. Sie geben Mut wie das von Volkan Baydar, Jana Stelley, Denise Jastraunig und Gino Emnes vorgetragene “Ich halt mich an dir fest”. Mal lassen sie alte Fehler Revue passieren, wie Ethan Freeman und Chris Murray in “Ich mach das jetzt nicht mehr”. Mal trauern sie, wie Patrick Stahnke in “Und der Regen hört nicht auf”, mal zeigen sie die Hilflosigkeit der Hinterbliebenen wie Maya Hakvoort in “Ich weiß dir nicht zu helfen”. Sie feiern aber auch die Menschen, die sich einsetzen, die nicht wegschauen, die sich als wahre Freunde erweisen, echte “Helden” eben, wie Robert Knorr, Andreas Bieber, Milica Jovanovic und Lucy Scherer singen. Sie feiern auch das Leben, wie “Celebrate”, mit dem Barbara Obermeier, Jessica Kessler, Aisata Blackman und der Chor die Pause einleiten. Ebenso wehmütig wie hoffnungsvoll ist dann auch der Schluss, als sich Serkan Kaya mit “Ich lass dich geh'n” von Miles (Armin Kahl) verabschiedet, unterstützt vom gesamten Ensemble und dem Chor der UdK.

Das Ensemble zeigt Energie, es gibt trotzige Momente, auch Momente zum Lachen. Zarte Töne, zornige Töne und laute. Nein, es ist wirklich nicht alles traurig in ELEGIES. Das bedeutet allerdings nicht, dass man als Zuschauer nicht hin und wieder doch einen Kloß im Hals hat. Alle Geschichten sind intensiv und wurden von diesem einzigartigen All Star-Ensemble so dargeboten, dass man sie bestimmt noch lange im Gedächtnis behält.

Einnahmen zugunsten “Kein Aids für alle – bis 2020”

Am Ende soll aber die Hoffnung gewinnen. Seitdem die Aids-Katastrophe so viele Menschen dahinraffte, hat sich immerhin einiges getan. In der westlichen Welt führt eine HIV-Infektion schon längst nicht mehr zwangsläufig zu Aids. UNAIDS will erreichen, dass die Immunschwächekrankheit bis 2030 sogar komplett von der Bildfläche verschwunden ist. Die Deutsche AIDS-Hilfe ist sogar noch ein bisschen ehrgeiziger: Mit ihrer Initiative “Kein Aids für alle – bis 2020” will sie in Deutschland genau das erreichen. Das funktioniert allerdings nur, wenn HIV an Stigma verliert, wenn sich Menschen testen lassen und HIV-Infizierte so ihre Medikamente erhalten können. Denn dank erfolgreicher Therapien kann man heute mit dem Virus gut und lange leben, unter Therapie ist das Virus auch nicht mehr übertragbar. Darauf machen Vertreter der Deutschen AIDS-Hilfe auch beim Get-together nach der Aufführung noch einmal aufmerksam. Information und Aufklärung hilft, sowohl Ansteckungen als auch einen Ausbruch von Aids zu verhindern. 75 Prozent der Einnahmen des Abends gehen an “Kein Aids für alle – bis 2020”.

ELEGIES – LIEDER FÜR ENGEL, PUNKS UND DRAMAQUEENS – Die Mitwirkenden:

Produzent Robin Kulisch, Daniel Witzke
Buch & Liedtexte Bill Russel
Musik Janet Hood
Deutsche Fassung Daniel Witzke (Monologe), Robin Kulisch (Songs)
Arrangements James Raitt
Zus. Vocal Arrangements Robin Kulisch
Lichtdesign Marcus Kleine-Borgmann
Sounddesign Roland Görisch, Heiko Reimann
Musikalische Leitung Philipp Gras
Associate Producer Leonie Webb
Regie Daniel Witzke

Die komplette Cast in alphabetischer Reihenfolge

  • Ulrich Allroggen
  • André Bauer
  • Volkan Baydar
  • Franziska Becker
  • Katja Berg
  • Andreas Bieber
  • Aisata Blackman
  • Adrian Burri
  • Marion Campbell
  • Patrik Cieslik
  • Kathi Damerow
  • Gino Emnes
  • Julia Fechter
  • Ethan Freeman
  • Monika-Julia Freeman
  • Franz Frickel
  • Julia Gámez Martin
  • Ana Milva Gomes
  • Maya Hakvoort
  • Christian Peter Hauser
  • Dominik Hees
  • Charlotte Heinke
  • Annika Henz
  • Gerrit Hericks
  • Denise Jastraunig
  • Milica Jovanovic
  • Armin Kahl
  • Masha Karell
  • Serkan Kaya
  • Jessica Kessler
  • Robert Knorr
  • Franziska Kuropka
  • Anika Lehmann
  • Benno Lehmann
  • Regina Lemnitz
  • Carsten Lepper
  • Bettina Meske
  • Gianni Meurer
  • Chris Murray
  • Barbara Obermeier
  • Brigitte Oelke
  • Jurassica Parka
  • Lemuel Pitts
  • Barbara Raunegger
  • Pedro Reichert
  • Lucy Scherer
  • Sandra Maren Schneider
  • Iris Schumacher
  • Alexander Soehnle
  • Johanna Spantzel
  • Patrick Stanke
  • Jana Stelley
  • Arne Stephan
  • Roberta Valentini
  • Leon van Leeuwenberg
  • Marlon Wehmeier
  • Thomas Wissmann
  • Zusätzlich der 20köpfige Chor des Studiengangs Musical/Show an der Universität der Künste Berlin
    unter der Leitung von Holger Off.

Kategorie: Kritiken

Tags:

Autor: S. Gerdesmeier(11.12.2018)

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  • Tatjana 11. Dezember 2018 at 23:44 / Antworten

    Mir ist ein kleiner Fehler aufgefallen: Benét Monteiro war nicht vor Ort, für ihn ist Robert Knorr eingesprungen.
    Sonst ein toller Bericht über einen gelungenen Abend.

  • S. Gerdesmeier 12. Dezember 2018 at 09:58 / Antworten

    Vielen Dank für den Hinweis, ich habe es im Text berichtigt.
    Simone Gerdesmeier

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