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A LITTLE NIGHT MUSIC – Sondheim begeistert in Bielefeld

Melancholisch, tiefgründig und komplex: Das Stadttheater Bielefeld zeigt Sondheims "A LITTLE NIGHT MUSIC" (Das Lächeln einer Sommernacht) in deutscher Fassung. Bei der Premiere am gestrigen Samstag (21.05.2016) zeigte sich das Publikum schlussendlich begeistert, wie langanhaltender Applaus belegt. Das Ensemble in der Inszenierung von Kay Link war famos. Was neben Clowns noch einen bleibenden Eindruck hinterließ, lesen Sie im Bericht unserer Redakteurin.

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A Little Night Music – Theater Bielefeld 2016 © Bettina Stöß

Komplexität , Amourösität, Konfusion

Sondheim gilt als das „Enfant terrible“ im Musicalgenre. Seine Stücke sind selten leicht zu durchschauen, die Charaktere meist vielschichtig und seine Musik klingt zwar leicht, ist aber sehr oft anspruchsvoll zu spielen. A LITTLE NIGHT MUSIC hat eher wenig mit Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ zu tun. „DAS LÄCHELN EINER SOMMERNACHT“ – so die deutsche Übersetzung des Titels – basiert auf dem gleichnamigen Film von Ingmar Bergman.

Das Stück thematisiert das Finden und Entdecken der Liebe: Desiree Armfeldt (Melanie Kreuter), eine Schauspielerin, ist mit Graf Carl-Magnus Malcolm (Tobias Licht) liiert, der jedoch mit Charlotte Malcolm (Katharina Solzbacher) verheiratet ist. Frederik Egerman (Alexander Franzen), Desirees Jugendliebe, ist mit der deutlich jüngeren und noch jungfräulichen Anne (Johanna Spantzel) verheiratet. Sein Sohn aus erster Ehe, Henrik Egerman (Tom Schimon), ist ein Theologiestudent, der wiederum in seine Stiefmutter verliebt ist.

Das Quintett (A LITTLE NIGHT MUISC - Bielefeld 2016) © Bettina Stöß

Das Quintett (A LITTLE NIGHT MUISC – Bielefeld 2016) © Bettina Stöß

Wenn alle diese Leute vor dem Hintergrund der schwedischen Mittsommernacht für ein „Weekend auf dem Land“ zusammenkommen, versuchen die Liebhaber und Ex-Liebhaber, das Undenkbare im Namen der Liebe zu tun. Den Rahmen dieses Geschehens stellt das Anwesen der Madame Armfeldt dar (Monika Mayer), Desirees Mutter, die ihrer Enkelin, Frederika (Julia Meier), erläutert, dass die Mittsommernacht dreimal lächelt: für die jungen, unwissenden Leute, die zu wenig wissende Narren und die zu viel wissenden Alten. Zu diesen Charakteren gesellen sich die Bedienstete Petra der Egermans (Navina Heyne) und der Angestellte der Madame Armfeldt, Frid (Marius Bechen), welche bei erster Gelegenheit auf dem Land miteinander verkehren. Eingerahmt wird diese Geschichte durch ein Quintett, dass jedoch keinen direkten Einfluss auf die Handlung hat. Vielmehr repräsentieren und kommentieren die Fünf (Frank Bahrenberg, Katharina Schutza, Angelina Arnold, Carlos H. Rivas und Patrizia Margagliotta) mal als alte Menschen am Rollator, als Kollegen der Desiree, als alter Ego der Protagonisten oder als tanzende Schafe die Gedankenwelt der Handelnden und überbrücken teilweise Stimmungs- und Gedankensprünge.

Send in the clowns

 A LITTLE NIGHT MUSIC © Bettina Stöß

Anne und Henrik (A LITTLE NIGHT MUSIC – Bielefeld 2016) © Bettina Stöß

Cornelia Brey sorgt für ein schlichtes Bühnenbild: einzelne Elemente bilden abwechselnd das Schlafzimmer der Egermans, einen Raum der Malcoms oder einen der Madame Armfeldt. Wunderbar untermalt sie den inneren Monolog Frederiks im ersten Teil durch eine überdimensionale Gedankenblase, die dessen Gesang auch noch verbildlicht. Im zweiten Teil ist mittig auf der Drehbühne ein Labyrint installiert, dass das Quintett versteckt und den Charakteren diverse Rückzugmöglichkeiten ermöglicht.

William Ward Murta führt die Bielefelder Philarmoniker beschwingt durch Sondheims Partitur. Die Komplexität fällt dem Hörer selten auf. Kay Links Inszenierung ist äußerst freizügig und vielfach geschlechtsstereotyp ausgelegt.

Warum in der deutschen Fassung von Eckart Hachfeld einzig das Lied „Wo sind die Clowns“ im englischen Original „Send in the clowns“ dargebracht wird, bleibt wohl genauso ein Rätsel wie der See (oder vielmehr das tatsächlich mit Wasser gefüllte Planschbecken), in dem Henrik Egerman versucht, sich das Leben zu nehmen.

Die Darsteller meistern ihren Part hervorragend: ob Spantzel als naives Blondchen, dass ihren „Fredibus“ nur aus Mitleid geheiratet hat, oder Solzbacher als einerseits devote doch auch hinterlistige Gräfin. In Erinnerung bleiben vor allem Tom Schimon, der sich bei seinem Solo „Später“ selbst auf dem Cello begleitet oder auch Monika Mayer, die mit „Liaisons“ erahnen lässt, wie sie zu ihrem Anwesen gekommen ist. Die

© Bettina Stöß

Das Dinner (A LITTLE NIGHT MUSIC – Bielefeld 2016) © Bettina Stöß

melancholische Darbietung von „Send in the clowns“ von Melanie Kreuter bzw. in der Reprise zusammen mit Alexander Franzen besticht alle Mal. Neben dem

gemeinsamen Dinner, das mit konstanten Missverständnissen und Wortspielereien aller Charaktere gespickt ist, ist dies wohl der Höhepunkt nicht nur des zweiten Akts sondern auch des Abends. Nachdem das Stück dahin geplätschert und die Mitsommernacht vorangeschritten ist, bricht das unwiederstehliche Selbstbild der Desiree zusammen und sie wünscht sich die Clowns daher, die immer auf die Bühne geschickt werden, wenn es eine Panne gibt.

- A LITTLE NIGHT MUSIC - Bielefeld 2016 ©Bettina Stöß

Madame Armfeldt (Monika Mayer; A LITTLE NIGHT MUSIC – Bielefeld 2016) ©Bettina Stöß

Am Ende des Abends wirbelt Madame Armfeldt in ihrem Stuhl auf der Bühne umher und lächelt  – wie eben die Sommernacht für die zuviel wissenden Alten. Wenn a

uch in der Pause und nach der Vorstellung viel diskutiert wurde: „A LITTLE NIGHT MUSIC“ im Stadttheater Bielefeld ist nicht nur Unterhaltung sondern  stellt auch einen Anspruch ans Publikum dar – Sondheim bleibt nunmal Sondheim.

A LITTLE NIGHT MUSIC ist noch bis zum 10. Juli 2016 im Stadttheater Bielefeld zu sehen.

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Kategorie: Kritiken,Stadttheater

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Autor: R. Imping (22.05.2016)

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  • René Faber 23. Mai 2016 at 10:53 / Antworten

    Die kleine Nachtmusik ist von MOZART. Meinte der Autor vielleicht den Sommernachtstraum??
    René

    • R. Imping 19. Juni 2016 at 20:39 / Antworten

      Danke für den Hinweis.

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