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Interview mit Musiktheaterdarsteller Manuel Lopez

Aktuell probt der gebürtige Lateinamerikaner Manuel Lopez noch für seine neue Rolle in AIDA - Das Musical in Thun, Schweiz. Vom 8. Juli - 28. August 2014 verkörpert er bei den Thunerseespielen in Erstbesetzung den " Sklaven Mereb" auf der Thuner Seebühne.

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Manuel Lopez
Manuel Lopez © www.tobikko.de

Von Bad Vilbel nach Hamburg

In Guatemala City geboren und in Bad Vilbel aufgewachsen, machte der junge Bad Vilbeler seine Leidenschaft zum Beruf. Schon in jungen Jahren folgten Engagements bei der Oper und bei verschiedenen Musicalproduktionen. Seinem komödiantischen und musikalischen Talent war es zu verdanken, dass er noch während seiner Ausbildung zum Musiktheaterdarsteller vom Schmidt Theater in Hamburg engagiert wurde. Sein erstes festes Engagement als Solist in der 1970er-Jahre-Schlagerrevue “Karamba” und der “Schlagersause, führte ihn in seine hessische Heimat zurück. Nach Abschluss seiner Ausbildung auf der Hamburg School of Entertainment, dauerte es nicht lange und er bekam seine erste Hauptrolle als Yakari in dem Musical ” YAKARI – Freunde fürs Leben”.

Sie sind ausgebildeter Musiktheaterdarsteller. Wie hart ist die Ausbildung auf einer Musicalschule wie z.b. bei Hamburg School of Entertainment?

Man darf nie vergessen, dass man in unserem Berufsbereich drei Berufe in 3-4 Jahren lernen muss. Sänger, Schauspieler und Tänzer.
Das ist natürlich ein enormer Druck für so kurze Zeit. Dazu kommt dass natürlich die Konkurrenz sehr groß ist, wobei es da die weiblichen Kollegen viel stärker trifft. Wenn man bedenkt, wieviele Theater es in Deutschland gibt, gibt es einfach viel zu viele Darsteller.

Zudem ist es in der sehr intensiven körperlichen, wie emotionalen Ausbildung ein starker innerlicher Prozess, der in anderen Berufen nicht so erforderlich ist. Man muss sich einfach sehr intensiv mit sich selbst befassen. Eine sehr liebe Kollegin meiner Schule sagte mal: “diese Ausbildung zwingt einen schneller erwachsen zu werden” – damit hat sie völlig recht. Dadurch entstehen leider auch Distanzen zum alten Leben.

Wo liegen Ihre Stärken, Gesang, Schauspiel oder Tanz?

Da ich sehr früh mit Gesang angefangen habe, sehe ich meine Stärke eher in Gesangsbereich. Ich für meinen Teil hätte nie gedacht, dass man mir sowohl in der Ausbildung, als auch später bzw. nun auf der Bühne so viel schauspielerisches Können zugesprochen hat. Ich fühlte mich dort eher unsicher… aber vielleicht macht es das gerade auch besonders spannend. Ich bin definitiv kein Tänzer … da ich sehr spät damit angefangen habe und körperlich auch nicht die geeignete anatomische Statur habe. Aber ich liebe Tanzen, bewege mich gerne und mag das auf der Bühne auch nicht missen. Auch bei Aida darf ich Teil einer ganz tollen Tanz Szene sein. Ich werde aber nie eine gesonderte Tänzerposition einnehmen. Umsomehr ehrt es mich, mal im Finale bei Cats gewesen zu sein.

Im April 2013, haben Sie Ihre erste Hauptrolle in dem Musical ” YAKARI – Freunde fürs Leben” bekommen. Ist es Ihnen schwer gefallen, einen Indianerjungen zu spielen?

Das ist eine schwere Frage. Ich glaube, dass Darsteller einen Vorteil haben, da sie ein Stück Kindheit – nicht umsonst heißt es SchauSPIEL – weiter in sich tragen. Die meisten Menschen werden im Laufe der Jahre vergessen, wie es sich anfühlt “Kind” zu sein. Die Frage bei Yakari war, sieht die Regisseurin das Kind so, wie ich es fühle. Was sich für mich, wie Kind anfühlt, muss für sie nicht zwingend auch gelten. Da galt es einen Mittelweg zu finden, zumal man bei einer Comicvorlage, wie bei Yakari, auch ein Bild erfüllen muss, was schon rein rechtlich schwierig ist. Wichtig ist einfach, dass man die Gedanken und schnellen emotionalen Wechsel der Kinder versteht. Kinder sehen Situationen mitunter ganz anders. Max Reinhardt: “Ich glaube an die Unsterblichkeit des Theaters. Es ist der seligste Schlupfwinkel für diejenigen, die ihre Kindheit heimlich in die Tasche gesteckt und sich damit auf und davon gemacht haben, um bis an ihr Lebensende weiterzuspielen.”

Was war das für ein Gefühl, als Sie Ihre erste Hauptrolle bekamen?

Ich war natürlich sehr stolz und glücklich, dass man mir so früh eine Hauptrolle angeboten hat. Aber dennoch war einerseits wegen der Verantwortung und andererseits da ich nie Kindertheater gemacht habe, auch ein gewaltiges Maß Angst dabei. Jetzt weiß ich, dass Yakari kein typisches Kindermusical ist. Es ist ein Musical für die ganze Familie.

Wie bereiten Sie sich auf eine Audition für eine Musicalproduktion vor?

Das kommt ganz auf das Stück an, für welches man sich vorstellt. Zunächst schickt man seinen Lebenslauf, der natürlich ganz anders aussieht als eine gewöhnliche Bewerbungsmappe, an die Produktion. Man hat die Möglichkeit sich direkt für eine oder verschiedene ausgeschriebene Positionen zu bewerben, oder man bewirbt sich generell. Dann muss man erstmal eingeladen werden. Vorzubereiten sind meistens 2 Songs unterschiedlicher Stilistiken und ein Monolog. Je nach Show und Anforderung wird getanzt. Nach jeder Sektion wird meistens Gecuttet. Das heißt, wenn man am Anfang rund 1000 Bewerber hat, werden vll 600 eingeladen zu verschiedenen Terminen in unterschiedlichen Städten. Nach jeder Runde reduziert sich die Zahl der Bewerber. Meistens beim Callback an einem späteren Zeitpunkt, selten schon in der ersten Einladung, bekommt man Material (Song/Szenen) aus der Show zur Vorbereitung zugeschickt, die dann vorgetragen und eventuell gearbeitet werden. Mitunter auch mit anderen Bewerbern. Hat man dann eine Show wie König der Löwen, gibt es noch eine Puppet Session, in der mit den Puppen gearbeitet wird. Es gibt auch Agenten, die für einen Unterlagen senden und verhandeln, aber die Arbeit macht man am Ende selbst. Letztendlich ist es sehr Unterschiedlich. Für Yakari hatte ich eine Audition, und für Aida musste ich mehrfach vorsprechen.

Sie waren auch bei den Burgfestspielen in Bad Vilbel. In welchen Produktionen haben Sie dort mitgewirkt?

Ich war früher nur im Chor – da war ich sehr jung. Damals war es neu den Vil Bel Canto Chor mit dazu zu nehmen, daher standen wir meist rum. 2007 bei Jesus Christ Superstar war es anders. Dort spielte ich die Position des Jünger Johannes. Die Jünger hatten etwas mehr zu tun, als der normale Chor, zumal wird dort schon richtig szenisch und choreographisch gefordert waren. Ein Jahr später war ich dann mit einem Gesangskollegen als Statist im Ensemble von Jekyll und Hyde. Das hat mir am meisten Spaß gemacht. In der Matinee 2009 von Bert Kaempfert durfte ich Solo singen. Es war ein perfekter Abschluss vor meiner Ausbildung, da diese Musik sonst nie gespielt werden darf. Eine Ehre.

Wird es irgendwann ein Comeback bei den Burgfestspielen geben?

Das hängt gar nicht von mir ab. Gut, klar – ich muss in ein Stück passen und dafür gut genug sein. Aber Sie kennen mich, ich liebe die Burgfestspiele – für mich einer der Open Air Theater mit dem schönsten Ambiente ist … es kommt nur drauf an, ob sie mich mal wieder – nun auch als Profi – engagieren wollen.

Wie sind Sie zum Musical gekommen?

Ich habe glaube ich 2001 mein erstes Musical gesehen. Ab da an war das Rad ins Rollen gekommen.

Wollten Sie schon immer Musiktheaterdarsteller werden, oder gab es vorher einen anderen Berufswunsch?

Oh nein, ich hatte zig Berufsvorstellungen. Von Zirkusdirektor, über Tierarzt, Krankenpfleger, Geisterbahnbesitzer bis hin zum Rentner.

Wie haben Ihre Eltern, Freunde reagiert als Sie erfuhren, dass Sie Musicaldarsteller bzw. Musiktheaterdarsteller werden möchten?

Ich hoffe ich stelle mich da jetzt nicht bei meinen Eltern quer, aber die waren am Anfang gar nicht begeistert. Komisch ist, dass wenn du jemandem außenstehendem sagst, du machst Musical, finden sie das alle grandios. Sobald es die eigenen Kinder sind – ist es plötzlich gar nicht mehr so erfreulich.

Aber man muss auch sagen, dass diese Bedenken sehr wohl gut begründet sind. Nicht umsonst heißt es “Brotlose Kunst”. Es ist ein sehr sehr sehr unsicherer Job. Ständig neu bewerben, zeitweise keine Einnahmen … usw. Obwohl – welcher Job ist heute wohl noch wirklich sicher. Aber man hat eben kein geregeltes Einkommen. Komischer Weise sagen die meisten Darsteller auch zu anderen – Wähle nie diesen Beruf. Aber wenn man dafür liebt und lebt, ist es egal. Dann kann man nur das machen, und alle negativen Dinge rücken in den Schatten.

Die meisten Freunde von mir wussten, dass das der einzige Weg für mich ist. (Meine Lehrerin der Oberstufe schrieb mir ins Abibuch zu der Rubrik “Zukünftige Berufe meiner Schüler” – natürlich Musicalstar.) Nicht zuletzt auch mein Musiklehrer und natürlich die ganzen Dozenten der Musikschule, die heute alle furchtbar stolz sind und sagen – war doch eh klar, wir wussten das schon immer. Aber meine Eltern musste ich zusammen mit meiner ersten Gesangslehrerin erstmal mit harter Arbeit und Standhaftigkeit davon überzeügen. Ich glaube für sie war es wichtig zu sehen, dass es verdammt harte Arbeit ist und zum anderen, dass es auch funktionieren kann.
Und da kann ich mich glücklich schätzen, schon so früh so tolle Jobs machen zu können und stetig zu arbeiten. Denn das ist keinesfalls selbstverständlich.

Welche Eigenschaften muss ein Musicaldarsteller bzw. Musiktheaterdarsteller mitbringen?

Natürlich Talent und im besten Fall ein gewisses Mass an Vorbildung. Aber am wichtigsten ist wohl Standhaftigkeit, Offenheit, Sensibilität, Willen, Disziplin und Durchhaltevermögen.

Welche Charakteren würde Sie gerne mal verkörpern?

Es gibt so viele tolle Shows, und jedes Jahr kommen neue. Aber eine der größten Traumrollen ist Lucheni in Elisabeth.

Was waren Ihre schönsten oder peinlichsten Momente auf der Bühne?

Es gibt so viele tolle Momente, von Lachanfällen bis zum Hinfallen usw. Schlimm war, dass bei der Welturaufführung von Yakari die Feder im Adler gefehlt hat, was das Stück komplett ändert. Aber bei Jesus habe ich mal meine Hose verloren. Das war schon witzig.

Möchten Sie Ihr Leben lang Musicals machen, oder gibt es noch eine andere Richtung, die Sie gerne einschlagen würden?

In die Zukunft kann man nie sehen, aber ich weiß dass ich auch mal gerne verstärkt unterrichten will. Gesang, Schauspiel … mitunter auch Choreographie. Reizvoll finde ich aber auch Regisseur und Choreograph zu sein. Ein bisschen reinschnuppern durfte ich ja schon.

Wie alt waren Sie, als Sie das erste Mal auf der Bühne standen?

Um Gottes Willen, das weiß ich nicht mehr. Sehr sehr jung. Allein im Kindergarten und in der Schule. Musikalisch spätestens mit 7.

Was war Ihr erstes Musical, was Sie gespielt haben?

Ich habe zuerst Oper gespielt – ich liebte es sehr und fand es immer schade, dass wir nur so wenige Vorstellungen hatten.

Sie haben ja schon in vielen Musicals mitgespielt. Welche Rolle hat Ihnen besonders gut gefallen? Und welche, nicht?

Ich glaube ich hatte Glück, dass ich am Ende fast jede Rolle ganz zu meinem machen konnte. Das ist nicht immer so. Jede Rolle hat ihren Reiz. Ich liebte Victor in Morgen war noch nie, aber auch bei Schmidt die vielen verschiedenen Rollen sind sehr toll (davon mag man sicher die eine mehr, die andere weniger) – Mereb ist definitiv eine grandiose Rolle … und Yakari lebt man nach dritter Spielzeit ja schon.

Hören Sie auch privat Musicals?

Oh ja, fast ausschließlich, was damit zu tun hat, dass in Musical bereich die Musik Stilistiken so unterschiedlich sind. Durch Genre Mamma Mia, We Will Rock You, American Idiot … wird einfach auch alles bedient. Ansonsten mag ich auch Klassik und Filmmusik sehr.

Was sind die Schattenseiten Ihres Berufes?

Wie schon gesagt einerseits die nicht vorhandene Sicherheit, das unregelmäßige Einkommen, der Leistungsdruck … aber eine der härtesten Erkenntnisse ist, dass man, weil man eben sein eigener Manager ist und alles so schnell wechselt, relativ einsam ist.In welchem Musical würden Sie gerne mal spielen?

In welchem Musical würden Sie gerne mal spielen?

Viele !!!

Fällt es Ihnen schwer, für eine neue Rolle zu lernen?

Es kommt drauf an, ob eine Rolle mir sehr liegt. Mereb ging schnell zu lernen, denn er ist mir glaub ich recht nah. Extremere Rollen erfordern da mehr Zeitaufwand. Aber ich glaub ich bin ganz fix im lernen.

Welche drei Begriffe fallen Ihnen zu AIDA ein?

Ägypten, Vergangenheit, Drama

Wie würden Sie Ihre Rolle in AIDA beschreiben?

Ich bin eine Charakterrolle und in dem Stück ein Bindeglied zwischen allen gegenüberstehenden Parteien, um die es in dem Stück geht. Ob es um das Dreiecksverhältnis Aida, Rademes, Amneris geht, oder um die Verbindung von Nubien und Ägypten. Das macht Mereb zu einem Schlüssel, weil er sich in allen Bereichen aufhalten kann.

Wie ist es vor so einer traumhaften Naturkulisse und auf der Thuner Seebühne zu spielen?

Noch spielen wir nicht, aber schon die Proben im nun fast fertigen Licht sind grandios. Wir haben eine tolle Bühne und wenn das Wetter mitspielt, ist es etwas ganz besonderes.

Am 8. Juli ist Premiere von AIDA bei den Thunerseespielen. Sind Sie schon aufgeregt?

Ich wage zu behaupten – ich hoffe meine grandiose Regisseurin sieht das auch so – dass ich die Rolle mittlerweise recht sicher habe. Jetzt gilt es den Entwicklungsbogen im ganzen Stück langsam zu fühlen und zu finden. Und dann kann man mit dem Leben der Rolle anfangen. Daher sind wir glaube ich gut in der Zeit … und ich freue mich.

Wenn ja, was tun Sie gegen Ihre Aufregung?

Ich finde ja die Maskenzeit vor der Show ist immer eine tolle Entspannung… aber ein gesundes Maß Lampenfieber sollte immer sein, sonst ist es langweilig.

Gibt es schon neue Projekte nach AIDA?

Oh ja, die werden demnächst öffentlich. Es ist etwas ganz tolles – ich freue mich riesig drauf. Ich darf nach Mereb eine weitere Traumrolle spielen. Aber dass Yakari 2015 nochmal auf Reise geht, ist ja auch schon fest.

 

Weitere Infos über Manuel unter:

Manuels Künstlerprofil

Manuels Webseite

Manuels Vita auf Musical1

Kategorie: Interviews

Autor: N. Hofmann (23.06.2014)

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