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Riccardo Greco Interview – Musical1 Podcast 5

Riccardo Greco hat sich die Zeit genommen, Christians Fragen im Musical1 Podcast zu beantworten. Der Musical-Darsteller plaudert über seine Erfahrungen bei Casting-Shows, über die Rollen, die er gerne noch einmal spielen würde und über sein derzeitiges Engagement am Landestheater in Linz.

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Riccardo Greco

Am 25. August stand Riccardo Greco uns schon für ein Interview Rede und Antwort. Über Skype hat sich der in Österreich lebende Musical-Darsteller nun noch einmal mit Christian für den Musical1 Podcast unterhalten. Die Aufnahmequalität hat leider etwas gelitten, wir bitten, das zu entschuldigen.

Das Interview als Abschrift

Hallo Riccardo, es freut mich sehr, dass du dir die Zeit genommen hast.

Hallo, ich freue mich auch. Es kann losgehen, ich bin bereit.

Zu Beginn würde ich mich freuen, wenn du dich für uns ein wenig vorstellst. Geh dabei auf deine Herkunft ein und erzähle ein wenig von deiner Kindheit und Jugend. Teile uns bitte mit, was dein Berufswunsch als Kind war.

Mein Name ist Riccardo Greco, ich bin Halb-Sizilianer und Halb-Tscheche, mein Papa ist Sizilianer, meine Mama ist Tschechin. Ich habe zwei Geschwister, eine Schwester und einen älteren Bruder, beide sind älter, haben auch schon beide Kinder. Ich komme ursprünglich aus dem Westerwald; für alle, die es nicht kennen: Das ist zwischen Köln und Frankfurt. Da komme ich aus einem kleinen Kaff namens Langenbach bei Kirburg, und wir haben da direkt vor dem Altenheim gewohnt. Was wollte ich werden? Meine Mama hat immer gesagt, entweder werde ich Anwalt oder Frisör, weil ich so viel laber. Wenn der Tag lang ist vor allem, dann rede ich ununterbrochen. Ich wurde dann tatsächlich Frisör. Ich habe die Ausbildung angefangen, nach meiner Schule. Irgendwann kam dann aber doch schnell der Wunsch, dass ich Sänger, Schauspieler, Tänzer werden wollte. Und so kam ich zum Musical.

Eigentlich schlug dein Herz, wie du grade schon sagtest, schon immer für die Bühne. Schon als Kind hast du Unterricht in Gesang, Schauspiel und Tanz genommen und warst in verschiedenen Bands. So kam es dann allerdings, dass du deine Frisörlehre dann aufgegeben hast, um halt diesen Traum zu verwirklichen. Berichte uns von deiner Ausbildung an der Joop van den Ende Academy in Hamburg und wie du die drei Jahre empfunden hast.

Also ich war ja quasi schon als Kind in so einem Verein, der hieß Musical Kultur Daaden, die machen auch wirklich tolle Produktionen. Da habe ich angefangen, da kam ich ans Musical heran, und dann bin ich auf die Rheinland-Pfälzische Akademie für Musik, Tanz und Schauspiel in Mendig gegangen, das war jedes Wochenende während der Schule. Da hatten wir Unterricht in den drei Sparten und gleichzeitig haben wir ein Stück einstudiert, das hieß Nostradamus. Das lief 56 Mal in Bendorf in einer eigenen Halle, das war echt eine tolle Erfahrung. Dann bin ich erst einmal auf die Musical-Schauspielschule nach Frankfurt gegangen, das war eine Privatschule, dafür hatte ich meine Frisörlehre nämlich abgebrochen. Dann habe ich die Bühnenzwischenprüfung noch in Frankfurt gemacht, an der Schauspielschule, die habe ich bestanden.

Und dann habe ich mich für die Joop van den Ende Academy beworben. Da habe ich damals, noch während ich in Frankfurt war, einen Workshop gemacht, das war nur ein Tag. Ich wollte einfach sehen, wie die arbeiten, und ob ich überhaupt Chancen habe, weil ich hatte einfach keine Ahnung. Und die haben dann da gesagt: Komm zur Aufnahmeprüfung. Und das war damals das dritte Jahr, da war diese Schule noch ziemlich neu, und da wurde gesagt, es gibt nur zwei Stipendien. Ich habe dann gelesen, die Ausbildung kostet 900 Euro im Monat, und das war meiner Familie und auch mir unmöglich, das zu bezahlen. Also habe ich mich auf ein Stipendium von vorneherein beworben. Mir wurde auch gesagt: Ja, Herr Greco, dann sind aber ihre Aufnahmechancen sehr gering, weil sich halt viele auf ein Stipendium bewerben. Ich weiß gar nicht, wie lange dieser ganze Prozess dauerte, von der ersten Aufnahmeprüfung bis zur letzten; es waren auf jeden Fall drei Runden. Ich glaube, in der letzten waren wir dann noch 40, von ich glaube 400 oder 500; und da wurde noch am gleichen Tag, im Finale, gesagt, wer aufgenommen wurde. Mein Name kam dann nicht; es wurden 16 Schüler pro Jahrgang aufgenommen, wir waren dann schon beim 14., da hatte ich schon aufgegeben. Da haben sie gesagt: Und unsere Stipendien gehen an… Riccardo Greco. Ich hab mich gefreut, ich hab voll geheult, mich bedankt – und dann ging es auch ziemlich schnell los.

Ich bin nach Hamburg gezogen. Die Ausbildung an der Joop van den Ende Academy: Das war glaube ich die aufregendste Zeit meines Lebens, weil man so viel über sich selbst gelernt hat und lernen musste. Ich kam dahin und war wirklich noch grün hinter den Ohren. Ich habe viel über mich selbst gelernt, ich musste viele alte Gewohnheiten loslassen, um weiterzukommen. Gerade im Schauspiel ist es mir sehr schwergefallen. Tanz war für mich auch Neuland. Das erste Jahr wurde zum Beispiel komplett klassisch gesungen, das war für mich auch ein Kampf, aber auch gut und wichtig im Nachhinein. Ich habe mich so gewehrt und im Nachhinein bin ich dankbar, dass ich das hatte, weil das hat mir schon oft den Arsch gerettet auf der Bühne, dass ich da eine grundlegende Technik habe. Man geht morgens in die Schule, steht so gegen 8 Uhr auf, oder 7 Uhr, dann beginnt der Tag meistens mit Tanz: Ballett, Jazz oder Steppen hintereinander. Mittags war meistens Schauspiel oder Gesang. Danach sind die meisten von uns, ich auch, arbeiten gegangen, um sich die Ausbildung zu finanzieren. Ich hatte ein Halbstipendium, den Rest habe ich durch ein zinsloses Darlehen gehabt, plus noch einen kleinen Betrag, aber Miete und Unterhalt habe ich mir selbst finanziert, mit meinen Eltern.

Du bist in der Musical-Branche mittlerweile kein unbeschriebenes Blatt mehr, hast schon in vielen namhaften Produktionen gute Hauptrollen besetzt. Welche waren dies und welche Rollen hast du jeweils gespielt?

Da muss ich tatsächlich mit Sky anfangen, denn das war mein erster großer Job in einer En-Suite-Produktion, das war MAMMA MIA! in Berlin. Ich war wahnsinnig froh, dass es MAMMA MIA! war und diese Rolle, weil in MAMMA MIA! hat man im Ensemble viele Freiheiten und vor allem Spaß. Das steht in erster Linie schon in den Castings, da wird viel auch improvisiert. Natürlich gibt es auch Choreographie, aber es gibt immer so Momente, wo man sich selbst was ausdenken muss. Und das war toll, man konnte kreativ sein; gerade nach der Ausbildung war das toll. Sky war jetzt keine Riesenrolle oder tragend fürs Stück, aber da konnte ich mich herantasten, wie das denn so ist, wenn man da mal so spricht auf der Bühne, mit einer Partnerin spielt… Das war sehr wichtig für mich. Die MAMMA MIA! Zeit hat einfach wahnsinnig viel Spaß gemacht. Jeder, der die Show gespielt hat oder gesehen hat – das ist einfach eine Spaß-Show, da hat man Freude, das zu sehen und zu machen.

Danach kam ja Alfred – und das war für mich immer eine Traumrolle. Ich habe TANZ DER VAMPIRE damals gesehen und dachte: Mein Gott, Alfred zu spielen, das wär ein Traum. Dann hat es tatsächlich geklappt in Oberhausen. Mit Alfred habe ich sehr viel Spaß gehabt. Wirklich allein auf der Bühne zu stehen und ein Solo zu singen, das war der Wahnsinn bei meiner Alfred-Premiere, ich konnte das gar nicht glauben. Ich hab bei den Verbeugungen wieder so geheult – ich habe eigentlich nur geheult, ziemlich lange. Einfach, weil ich viel Glück hatte und es meistens nicht glauben konnte. Meine ganze Einstellung zu dem Beruf hat sich so verändert, über die Jahre, da ist so viel passiert…

Aber ich will nicht abschweifen. Rollen: Danny und Kenickie in GREASE haben mit unglaublich viel Spaß gemacht. Kenickie, weil das so gar nicht ich bin. Kenickie ist ja voll der Macho und Draufgänger und das bin ich ja wirklich gar nicht. Danny hat schon eher mir getaugt, das war näher an mir dran. Er ist ja eher so Möchtegern-Macho, doch eher lieblich und lustig. Es hat sehr viel Spaß gemacht, GREASE.

Dann muss ich Sonny Malone noch erwähnen, letztes Jahr in XANADU, mit dem Regisseur Werner Sobotka und dem Choreografen Ramesh Nair – das ganze Team – das war einfach ein Wahnsinns-Sommer, eine Wahnsinns-Produktion, mit tollen Kollegen. Wir haben einfach so viel Spaß gehabt, nicht nur auf der Bühne, auch tagsüber. Die Rolle hat so viel Spaß gemacht, gesanglich und darstellerisch. Und auch dieses Jahr, Nick in Amstetten in FLASHDANCE: Das ist keine Rolle, die mir auf den Leib geschneidert ist. Aber der Regisseur – das war wieder der Werner Sobotka – der hat so viel mit mir ausprobiert. Der sieht das in mir und ich habe mich da wirklich auf ihn verlassen und ihm vertraut. Und jetzt fühle ich mich da wirklich wohl. Es war eine ganz andere Art zu spielen. Ich bin eigentlich noch ein bisschen zu jung für diese Rolle, aber ich hoffe, das es passt. Man ist ja selbst immer ein bisschen unsicher, aber ich arbeite immer weiter an mir. Gerade mit dieser Rolle, in diesem Sommer, bin ich extrem kritisch mit mir selbst. Da habe ich wieder wahnsinnig viel gelernt.

Welches ist deine Lieblingsrolle der bereits gespielten und warum? Wenn wir schon bei den Rollen sind: Welche würdest du unbedingt gerne einmal spielen und warum?

Alfred war eine ganz besondere Rolle für mich und auch Sonny Malone. DER BESUCH DER ALTEN DAME war auch noch eine Wahnsinns-Erfahrung; ELISABETH war glaube ich das zweite Musical, das ich gesehen habe, mit Pia Douwes und Uwe Kröger, und das ich dann mit denen zusammen singen werde und quasi der junge Uwe Kröger war – das war für mich eine Wahnsinns-Erfahrung. Vor allem, als die CD rauskam und ich habe meine Stimme zum ersten Mal in Verbindung mit Pia und Uwe gehört und meiner tollen Partnerin Lisa, das war toll, das war ein schönes Gefühl. DER BESUCH DER ALTEN DAME war auch noch einmal besonders, weil ich mit zwei engen Freunden jeden Abend singen konnte. Das waren der Gernot Rometsch und die Lisa Habermann. Mit denen hatte ich am meisten zu tun in der Show und das hat mir sehr viel bedeutet. Das ist sehr selten und deswegen habe ich das sehr geschätzt.

Rollen, die ich gerne spielen möchte: Auf jeden Fall in PRISCILLA, QUEEN OF THE DESSERT. Ich war vor ein paar Jahren drei Tage in London und habe mir das Musical angeschaut, und bin dann die weiteren beiden Tage, obwohl ich andere Musicals sehen wollte, trotzdem noch mal in PRISCILLA gegangen. Ich bin einfach fasziniert von der Show und die will ich irgendwann spielen, irgendwann, irgendwo. Von mir aus letzte Reihe hinten links, ohne das ich singen darf. Ich zahl sogar den Produzenten, damit ich das spielen darf.

JERSEY BOYS wäre eine Traumshow von mir, Franky Valli. Leider bin ich eigentlich zu groß dafür, aber das wäre gesanglich eine tolle Show, die ich gerne machen würde. WE WILL ROCK YOU steht immer noch auf meiner Liste, da laufe ich so lange zur Audition, bis die einfach so genervt von mir sind und mir den Job aus Mitleid geben. Ich werde da noch hingehen, bis ich 100 bin, und werde ich für Galileo bewerben. Ich gebe die Hoffnung nicht auf.

Wenn man sich die Liste deiner Engagements so anschaut, fällt auf, dass du vorwiegend in Österreich tätig bist. Mittlerweile lebst du auch dort. Nimmst du generell nur noch an Auditions in Österreich teil oder traust du dich auch noch über die Grenze zurück nach Deutschland?

Riccardo GrecoGute Frage. Ich habe in Deutschland drei Jahre gearbeitet, die Ausbildung gemacht, usw. Ich liebe Deutschland und die Produktionen in Deutschland sind wahnsinnig gut. Ich hatte damals nach GREASE die Möglichkeit nach Wien zu gehen, und ich hatte irgendwie Angst und habe mich bei den Auditions in Wien nicht so wirklich wohl gefühlt. Aber kaum war ich hier, habe ich mich in Wien wirklich verliebt. In die Leute, in die Stadt, in das Theater, in die Menschen im Theater… Das war einfach toll. Ich hatte das Gefühl, es war ein Neuanfang und den habe ich auch für mich genutzt: Ich hab neue Energie getankt und ich hatte wahnsinnig viel Spaß hier in den Produktionen. Ich war auch in zwei Produktionen Cast-Sprecher, das war noch einmal eine ganz neue Erfahrung für mich, das Leute sich auf mich verlassen haben, das war so erwachsen. Ich habe mich nie als erwachsen gesehen und werde ich wahrscheinlich auch nie in meinem Leben.

Ich habe dieses Jahr zwei Auditions in Deutschland gemacht: Ich habe mich für TARZAN beworben und STARLIGHT EXPRESS. Beides hat nicht geklappt, leider. Kurze Zeit darauf hatte ich meine Knieverletzung, diesen Meniskusriss, und ich dachte: Es hat wahrscheinlich einen Sinn, dass ich diese Shows nicht bekommen habe, weil spätestens in STARLIGHT EXPRESS oder TARZAN hätte ich mir ordentlich die Bänder gerissen. Es hat alles immer einen Sinn. Linz kam dann aus dem Nichts, die Audition und der Job. Damit habe ich nicht gerechnet und ich bin froh, dass ich in Österreich bleiben kann.

Um jetzt die Frage zu beantworten, ich habe vor, in Österreich auch zu bleiben. Wenn jetzt natürlich eine Show nach Deutschland kommt, wo ich sage: Ich muss die spielen! – dann werde ich natürlich zur Audition gehen, aber erstrangig ist mein Wunsch, in Österreich alt zu werden.

Vor einigen Jahren hast du an zwei verschiedenen Talentshows teilgenommen. Zum einen bei „Ich Tarzan, du Jane!“ und zum anderen bei „X-Factor“. Bereust du heute, dass du das damals gemacht hast, oder war es eine Erfahrung, die du keineswegs missen willst?

Es war eine Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen will. Weil: „Ich Tarzan, du Jane!“ war für mich weniger eine Talentshow, denn es ging ja um eine Rolle. Es war einfach eine Audition, die mit Kameras begleitet wurde. Natürlich muss man da nicht durch Live-Shows, natürlich muss man da nicht vom Zehn-Meter-Brett springen in der Audition, das war natürlich fürs Fernsehen und für die Quote. Ich hätte jetzt alles anders gemacht als damals bei „Ich Tarzan, du Jane!“, ich war einfach sehr jung, sehr grün hinter den Ohren.

Die Teilnahme an „X Factor“ bereue ich auch nicht. Ich hab das damals wahnsinnig bereut und gesagt, ich mache so etwas nie wieder, und habe natürlich geheult, wie immer… Ich bin dahingegangen und die haben gesagt, sie haben überhaupt nichts gegen Musical-Darsteller. Ich habe denen erzählt, dass ich Musical-Darsteller bin, weil, was die meisten nicht wissen: Man kommt nicht sofort vor die Jury, man muss erst einmal ein Vorcasting ablegen, ohne Kameras, und das sind drei Runden. Und die haben gesagt: Wir haben gar nichts gegen Musical-Darsteller, aber sag es vor der Jury besser nicht. Ich bin dann vor die Jury gegangen und habe versucht, es zu verheimlichen. Dann sagt man mir auf einmal: Du klingst wie aus dem Musical und du siehst auch aus wie einer, der aus einem Musical gesprungen ist. Ich hatte ihnen gesagt, ich sei gerade quasi obdachlos – damit habe ich gemeint, dass ich tatsächlich obdachlos war, weil ich auf Tour war. Ich hatte keinen festen Wohnsitz, ich war nirgendwo gemeldet, ich hatte keine Wohnung; ich war auf Tour und da war ich in Apartments oder in Hotels. Das habe ich gesagt, das habe ich der Jury auch erklärt. Wurde vom Fernsehen natürlich netter Weise rausgeschnitten, also war ich dann ein Lügner. Dass ich den Beruf verleugnet habe, dass ich das alles verheimlichen wollte – da waren wahnsinnig viel Leute sauer auf mich. Verstehe ich auch, weil als ich das gesehen habe, fand ich mich selbst furchtbar unsympathisch. Das war auch gar nicht ich – und daraus habe ich gelernt. Wenn ich so etwas noch einmal mache, dann lege ich alle Karten auf den Tisch, auch wenn ich in jedem Interview erwähnen muss, dass ich Musical-Darsteller bin und ich meinen Beruf liebe. Trotzdem habe ich einen Reiz an diesen Shows, weil man da als Sänger steht. Da stehe ich als Riccardo und nicht als Alfred oder als Nick Hurley oder als Luceni. Danach werde ich bewertet – das ist in meinem Beruf halt eher selten. Deswegen: Nein, ich bereue keine dieser Shows. Ich würde es auch wieder machen, wenn es sich ergibt und wenn ich Interesse dafür habe.

Bis zum Juni warst du bei den Vereinigten Bühnen Wien engagiert und spieltest dort den Alfred beim BESUCH DER ALTEN DAME. Wie empfandest du dieses Stück und was ist das Besondere für dich daran?

Das habe ich ja eben schon erwähnt: DER BESUCH DER ALTEN DAME war erstens etwas Besonderes, weil ich noch nie bei einer Stückentstehung dabei war. Ich hatte damals die Rolle vom jungen Alfred auch für Thun angeboten bekommen und ich musste dann leider absagen, weil die Rolle in Amstetten kam. Ich habe aber damals den Workshop gemacht. Wenn ein Musical produziert wird, dann gibt es Entstehungs-Workshops, wo es ausgewähltem Publikum gezeigt wird. Da war ich dabei, um das Stück zu entwickeln, auch diese Rolle. Dann den Job in Wien zu machen, in meiner Heimat, war natürlich ein Highlight. Das Bühnenbild war fulminant, die Cast war der Wahnsinn. Wenn die das jetzt hören, sind sie wahnsinnig sauer auf mich, aber: Uwe Kröger, Pia Douwes, Ethan Freeman, die habe ich alle als Kind auf der Bühne gesehen, als Neun- und Zehnjähriger, und war wahnsinnig begeistert und hab gesagt, das will ich auch können. Auf einmal mit denen auf der Bühne zu stehen, zu singen, zu spielen, das war unbezahlbar. Ich bin immer noch ein Riesen-Fan von der Musik, das war toll. Auch die Arbeit mit Andreas Gergen und Christel Struck, das war eine sehr schöne, intensive Zeit. Ich würde mich freuen, wenn das Stück zurückkommt. Hoffentlich bin ich dann noch nicht zu alt für den jungen Alfred. Wenn es in 20 Jahren kommt, dann bewerbe ich mich für den alten Alfred. Was heißt, alten Alfred, für den Alfred eben. Irgendwann möchte ich das Stück noch einmal spielen, das wäre toll.

Feste Ensemble an Theatern sind eher selten. In Österreich gilt das Theater in Linz als einziges Theater mit festem Ensemble-Bestand. Was hat dich geritten, dich für eine dauerhafte Mitarbeit in diesem Ensemble zu bewerben?

In erster Linie, dass man in einem Jahr vier bis fünf, vielleicht sogar sechs Produktionen spielen kann und sich von Klein- bis zu Hauptrollen komplett ausprobieren darf. Und auch für Stücke besetzt wird, die man wahrscheinlich, vielleicht so im offenen Markt nicht bekommen hätte. Das hat mich am meisten daran gereizt. Als ich gehört habe, welche Stücke geplant sind für die Spielzeit, bin ich sofort zur Audition gelaufen, weil ich habe gedacht, Wahnsinn, die will ich spielen. Ich finde, ein festes Ensemble ist großartig. Erstens hast du eine einjährige Sicherheit, wenn nicht sogar zwei, drei oder vier, das kommt darauf an, die Häuser verlängern ihre Leute sehr gerne; DER BESUCH DER ALTEN DAME war zum Beispiel nur sechs Monate. Ich hab in Wien gewohnt, für mich war das kein Umstand. Aber es gab Leute, die aus Deutschland kamen, für ein halbes Jahr. Da muss man schon mal denken, eine Handy-Vertrag für so eine kurze Zeit zu bekommen im Ausland ist schwierig, einen Mietvertrag, Fitness-Studio-Vertrag – an so was muss man denken, das ist alles nicht immer einfach für einen Darsteller. Dass es jetzt ein festes Ensemble in Linz ist, das ist ein Gottesgeschenk. Den Job bekommen zu haben, dafür bin ich unglaublich dankbar und ich weiß das sehr, sehr, sehr zu schätzen. Ich weiß, ich werde sehr viel arbeiten im nächsten Jahr. Am 1. September haben ja die Proben begonnen für das Landestheater in Linz, für LES MISÉRABLES. Es ist sehr viel Arbeit, aber es macht wahnsinnig viel Spaß.

Welche Rollen in welchen Stücken werden in den nächsten Monaten auf dich zukommen? Du hast gerade schon LES MISÉRABLES erwähnt, was kommt da noch?

Wir fangen an mit LES MISÉRABELS, da spiele ich den Enjolras, die Rolle teile ich mir mit jemandem aus dem festen Opern-Ensemble. Das heißt, da werde ich nicht alle Vorstellungen spielen. Leider habe ich noch keine Termine, wann ich spielen werde, aber ich werde die bald bekannt geben. Danach kommt THE WORLD GOES ROUND, das ist eine Revue von Kander und Ebb. Das wird viel Tanz und Gesang. Das wird sicherlich lustig, weil der Andy Hallwaxx macht die Regie. Der hat auch schon mit einer Freundin, der Angelika Niedetzky ein Comedy-Programm auf die Beine gestellt, was ich sehr, sehr lustig fand, deswegen freue ich mich da auch sehr drauf. Das heißt, da wird viel gesungen, auch. Danach kommt COMPANY von Stephen Sondheim. Da weiß ich noch nicht, was ich spielen werde. Danach die Produktion im Großen Musiktheater: TOMMY. Da darf ich leider noch nicht sagen, was ich spielen werde. Aber: Ich freue mich sehr!

Bei all der Arbeit darf man nicht vergessen, dass der Körper und die Psyche auch einmal Ruhe und Entspannung brauchen. Wie verbringst du deine freien Tage und was gibt dir den Ausgleich?

Wenn es sich ausgeht, dann gehe ich wirklich gerne in Wellness-Thermen, einen Tag, am besten mit einer Übernachtung, mit Freunden. Es gibt immer jemanden, der mit dir mitkommt. Sich einfach mal eine Massage gönnen. Wenn so etwas nicht geht, dann tut es einfach auch schon das Kino abends für mich. Wenn man sich einen Film anschaut, raus geht dafür. Und ich habe mir eine Playstation besorgt letztes Jahr, das hilft auch ab und zu, mal eine halbe Stunde so ein Computerspiel zu spielen. Da denkt man nicht nach. Ich verbringe sehr viel Zeit mit meinem Mops. Und eben auch einfach mit Freunden was Trinken gehen, Chillen, das ist einfach schon für mich pure Erholung.

Riccardo, wir sind nun am Ende des Interviews angelangt. Vielen lieben Dank, dass du uns einen Einblick in dein Leben und das Leben eines Musical-Darstellers gegeben hast. Bevor ich jetzt das Wort noch einmal an Riccardo übergebe, sage ich Euch, lieben Zuhörern und Lesern, danke fürs Zuhören und Lesen und freue mich, wenn Ihr beim nächsten Podcast wieder zuhören würdet.

Liebe Zuhörer, liebe Leser von Musical1 – vielen Dank, dass ich dieses Interview mit dir führen durfte, Christian, es hat mir echt Spaß gemacht. Ich bin wahnsinnig dankbar für die Leute, die mich unterstützen. Ich sag so ungerne Fans, ich finde, das klingt wie ein Schimpfwort. Ist es ja nicht! Ich danke den Leuten, die mich unterstützen, und die das mögen, was ich da auf der Bühne fabriziere. Vielen Dank für die Unterstützung! Ich freue mich immer, weiterhin bekannte Gesichter und neue Gesichter zu sehen. An der Stage Door dürft Ihr mich gerne anquatschen. Manchmal habe ich so einen Röhrenblick, aber das bedeutet nicht, dass ich irgendwie genervt bin. Manchmal bin ich kürzer angebunden, weil ich eine Bahn erwischen muss oder so – aber bitte nicht sauer sein. Manchmal muss ich auch einfach schnell nach Hause zum Hund. Wenn ich kann, nehme ich mir immer Zeit, vor allem für ein Foto, Autogramm oder einfach ein kurzes Gespräch, dafür bin ich immer zu haben. Ich hoffe, das spricht sich mittlerweile rum und – Danke schön!

Kategorie: Podcast

Autor: C. Demme (18.09.2014)

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