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BONIFATIUS – DAS MUSICAL: Premiere auf dem Domplatz Fulda

Den fulminanten Abschluss des Musicalsommers Fulda bilden 2019 die Open Air-Aufführungen von BONIFATIUS. Am 22. August fand auf dem Domplatz die Premiere der Wiederaufnahme des Musicals statt. Mit 130-köpfigem Chor und Symphonieorchester wurde die Geschichte des Heiligen in beeindruckendem Rahmen erzählt.

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BONIFATIUS - DAS MUSICAL: Bühnenbild auf dem Domplatz Fulda
BONIFATIUS: Bühnenbild © spotlight musicals

Ein besonderer Abschluss für den Musicalsommer

Der Musicalsommer Fulda mit den Stücken der spotlight musicals GmbH ist in den letzten Jahren zu einer liebgewonnenen Tradition geworden. Auch in diesem Jahr berichteten wir wieder über DIE PÄPSTIN und DER MEDICUS, die im Juni bzw. Juli für einige Wochen im Schlosstheater Fulda gezeigt wurden. Als letztes Stück in diesem Sommer hat spotlight etwas ganz Besonderes geplant: Die Wiederaufnahme von BONIFATIUS wird für wenige Tage Open Air gezeigt, passend zum 1275-jährigen Stadtjubiläum.
2004 war BONIFATIUS bei seiner Welturaufführung das erste große Projekt der spotlight musicals GmbH und liegt den Veranstaltern daher besonders am Herzen. Für die diesjährige Spielzeit wurde eine außergewöhnliche neue Inszenierung entwickelt, mit der spotlight sich einen lange gehegten Traum erfüllt: Gespielt wird vor dem Dom von Fulda, dessen Erbauung Teil der Handlung des Musicals ist.

Legende eines Heiligen

Wie der Titel des Stückes erahnen lässt, handelt BONIFATIUS von dem gleichnamigen Heiligen. In England geboren, zieht der Missionar mit seinem Schüler Sturmius im 8. Jahrhundert durch Germanien, um die dortigen „Heiden“ zum Christentum zu bekehren. Dabei ist er nicht nur dem Friesenkönig Radbod sondern auch dem korrupten Bischof Gewilip ein Dorn im Auge.

Radbod (Andreas Lichtenberger) und Bonifatius (Reinhard Brussmann)

© spotlight musicals

Erzählt wird die Geschichte des Bonifatius mit einem Augenzwinkern. In der Rahmenhandlung wird der Mönch Willibald vom Bischof von Lullus beauftragt, eine Chronik des Lebens des Missionars zu verfassen, die diesen so darstellt, dass er mit Sicherheit heiliggesprochen wird. Immer wieder wird die Erzählung durch Gespräche zwischen dem Bischof und Willibald unterbrochen, in denen ersterer den Mönch dazu anhält, gewisse Dinge ein wenig dramatischer und Bonifatius noch heldenhafter darzustellen. Auf diese Art weisen die Autoren des Stückes geschickt darauf hin, dass man nicht alles, was – auch in diesem Musical – über Bonifatius erzählt wird, für bare Münze nehmen sollte.

Zwischen Politik und Kirche

Wie auch DIE PÄPSTIN wirft BONIFATIUS einen durchaus kritischen Blick auf die Institution der Kirche. Bonifatius verurteilt ganz klar den Einsatz von Gewalt zur Bekehrung der Heiden und legt sich mit Bischof Gewilip an, als er herausfindet, dass dieser sein Amt und seine Macht missbraucht und auf Kosten der Kirche in Saus und Braus lebt. Das Stück vermittelt die wunderbare Botschaft, dass Glaube Gutes bewirken sollte und es nicht von der Religion abhängig ist, ob jemand ein guter Mensch ist.

Leider verpasst das Musical jedoch die Möglichkeit, den Glauben und Konflikte mit den Regeln und Lehren einer Religion zu diskutieren. Zwar gibt es eine vielversprechende Szene, in der eine Heidin eine der wichtigsten Glaubensfragen schlechthin stellt – „Wenn Gott so gütig ist, wieso lässt er dann Leid zu?“ – doch sie wird mit einem lapidaren „Wir sollten uns nicht anmaßen, die Wege des Herren zu ergründen“ abgespeist.
Generell sollte man sich im Klaren darüber sein, dass BONIFATIUS als Stück über einen Heiligen sehr auf den Glauben an und das Vertrauen in Gott fokussiert ist und Bonifatius unter anderem dadurch als Held dargestellt wird, dass er auch in Todesgefahr zu seinem Glauben steht. Es hilft daher sicherlich, wenn man entweder selbst religiös ist oder zumindest Verständnis für den Glauben religiöser Menschen hat, wenn man das Stück wirklich genießen möchte.

Handlung mit Schwächen

BONIFATIUS DAS MUSICAL: Sturmius (Friedrich Rau) und Alrun (Judith Jandl)

© spotlight musicals

Parallelen zu anderen spotlight-Musicals sind in BONIFATIUS durchaus erkennbar. Auch DIE PÄPSTIN handelt von einer Person, die ihren Platz in der Institution Kirche zu finden versucht, und wie auch der Protagonist Rob aus DER MEDICUS befasst sich Bonifatius mit der Frage, wie er am besten so vielen Menschen wie möglich helfen kann.
Im Gegensatz zu den erwähnten Stücken weist BONIFATIUS in Sachen Handlung jedoch noch einige Schwächen auf. Auch wenn sich das Musical inhaltlich an historischen Fakten orientiert, scheint zwischendurch der rote Faden zu fehlen. Für eine biografische Erzählung gibt es zu viele Nebenschauplätze, unter anderem die Liebesgeschichte zwischen Sturmius und Alrun, die am Ende dann nur recht knapp abgehandelt wird und etwas gezwungen wirkt. Auch große innere Konflikte wie in anderen spotlight-Stücken sucht man vergeblich, sodass der Figur des Bonifatius nicht viel Raum für eine Entwicklung gelassen wird. Das Stück beginnt mit einer Szene, die offenbar in der Gegenwart stattfindet und von einer Gruppe handelt, die das Leben des Bonifatius nachstellen will, doch diese wird im weiteren Verlauf nicht noch einmal aufgegriffen, sodass sich auch ihr Sinn für das Musical nicht erschließt.
Möglicherweise sind diese Schwächen darin begründet, dass BONIFATIUS im Gegensatz den anderen erwähnten Stücken auf überlieferten Legenden statt auf einem ausgefeilten Roman basiert. Möglicherweise sind DIE PÄPSTIN, DER MEDICUS und DIE SCHATZINSEL auch nur ein Beweis der künstlerischen Entwicklung der Spotlight-Autoren seit BONIFATIUS. In jedem Fall ist für uns BONIFATIUS leider nicht das stärkste Musical von spotlight.

Musikalisch dem „spotlight-Stil“ treu

BONIFATIUS - DAS MUSICAL: Lioba und Luidger

© spotlight musicals

Auch musikalisch lassen sich viele Parallelen zu anderen spotlight-Stücken ziehen. Wie diese weist BONIFATIUS ebenfalls eine abwechslungsreiche Mischung aus Songs auf. Vom romantischen Duett über eine anscheinend unmögliche Liebe und der gefühlvollen Ballade über flotte Ensemblenummern bis hin zu dramatischen Nummern der Antagonisten und den Gedanken des Protagonisten über seine Bestimmung ist alles dabei. Besonders Spaß macht das flotte und humorvolle „Starke Frauen“, gesungen von Bonifatius‘ Cousine, der Nonne Lioba. Doch wirkt auch gerade diese Nummer wie ein sehr gezwungener Versuch, den Frauen des Stückes mehr Zeit auf der Bühne zu geben, selbsr wenn die Handlung dafür keinen Raum bietet. Ähnlich deplatziert wirken einige der Choreografien und gesanglichen Improvisationen, die zwar durchaus gelungen sind, eventuell jedoch eher in ein MTV-Musikvideo als in ein Musical über das Mittelalter gepasst hätten. Einen vollends ausgereiften Eindruck macht daher auch das musikalische Konzept von BONIFATIUS nicht.

Großartige Besetzung

Dass der Abend bei BONIFATIUS trotz kleinerer Schwächen des Stückes sehr gelungen war, ist vor allem den großartigen Künstlern zu verdanken.
Reinhard Brussmann, der die Rolle auch schon zur Uraufführung 2004 übernahm, ist der Bonifatius wie auf den Leib geschneidert. Er bringt die Güte und Weisheit, doch auch die Strenge und des Durchhaltevermögens der Hauptfigur absolut überzeugend rüber und beeindruckt wie immer auch gesanglich mit seiner tiefen, warmen und kräftigen Stimme.  Die Rolle des naiven, unerfahrenen, aber herzensguten Sturmius übernimmt Friedrich Rau, ebenfalls ein „alter Bekannter“ aus Fulda, der mit seiner jugendlich wirkenden Frische und seiner vielseitigen Stimme überzeugt. Ihm zur Seite steht Judith Jandl als Alrun und zeigt mit ihrer starken, klaren Stimme, was sie kann, wobei sie auch aus Ensemblenummern beeindruckend hervorsticht.

BONIFATIUS - DAS MUSICAL: Dom Fulda

© spotlight musicals

Andreas Lichtenberger, der uns im vergangenen Jahr in DIE SCHATZINSEL beeindruckte, wirkt in der Rolle des Radbod teilweise etwas unterfordert, denn auch er hat eine eindrucksvolle Stimme und Bühnenpräsenz, die er in dem Stück jedoch nicht vollständig entfalten kann. Dass man Gewilip im Laufe des Stückes immer mehr zu hassen lernt, ist der gelungenen Darstellung durch Frank Josef Winkels zu verdanken, der den schmierigen, selbstverliebten Bischof für das Publikum lebendig macht.
Ein Highlight ist auch Anke Fiedler als Lioba, die in ihrer starken Gute-Laune-Nummer „Starke Frauen“ die Bühne für sich einnimmt. Auch Nebenfiguren wie Pippin und Karlmann, humorvoll und ein wenig albern verkörpert von Tom Schimon und Simon Staiger, und die Mutter (Juliane Bischoff) zeugen von dem versammelten Talent im BONIFATIUS-Ensemble.

Beeindruckende Kulissen und musikalische Untermalung

Der Domplatz Fulda bietet eine atemberaubende und einmalige Kulisse für die diesjährige Inszenierung von BONIFATIUS. Der Dom ist nicht nur für sich ein beeindruckender Anblick, der wunderbar zur Handlung des Musicals passt; er wird im Laufe des Stückes auch geschickt als Leinwand genutzt. Das Bühnenbild ist eher minimalistisch gehalten, funktioniert dank ebenjener Protektionen jedoch wunderbar. Besonders beeindruckend dargestellt wird der Bau des Doms im zweiten Akt.
Ein Highlight ist auch das große Symphonieorchester – die Kölner Symphoniker unter der Leitung von Inga Hilsberg –, welches die Show musikalisch untermalt. Der 130-köpfige Projektchor aus Fulda und Umgebung trägt ebenfalls zur stimmungsvollen Atmosphäre des Abends bei.

BONIFATIUS - DAS MUSICAL: Bischof Gewilip

© spotlight musicals

Die Kostüme der Inszenierung ließen uns jedoch teilweise ratlos zurück. Während die Christen im Stück halbwegs normale Kleidung tragen, sind die Heiden mit wenigen Fellstücken und Tierhörnern bekleidet, was den Eindruck einer etwas albernen Übertreibung der „unzivilisierten“ Lebensweise aller Nicht-Christen macht. Ähnlich „over the top“ wirken die Kostüme in den Szenen Bischof Gewilips. Während der Bischof und seine Geistlichen in rote Glitzerroben gekleidet sind, tragen seine Partygäste aufreizende Engels- und Nonnenkostüme – und tanzen die dazu passenden Choreografien–, die eher in einen Nachtclub als in den Kontext des Musicals gepasst hätten. Die Schwierigkeit besteht hier nicht direkt in den (selbstironischen?) Übertreibungen, sondern vor allem darin, dass im Stück ständig zwischen ernster Stimmung und leicht albernen, absichtlich übertrieben dargestellten Szenen gewechselt wird, was einen etwas unentschlossenen Eindruck erweckt.

Größtenteils gelungener Abend, der neugierig auf 2020 macht

Auch wenn BONIFATIUS in unseren Augen nicht das stärkste Stück der spotlight musicals GmbH ist, war die Premiere am Donnerstagabend ein durchaus beeindruckendes Erlebnis. Der Domplatz bietet eine atemberaubende Kulisse und das Orchester und der große Chor unterstreichen die von den großartigen Darstellern geschaffene Stimmung ausgezeichnet.
Wir bedanken uns bei spotlight musicals für den schönen Abend und sind gespannt auf den nächsten Musicalsommer, wenn am 19. Juni 2020 ROBIN HOOD Weltpremiere feiern wird.

Noch bis Mittwochabend (28. August) ist BONIFATIUS in drei ausverkauften Vorstellungen zu sehen. Karten für ROBIN HOOD im Rahmen des Musicalsommers 2020 sind bereits erhältlich.

Tickets für ROBIN HOOD
Tickets für ROBIN HOOD

Kategorie: Kritiken

Tags: Fulda

Autor: C. Hain(26.08.2019)

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