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„Jeder sollte das sein und machen, was er möchte“ – Interview mit Janet Chvatal

Die junge Sisi haben wir mit Sarah Hummel bereits vorgestellt. Zum krönenden Abschluss unserer Interviewreihe ist die erwachsene Kaiserin Elisabeth an der Reihe. Janet Chvatal spielt in DER SCHWANENPRINZ aber nicht nur eine der Hauptfiguren. Die Amerikanerin, die seit 2004 in Füssen lebt und fast genauso lange in die Rolle der Kult-Monarchin schlüpft, arbeitet auch als Produzentin, Regisseurin und Autorin ihres Musicals, mit dem sie sich einen Traum erfüllte.

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Janet Chvatal und Marc Gremm als Sisi und Ludwig © Peter Samer / Der Schwanenprinz

 „Man muss auch bereit sein und viele Hürden nehmen“

Sie spielt nicht nur Elisabeth, sie ist es! Seit 2005 mimt Janet Chvatal die schöne Kaiserin – eine Figur, die ihr steht. Begonnen hat ihre Sisi-Laufbahn mit dem Musical LUDWIG², bei dem sie sich in ihren „Ludwig“, Marc Gremm, verliebte. Seit zwölf Jahren sind die zwei nun ein Paar – privat als Janet und Marc, auf der Bühne vorwiegend als Sisi und Ludwig. Die Ikonen liegen den beiden am Herzen. Daher geht ihre Königsgala, die jedes Jahr zu Ehren des Geburtstags von Ludwig II. stattfindet, bereits ins zehnte Jahr. Am 25. und 26. August findet das große Jubiläums-Open-Air im Klosterhof St. Mang in Füssen statt, nur fünf Tage nach der diesjährigen Dernière des Musicals DER SCHWANENPRINZ – LEBE DEINEN TRAUM.

Janet Chvatal als Kaiserin Elisabeth

Janet Chvatal in DER SCHWANENPRINZ © Peter Samer

Ja, ein eigenes Musical, das war Janets und Marcs Traum. Ein Traum, der in Prag geboren wurde. „Es war vor vier Jahren, als wir mit unserem Freund Nic Raine (Komponist; Anm. d. Red.) zusammenkamen und die Idee hatten, unser eigenes Musical zu schreiben“, erzählt Janet. Ein ganz besonderes Musical sollte es sein – über Ludwig II. und Sisi, die Paraderollen des Paares. Doch wie würde dies beim Publikum ankommen? „Ein Künstler wünscht sich ja immer, dass seine Botschaft bei den Zuschauern Anklang findet“, gesteht Janet, „mit einem so großen Erfolg haben wir allerdings nicht gerechnet. Wir hatten gehofft, dass das Schiff voll werden würde, aber so viele Anfragen haben wir nicht erwartet.“ Ausverkaufte Shows in der Premierensaison 2016 und im zweiten Jahr waren die Folge. Die Schwanenprinz-Botschaft kam und kommt noch immer an.

Janet, was macht Ihr Schwanenprinz-Musical so erfolgreich?

Mein Instinkt und meine Erfahrung sagen mir, dass es zwei Dinge sind: Zum einen haben wir mit unserer Musical-Abenteuerreise ein komplett neues Konzept. Zum anderen ist es die besondere Botschaft des Musicals. Sie ist so positiv und trifft jeden.

Beginnen wir mit der Abenteuerreise: Was erwartet die Musicalfans an Bord der MS Füssen?

Das Erlebnis beginnt bereits mit der Einfahrt des Schiffes. Die Musik, Fahnen und Girlanden sind so beeindruckend. Dann gehen die Gäste an Bord, nehmen Platz und stechen in See, wo schließlich die Geschichte beginnt. Auf dem Schiff erleben die Leute das Musical hautnah, haben dazu aber am Ufer eine wunderbare Naturkulisse in der Abenddämmerung. Die Landszenen, die Ludwigs Visionen darstellen, zeigen Ritter, einen magischer Schwan und eine Gralsburg. Es sind einfach so viele Eindrücke, mit denen das Publikum konfrontiert wird und womit es nicht gerechnet hat.

Dabei spricht das Musical keine bestimmte Ziel- oder Altersgruppe an.

Wir haben Gäste auf dem Schiff, die sieben oder acht Jahre alt sind. Der Rest geht bis 99. Die Botschaft trifft dabei jeden ganz individuell. Denn die Idee des Musicals ist, dass man seine Kindheitsträume wiederentdeckt und zum Leben erweckt…

…wie der bayerische Märchenkönig.

Richtig. Der alte König Ludwig hat seine Träume vergessen. Auf dem Forggensee begegnet er durch Magie sich selbst als Kind und junger König. Auch Sisi begleitet ihn durch diese drei Lebenskapitel. Sie steht ihm als Kind, junge Frau und erwachsene Kaiserin zur Seite. Es sind Begegnungen, durch die Ludwig zu seinen inneren Werten zurückfindet. Seine Träume werden wieder zum Leben erweckt. Es ist eine Botschaft, die jeder versteht und die jeder gerne hört. Deswegen heißt das Stück DER SCHWANENPRINZ – LEBE DEINEN TRAUM.

Gibt es eine Songzeile im Musical, die Sie besonders berührt?

Oh, das sind so viele. Zum einen ist es natürlich die zentrale Aussage des Stücks „Lebe deinen Traum“: „Leb’ deinen Traum und träume nicht dein Leben, leb’ deinen Traum, fang heute damit an. Wenn du dir treu bist und tust, was du liebst, wird dein Traum wahr! Glaube fest an dich!“ Dann ist meine Lieblingsarie momentan die Arie von Klingsor, der Albtraumversion des Königsvaters. Sie heißt: „Meister Zweifel“ und handelt von der inneren Stimme, der Zweifelsstimme. Diese Arie ist eines der besten Werke aus dem Musical, denn sie beinhaltet ein Stück Wahrheit. Natürlich kann man sagen: „Lebe deinen Traum!“ Aber man muss auch bereit sein und viele Hürden nehmen. Deshalb finde ich die Botschaft der Arie, in der Klingsor die Angst personifiziert und gegen den Traum agiert, sehr stark.

Die Botschaft des Musicals hat eine große Bedeutung für Sie. Wieso ist diese „Message“ gerade in unserer Zeit so wichtig?

Ich glaube, wir werden sehr von unserer Umwelt beeinflusst. Jeder kennt und nutzt das Internet und die modernen Kommunikationsmöglichkeiten. Egal wie weit weg Freunde und Verwandte sind, du kannst sie jederzeit erreichen. Und sobald ich meine Augen öffne, bin ich direkt verfügbar. Ich muss dazu nicht einmal aus dem Bett steigen. Viele verlieren so den Bezug zu sich und zu dem, was sie eigentlich bewegt…

…und was ihnen wirklich wichtig ist.

Ich denke, dass wir generell die Brücke zu unserem Inneren verloren haben. Jeder sagt: „Oh, ich muss heute unbedingt da hin. Ich muss unbedingt dieses Auto haben, diese Klamotten oder den Job.“ Denn diesen Lebensstandard bekommen wir von der Werbung und der Medienwelt vorgelebt. Dabei vergessen wir, wie ein wirklich erfülltes Leben aussieht.

Wie sieht ein erfülltes Leben denn aus?

Im Endeffekt sieht dies für jeden anders aus. Eine weise Frau hat einmal gesagt: „Du kannst einen Knopf nähen oder ein Schloss bauen. Beides ist recht und richtig. Du musst dich nur entscheiden.“ Es gibt so viele junge Leute, die ganz andere Träume und Visionen haben als ihre Eltern und dadurch Schwierigkeiten haben, diese auszuleben – wie Ludwig II. Jeder sollte das sein und machen, was er möchte – auch wenn es nicht mit dem Talent überein geht.

Ein perfektes Beispiel ist Ihre Tochter Naia (19), die ihren Traum ihrem Talent vorgezogen hat.

Meine Tochter ist eine extrem begabte Sängerin. Sie hat eine Gabe, für die Tausende Mädels sterben würden. Aber Naia brennt nicht für die Bühne. Sie mag die Bühne und singt für ihr Leben gerne, doch es fehlt ihr an der Leidenschaft für eine Karriere. Das Schlimmste, das ich ihr antun könnte wäre, sie in eine Richtung zu lenken, nur weil sie so begabt ist. Meine Aufgabe als Mutter und Freundin ist, sie dabei zu unterstützen, das wirkliche Glück zu finden – nicht das, das uns vorgegeben wird.

Naias Glück liegt über den Wolken.

Oh ja, sie liebt das Fliegen. Sie ist schon mit mir geflogen, als sie noch ein Baby war und ich die Engagements in Europa hatte. Später sind wir in den Ferien immer in die Staaten gereist, um die Familie zu besuchen. Und Naia hatte so viel Spaß dabei! Als sie ihre Schule in Füssen abgeschlossen hatte, entschied sie sich erst für eine „Work & Travel“-Tour. Ich habe ihr aber vorgeschlagen: „Bevor du ein Jahr lang mit Rucksack durch die Gegend reist, bewirb dich doch bei einer Fluggesellschaft.“ Sie hat sich beworben und wurde genommen. Ende August fängt sie mit dem Training bei Lufthansa an. Ab November darf sie dann fliegen.

Ihr Sohn Cypress (24) hat sich ebenfalls seinen Traum erfüllt.

Ja, mein Sohn ist nach der Schule zurück nach Amerika gegangen, um dort zu studieren. Denn er möchte Filmemacher werden. Er lebt jetzt in Los Angeles und baut sich in der Branche einen tollen Namen auf.

Naia und Cypress sind keine alltäglichen Namen. Welche Botschaften verbergen sich dahinter?

Als ich meiner Tochter nach der Geburt in die Augen schaute, sah sie aus wie eine kleine Fee. Der Name Naia kommt von dem griechischen Wort Najade, was Nymphe heißt. Und genau so sah sie damals aus, wie eine kleine Göttin. Meinem Sohn Cypress – er nennt sich „Cy“ – wollte ich einen starken Namen geben. So stark wie diese gigantischen Urbäume aus der Zypressenfamilie an der US-Westküste. Ich finde, es ist wichtig, wie man seine eigenen Geschichten erfindet und schreibt.

Die Geschichte des Märchenkönigs wurde in Füssen geschrieben und schon mehrmals erzählt – unter anderem im Musical LUDWIG², das zunächst bis 2007 im Festspielhaus aufgeführt wurde. Es war nicht ganz unschuldig an Ihrer Entscheidung, ein eigenes Ludwig-Musical zu produzieren.

Nachdem wir in LUDWIG² gespielt hatten und die Produktion 2007 eingestellt wurde, haben Marc und ich die Charaktere im Allgäu weitergelebt und über all die Jahre aufrechterhalten. Natürlich wussten wir nicht, ob LUDWIG² (auch nach der Neuinszenierung in Kempten 2011; Anm. d. Red.) je wieder auf die Bühne kommen würde. Das Musical war uns aber wichtig und wir lieben es nach wie vor. Schließlich hat es uns beide nach Füssen und zusammengebracht.

Eine Kopie des Musicals sollte DER SCHWANENPRINZ allerdings nicht werden.

Ich würde sagen, wir sind das nächste Kapitel. Es gibt die Musicals LUDWIG II., LUDWIG² und wir sind vielleicht Ludwig 2.0. Wir sind die nächste Generation. Denn unsere Geschichte dreht sich sehr um den jungen König, die Träume und Freundschaften aus der Jugend, die ein Leben lang halten – wenn wir Glück haben.

LUDWIG² hatte Glück und ist zurückgekehrt. Nach 2016 wird das Musical auch diesen August wieder – parallel zu DER SCHWANENPRINZ – aufgeführt.

Ja, das ist so genial! Ich meine, in welchen Städten auf der Welt gibt es gleichzeitig mehrere Musicals? Lass sie uns aufzählen: New York, Los Angeles, London, Hamburg, Stuttgart, vielleicht noch Berlin, Wien… Also man kann sie wirklich an zwei Händen abzählen. Und jetzt kommt: Füssen! Wir haben nur knapp 15.000 Einwohner, aber zwei Musicals.

Das klingt nicht nach Konkurrenzdenken.  

Nein, wir sehen das komplementär. Wir sind gute Kollegen und auch noch sehr häufig mit Benjamin Sahler (Regisseur LUDWIG²; Anm. d. Red.) in Kontakt. Wir haben auf dem Schiff auch eine andere Geschichte als LUDWIG², ein komplett anderes Konzept. Natürlich behandeln beide Musicals das Thema Ludwig, aber wir haben so viele Leute, die uns erzählen, dass sie zum Beispiel am Samstag bei uns sind und am Sonntag LUDWIG² besuchen. Für das Musicalpublikum gibt es jetzt zwei Gründe, nach Füssen zu kommen. König Ludwig ist ja so ein reichhaltiges Thema…

…und zusammen mit Kaiserin Elisabeth ein faszinierendes dazu. Seit über einem Jahrzehnt treten Sie und Marc Gremm in Ihren Paraderollen Sisi und Ludwig auf. Wieso können Sie die beiden nicht loslassen?

Weil sie Charaktere sind, die komplett gegen die Erwartungen der Gesellschaft agiert haben. Darin liegt auch die Kernbotschaft des Musicals. Sisi und Ludwig waren mutig und haben beide auf ihre Art ihre Träume gelebt. Sisi hat ihre Kinder selbst erzogen, ist gereist, hat Sprachen gelernt. Dazu hat sie mit ihrem Charme Ungarn erobert. Sie war keine normale Monarchin. Und Ludwig war kein normaler Monarch. Er wollte keinen Krieg, nicht in München leben. Ludwig wollte Schlösser bauen und die Musik unterstützen. Er wollte die Sagen und Legenden auferstehen lassen, wie die des heiligen Grals, der bei uns der Kelch der Träume ist. Ludwig hat seine Visionen umgesetzt, so dass Tausende, ja Millionen Menschen pro Jahr seine Träume besuchen und in sie eintauchen können. Deshalb sind beide unsterblich.

Leider hat nicht jeder die Möglichkeit, seine Träume zu verwirklichen. Hatten Sie Träume, die geplatzt sind?

Ich hatte einen Traum, den ich nicht verfolgt habe. Es ist so lustig (lacht): Als ich acht Jahre alt war, wollte ich Lastwagenfahrerin werden. Ich wollte in einem Konvoi durch ganz Amerika reisen, mit Funkgerät und so. Das war toll. Bis vor einem Jahr hatte ich noch einen weiteren Kindheitstraum, den ich mir aber zu Ostern dieses Jahres erfüllt habe.

Sie sprechen bestimmt das Schreiben des Kinderbuchs DER SCHWANENPRINZ an.

Ganz genau. Und ich habe es mit so viel Erfüllung und Zufriedenheit vollendet. Was jetzt noch auf meiner Traumliste steht ist, dass meine Kinder im Leben glücklich werden und ich sie dabei noch ein Stück begleiten kann. Aber wer weiß? Vielleicht erwacht ja bis nächstes Jahr ein neuer Traum, wenn wir wieder miteinander sprechen.

Ein alter Traum geht 2018 in die dritte Runde: Ihr Musical DER SCHWANENPRINZ. Dieses Jahr gab es einige Änderungen. Wird das Werk erneut weiterentwickelt?

In den letzten drei Jahren, in denen wir daran gearbeitet haben, haben wir es in eine Form gebracht, zu der wir bereit waren. Aber ganz ehrlich: Ich kenne fast kein Musical, das sich nach der Premiere nicht weiterentwickelt hat. Ein Musical ist ein lebendes Werk. Und so lange das ursprüngliche Produktionsteam mit dabei ist, ist es ein Werk, das auch wachsen muss. Dazu ist DER SCHWANENPRINZ eine sehr komplexe Geschichte, die sich über drei Lebensabschnitte erstreckt. Daher bin ich mir sicher, dass wir auch zum nächsten Jahr wieder ein paar Änderungen vornehmen werden. Ich weiß nur noch nicht, welche und wie. Der kreative Prozess hört aber nie auf.

Weitere Interviews zum Musical:

„Treuer Diener“ Ludwigs – Interview mit Christopher Green

„Ludwig und Sisi waren Seelenverwandte“ – Interview mit Sarah Hummel

SCHWANENPRINZ-Träume – Elias Herrmann und Philipp Maul im Interview

Kategorie: Interviews

Tags:

Autor: B. Schlager (14.08.2017)

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