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DAS MOLEKÜL – Die Premiere in Bielefeld

DAS MOLEKÜL feierte am 19. Mai Premiere am Theater Bielefeld. Ein hervorragendes Kreativteam und Darsteller, die überzeugend ihre Rollen als berühmte Wissenschaftler präsentieren, begeisterten das Publikum. Das Bedürfnis, immer mehr über den Aufbau des menschlichen Körpers zu erfahren und dieses Wissen zu unserem Vorteil zu nutzen, verspürt jeder Wissenschaftler. Die Wissenschaft ist ein großer Teil unserer Gesellschaft geworden, denn ohne sie wären wir nicht, wer wir heute sind. Daher ist es eigentlich ein Wunder, dass die DNA und andere interessante Themen erst jetzt Gegenstand eines Musicals geworden sind.

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DAS MOLEKÜL
DAS MOLEKÜL © Bettina Stöß

Wissenschaft als Musical

Der Wissensdrang und die Antwort auf die Frage “Was ist Leben?” treibt die Menschheit schon seit etlichen Jahren an. Wenn man darüber nachdenkt, ist es bemerkenswert, wozu der menschliche Verstand in der Lage ist. Wie kommt ein Mensch zum Beispiel auf die Idee, dass es Strahlen geben könnte, die einen Körper durchleuchten können? Wie kommt man dahinter, aus was der Mensch im Einzelnen besteht? Was ist die DNA? Die Wissenschaft beschäftigt sich schon lange mit diesen und weiteren interessanten Fragen und wird mit Sicherheit immer mehr Erkenntnisse an den Tag bringen und Rätsel entschlüsseln. Doch die Erkenntnisse, die bereits gewonnen wurden und die Menschen, die diese Wunder vollbracht haben, sollten niemals vergessen werden.

Wer sich an dieser Stelle fragt, was das Ganze mit einem Musical zu tun hat, wird jetzt aufgeklärt. Denn das Musical DAS MOLEKÜL beschäftigt sich, wie es der Name schon vermuten lässt, mit der DNA des Menschen. William Ward Murta, Komponist und musikalische Leitung, fand das Thema rund um die Entdeckung der DNA so spannend, dass er sich dazu entschloss, daraus das erste Wissenschaftsmusical entstehen zu lassen. Die Übersetzung ins Deutsche und die Inszenierung übernahm Thomas Winter. Constanze Grohmann übersetzte die Lieder in die deutsche Sprache.

DAS MOLEKÜL Thomas Klotz

Thomas Klotz © Bettina Stöß

Theater Bielefeld – Sie schaffen es immer wieder

Mit dieser Inszenierung hat das Theater Bielefeld einmal mehr bewiesen, dass es nicht nur ein Garant für gute Qualität und Unterhaltung ist, sondern auch für einzigartige Musicals und Inszenierungen, die es so noch nie gab. Schon allein die Idee Wissenschaft mit dem Genre zu verknüpfen ist ein gewagter Schritt. Doch das Kreativteam in Bielefeld hat es wieder einmal geschafft ein humorvolles, extravagantes und interessantes Musical auf die Bühne zu bringen. Dieses Musical sorgt nicht nur für einen unterhaltsamen Abend, sondern schafft es nebenbei, dem Publikum etwas über die eigene Entstehung beizubringen.

Die DNA-Doppelhelix lieferte Murta nicht nur thematisch Inspiration, sondern auch für den Ablauf des Musicals. Die Geschichte besteht aus zwei Handlungssträngen, die in verschiedenen Zeiten spielen. Die eine Handlung fängt in der Zeit von Rosalind Franklin, Maurice Wilkins, Francis Crick und James D. Watson im Jahr 1951 an. In dem zweiten Handlungsstrang kommt es zum Wettrennen um die Entschlüsselung der DNA im Jahr 1997 und 1998. So wie die Stränge der DNA, so unterstützen sich auch die jeweiligen Szenen der verschiedenen Zeiten. Die Bedeutung der Arbeit aus dem Jahr 1951 wird durch die Geschehen 1997 noch besser verdeutlicht. Dank Orts – und Zeitangaben entsteht jedoch zu keinem Zeitpunkt Verwirrung und der Zuschauer weiß immer, in welcher Handlung er sich gerade befindet.

Das Bühnenbild ist mit einigen Elementen wie Stufen, Wänden und Türen schlicht aber dennoch wirkungsvoll. Neben einigen farblichen Akzenten und bunten Projektionen, die die Komplexität der DNA und des menschlichen Aufbaus verdeutlichen, gibt es nicht viele Effekte, da diese nur von der Darstellung ablenken würden. Außerdem passt das weiße Bühnenbild und das Schlichte zum Thema Wissenschaft und den Labors der Wissenschaftler.

Nicht nur für Wissenschaftler unterhaltsam

Ob man in der Schule das Fach Biologie geliebt oder gehasst hat. Ob man die Geschichte um die Entdeckung der DNA und Franklin, Watson, Wilkins und Crick kennt oder nicht ist zu keinem Zeitpunkt von Bedeutung. Das nötige Wissen, um die Handlung zu verstehen, wird dem Zuschauer gleich zu Beginn einfach vermittelt. DAS MOLEKÜL ist daher für jeden geeignet. Empfehlenswert ist es nicht nur aufgrund der durchdachten und gelungenen Inszenierung, des stimmigen Bühnenbildes oder der großartigen Musik, sondern vor allem auch, weil das Theater Bielefeld mit einem hervorragenden und sehr bekannten Darsteller-Sextett antritt. Dabei spielen die Künstler nicht nur eine, sondern mindestens zwei, oft aber auch fünf verschiedene Rollen.

DAS MOLEKÜL

T. Klotz, A. Franzen, Opernchor © Bettina Stöß

Die bekannte Darstellerriege

Thomas Klotz hat das Privileg nur zwei Rollen spielen zu müssen und verkörpert Craig Venter, den Leiter des Instituts für Genomische Forschung in Maryland und Linus Pauling, renommierter Wissenschaftler. Als Craig Venter hat er die Aufgabe, das Publikum sachte in die Welt der Biowissenschaften einzuführen. Diese Rolle agiert so anfangs mit dem Publikum und sorgt mit dem fahrenden Rednerpult und witzigen Äußerungen für einige Lacher im Publikum. Im weiteren Verlauf kann Thomas noch mehr Facetten, vor allem die auftretende Verbissenheit der Rolle zeigen. Doch auch als Pauling kann der Darsteller überzeugen und sorgt mit einer peppigen Präsentation für die Showelemente in dem Musical.

DAS MOLEKÜL Roberta Valentini

Roberta Valentini © Bettina Stöß

Roberta Valentini kehrt seit 2007 immer wieder an das Theater Bielefeld zurück und ist vor allem in den letzten Jahren oft auf dieser Bühne zu sehen, sodass sie schon fast zum Inventar gezählt werden kann. Die gebürtige Italienerin hat mit ihren fünf Rollen in diesem Musical einiges zu tun und kann sich somit nicht über Langweile beschweren. Die beiden größten Rollen sind jedoch Rosalind Franklin und Claire Fraser. Zwischen diesen beiden Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, muss sie sehr oft und sehr schnell hin und her wechseln und verdient für die zahlreichen Quick-Changes viel Anerkennung. Dass es an dieser Stelle, wie bei der Premierenfeier erwähnt, zu Verwirrungen über das benötigte Kostüm kommen kann, ist mehr als nur verständlich. Auf der Bühne war davon jedoch nichts zu sehen und Roberta konnte in ihren Rollen die ganze Bandbreite ihrer Schauspielkunst unter Beweis stellen. So gibt sie als Franklin die reservierte, strukturierte und für ihre Arbeit lebende Wissenschaftlerin, während sie nur wenige Sekunden später im gelben Kostüm über die Bühne tänzelt und die quirlige Assistentin von Craig Venter spielt. Gesanglich bleibt Roberta unter anderen mit dem Lied über Rosalinds gelungene Darstellung des DNA-Moleküls im Gedächtnis.

DAS MOLEKÜL Veit Schäfermeier

Veit Schäfermeier © Bettina Stöß

Veit Schäfermeier spielt unter anderen Francis Crick, Biophysiker und Francis Collins, Nachfolger von Watson und beteiligt am Wettkampf um die Entschlüsselung der DNA. Veit schafft es mit seinem treffenden Schauspiel, das Publikum zu fesseln. Er lädt dazu ein, mit auf die Reise der Erfolge und Rückschläge Cricks zu gehen. Schaffen sie es am Ende doch schneller, als Pauling ein Modell der DNA-Struktur zu bauen? Ob Verbissenheit, Frust, Begeisterung oder Komik, Veit Schäfermeier weiß sein Talent einzusetzen und überzeugt die Zuschauer.
Carolin Soyka erinnert als Odile Crick immer wieder daran, dass alles zu schaffen sei, und treibt ihren Mann an. Mit ihrer erfrischenden Darstellung der Rolle bringt die Darstellerin Leichtigkeit in die Szenen und sorgt immer wieder für gute Stimmung. Auch gesanglich schafft sie es, zu überzeugen.

Alexander Franzen jongliert mit fünf Charakteren und überzeugt vor allem in seiner Rolle als Maurice Wilkins. Er leistet sich des Öfteren gleichzeitig hitzige, jedoch auch amüsante Wortgefechte mit Roberta Valentini als Rosalind Franklin.
Der sechste Darsteller der Cast ist Carlos Rivas. Er übernimmt neben vier weiteren Rollen die Darstellung des James Watson. Anfangs skeptisch, später umso interessierter an seiner Aufgabe, lässt sich Watson eine Tat zuschulden kommen, die er sich im Nachhinein nicht verzeihen kann. Noch Jahre später plagt ihn sein schlechtes Gewissen, sodass er sich an Rosalind erinnert und sie sogar in einer Vision zu ihm spricht. Dies ist eine der besonders starken Szenen für die Rolle und Rivas überzeugt mit viel Gefühl für die Feinheiten des Charakters.

DAS MOLEKÜL Valentini und Franzen

A. Franzen und R. Valentini© Bettina Stöß

Gelungene Premiere

Die Premiere am 19. Mai war ein voller Erfolg. Die Erleichterung, dass das Musical gut angenommen wurde, stand allen Beteiligten ins Gesicht geschrieben. DAS MOLEKÜL ist das erste Musical mit einem wissenschaftlichen Thema. Das Risiko, dass es den Zuschauern nicht gefällt, war gegeben, doch William Ward Murta und das Theater Bielefeld haben den Schritt gewagt und dürfen nun mit Stolz verkünden, dass es sich gelohnt hat. Das Musical läuft bis zum Juli noch sechs Mal. Anschließend findet am 14.12. eine Wiederaufnahme statt.

Kategorie: Kritiken,Stadttheater,Theater Eigenproduktionen

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Autor: S. Müller (25.05.2017)

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