Die Top 9 der Musical-Komponisten

Andrew Lloyd Webber, Stephen Sondheim, John Kander und Fred Ebb – das sind die Namen, die vielen Musical-Fans einfallen, wenn sie an Musical-Komponisten denken. Natürlich gibt es darüber hinaus noch viele mehr im internationalen Musical-Betrieb. Doch wer komponierte eigentlich die meisten Bühnenstücke? Das zeigt unsere Top 9.

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Rodgers, Hammerstein und Berlin
Rodgers, Hammerstein und Berlin © Al Aumuller via commons.wikipedia.org

Wer komponierte die meisten Musicals?

Platz 1

Jerome Kern (27. Januar 1885 – 11. November 1945) geboren als Jerome David Kern, gilt als einer der wichtigsten Komponisten für Bühnenstücke des frühen 20. Jahrhunderts. In dem Vierteljahrhundert seiner Karriere war Kern als Komponist an unglaublichen 33 Stücken beteiligt. Der erste Erfolg von Jerome David Kern war es, als er 1914 die Operette „The Girl From Utah“ aus England für die amerikanische Bühne adaptierte. Bei dieser Auftragsarbeit sollte er die Operette auch mit eigenen Liedern ergänzen, damit das amerikanische Publikum sich angesprochen fühlen würde.

Typisch für Kern war es, dass die europäischen Elemente der Operetten ein Stück weit wichen. Sie machten musikalischen Elementen Platz, die heute als klassisch für die Musical Comedy gelten. Gemeinsam mit dem Librettisten Oscar Hammerstein II entwickelte er für SHOW BOAT etwas Neues: Statt einfach aneinandergereihter Musiknummern gab es ganze Szenen, die einer eigenen musikalischen Dramaturgie folgten. Kern arbeitete neben der Bühne auch für viele Musikfilme und erhielt zweimal den Oscar für den Besten Song.

Er schrieb mehr als 700 Songs, die in über 100 Bühnenstücken Verwendung fanden. Zu seinen bekanntesten Musicals zählt SHOW BOAT (zusammen mit Oscar Hammerstein II), ein Stück, das sich mit Rassismus befasst und für das Kern unter anderem den Titel „Ol' Man River“ komponierte. Für 50 Musicals und Revuen steuerte er Songs oder den kompletten Score bei.

Platz 2

Richard Rodgers (28. Juni 1902 – 30. Dezember 1979) gehört zu den fleißigsten Komponisten der USA. Zusammen mit Lorenz Hart hat er in den 1920er und 1930er Jahren 19 Musicals komponiert. Darauf folgte die äußerst erfolgreiche Zusammenarbeit mit Oscar Hammerstein II. Zusammen schufen sie 12 weitere Bühnenmusicals, darunter THE KING AND I, OKLAHOME und THE SOUND OF MUSIC.

Der Gewinn des Emmys 1962 machte Rodgers zum ersten Komponisten, der die vier großen Preise aus der amerikanischen Unterhaltungsindustrie gewann. Als eigenen Einfluss nannte Rodgers unter anderem die Lieder von Jerome Kern. Neben der kreativen Zusammenarbeit mit Hammerstein II gründeten die beiden Männer gemeinsam eine Produktionsfirma. Hier produzierten sie nicht nur eigene Stücke, sondern auch Lieder wie beispielsweise Annie Get Your Gun von Irving Berlin.

Das Erkennungsmerkmal von Rodgers Kompositionen ist vor allem der Einfluss von Jazz in den Rhythmen. Bis heute ist „Have You Met Miss Jones“ von Rodgers ein vielgeliebter und oft gecoverter Standard im Jazz. Als sein langjähriger Kreativpartner Hammerstein II 1960 starb, arbeitete Rodgers mit unterschiedlichen Librettisten zusammen. Allerdings konnte er mit keinem von ihnen an das kreative Niveau mit Hammerstein II. herankommen. Insgesamt komponierte Rodgers für 43 Broadway-Musicals und schrieb rund 900 Songs.

Platz 3

Stephen DeCesare (14. Mai 1969), US-Amerikanischer Komponist und ausgebildeter Opernsänger, schreibt hauptsächlich Musicals, die sich mit religiösen Themen befassen. Seine Oper “Our Lady Of Fatima” feierte internationalen Erfolg. Ein weiterer Höhepunkt seiner Karriere war die Aufführung seiner „Mass of Divine Mercy“ unter seiner Leitung zur Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. 27 Musicals, mehrere Oratorien sowie mehr als 20 Operetten und sechs Opern hat der Autodidakt bereits komponiert.

Platz 4

Jule Styne ( 31. Dezember 1905 – 20. September 1994) wurde in England als Julius Kerwin Stein geboren, machte sich als Komponist aber am Broadway in New York einen Namen. Zunächst aber komponierte er äußerst erfolgreich Filmmusik: Gleich zehn seiner Titel wurden für den Oscar nominiert. Das musikalisch hochbegabte Kind aus einer jüdischen Auswandererfamilie aus der Ukraine erhielt erst nach Stationen der Familie in Großbritannien in den USA entsprechende Förderung.

Als Teenager entdeckte Styne nach einer Verletzung am Zeigefinger und entsprechenden Einschränkungen beim Spielen von klassischen Stücken die unterhaltende Musik für sich. Er spielte Jazz und komponierte eigene Lieder. Sein Weg führte ihn in den 30er Jahren nach Hollywood und zum Filmmusical. Erst in den 40er Jahren begann seine Arbeit am Broadway. Aus seiner Feder stammen die bis heute beliebten Musicals Gentlemen Prefer Blondes und Funny Girl. Sein erstes Musical schrieb er 1947, HIGH BUTTON SHOES, zusammen mit Sammy Cahn. Insgesamt komponierte er die Musik für 25 Musicals.

Den Platz teilt sich Styne mit Arthur Schwartz (25. November 1900 – 3. September 1984). Schwartz brachte sich als Kind selbst das Klavierspielen bei und schrieb neben dem Jurastudium seine ersten Songs. Er lernte Broadway-Größen wie George Gershwin und Lorenz Hart kennen, die ihn ermutigten, mit seiner Arbeit weiterzumachen. Als Komponist war Schwartz für 25 Musicals verantwortlich, darunter THE BAND WAGON und PRINCESS CHARMING.

Platz 5

Cole Albert Porter (9. Juni 1891 – 15. Oktober 1964) schrieb während seiner Karriere 24 Musicals. Zu seinen Stücken gehören frühe Broadway-Erfolge der 1920er und 1930er Jahre, wie beispielsweise ANYTHING GOES. Sein Musical KISS ME, KATE war 1948 das erste Musical überhaupt, das mit dem neu ins Leben gerufenen Tony Award als bestes Musical ausgezeichnet wurde.

Viele der Songs aus seinen Musicals sind heute Evergreens. Sein Stil gilt als intellektuell und mondän. In seinen Texten finden sich viele Wortspielereien, was oftmals die Zensur auf den Plan rief. Dieser verspielte Stil machten seine Lieder für viele Größen im Jazz beliebt, die seine Lieder coverten und damit Songversionen schufen, die unabhängig von der Musicalbühnen Erfolg hatten. Unvergessen so die Version von „I’ve got you under my skin“ von Frank Sinatra oder „Night an Day“ von Ella Fitzgerald.

Auch Louis Hirsch (28. November 1887 – 13. Mai 1924) schrieb im frühen 20. Jahrhundert insgesamt 24 Musicals. Bevor er eigene Songs schrieb, arbeitete er als Pianist. Seine Stücke wurden schnell für Broadway-Revuen verwendet, sein erstes komplett komponiertes Musical war HE CAME FROM MILWAUKEE von 1910.

Ebenfalls ein früher Pionier des Musicals war der US-Amerikaner George M. Cohan (J3. Juli 1878 – 5. November 1942). Aus seiner Feder stammt die Musik zu 24 Musicals, davon wurden zwei, GEORGE M! und GEORGE M. COHAN TONIGHT! auf Basis seiner Kompositionen nach seinem Tod aufgeführt, 1968 und 2006. Cohan stand auch selber als Entertainer, Schauspieler, Sänger und Tänzer auf der Bühne und schrieb und produzierte Theaterstücke.

Auch Charles Strouse (geb. am 7. Juni 1928) komponierte 24 Musicals. Aus seiner Feder stammt beispielsweise die Musik zu BYE BYE BIRDIE und ANNIE. Strouse wurde mit drei Tony Awards ausgezeichnet: BYE BYE BIRDIE und APPLAUSE gewannen den Preis als bestes Musical, ANNIE den Preis für den besten Original-Score.

Platz 6

Eine weitere erfolgreiche Zusammenarbeit der Musical-Geschichte: Der Komponist John Kander (geb. 18. März 1927) und der Songschreiber Fred Ebb (8. April 1928 – 11. September 2004) schufen gemeinsam einige der bekanntesten Broadway-Stücke, darunter CABARET und CHICAGO.

Nach Arbeiten am Broadway als Chorusleiter und Dirigent versuchte sich Kander 1962 mit dem Komponieren in seinem eigenen Musical „A Family Affair“. Nachdem es floppte, suchte und fand Kander den Liedtexter Ebb. Die Karriere der beiden Männer war miteinander und mit der Sängerin Liza Minnelli eng verwoben. Mit ihr arbeiteten sie zusammen an dem Musical „Flora, the Red Menace“, wofür Minnelli einen Tony Award erhielt. Darauf folgte CABARET als erster großer Broadway-Erfolg 1966. Allerdings noch mit Jill Haworth als Sally Bowles. Das Musical gewann acht Tony Awards. Mit der weiblichen Hauptrolle im Film CABARET fand sich das erfolgreiche Trio wieder und Kander schrieb im Anschluss viele von Minnellis Hits wie beispielsweise „New York, New York“. John Kander komponierte die Musik zu insgesamt 21 Musicals.

Platz 7

Stephen Sondheim (geb. am 22. März 1930) arbeitet seit mehr als 50 Jahren als Komponist für Bühne und Film. Der US-Amerikaner schrieb bis heute 16 große Bühnen-Musicals, darunter das gerade von Disney verfilmte INTO THE WOODS, SWEENY TODD und SATURDAY NIGHT; außerdem die Songtexte zu WEST SIDE STORY, GYPSY und DO I HEAR A WALTZ. Dazu kommen fünf Revuen und Anthologien, in denen Sondheim-Songs zu hören sind. Sondheim erhielt acht Tony Awards, darunter einen für sein Lebenswerk, und den Oscar für den Song „Sooner or Later (I Always Get My Man“) aus dem Film „Dick Tracy“.

Musikkenner schätzen an seinen Kompositionen die unaufdringliche Komplexität. In seinen Musicals finden sich kaum die klassischen eingängigen Melodien und damit wenig Hits für das breite Publikum. Doch gerade Musicalliebhaber erfreuen sich an den besonderen Kompositionen wie beispielsweise bei SWEENEY TODD oder INTO THE WOODS.

Platz 8

Auch wer sich nicht für Musicals interessiert, hat seinen Namen bestimmt schon einmal gehört: Andrew Lloyd Webber (geb. am 22. März 1948 in London) gehört zu den bekanntesten Musical-Komponisten. Aus seiner Feder stammt die Musik zu 20 Musicals und Shows, darunter so bekannte Klassiker wie EVITA, DAS PHANTOM DER OPER, CATS und STARLIGHT EXPRESS. Andrew Lloyd Webber wurde für den Golden Globe, den Grammy und den Oscar nominiert und erhielt den begehrten Goldjungen für den Song „You Must Love Me“ aus der Musical-Verfilmung EVITA.

Auch Webber ist ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig bei der kreativen Arbeit der richtige Konterpart ist. Webbers Arbeit mit dem Texter Tim Rice brachte zahlreiche Musicals, Popsongs sowie die Musik zu Filmen hervor. Der Brite erhielt für seine Arbeit zahlreiche Ehrungen und wurde beispielsweise von der Queen in den Ritterstand erhoben.

Den Platz teilt sich Webber mit Irving Berlin (11. Mai 1888 – 22. September 1989). Berlin gilt als einer der bedeutendsten amerikanischen Komponisten und Songschreiber. Der Amerikaner russisch-jüdischer Abstammung schrieb die Musik zu 20 Bühnen-Musicals, darunter ANNIE GET YOUR GUN. Post mortem wurden die Shows WHITE CHRISTMAS und TOP HAT produziert. Außerdem komponierte Berlin für zahlreiche Film-Musicals und weitere Filme.

Der Sohn einer Familie aus Russland hat mit Sicherheit eine der spannendsten Biografien unter den Komponisten. Seinen großen Erfolg musste er sich hart erarbeiten. Denn aufgrund des frühen Todes des Vaters und der Armut der Familie musste Berlin bereits mit 14 Jahren arbeiten. Er lief schließlich von zuhause fort und verdiente sich als singender Kellner den Lebensunterhalt. Der Autodidakt lotete mit viel Experimentierfreude die Grenzen der Musik und unterschiedlicher Instrumente aus. Viele seiner Songs gehören bis heute zu den meistgespielten Jazzstandards.

Ebenfalls auf diesem Platz: der Amerikaner Frank Wildhorn (geb. am 29. November 1959). Er hat als Komponist sowohl Songs als auch Musicals geschrieben. Aus seiner Feder stammt die Musik zu Stücken wie THE SCARLET PIMPERNEL, das für den Tony Award als bestes Musical nominiert war, JEKYLL AND HYDE, DRACULA und VICTOR/VICTORIA, für das er zwei Songs beisteuerte. Insgesamt komponierte er 20 Musicals, darunter auch das noch nicht aufgeführte Stück HAVANA.

Platz 9

Howard Talbot (9. März 1865 – 12. September 1928) wurde als Richard Lansdale Munkittrick in den USA geboren, zog aber schon mit vier Jahren mit seinen Eltern nach London. Talbot schrieb einige der ersten Bühnenmusicals und komponierte insgesamt für 18 Shows, darunter unter anderem die Komödie THE ARCADIANS.

Autor: S. Gerdesmeier

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