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Märchenkönig zurück in Füssen – Die Neuinszenierung von LUDWIG2

Märchen und Träume stehen in diesem Sommer in Füssen ganz oben auf dem Programm. Regisseur Benjamin Sahler verwirklicht mittels Crowdfunding seinen Wunsch das Musical LUDWIG2 im Füssener Festspielhaus zu inszenieren. Der Märchenkönig Ludwig II hat es ihm angetan. Dank der gelungenen Vorfinazierung konnten auch nahmhafte Darsteller wie Uwe Kröger und Kevin Tarte verpflichtet werden. Musical1 war im schönen Allgäu zu Gast und hat sich die Neuinszenierung angesehen.

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König Ludwig
Matthias Stockinger als König Ludwig © Peter Samer

Es war einmal ein König….

König Ludwig II von Bayern war und ist für den Freistaat Bayern Fluch und Segen gleichermaßen. Der Massentourismus lässt die Museumskassen klingen und bringt die Infrastruktur am Chiemsee und in Füssen oft an die Grenzen. Dabei ist er gleichzeitig der Garant dafür, dass Ludwig II unvergessen bleibt. Das bisher ungelöste Rätsel um seinen Tod spaltet bis heute die Anhängerschaft des Königs. Dennoch oder gerade deshalb lockt es unzählige Menschen in die unvollendeten Schlösser Herrenchiemsee und Neuschwanstein, immer auf der Suche nach der Wahrheit oder einem Blick in diese wundervolle Märchenwelt. Zur Jahrtausendwende sollte ein Musical den Merchandising-Katalog ergänzen. Das Festspielhaus am Forggensee wurde Ende der 90er Jahre extra für das Musical erbaut. Aber es ist eben nicht alles Gold was glänzt und so wechselten sich Erfolg und Niederlage beständig ab.

Der einsame Ritter

Im vergangenen Jahr wagte Benjamin Sahler den Schritt und machte sich daran, wie Don Quichotte gegen Windmühlen zu kämpfen. Er hatte den Traum von einer Wiederaufnahme des Musicals LUDWIG². Dies war ein riskantes Unterfangen, denn schon vor ihm scheiterten Etliche daran und mussten feststellen, dass das Glück ein wankelmütiger Geselle ist. Doch der Regisseur glaubte an ein Happy End für den Märchenkönig im Festspielhaus Füssen und sorgte mittels Crowdfunding dafür, dass die Vorfinanzierung auf sicheren Beinen stand. Bewusst hat er sich für eine kurze Spielzeit mit 29 Vorstellungen entschieden.

Gut und Böse

Ludwig als Kind mit Schwanentänzerin

© Peter Samer

Die Inszenierung von Sahler baut auf den teils traumatischen Kindheitserlebnissen des kleinen Prinzen Ludwig auf. Seine sich streitenden Eltern waren dafür verantwortlich, dass er sich schon in jungen Jahren in eine Traumwelt voller Musik, Theater und Phantasie zurückgezogen hat. Auch als erwachsener König war er anders als andere Monarchen. Pazifismus hatte oberste Priorität und Ludwig ging technisch – er war auf Schloss Neuschwanstein bereits mit Telefon ausgestattet –  sehr mit der Zeit. Der erwachsene Ludwig wird in der Inszenierung mehrfach von seinem kindlichen Ich in Form von Prinz Ludwig heimgesucht, der ihm immer wieder ins Gewissen redet und ihm zeigt, wie wichtig es ist, an seinen Idealen festzuhalten. Und wenn der kleine Ludwig im Stück kurzerhand die eigene Mutter aus dem aus Bausteinen errichteten Schloss ausquartiert und sich wünscht, dass seine Gouvernante als seine Mutter fungiert, dann merkt man schnell, dass es nicht nur im Märchen die böse Mutter und die liebevolle Amme gibt.

König Ludwig bei der Krönungsfeier

© Peter Samer

Der einsame König und sein Hofstaat

Matthias Stockinger spielt die schwierige Persönlichkeit sehr gefühlvoll und zeigt die Verletzlichkeit und träumerische Art des Königs hervorragend durch Mimik und Gestik. Vor allem bei „Kalte Sterne“ überzeugt er mit seiner gut ausgebildeten Stimme und sorgt beim Publikum für Gänsehaut und langen Zwischenapplaus. Zweifellos ist er der Star des Abends. Aber auch die übrigen Rollen sind mit bekannten Namen besetzt. Uwe Kröger zeigt schauspielerisch sehr gut die Gewissensbisse des fortschrittlich denkenden aber käuflichen Psychiaters Dr. Gudden. Auch Ex-Mozart Oedo Kuipers als Graf Dürkheim, Bachelorette Anna Hofbauer als Kaiserin Elisabeth und Kevin Tarte bzw. René Kollo als Schattenmann locken zahlreiche Fans ins Allgäu. Hervorzuheben ist Suzan Zeichner als Sybille Meilhaus. Mit ihrer ruhigen und besonnenen Stimme und ihrem ausgeglichenen Auftreten erinnert die Gouvernante ein wenig an Madame Pottine aus DIE SCHÖNE UND DAS BIEST. Und es wäre für den Zuschauer nicht verwunderlich, wenn sie „Märchen schreibt die Zeit“ singen würde. Den das ist das Leben von Ludwig – ein Märchen, das die Zeit schreibt.

Zauberhafte Kulisse

Ensemble Ludwig2

© Peter Samer

Ein weiteres Highlight des Musicals in Füssen ist definitiv der Echtwasser-See auf der Bühne. Er wird mehrmals eindrucksvoll in Szene gesetzt und sorgt für romantische Stimmung, wenn der Schwan über den See gleitet oder der kleine Prinz Ludwig mit dem Boot über den See fährt. Auch in der Schlussszene kommt der Echtwasser-See als Starnberger See zum Einsatz. Sahler entscheidet sich für einen der möglichen Wege und bringt den rätselhaften Tod Ludwigs in seiner Inszenierung im Festspielhaus als Auftragsdoppelmord durch zwei Schüsse auf die Bühne. Spätestens in der Pause merkt der Zuschauer auch, wie perfekt die Lage des Festspielhauses für diese Stück ist. Beim Hinaustreten vor das Festspielhaus gleitet der Blick automatisch über den Forggnsee zum beleuchteten Schloss Neuschwanstein und man kann förmlich spüren, welche Freude Ludwig beim Bau seines Schlosses empfunden haben muss.

Der verzweifelte Griff in die Schatztruhe

Kaiserin Elisabeth

© Peter Samer

Leider wies das Musical und dessen Umsetzung auch einige nicht so märchenhafte Schwachstellen auf. Vor allem das Lichtdesign mit Lasershow und teils irritierenden Farben lösten ein “back-to-the- nineties-feeling” aus und kann 2016 keinen mehr sonderlich in Erstaunen versetzen. Auch andere Details wie die Trockeneisdampfmaschine oder Sisis Rosenblätterregen locken heutzutage niemanden mehr hinter dem Ofen vor. Einfache Kniffe, wie der imposante rote Vorhang, welchen sich Ludwig um die Schultern legt und der sich dann plötzlich löst und voluminös zu Boden gleitet, zeigen, dass weniger manchmal mehr sein kann. Auch die Handlung hat etwas an Spannung verloren im Vergleich zu früheren Inszenierungen, wo die Geschichte in Rückblenden erzählt wurde. Dass die Musik leider vom Band kam haben viele Zuschauer vielleicht gar nicht registriert, da der Dirigent eindrucksvoll die Solisten und das Ensemble dirigierte. Und so war es wie so oft in einem Märchen, bei genauerer Betrachtung musste man feststellen, dass es mehr Schein als Sein war und dass der Dirigent eben kein Orchester vor sich hatte.  Allein für die Gesangsstimmen wirkte der Dirigent etwas übertrieben und zu präsent. Wirklich negativ fielen die Playbackstimmen bei den größeren Ensemblenummern (Krönungsfeier und Schlossbau) auf. Hier waren die Stimmen zu schwach im Vergleich zur Musik und nicht gut abgestimmt auf die Mundbewegungen der Darsteller.

Happy End auf Zeit

Sahler hat im Rahmen seiner Möglichkeiten alles richtig gemacht. Die Finanzierung war durch die eingefleischten Musicalfans und Ludwig-Anhänger gesichert. Die Spielzeit war so bemessen, dass es für ein volles Haus reichte und die großen Gesten sorgten dafür, dass man die kleinen Schwächen nicht wahrnahm. Aber das reicht eben nicht aus, um ein dauerhaftes Happy End zu schaffen. Und so ist es eine kurze Zeit voll Glanz und Königsverehrung. Und während das Märchen rund um Ludwig fortbesteht, hat es das unabhängige Festspielhaus trotz der Produktion LUDWIG² nicht geschafft und musste noch während der Spielzeit Konkurs anmelden.

Leading Team:

  • Musik: Konstantin Wecker, Nic Raine, Christopher Franke
  • Buch und Liedtexte: Rolf Rettberg
  • Regie: Benjamin Sahler
  • Musikalische Leitung: Florian Appel
  • Choreographie: Till Nau, Stefanie Gröning
  • Bühnenbild: Gerd Friedrich, Benjamin Sahler
  • Kostüme: Gerd Friedrich, Sonja Schweizer, Claudia Krämer
  • Produzent: Christian Million

Besetzung der besuchten Vorstellung:

  • König Ludwig: Matthias Stockinger
  • Prinz Ludwig: Niclas Landau
  • Dr. Gudden: Uwe Kröger
  • Kaiserin Elisabeth: Anna Hofbauer
  • Sybille Meilhaus: Suzan Zeichner
  • Graf Dürkheim: Oedo Kuipers
  • Prinz Otto: Julian Wejwar
  • Kaspar: William Cohn
  • Freiherr von Lutz: André Bauer
  • Graf Rettenberg: Harald Tauber
  • Sophie: Dorothea Baumann
  • Max von Bayern: Jens Rainer Kalkmann
  • Marie von Preussen: Dalma Viczina
  • Graf Holnstein: Pablo Botinelli
  • Ludovika: Marina Krauser
  • Schattenmann: Oliver Frischknecht
  • Kammerdiener Müller: Manfred Loosen
  • Kaiser Franz Josef: Christian Lucke
  • Lew Vanderpool: Jens Rainer Kalkmann
  • Schwanentanz: Stefanie Gröning

Ensemble:

Lea Kirn, Anna-Lena Just, Katharina Million, Alexandra Windholz, antonia, Haufe, Katharina Hössle, Rebecca Raitz, Franziska Zimmermann, Patricia Lohr, Alisa Ax, Rebecca Luft, Alexander Spazier, Michael Schneider, Max Menédes Vásquez

Kategorie: Allgemein,Kritiken

Tags:

Autor: M. Sommerfeld (02.09.2016)

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