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KARL DRAIS – DIE TREIBENDE KRAFT im Capitol Mannheim

Unter dem Slogan „Mannem macht Musical“ stellte das Capitol Mannheim Anfang Februar erstmals seine Eigenproduktion „KARL DRAIS – DIE TREIBENDE KRAFT“ vor. Das Musical entstand passend zur „Monnem Bike“, unter deren Dach in 2017 mit verschiedensten Veranstaltungen an die Erfindung des Fahrrads vor 200 Jahren in Mannheim erinnert wird. Das Musical über das Leben des „Mechanicus Karl Friedrich Christian Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn“ wartet mit vielen historischen Fakten sowie einer ordentlichen Portion Lokalkolorit auf.

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Karl Drais mit Draisine
Karl Drais mit Draisine © René van der Voorden

Zum 200. Jubiläum der Erfindung des Fahrrads

Drais (1785-1851) war ein Getriebener – ein Freigeist, einer der sich nicht an Konventionen hielt und mit seiner adeligen Herkunft nicht viel anfangen konnte.  Drais war an verschiedenen Schulen bevor er 1810 zum Forstmeister ernannt wurde. Ein Forstamt bekam er jedoch nicht, sondern wurde bei vollen Bezügen freigestellt, um sich auf seine Erfindungen konzentrieren zu können. 1818 wurde er zum Professor für Mechanik ernannt und erhielt weiterhin bis zu seinem Lebensende ein Gehalt als Forstmeister ohne Forstamt.

Karl und Ernestine Drais tanzen

© René van der Voorden

Anerkennung für Karl Drais erst posthum

Seine Erfindungen brachten ihm zu Lebzeiten weder Anerkennung noch materiellen Wert ein. Sein „Schnelllaufrad“, das er 1817 für Baden patentiert bekam, wurde schnell in vielen Ländern Europas nachgebaut, so dass er selbst kaum noch welche verkaufen konnte. 1822 bis 1827 nahm er an einer Forschungsreise nach Brasilien teil. Nach seiner Rückkehr konnte er nicht mehr richtig Fuß fassen, wurde immer mehr zur Spottfigur. Der „närrische Forstmeister“ mit dem „großen Durst“, wie er genannt wurde, verfiel immer mehr dem Alkohol. Zwischendrin erfand er neben der „Draisine“, wie der Vorläufer des Fahrrads später genannt wurde, allerlei Dinge wie eine „Schnellschreibmaschine“, ein „Erhöhungsperspektiv“, eine „Notenschreibmaschine“ oder eine „Kochmaschine“.

Aus Mannheim für Mannheim

Georg Veit, künstlerischer Leiter des Capitol Mannheim, ließ sich von dieser spannenden Lebensgeschichte dazu inspirieren, das Buch zum Musical zu schreiben. Rino Galiano steuerte die Songtexte, so wie gemeinsam mit Michael Herberger, die Musik dazu bei. Galiano und Herberger sind – ebenso wie Veit – bekannte Größen in Mannheim.

Marion La Marché als Agathe

© René van der Voorden

Running Gag des Abends: „Agathe, du bist entlassen“

Den dreien ist es gelungen, ein inhaltlich interessantes, historisch informatives und dennoch unterhaltsames Musical auf die Bühne zu bringen. Apropos Bühne. Diese ist einfach gehalten, ohne jegliche Umbauten. Im Wesentlichen besteht das Stück aus Gesprächen zwischen Karl Drais, seiner Schwester Ernestine und seinem Vater, dem Oberhofgerichtspräsident Karl Wilhelm Drais. Für Auflockerung und den lokalen Bezug sorgt Dienstmädchen Agathe, die von Marion La Marché vortrefflich in Original Monnemer Dialekt dargestellt wird. Derb, gottesfürchtig, urig, aber nicht dumm, ist sie das Gegengewicht zur adeligen Familie von Drais. Die Lacher des Abends gehören allesamt ihr. Agathes Solo-Stück „Ich habs kapiert“ macht sie mit ihrer riesigen Stimme zum Höhepunkt, den das Publikum mit stürmischem Applaus belohnt.

Frankenstein, Stille Nacht und Karl Sand

Die Einbettung in die historischen Gegebenheiten erfolgt mit einem Kunstgriff. „Zwei Spaßmacher/Intriganten“ im Stile der Commedia dell’arte kommentieren die Geschehnisse und informieren über die jeweiligen Ereignisse der Zeitgeschichte. Rino Galiano und Hanna Gandor tun dies mit maliziösem Spaß am Intrigieren.

Kompliziertes Vater-Sohn-Verhältnis

Tim Al-Windawe verleiht seinem Karl Drais die notwendige Unrast und viel Herzblut für seine Erfindungen. Mit solider Musicalstimme macht er neugierig darauf, ihn auch in anderen Rollen zu sehen bzw. zu hören. Die Rolle der Ernestine gibt Beatrix Reiterer die Möglichkeit (stimmlich souverän wie immer) ihre komödiantische Seite zu zeigen. Herrlich kapriziös, aber auch ganz liebevolle Schwester, unterstützt sie Karl bei seinen Ideen. Beide leiden unter dem lieblosen Vater, dem seine Stellung und seine Arbeit wichtiger sind, als das Glück seiner Kinder. Rainer Kleinstück schafft es, insbesondere die Wandlung gegen Ende und die eigene Verzweiflung über das langsame Erblinden sowie die damit verbundene Angst vor dem Verlust der Stellung glaubhaft rüberzubringen.

Vater Drais mit Intriganten

© René van der Voorden

Was ist die treibende Kraft?

KARL DRAIS – DIE TREIBENDE KRAFT lebt von seiner interessanten Geschichte. Die Musik ist eingängig und besteht zum Großteil aus wiederkehrenden Themen, wie zum Beispiel „Was ist die treibende Kraft“ von Karl oder „Es ist nur ein Gefühl“, das an verschiedenen Stellen die Beziehung zwischen Vater, Karl und Ernestine beschreibt. Auch „Manchmal ändert sich alles“ zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Stück.

 

Begleitet werden die Darsteller von Sebastian Henzl / KonradHinsken am Piano, Thilo Zirr an der Gitarre und Nora Klaus am Cello.

Wirklich liebevoll gestaltet sind die Kostüme von Daniela Werner, Irene Leible und Ursula Mack.

Mut zum Risiko

Es ist mehr als erfreulich, dass es Produzenten wie Thorsten Riehle gibt, die sich nicht scheuen, das Risiko einzugehen ein komplett neues Stück aufzunehmen, statt ausschließlich auf erprobte Publikumsmagneten zu setzen. Das Publikum im sehr gut gefüllten Capitol hat es honoriert und Stück wie Darsteller begeistert gefeiert.

Das Musical wird auch in 2018 wieder auf dem Spielplan stehen.

Weitere Infos gibt es hier
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Kategorie: Kritiken

Autor: M. Kanz (03.10.2017)

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