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Weltpremiere von WAHNSINN! – Wenn der Name Programm ist

Am 25. Februar 2018 feierte WAHNSINN! – Das Musical mit den Hits von Wolfgang Petry seine Weltpremiere im Duisburger Theater am Marientor – mit allem, was dazu gehört: rotem Teppich, gut gelaunten Premierengäste, einer runden Geschichte und einer grandiosen Besetzung. Wir haben uns für Sie unter die Premierengäste gemischt.

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Die Cast beim Workshop ©Thomas Brill

Ein Musical als Geburtstagsgeschenk

Schon lange steht Wolfgang Petry nicht mehr mit seinen Songs auf der Bühne. Doch obwohl er sich vor mehr als 15 Jahren aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat, sind seine Hits bis heute allgegenwärtig. „Seine schnellen Rhythmen und eindringlichen Liedtexte sind Stimmungsmacher auf jeder Party“, heißt es von Seiten Semmel Concerts. Im September 2016 feierte der Schlagerstar seinen 65. Geburtstag – Grund genug, dem erfolgreichen deutschen Interpreten und Songwriter ein außergewöhnliches Geschenk zu machen: ein eigenes Musical.

©Manfred Esser

Holzfällerhemden, Freundschaftsarmbänder, einfach „Wolle“

Für Hits wie „Bronze, Silber und Gold“ oder „Der Himmel brennt“ ist Wolfgang Petry bekannt. „Wolle“, wie ihn viele nur nennen, bleibt aber auch durch seine Holzfällerhemden und den Arm voller Freundschaftsarmbänder in Erinnerung. Dennoch erzählt dieses Musical nicht seine Lebensgeschichte. WAHNSINN! ist ein Musical, das seine größten Hits präsentiert und auf die Bühne zurückholt. Vor mehr als einem Jahr entstand die Idee, nun feierte das Musical mit über 25 Petry-Hits in Duisburg Weltpremiere.

Schon bei der Ankunft am Theater ist klar: Heute findet hier keine alltägliche Vorstellung statt. Über dem eigentlichen Haupteingang steht in Großbuchstaben „VIP“ und ein roter Teppich ebnet den Weg ins Innere des TaM. Die Presse wartet bereits auf die angekündigten Gäste – unter ihnen Guildo Horn, Maite Kelly und Guido Kanz.

Vier Paare, ein Musical – Die Geschichte

„Viele der Songs von Wolfgang Petry spielen mit dem Thema, dass jemand Mist gebaut hat, aber seine Frau oder Freundin total liebt“, erklärt Martin Lingnau, einer der Autoren, in einem Interview. Auf dieser Basis entscheidet er sich gemeinsam mit Heiko Wohlgemuth dazu, die Geschichten von vier Paaren zu erzählen – direkt aus dem Leben gegriffen.

Peter und Sabine

©Hardy Müller

Da wären Peter und Sabine, verkörpert von Enrico De Pieri und Vera Bolten. Er: Inhaber einer Spedition und selbst noch als Fernfahrer aktiv, sie: seine Sekretärin. Verheiratet ist das Paar seit 20 Jahren. Während Peter seine Frau vergöttert und alles dafür tut, ihr ein luxuriöses Leben in einem schicken Haus zu ermöglichen, verliert er vollkommen aus den Augen, dass sich Sabine etwas ganz anderes wünscht. Sie träumt davon, gemeinsam mit ihrem Mann die Welt zu bereisen. Insbesondere Venedig hat es ihr angetan. Nun sitzt sie Zuhause fest und wartet darauf, dass er von einer seiner Touren heimkommt und einen Augenblick Zeit für sie hat. Genervt von der Situation und am Ende mit ihrer Geduld will Sabine schließlich die Scheidung.

Wolf und Jessica

Peters bester Freund Wolf (Mischa Mang) hat da ein ganz anderes Problem. Er betreibt die Kneipe „Whisky Bill“, die schon deutlich bessere Zeiten erlebt hat. Peter ist zu Beginn des Musicals ein waschechter Single, der einer vergangenen Liebe nachtrauert – Jessica (Carina Sandhaus). Lernte er sie einst in Bahia del Sol kennen und verlor durch ein Missverständnis den Kontakt zu ihr, lebt sie noch immer dort und betreibt das Hotel „Casa del Sol“. Doch vergessen haben die beiden einander nie.

Karsten und Gabi

Aus besseren Zeiten ist vielleicht auch die Beziehung von Karsten und Gabi. War Karsten (Detlef Leistenschneider) in seiner Jugend ein Träumer und versuchte sich in der Musik, ist er nun ein „Partypuper“, wie er im Buche steht. Eingefahren in seinem Alltagstrott ist er überzeugt davon, dass sein Sohn Tobi etwas Handfestes lernen soll, da seine Musik zu nichts führe. Seine Frau, gespielt von Jessica Kessler, sieht das aber vollkommen anders. Sie ist offen und unterstützt ihren Sohn bei seinem Vorhaben, mit seiner Musik durchzustarten. Der Streit um die Karriere des Sohnes droht die Familie zu entzweien.

Tobi und Gianna

©Hardy Müller

Zu guter Letzt ist da noch Tobi (Thomas Hohler). Mit einem seiner Konzerte in der Kneipe „Whisky Bill“ fängt das Musical an. Hier lernt er auch Gianna (Dorina Garuci) kennen – eine temperamentvolle Italienerin. Frisch verliebt entscheidet sich Tobi gegen ein begehrtes Praktikum und für die Musik. Er strebt die große Musikerkarriere an. Auftritte und Fans sind das, was er will. Zu seinem Leidwesen wohnt er aber noch bei Mutti, die ihm zum Frühstück seine „Bütterken“ macht. Gemeinsam mit seiner neuen Freundin reist er zu seinem ersten größeren Auftritt nach Bahia del Sol. Dort soll er auf dem „Ho Chi Kaka Ho“, dem „Holzfällerfestival“ aufzutreten. Er genießt diesen ersten Urlaub mit Gianna – wären da nicht die ominösen Nachrichten von Toni.

Ob Peter und Sabine wieder zueinander finden, Wolf seine Jessica wiedersieht, Karsten die Ambitionen seines Sohnes akzeptieren kann und was es mit Toni auf sich hat, sei an dieser Stelle nicht verraten.

Das Bühnenbild und die Kostüme

Heike Meixner , welche sich sowohl für die Kostüme als auch für das Bühnenbild verantwortlich zeichnet, hat mit dem Bühnenbild ein wahres Meisterstück gezaubert. Ein LKW steht als zentrales Element auf der Bühne: Das Fahrerhaus, ein Auflieger und ein kleinerer Anhänger sind alles. Dennoch werden aus diesen Elementen immer wieder neue Szenenbilder geschaffen. So befindet sich auf der Rückseite des Fahrerhauses der Tresen von „Whisky Bills“. Kommt der Tresen weg und eine Kommode davor, wird daraus eine Wand im Hause von Karsten und Gabi.
Auch der kleine Anhänger ist wandelbar: die Jukebox in der Kneipe „Whisky Bills“, die Haustüre von Peter und Sabine oder die Wand, an der Karstens Gitarre hängt. Die einzige Konstante ist der Auflieger. Denn hier wurden die Musiker platziert. Den ganzen Abend sitzt die Band, bestehend aus sechs Musikern, auf der Bühne.

Unterstützt wird das Bühnenbild durch die Videoprojektionen von Thomas Reimer, keinem Unbekannten, wenn es um Videodesigns für Theater und Musicals geht. So zeichnet er sich unter anderem für ELISABETH am Theater des Westens sowie für die Jubiläumsinszenierung am Raimund Theater Wien verantwortlich.

Die Besetzung

©Hardy Müller

Egal ob in der Originalversion oder neu arrangiert: Die Besetzung schafft es, die Songs ins Publikum zu transportieren. Schon das Opening – klassisch ein Potpourri der größten Petry-Melodien – stimmt das Publikum ein, welches sofort mitklatscht.

Thomas Hohler eröffnet mit dem Song „Ruhrgebiet“ den Musicalabend. Ein perfekter Start in dieses Musical, das wirklich Ruhrgebiet pur darstellt. Hohler verkörpert den Musiker glaubhaft: jung, frisch, mit viel Charm und einer spürbaren Liebe zur Musik. Kein Wunder, dass sich Gianna alias Dorina Garuci in ihn verliebt. Sie ist nicht nur eine temperament-, sondern auch geheimnisvolle Italienerin. Ihr Akzent führt dazu, dass man anfänglich Schwierigkeiten hat, sie zu verstehen. Im Laufe des Abends hört man sich aber mehr und mehr ein, sodass sich die anfängliche Skepsis erübrigt.

Sein Konzert in der Kneipe „Whisky Bill“ ist der perfekte Rahmen, um die zentralen Figuren kennenzulernen.

©Hardy Müller

Mischa Mang präsentiert sich als guter Geist der Kneipe. Wirkt er von außen wie ein harter Rocker, merkt man sehr schnell, welch weicher Kern in seinem Inneren steckt. Wirkt es im Song „Jessica“ noch so, als würde er sich mit Freude an seine Jugendliebe erinnern, merkt man schnell, dass sich zu diesem Gefühl des Glücks auch Schmerz mischt. Jedes Jahr ruft er dieselbe Nummer an und hofft, seine Jessica doch noch zu erreichen. So leidet man im Song „Nur ein kleines Stück Papier“ mit ihm und hofft, dass er sie doch noch findet. Seine schmerzlich vermisste Liebe Jessica wird von Carina Sandhaus verkörpert. Sie harmoniert sehr gut mit Mischa Mang. Das bekommt man besonders bei „Du bist ein Wunder“ zu spüren – eine perfekte Zweistimmigkeit.

Aus seiner Vergangenheit gelernt versucht er alles, um seinem besten Freund zu helfen. Enrico De Pieri verkörpert den kernigen LKW-Fahrer. Was er an diesem Abend stimmlich als auch schauspielerisch leistet, ist beeindruckend. Er nimmt das Publikum mit, durch all seine Gedanken und Emotionen: vom gestressten und leicht verpeilten Brummifahrer, der sogar den eigenen Hochzeitstag vergisst, über seine Wut („Der Himmel brennt“) auf seine Frau und den besten Freund, seine Trauer und Angst. dass seine Frau wirklich geht bis hin zu seinem Kampfgeist, sie unbedingt zurück zu gewinnen.

Seine Frau verkörpert Vera Bolten. Sie schafft es, dass man mit ihr fühlt und nachvollziehen kann, warum sie sich von ihrem Mann trennt. Schauspielerisch überzeugt Bolten auf ganzer Linie und auch auf musikalischer Ebene kann man ihr nichts ankreiden. Dennoch gewinnt man phasenweise (zum Beispiel bei „Bronze, Silber und Gold“) den Eindruck, dass ihre Stimmfarbe nicht immer zu den Liedern von Wolfgang Petry passt.

©Hardy Müller

Das Highlight des Abends waren aber mit Abstand Jessica Kessler und Detlef Leistenschneider als Gabi und Karsten. Gebürtig aus Duisburg ist Kessler mit dem Ruhrpott und dessen Mundart mehr als vertraut. In jeder Sekunde, die sie auf der Bühne steht, spürt man, wie viel Spaß es ihr macht, nicht auf Hochdeutsch spielen zu müssen. Sie geht darin förmlich auf. Die freche Ehefrau und Mutter kauft man ihr von Anfang bis Ende ab.

An ihrer Seite spielt Detlev Leistenschneider den Partypuper, wie ihn seine Frau so liebevoll nennt. Leistenschneider schafft es, dass man in ihm mehr sieht als den desillusionierten Musiker, der sich einen Job auf dem Schrottplatz sucht, um seine Familie ernähren zu können. Er liebt seine Frau und auch seinen Sohn über alles, so wie er einst die Musik geliebt hat. Besonders berührend ist das Duett der beiden.

Nur ein weiteres Jukebox-Musical?

Inzwischen gibt es einige Musicals, die sich an bereits veröffentlichten und erfolgreichen Songs etablierter KünstlerInnen bedient. Die Kunst liegt bei diesen Musicals darin, ein stimmiges Bild zu schaffen zwischen Story und den Songs. Das gelingt WAHNSINN! wirklich gut.

Zugegeben: Mit der Handlung wurde das Rad nicht neu erfunden. Die einzelnen Beziehungsgeschichten sind recht seicht, aber das ist an dieser Stelle absolut nicht negativ gemeint. Eine tiefgreifende Geschichte erwartet an dieser Stelle keiner. Wie eingangs erwähnt, setzt sich das Musical aus über 25 Petry-Hits zusammen. Man erwartet daher eher Partystimmung, nennt sich das Musical doch selbst das erste Party-Schlager-Musical. Aber ist dieses Musical deshalb nur etwas für Schlager- und Wolfgang Petry-Fans?

Für jeden, der sich von Vorurteilen freimacht

©Hardy Müller

Dieses Musical ist nicht nur für eingefleischte „Wolle“-Fans. Seine Songs bekommen durch die Variationen, etwa als Ensemble- oder Duett-Nummer, einen ganz neuen Charakter und auch neue Arrangements helfen hier. WAHNSINN! verspricht einen lustigen Musicalabend, der mit viel Liebe zum Detail umgesetzt wurde. Hinzu kommen ein innovatives Bühnenbild, ein tolles Ensemble und viel Witz, gepaart mit dem ganz eigenen Charm des Ruhrgebiets. Es ist ein rundum gelungener Abend, auf den man sich einfach nur einlassen muss.

Tickets und Termine

Noch bis zum 29. April ist das Musical im Theater am Marientor zu sehen, bevor es weiter nach Berlin zieht. Hier wird das Musical vom 02. bis 13. Mai im Theater am Potsdamer Platz gastieren. Als letzte Station macht WAHNSINN! im Deutschen Theater München halt – hier wird es vom 16. Mai bis zum 03. Juni zu sehen sein.

Tickets für WAHNSINN!
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Kategorie: Allgemein,Kritiken,Tour Musicals

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Autor: K. Heinen (04.03.2018)

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