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Wenn der Glaube zum Bösen wird – CARRIE in Hamburg

Als diesjährige Abschlussproduktion zeigen die Absolventinnen und Absolventen der Stage School Hamburg CARRIE - DAS MUSICAL, das in Deutschland bisher noch in keiner derart aufwendigen Inszenierung zu sehen war. Unterstützung erhalten die Nachwuchsdarsteller von Maya Hakvoort, die in die Mutterrolle schlüpft. Musical1 hat sich das Stück zum Ende der ersten Spielzeit angesehen und fasst zusammen, warum man sich einen Besuch in der zweiten Spielzeit ab Ende August nicht entgehen lassen sollte.

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Carrie Musical First Stage Theater ©Dennis Mundkowski

Gewagte Stückauswahl im kleinen Theater

Hamburg kann man nicht nur wegen der Auswahl an zahlreichen Musical-Produktionen als die deutsche Musicalhauptstadt bezeichnen, sondern auch weil hier der Nachwuchs ausgebildet wird, der später auf genau diesen Bühnen stehen wird. Die Stage School Hamburg bildet in drei Jahren in Tanz, Gesang und Schauspiel aus und gibt den Studentinnen und Studenten zudem die Möglichkeit, bereits während der Ausbildung Erfahrungen vor dem Publikum zu sammeln. So betreibt die Schule seit 2016 sogar ein eigenes Theater, das First Stage Theater im Stadtteil Altona, in dem die jungen Menschen ihre gelernte Theorie in der Praxis erproben können. Höhepunkt im Spielplan bildet dabei die Abschlussproduktion des dritten Studienjahrgangs. Nach FAME im letzten Jahr wurde für dieses Jahr das bisher in Deutschland kaum aufgeführte Stück CARRIE ausgewählt. Das Stück basiert auf dem ersten Werk des Horror-Roman-Autors Stephen King. Der Gedanke, ob ein unbekanntes Horror-Musical in einem knapp 300 Personen fassenden Theater wirklich lohnenswert ist, mag sich zunächst aufdrängen.

Und wird auf unmittelbar mitreißende Weise widerlegt.

Ein emotionaler Höhepunkt nach dem anderen

Die 16-jährige Carrie White ist in der Schule das ständige Opfer von Hohn und Spott. Zuhause leidet sie ebenfalls, unter dem religiösen Wahn ihrer Mutter, die das Böse hinter allem vermutet. Langsam begreift Carrie jedoch, dass sie übernatürliche Möglichkeiten hat es den Menschen, die ihr das Leben schwer machen, heimzuzahlen. Carrie beginnt eine Verwandlung, die jedoch kein gutes Ende findet.

Carrie Musical First Stage Theater

©Dennis Mundkowski

CARRIE ist definitiv kein Horror-Musical, es ist ein Stück, das gleichzeitig beängstigt und fasziniert. Bereits eine der ersten Szenen, bei denen Carrie nach dem Sportunterricht in der Dusche völlig unvorbereitet ihre erste Periode bekommt und daraufhin von ihren Schulkameraden Demütigung erfährt, packt den Zuschauer und führt von einem emotionalen Höhepunkt zum nächsten. Lorena Dehmelt spielt die Hauptrolle der Carrie von völlig hilflos bis selbstbewusst auf den Punkt. Die  Schulgang, angeführt von Alexandra Nikolina als fiese Chris Hargensen, lässt wirklich kein gutes Haar an Carrie. Einzig die Lehrerin Miss Gardener, autoritär gespielt von Isabelle Schubert, versucht Carrie Halt und Selbstvertrauen zu geben. Es gelingt den Stage School Absolventinnen und Absolventen dabei absolut authentisch den schulischen Alltag darzustellen, bei dem Carrie stets im Mittelpunkt der Mobbingattacken steht.

 

Carries Mutter im Wahn

Die bekannte Musicaldarstellerin Maya Hakvoort hat die Rolle der Margret White übernommen. Ein kluger Schachzug die renommierte Darstellerin zu verpflichten, denn auch die Abhebung aufgrund des Alters lässt sie zum perfekten Gegengewicht zum jugendlichen Schulalltag von Carrie werden. Während Carries Schulkameraden sie als schwaches Opfer gewählt haben, um sich selbst stark dastehen zu lassen, ist Magret White einem religiösen Wahn verfallen und glaubt, dass Satan überall lauert. Die Entwicklung ihrer Tochter zur Frau will sie nicht zulassen und fordert Bestrafung durch die höheren Mächte ein. Maya Hakvoort unterstützt dabei brillant das Bild davon, weshalb Carrie so wurde, wie sie ist. Es sei auch bewusst das Wort “unterstützen” gewählt, denn auch wenn Hakvoort eine lange Bühnenerfahrung vorweisen kann, lässt sie die jungen Künstler neben sich nicht verblassen, sondern gibt gerade Lorena Dehmelt in ihrer Hauptrolle die Möglichkeit sich schauspielerisch und gesanglich mit ihr zu messen. Es kann jedoch einfach nicht unerwähnt bleiben, dass Hakvoorts Solo im zweiten Akt schlichtweg unter die Haut geht.

Bühnentechnische Raffinessen

Neben der starken schauspielerischen und gesanglichen Leistung des gesamten Ensembles muss auch das Drumherum gelobt werden. Die Choreografien auf der Bühne sind überzeugend, ebenso wie die Musik von Michael Gore, die vielseitig und abwechslungsreich ist.

Carrie Musical First Stage Finale

©Dennis Mundkowski

Für CARRIE – Das Musical wurde ein aufwendiges Bühnenbild erschaffen, das sich vor Großproduktionen nicht zu verstecken braucht. Zahlreiche unterschiedliche Lichtstimmungen erzeugen Atmosphäre und vielfältige Spezialeffekte realisieren Carries telekinetische Kräfte auf der Bühne.

CARRIE im First Stage Theater Hamburg bietet ein rundum gelungenes Bühnenerlebnis und allen Mitwirkenden auf, vor und hinter der Bühne gebührt ein großes Lob dafür, diese Produktion auf die Bühne gestellt zu haben. Ein großer Fußabdruck für alle (hoffentlich) noch folgenden deutschen Produktionen von CARRIE mit den packenden vielschichtigen Thematiken, wie Mobbing oder religiösem Fanatismus, ist mit der Produktion der Stage School Absolvierenden gemacht. Die erste Spielzeit von Carrie endete am 15. Juli 2019. Ab dem 22. August 2019 folgt eine zweite Spielzeit mit wenigen Aufführungsterminen, bevor man die Darstellerinnen und Darsteller sicherlich in anderen Rollen auf den Musicalbühnen im Land verstreut, erleben wird.

Kategorie: Kritiken

Tags: Hamburg

Autor: N. Kroj(21.07.2019)

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