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Jürgen Fischer – Allerweltsname für einen außergewöhnlichen Typ

Der letzte Vorhang für BODYGUARD – DAS MUSICAL in Köln ist gefallen, die Premiere in Stuttgart steht kurz bevor. Bevor wir uns voll und ganz der neuen Cast widmen, wollen wir noch einmal zurückschauen. Jürgen Fischer hat sich nach rund 504 Vorstellungen als Frank Farmer verabschiedet und zieht nicht vom Kölner Musical Dome in das Stuttgarter Stage Palladium Theater. Wir wollten ihn nicht ziehen lassen, ohne zu erfahren, wo sein Weg ihn hinführen wird und wie die letzten beiden Jahre für ihn waren.

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Jürgen Fischer im Portrait
Jürgen Fischer im Portrait © Markus Wagner

Auch jenseits der Bühne sehr präsent

Gibt man im Internet oder in Facebook den Namen Jürgen Fischer ein, findet man viele Ergebnisse. Vom Wissenschaftler über einen Politiker, diverse Handwerker, einen Schiedsrichter, Heilpraktiker, Pressesprecher und auch ihn: Jürgen Fischer, Schauspieler. Der ein oder andere hätte in diesem Fall vielleicht einen Künstlernamen in Erwägung gezogen. Er nicht. Braucht er auch nicht, denn wer ihn einmal erlebt, vergisst ihn sicher nicht. Trotz des Allerweltsnamens. Egal ob auf der Bühne oder abseits davon. Als Bodyguard Frank Farmer hatte er eine fantastische physische Präsenz und hat die Rolle optimal ausgefüllt. Aber auch als wir ihn in einer Münchner Kneipe treffen, füllt er den Raum von dem Moment als er durch die Tür tritt voll und ganz aus. Nicht auf eine platte „Hallo, hier bin ich“-Weise, sondern durch seine durch und durch positive Ausstrahlung.

Hier hat alles angefangen

Die Kneipe ist urgemütlich, typisch bayrisch und es gibt einen Grund, warum uns Jürgen Fischer genau hier treffen wollte. „Hier in dieser Straße wurde der Grundstein zu meiner Karriere gelegt“, erzählt er. „Hier wohnte vor einigen Jahren der Filmemacher Mike Kraus. Er hat mich für „Treibstoff“ gecastet, ein Roadmovie quer durch Europa. Hier konnte ich zum ersten Mal Erfahrung sammeln.“ Denn die Idee Schauspieler zu werden, die hatte der Bayer schon mit 14 Jahren. „Ich hab das aber immer versucht zu unterdrücken, denn ich hatte ja schon Probleme, wenn ich nur in der Schule ein Gedicht aufsagen sollte“. Gegen Ende der Schulzeit habe er sich dann durchgerungen und bei der Otto-Falckenberg-Schule angerufen, um nach den Aufnahmemodalitäten zu fragen. „Die wollten dann gleich wissen, ob ich denn schon Erfahrung habe, zum Beispiel in der Schultheater-Gruppe“. Hatte er nicht. Und hat sich dann lieber für ein BWL-Studium entschieden. Und danach für einen Job in einem Pharma-Unternehmen.

Schauspieler über Umwege

Aber der Traum vom Schauspieler ließ ihn dennoch nicht los. „Mit der Rolle in „Treibstoff“, die ich nebenbei spielte, gewann ich zum ersten Mal das Selbstvertrauen, dass das vielleicht doch das richtige für mich sein könnte“. Nach zwei Jahren in einem „seriösen Beruf“ hat er dann den Absprung gemacht. „Nicht weil ich unglücklich war in meinem Job, es lief wirklich sehr gut. Aber ich hatte einfach das Gefühl, nicht mein Leben zu leben. Man spürt einfach eine innere Notwendigkeit, das zu tun.“ Zwei Monate später hatte er einen Platz an einer Schauspielschule. „Seitdem ist es glücklicherweise immer gut gelaufen. Ich konnte immer von dem leben was ich tue. Das ist ja bei Weitem nicht bei allen Schauspielern der Fall.“ Dabei, wirft er mit einem Augenzwinkern ein, „wollte ich doch eigentlich nur die Bestätigung, dass ich es nicht kann und hätte dann beruhigt auf meine solide Ausbildung zurückgreifen können.“

Bodyguard Meeden Fischer

© BB Promotion/ Patrick Fouad

Ohne Absicht zum Musical

Sein Hauptaugenmerk liegt auf dem Theater sowie Film und Fernsehen. Zum Musical kam er eher zufällig. „BB Promotion hat mich damals so nett angeschrieben, ich konnte gar nicht anders, als mich mit der Anfrage zu befassen.“ Allerdings hatte er vorher schon erste Erfahrungswerte im Bereich Musical sammeln können. 2010 hatte er bei den Luisenburgfestspielen in Wunsiedel den Rocky in der ROCKY HORROR SHOW gespielt. Trotzdem war es eine Umstellung für ihn – auch wenn er bei BODYGUARD – DAS MUSICAL außer dem Song in der Karaoke-Bar nichts zu singen hatte. Am Anfang sei es schon sehr viel gewesen. Er musste alle Proben spielen, da es nur ihn als Frank Farmer gab. Dazu der Umzug nach Köln, viele Pressetermine und dann acht Shows die Woche. In solchen Situationen lerne man, dass man doch mehr leisten kann als man denkt.

Beim Musical gibt es weniger Freiheiten

Aber das war nicht das Einzige, woran er zu knabbern hatte. „Die schauspielerischen Freiheiten sind im Musicalbereich geringer. Im Schauspiel gibt es weniger Richtig oder Falsch, beim Musical etwas mehr. Viele Schritte und Bewegungen sind vorgegeben.“ Das liegt seiner Meinung nach auch daran, dass viele Musicalregisseure ursprünglich aus der Choreographie kommen. „Somit war es schon eine Umstellung für mich.“ Dies habe letztlich dazu geführt, dass die Rolle des Frank Farmer am Anfang nicht so gewesen wäre, wie sie am Ende der Spielzeit war. „Über die Zeit habe ich das Maximum an eigener Interpretation eingebracht. An Humor zum Beispiel. Immer so, dass man der Figur gegenüber loyal bleibt, aber doch auch so, dass der Zuschauer auch nachvollziehen kann, warum sich Rachel in diesen Kerl verliebt.“ Nach seiner eigenen Beurteilung habe er mit Frank Farmer erst dann seinen wirklichen Durchbruch gehabt, als er den Mut hatte, sich ein Stück weit zu widersetzen und dem Charakter seine eigene Färbung zu geben.

„Man muss nachvollziehen können, warum Rachel sich in Frank verliebt“

Er habe Frank Farmer mit der Zeit „mehr zuschauergerecht und etwas leichter konsumierbar“ gemacht. Selbst die tragischste Szene brauche eine gewisse Leichtigkeit. „Der Zuschauer erwartet Wahrhaftigkeit und Seele in den Rollen“, ist er überzeugt. „Es ist eine so schöne Aufgabe, die Zwischenräume zwischen einer Rolle, meiner eigenen Person und dem Publikum zu füllen“. Um dies optimal zu erreichen, sei es wichtig für ihn, sich vom Regisseur verstanden zu fühlen. Einen engen Kontakt zu haben. Die Zusammenarbeit müsse von Aufrichtigkeit und Respekt getragen sein. Auch mit den Kollegen. Nur wenn man sich ganz öffnen und fallen lassen kann, kann man das Optimum erreichen. Auseinandersetzungen und Konflikte gehören in einem künstlerischen Prozess allerdings ebenfalls dazu, was aber kein Problem sei, wenn man diese konstruktiv austrage. „Das ist natürlich das absolute Idealbild, diese Gegebenheiten findet man natürlich nicht immer.“ Wie in allen Bereichen menschle es eben auch hier, wenn Menschen zusammenkommen.

Die perfekte Show ist ein „Geschenk des Universums“

Gefragt, woran er denn einen erfolgreichen Abend für sich ganz persönlich festmache, erklärt Jürgen Fischer „Wenn man sich nach der Show an vieles nicht erinnern kann, war es gut. Denn dann hat man vieles einfach geschehen lassen ohne darüber nachzudenken“. Das sei allerdings ein „Geschenk des Universums“ und komme nicht allzu oft vor. Von den 504 Auftritten als Frank Farmer „eher fünf als zehnmal“. Dazu gehören für ihn auf jeden Fall die Premiere und die Dernière, wo er dieses Gefühl jeweils voll und ganz hatte. Er vergleicht dies mit Freunden, die sich regelmäßig zu einem Spieleabend treffen. „Da ist es doch auch so. Die Abende sind eigentlich alle nett, aber nur ein paar davon bleiben in besonderer Erinnerung, weil einfach alles gepasst hat und man sich zum Beispiel den ganzen Abend kaputtgelacht hat.“ Und das, obwohl es immer die gleichen Menschen am gleichen Ort sind. So sei es eben auch auf der Bühne. Allerdings kämen hier teilweise noch unterschiedliche Kombinationen in der Besetzung dazu.

Jürgen Fischer

© Markus Wagner

Sag niemals nie

Kann er sich denn vorstellen, wieder in einem Musical mitzumachen – womöglich sogar mit einer richtigen Gesangsrolle? Denn auch wenn er in den letzten zwei Jahren immer damit kokettiert hat, nicht singen zu können, so hat er doch im Rahmen seines Schauspielstudiums auch eine Gesangsausbildung genossen. „Ich erreiche aus meiner Sicht ca. 85% eines guten Sängers“, schätzt er sich selbst ein. Wenn ich mich sehr anstrenge und übe, könnte ich vielleicht 95% erreichen.“ Deswegen würde er sich selbst niemals als Sänger bezeichnen. Er habe immer Lust gehabt, zu singen, aber nie die wirkliche Leidenschaft dazu. Wenn jemand irgendwann vielleicht genau jemanden sucht, der so singen kann, warum nicht? Man solle niemals nie sagen. Schließlich sei immer alles vom Geschmack abhängig. Das sei auch der Grund, warum er sich oft über Besetzungsdiskussionen – auch seitens der Zuschauer – ärgere. Und wie Frank Farmer schon sagt „Den Besten gibt es nicht“.

Seine Leidenschaft gilt der Komödie

Generell sei sein Metier aber eher das Schauspiel. Und da liebe er beides: Theater und Film. „Am Film mag ich die Verantwortung, die man sich selbst nehmen muss und am Theater mag ich die Verantwortung, die man für den Zuschauer hat“. Seine ganz besondere Leidenschaft gilt der Komödie. Ein absolutes Muss für alle Fans des schwarzen Humors ist der „Dampfnudelblues“, in dem er eine Szene hat, die jedem, der den Film gesehen hat, in Erinnerung bleibt. „Ich habe mir den fertigen Film im Kino angeschaut und saß in der Mitte des Kinosaals. Das war wirklich ein großer Moment für mich, als das ganze Kino genau an dieser Stelle gelacht hat“. Die Größe einer Rolle sei für ihn nicht entscheidend, er wolle jeden Moment mit größtmöglicher Qualität ausstatten und aus jeder Figur das Bestmögliche herausholen.

Der schönste Applaus ist der, der der Leistung angemessen ist

Er sei enttäuscht, wenn Leistung durch äußere Umstände erschwert werde und die Bedingungen nicht optimal seien. Im Zweifel sei es ihm auch egal, wie es von außen aussehe, er selbst müsse überzeugt sein, das Beste erreicht zu haben. Deswegen sei es manchmal auch enttäuschend für ihn, viel Applaus zu bekommen. Nämlich dann, wenn er für sich selbst wisse, hinter seinen Möglichkeiten geblieben zu sein. „Am Schönsten ist es für mich, wenn das Publikum meine Leistung richtig einschätzt. Somit ist mir weniger Applaus lieber, wenn ich nicht so gut war.“ Allerdings wäre es natürlich am allerschönsten, wenn er viel Beifall für einen tollen Auftritt bekomme, das verstehe sich von selbst. „Ich liebe es an meinem Beruf, dem Publikum das Beste zu geben“. Denn, so ist Jürgen Fischer überzeugt, „Das ist einfach Karma: Wer mehr gibt, bekommt auch mehr“.

Kaum eine Pause

Wie hat er denn nun seinen – sehr erfolgreichen –  Ausflug in die bunte Glitzerwelt des Musicals überstanden und wie geht es weiter für ihn? „Im Musical hat die Oberfläche mehr Bedeutung“, schaut er zurück. Seine Herkunft habe ihn da geerdet. „Ich weiß wer ich bin, was ich kann und was ich nicht kann“. Man müsse sich bewusst sein, dass es regelmäßig im Leben rauf und runter geht. „Man muss das „oben“ genießen“. Der Beweis liege immer in der Vergangenheit, sinniert er, beim Blick zurück sehe man immer die Hochs und die Tiefs. Eine Pause gibt es für ihn nach der umjubelten Dernière eigentlich nicht. Der Umzug zurück in die Heimat ist über die Bühne und es geht sofort weiter.

Jürgen Fischer beim Interview

© Musical1

Andreas Hofer bei den Luisenburgfestspielen 2018

Er spricht eine Hörfunkrolle ein, einen BR-Tatort für das Radio. Und er wird die Hauptrolle als Andreas Hofer bei den Luisenburgfestspielen im Sommer 2018 übernehmen. „Das geht am Wochenende schon los mit ersten Fototerminen“. Die Rolle birgt eine besondere Herausforderung für ihn, denn er muss Tiroler Dialekt lernen. Darüber hinaus gibt es noch weitere Projekte. Er steht nicht nur selbst auf der Bühne, sondern gibt sein Wissen auch weiter. Nach zwei Jahren in denen er „eher in einem recht engen Korsett war und ich mir manches Mal auf die Zähne beißen musste“, würde er es jetzt gerade umso mehr genießen, kaum Grenzen zu spüren.

Die Blinden und der Elefant

Er sei ein Freigeist, nicht immer ganz einfach festzulegen, aber ein grundsätzlich positiv denkender Mensch. Auch dem ausgebildeten bayrischen Volksschauspieler haben wir zum Abschluss die Frage gestellt, wie ihn seine Kollegen wohl in drei Worten charakterisieren würden. Nach einigem Überlegen sagt er, er wisse nur, über welche Attribute er sich freuen würde. Als zuverlässig würde er gerne wahrgenommen werden. Als ehrlich und als guter Kollege. Und dann erzählt er das Gleichnis von den Blinden, die einen Elefanten ertasten. Jeder ein anderes Körperteil. Jeder kommt zu einem anderen Ergebnis, was ein Elefant ist oder wie er aussieht. Und nur alle Puzzleteile zusammen ergeben wirklich das Aussehen des Elefants. So sei das auch bei ihm, es gäbe viele Facetten und nur alle zusammen ergeben den ganzen Jürgen Fischer.

Wir bedanken uns, das wir zwei Stunden lang die Gelegenheit hatten, einige dieser Facetten kennenzulernen und uns unser eigenes Bild daraus zusammenzubasteln. Wir haben einen sehr authentischen, aufgeschlossenen und sympathischen Menschen getroffen. Und wir freuen uns darauf, weitere Facetten zu entdecken, egal ob durch Schauspielauftritte oder vielleicht doch irgendwann einmal wieder durch eine Musicalrolle.

Kategorie: Bodyguard,Darsteller Geschichten,Interviews

Autor: M. Kanz (16.09.2017)

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