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Libretto

Der Begriff Libretto kommt ursprünglich aus dem Italienischen und heißt so viel wie „Büchlein“. So bezeichnet wird der Text einer Oper, einer Operette, eines Musicals oder auch einer Kantate und eines Oratoriums. Librettisten entwerfen im Libretto die Geschichte und schreiben die Texte und der Komponist entwirft im Anschluss die passende Musik. Das Zusammenspiel zwischen Libretto und Musik ist entscheidend für die Gesamtwirkung. Die Geschichte zeigt jedoch, dass nicht immer Harmonie zwischen den beiden Bereichen herrscht und das Verhältnis zwischen Libretto und Musik sich in der Zeit mehrfach wandelte.

Geschichte des Librettos

Der Begriff entstand bereits im 18. Jahrhundert und setzte sich im 19. Jahrhundert verstärkt durch, mit dem immer größeren Erfolg der Oper. Diese sollte, als Verbindung von Gesang und Text, die Tragödie nach antikem Vorbild wiederbeleben. Das Opernlibretto als Text der Oper hatte dabei eine Schlüsselrolle und Librettisten waren geachtete und angesehene Künstler. Sie arbeiteten eng mit den Komponisten zusammen.

Zu den bekanntesten Librettisten dieser Zeit gehörte Pietro Metastasio, dessen Werke von zahlreichen Komponisten vertont wurden und teilweise auch als reine Sprechstücke auf die Bühne kamen. In der Epoche der Romantik gewannen dagegen die Komponisten mehr an Bedeutung; viele Komponisten begannen auch, ihre Libretti selbst zu verfassen. Dazu gehörten zum Beispiel Richard Wagner, der alle seine Libretti selbst schrieb, Arrigo Boito und Hans Pfitzner. Die wenigsten Künstler hatten (und haben) jedoch eine derartige Doppelbegabung, die ihnen beide Tätigkeiten auf einem gleich hohen Niveau erlaubt. Gewöhnlicher sind daher fruchtbare Zusammenarbeiten zwischen einem Librettisten und einem Komponisten wie beispielsweise zwischen Lorenzo Da Ponte und Wolfgang Amadeus Mozart oder Arrigo Boito und Giuseppe Verdi.

Zur Zeit von Mozart waren die Librettisten die angeseheneren Künstler. Sie erhielten mehr öffentliche Beachtung und galten als wahre Urheber der Werke. Später wandelte sich diese Sicht und die Librettos erschienen als Beiwerk zur Musik. Noch heute wird beispielsweise mit Die Zauberflöte ausschließlich der Name Mozarts genannt, während der Librettist Emanuel Schikaneder weniger mit der Oper verbunden wird.

Zunächst bezeichnete der Begriff Libretto nur die kleinformatigen Drucke, die das Publikum zum Mitlesen während der Opernaufführung erhielt. Später erweiterte sich die Bedeutung des Begriffs und umfasst heute allgemein den Text von Werken des Musiktheaters. Bei einem Musical bezeichnet das Libretto nicht nur die Texte der Lieder, sondern auch jegliche Dialoge der Figuren.

Verhältnis Komposition zu Libretto

Im Verhältnis zwischen Librettisten und Komponisten schwang immer die Frage mit, ob für eine Oper – und später eine Operette und das Musiktheater an sich – der Text oder die Vertonung wichtiger sei. Muss der Text der Musik gehorchen und sich der Komposition beugen oder muss die Musik dem Text folgen? Was gibt den Ton in einem Stück an? Macht die Musik den Ton oder gibt die Sprache den Takt vor? – In diesem Spannungsfeld entstehen auch heutige Libretti und Kompositionen.

Ein Libretto muss einerseits Anregungen für die Musik liefern, ihr aber andererseits genügend Raum geben, um wirken zu können. Entsprechend gehorcht das Libretto anderen strukturellen Gesetzen als der gesprochene Text eines Dramas. Gesungener Text ist schwerer verständlich, die Komplexität muss daher reduziert werden. Aus diesem Grund weist ein Libretto in der Regel viele Wiederholungen auf. Die reduzierte Komplexität und die Raffung des Textes geben der Musik Zeit sich zu entfalten.

Im Zusammenspiel mit der Musik definiert das Libretto so die Charaktere des Bühnenstücks, drückt Stimmungen und Emotionen aus. Es ist eine wahre Kunst, Lieder und Dialog sinnig einzusetzen. Im Dialog müssen wichtige Informationen für die Handlung enthalten und Hintergrundinformationen untergebracht sein. Die Musik dient allgemein eher der Emotionalisierung als zur reinen Informationsweitergabe. In vielen Musicals gibt es musikalische Leitmotive, welche einzelnen Charakteren eine individuelle Note geben und an einigen Stellen auch bereits durch düstere Vorklänge einen Ausblick auf die weitere Entwicklung des Charakters geben können.

Kennzeichnend für das Opernlibretto ist weiterhin ein nicht linearer Handlungsverlauf. Die Handlung springt von einer Affektsituation zur nächsten, Bezüge auf vorangegangene oder noch kommende Ereignisse sind häufig.

Das Libretto im Musical

Beim Musical spricht man im Deutschen vom Libretto, wenn es zwischen den Prosa-Texten und den Gesangstexten keine Trennung gibt, wie es zum Beispiel bei durchkomponierten Musicals wie LES MISERABLES der Fall ist. Bei nicht durchkomponierten Musicals wird der Text als “Buch” bezeichnet. Musical-Librettisten schreiben sowohl die Songtexte als auch die Texte zwischen den Songs, welche die einzelnen musikalischen Nummern miteinander verbinden. Außerdem entscheiden sie, welcher Song an welche Stelle rückt. Auf diese Weise verleiht der Librettist der Geschichte einen dramatischen Rahmen und ihre narrative Struktur, selbstverständlich in enger Zusammenarbeit mit dem Komponisten.

Bei besonders beliebten Musicals gibt es das Libretto als eigenes Kunstwerk zu kaufen. Gerade bei überarbeiteten Versionen wie beispielsweise bei MOZART! Das Musical von Michael Kunze und Sylvester Levay kann ein solches Libretto für Fans einen interessanten Einblick in Veränderungen und Anpassungen an den Zeitgeist geben.

Viele Wege führen zum Libretto

Wie bei anderen Kunstwerken auch, kann der Weg zu einem Libretto bei jedem Musical unterschiedlich verlaufen. Auch wenn es in Deutschland lange gedauert hat, heute wird Libretto als Kunstwerk angesehen. Es gibt sogar mit der Librettologie eine eigene Forschungsdisziplin, die der Literaturwissenschaft zugeordnet wird. In dieser jungen Forschungsrichtung setzen sich Wissenschaftler mit dem Libretto auf einer Textebene auseinander. Während bisher die Texte in der Musikwissenschaft eher beiläufig mitbehandelt wurden, werden sie in der Librettologie als eigene Gattung innerhalb des Spannungsfeldes zwischen literarischen, dramaturgischen und musikalischen Voraussetzungen des jeweiligen Genres behandelt.

Auch wenn das Libretto anderen poetischen und strukturellen Gesetzen folgt als andere literarische Gattungen, wird es in der Librettologie als eine solche eigenständige literarische Gattung angesehen und untersucht. Ein Schwerpunkt der Forschung liegt auch in den Einflüssen anderer Kunstrichtungen auf ein Libretto. Daher gilt die Librettologie zu der sogenannten Komparatistik, den vergleichenden Literaturwissenschaften. Es ist jedoch eine noch immer junge Wissenschaft, die vor allem systematische Untersuchungen innerhalb der Opernlibretti vorweisen kann. Hier bleibt es abzuwarten, wie sich die Librettologie in den nächsten Jahren weiterentwickelt und ob die Forschung auch den Bereich des Musical-Librettos für sich entdeckt.

Eine unabhängige Idee des Librettisten

Es gibt Libretti, die aus der Idee einer einzelnen Person geboren werden. Völlig unabhängig von anderen Geschichten, Film und historischen Ereignissen entwickelt sich ein solches Musical aus der Idee eines Librettisten. Es kann wie jede andere Kunstrichtung ein konkretes Thema aufgreifen wie beispielsweise WEST SIDE STORY. Die Idee für dieses sozialkritische Musical stammt vom Choreografen Jerome Robbins, der dem bekannten Komponisten Leonard Bernstein vorschlug, ein modernes Romeo & Julia zu schaffen. Sie übernahmen hier also die Grundidee der zwei verfeindeten Familien und übersetzten sie in eine moderne Kulisse. Sie wollten ein Musical schreiben, was sich deutlich von der Oper unterschied. Aus dieser Idee heraus entwickelte sich über mehrere Jahre das heute berühmte Musical. Am Ende schrieb Stephen Sondheim die Texte und Arthur Laurents das Buch.

Historische Vorlagen als Inspiration

Historische Figuren oder Ereignisse können als Inspiration für ein Libretto dienen, wie beispielsweise beim Libretto von ELISABETH von Michael Kunze. Ausgehend von der historischen Figur der Kaiserin Elisabeth und den historischen Ereignissen rund um ihre Figur entwickelt Kunze hier ein Musical, in dem es um Selbstbestimmung und den Zeitgeist geht. Die Geschichte der Kaiserin wird als Liebesgeschichte mit dem Tod erzählt und hiermit eine neue Perspektive auf die Figur eingenommen.

Vorlage aus der Film-, Theater- oder Buchwelt

Ebenso kann ein Libretto sich aus einem bekannten Film, Theaterstück oder Buch heraus entwickeln. Hierbei muss der Stoff sowohl der aktuellen Zeit als auch dem Medium Bühne angepasst werden. Denn was in einem Film funktioniert, lässt sich nicht zwangsläufig auf der Bühne umsetzen. Die technischen Möglichkeiten beim Szenenwechsel sind verschieden und auch die Kosten sind ein Faktor, der beim Schreiben bereits bedacht werden muss. Wer aufmerksam die Adaptionen von erfolgreichen Disney-Filmen für die Musical-Bühne verfolgt, sieht, wie liebevoll das Libretto angepasst wird. Um erfolgreich zwischen Medien zu wechseln, sind diese Anpassungen notwendig. Ein erfahrener Librettist leistet diese Übersetzungen in ein neues Medium perfekt. Er weiß genau, was sich die Fans wünschen und welche Änderungen gleichzeitig das Portemonnaie der Produzenten schont.

Besonderheiten bei Adaptionen

Bei der Adaption eines beliebten Stoffes enthält die Vorlage nicht immer bereits Musik. Oft genug muss komplett neue Musik geschrieben werden. Oder es müssen ergänzende Nummern geschrieben werden, damit sich die Adaption dem Genre des Musicals anpasst. Mit etwas Fingerspitzengefühl und Branchenkenntnis formt ein erfahrener Librettist an dieser Stelle aus dem Stoff ein Musical. Er achtet auf die Szenen und wie sich diese auf der Bühne umsetzen lassen. Auch bei den Charakteren muss er auf die entsprechende Entwicklung schauen:

  • Welche Charaktere sind notwendig?
  • Und wer kann gestrichen werden?
  • Was sind die besonderen Kennzeichen der Charaktere?
  • Wie lassen sich die Charaktere in Musik ausdrücken?
  • Gibt es zusätzliche Figuren, wie beispielsweise einen Erzähler, der die Handlung besser verbindet?

Anhand dieser und weiterer Fragen entwickelt sich eine Adaption langsam aber sicher hinüber in ihr neues Genre, bis sich bei der Aufführung glänzt.

Ungewöhnliche Musical-Adaptionen

Auf der Suche nach Ideen, um die Musicalwelt zu bereichern, wird in viele Richtungen geschaut und dabei auch manche kuriose Produktion umgesetzt. Es liegt garantiert nicht am Libretto, dass diese unerwarteten Adaptionen mehr oder weniger auf der Musical-Bühne scheiterten.

Spider Man – Turn off the Dark – Wie viel Akrobatik und Comic geht auf der Bühne?

Es startete mit der renommierten Regisseurin Julie Taymor als künstlerische Leitung und Songs von U2-Sänger Bono. Doch die Storymischung aus Comic- und Filmvorlage mit einem Schuss griechischer Mythologie wollte nicht recht ins Laufen kommen. Nach einer desaströsen Testvorstellung warf das Kreativteam die Inszenierung  über den Haufen und Taymor nahm ihren Hut. Das Musical schrieb jedoch einige Rekorde:

  • Es hatte mit 182 Testvorstellungen die längste Previewphase unter allen Musicals.
  • Bei den aufwändigen Stunts verletzte sich eine überdurchschnittlich große Menge an professionellen Stuntmen und Akrobaten, die als Spider-Man an den Seilzügen hingen.

Das Musical lief dreieinhalb Jahre. Im Januar 2014 endeten die Aufführungen mit Verlust, da keine Unfallversicherung die Versicherung mehr übernahm.

Carrie – De Palma, King und viel Blut auf der Bühne?

Eine blutige Angelegenheit war 1988 die Adaption von Carrie vom Autor Stephen King. Die visuelle Inspiration war hier der Kultfilm Carrie – Des Satans jüngste Tochter von Brian De Palma. Vernichtende Kritiken führten zu einem Absetzen der Produktion am Broadway nach nur fünf Aufführungen. Die 8 Millionen teure Produktion wurde damit zu einem der teuersten Desaster am Broadway. Allerdings entwickelte sich Carrie mit der Mobbing-Problematik zu einem beliebten Musical für Schulen, die das Musical mit ihren Schülern auf die Bühne brachten. 2012 kam es zu einer überarbeiteten Version des Musicals Off-Broadway. Diese neue Version wurde positiv von der Kritik aufgenommen und erhielt mehrere Nominierungen bei namhaften Preisen.

American Psycho – Noch mehr Blut auf der Bühne?

Patrick Bateman war bereits im Roman von Bret Easton Ellis nichts für schwache Nerven. In der Filmversion dargestellt von Christian Bale war der Psychomörder weiter nichts für Menschen, die kein Blut sehen können. In London wagte man sich 2013 an eine Version für die Bühne. Die Hauptrolle übernahm der beliebte Doctor-Who-Darsteller Matt Smith. Die guten Kritiken brachten American Psycho 2016 an den Broadway, wo es nach nur 54 regulären Vorstellungen eingestellt wurde.

Barbarella – Wie trashig darf Musical sein?

2004 durfte die Kultfigur Barbarella auch die Musicalbühne erobern. In der Verfilmung aus dem Jahr 1968 übernahm Jane Fonda die Hauptrolle und machte sich auf den Weg durch die Galaxie, um den verschwundenen Wissenschaftler Durand-Durand zu finden. Der trashige Charakter der Filmvorlage und die irrwitzige Erotik zeigen sich beispielsweise am Titel eines der Lieder des Librettos: Mein Lustapparat. So ganz setzte sich die Adaption trotz dessen nicht durch.

Der Herr der Ringe – Reicht die Macht des Rings auch auf die Bühne?

Nach dem riesigen Erfolg der Trilogie von Peter Jackson gab es 2006/7 auch eine Version für die Musicalbühne. Uraufführung der aufwändigen Musicalversion war 2006 in Toronta. Von dort kam das Musical ans Londoner West End und wurde mit rund 25 Millionen Produktionskosten die teuerste West End-Produktion bis hierher. Während das Musical in Kanada noch vier Stunden lief, kürzten die Produzenten ihre Version im West End auf drei Stunden Spielzeit. 2009 sollte das Musical in Köln in einem extra hierfür gebauten Musical Theater aufspielen. Allerdings wurde das aufwändige Projekt am Ende in Deutschland nicht umgesetzt.

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