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ANYTHING GOES – turbulente Kreuzfahrt in München

Eine Seefahrt, die ist lustig! Besonders auf der MS America, die von New York nach England schippert. Zwei Gangster treiben an Bord ihr Unwesen und machen das Schiff unsicher. Nun ja, eigentlich ist es nur ein Gangster. Oder besser gesagt: Er wäre gerne einer. Es ist kompliziert. Vom 31. Dezember bis 8. Januar war die Crew des Münchner Gärtnerplatztheaters noch einmal auf hoher See unterwegs. Musical1 reiste mit und hatte Spaß.

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ANYTHING GOES: Charmant und sexy
Die charmante Crew der MS America © Christian POGO Zach

Leinen los! Gute Laune und ein Hauch von Broadway

“In olden days a glimpse of stocking was looked on as something shocking. But now, God knows: ANYTHING GOES!” Cole Porters Musical-Hit aus dem Jahr 1934 ist und bleibt ein Ohrwurm. Summend und pfeifend tänzelten die Zuschauer der Reithalle aus dem Saal, nachdem der schwungvolle Klassiker die Pause eingeläutet hatte. Flotter hätte der Start ins Musicaljahr 2017 nicht sein können. Nach der Münchner Erstaufführung vom 28. Februar 2013 legte die MS America zum jüngsten Jahreswechsel erneut ab und stach noch einmal in See.

An Bord: Billy Crocker (Daniel Prohaska), der eigentlich nur seinen Chef Elisha Whitney (Erwin Windegger) verabschieden und das Schiff wieder verlassen wollte. Doch dann schlägt das Schicksal zu. Denn Billy ist verliebt – in Hope Harcourt (Katharina Lochmann). Wie sich herausstellt, ist die junge Dame aber schon versprochen. Sie soll den britischen Lord Evelyn Oakleigh (Hannes Muik) heiraten. Das kann der smarte Sekretär natürlich nicht zulassen. Als blinder Passagier will er die Hochzeit verhindern, darf dabei allerdings nicht seinem Boss über den Weg laufen. Dafür trifft er an Bord noch seine alte Freundin Reno Sweeney (Anna Montanaro), Ex-Predigerin und Nachtclub-Sängerin, sowie auf Moonface Martin. Der Möchtegern-Ganove besorgt Billy ein Kreuzfahrtticket. Eigentlich eine nette Geste, wäre die Karte nicht auf den Schwerverbrecher „Schlangenauge“ ausgestellt. Die Irren und Wirren nehmen ihren Lauf.

Charmant, turbulent, sexy

Über 80 Jahre sind seit der Uraufführung im New Yorker Alvin Theatre vergangen. Am 21. November 1934 wurden zum ersten Mal die Anker gelichtet. An Glanz hat ANYTHING GOES seither aber nicht verloren – jedenfalls nicht in Josef E. Köpplingers Inszenierung. Mit viel Charme präsentierte das Staatstheater am Gärtnerplatz seinem Publikum die bunte Musical- und Screwball-Komödie.

Angefangen beim Bühnenbild: Ein strahlend weißer Luxusdampfer, der auf einer Drehbühne in Szene gesetzt wurde, lud zur Reise ein. Projektionen links und rechts der Stage ergänzten die klassische Schiffs- und Meereskulisse und sorgten bei Seegang für ein flaues Gefühl im Magen. Überhaupt fühlte ich mich mittendrin statt nur dabei. Das Schiffsdeck umringte nämlich den Orchestergraben und reichte so bis vor die erste Zuschauerreihe. Dazu wurde der Erste Kapellmeister Michael Brandstätter zu Beginn der Vorstellung von feschen Matrosen über die Publikumstreppe an seinen Platz geleitet.

Ja, die Matrosen. Auch sie trugen einen gehörigen Teil zum Flair des Stücks bei und lenkten sogar ein wenig von den Protagonisten ab. Ob sie über das Deck steppten, Reno Sweeney und ihre heißen „Angels“ anschmachteten oder abseits der Handlung einfach nur die Reling säuberten. Irgendwie zogen sie immer die Blicke auf sich – meine zumindest. Es war aber auch nicht einfach. Die Zuschauer mussten sich entscheiden. Welchen Künstlern wollten sie folgen? Schließlich „war immer viel los auf der Bühne“, schwärmte die 46-jährige Ingrid von den vielen Darstellern. Christoph aus Sauerlach erinnerte sich besonders an Daniel Prohaska: „Wir haben ihn schon in SWEENEY TODD gesehen“, erklärte der 49-Jährige, der mit Gattin Christina regelmäßig das Gärtnerplatztheater besucht. Da ist Prohaska dem Ehepaar natürlich bekannt.

Vom West End nach Schwabing-West

Star der Anything-Goes-Inszenierung war jedoch Anna Montanaro, die sich bereits am New Yorker Broadway und im Londoner West End einen Namen machte. Wie ihre Bühnenpartner/innen sang, spielte und steppte sie sich professionell durch das Musical. Die Dialoge und reinen Sprechpassagen waren dabei auf Deutsch. Die Songs wurden alle original auf Englisch präsentiert. Wer sich über „Night and Day“ und „Let’s do it“ gewundert haben sollte: Die beiden Porter-Hits sind keine Anything-Goes-Klassiker. Sie wurden nur in diese Fassung integriert. Wie passend: zwei weitere Ohrwürmer zum Mitsingen.

Was die tänzerische Leistung des Ensembles betrifft, hatten einige Besucher diese beanstandet. Kritiken, denen ich nicht zustimme. Natürlich kann der Zuschauer die Münchner Inszenierung mit den vielen professionellen Anything-Goes-Vorgängern und -ablegern vergleichen, sollte er aber nicht. Denn die Darstellungen unterliegen unterschiedlichen Voraussetzungen und Gegebenheiten. Sei es nur der Zeitraum, über den ein Musical aufgeführt wird: eine Woche oder ein Jahr? Dass sich da Qualitätsunterschiede zeigen, ist selbstverständlich. Mit dem Können des Balletts oder der Darsteller haben diese, meiner Meinung nach, nicht zwingend zu tun. Und bitteschön: Als Hannes Muik zu „It’s De-Lovely“ seine Hüften schwingen und sich über das Treppengeländer der MS America gleiten ließ, war das für mich eine perfekte Performance – wie wohl für die meisten Zuschauer, die das Ensemble (und Orchester) mit tosendem Applaus und Standing Ovations belohnten. Wie würde Reno Sweeney jetzt sagen? „Das Publikum ist erleuchtet. Halleluja!“

Kategorie: Kritiken,Stadttheater

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Autor: B. Schlager (09.01.2017)

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