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Von Hamburg an den Broadway – ein Interview mit Rachel Anne Moore

Vier Jahre ist es inzwischen her, dass Sir Andrew Lloyd Webbers LIEBE STIRBT NIE, als Fortsetzung des PHANTOM DER OPER, die Zuschauer im Hamburger Operettenhaus begeisterte. Wir haben uns gefragt: Was macht eigentlich Rachel Anne Moore? Eins steht fest: Sie ist Sir Andrew Lloyd Webber treu geblieben. Sehr sympathisch und ehrlich hat sie all unsere Fragen beantwortet. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen.

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Andrew Lloyd Webber und Rachel Anne Moore
Andrew Lloyd Webber und Rachel Anne Moore © Stage Entertainment

Von LIEBE STIRBT NIE zum PHANTOM DER OPER – ein Broadway Debüt

Musical1: Von Hamburg an den Broadway – die letzten Jahre waren für Dich sehr erfolgreich. Nach LIEBE STIRBT NIE bist Du auf der US-Tour von LOVE NEVER DIES erneut als Alternierende Besetzung in die Rolle der Christine Daaé geschlüpft. Danach ging es für Dich an den Broadway zu THE PHANTOM OF THE OPERA. Wie hast Du die letzten Jahre erlebt?

Rachel Anne Moore: Ich habe meine Erlebnisse bei der US-Tour von LOVE NEVER DIES und auch jetzt bei THE PHANTOM OF THE OPERA am Broadway als sehr positiv empfunden, nachdem LIEBE STIRBT NIE vor vier Jahren geendet hatte. Es scheint so, als ob meine Stimme in den Werken von Sir Andrew Lloyd Webber immer ein „Zuhause“ hat. Ich bin sehr glücklich, nun schon sechs Jahre in Vollzeit als Musicaldarstellerin engagiert zu sein.

Musical 1: In Deinen letzten Deutschland-Produktionen hast Du in Shows von Sir Andrew Lloyd Webber in Hamburg gearbeitet. Dein erfolgreiches Broadway-Debüt war nun erneut in dem wohl bekanntesten Musical von ihm. War das schon immer ein Traum von Dir?

Rachel Anne Moore: Ja! Bei THE PHANTOM OF THE OPERA am Broadway dabei zu sein, war lange ein Traum von mir. Ich habe die Show das erste Mal gesehen, als ich 18 Jahre alt war. Ich war genau hier in New York, mit meinem Papa. Nach dem ersten Akt haben wir diskutiert, ob ich die Christine oder die Carlotta spielen würde. Nun sieht man, dass wir beide recht hatten – jeder auf seine eigene Art und Weise.

Zwei Genres im Visier: Oper und Musical

Musical1: Studiert hast Du allerdings Operngesang. In wie fern unterscheidet sich das Studium von einer Musical-Ausbildung?

Rachel Anne Moore: Bei einer Musical-Ausbildung wird viel Fokus auf Darstellung und Tanz gelegt, das findet man an einer Opernschule eher weniger, zumindest hier in den Staaten. Als ich das erste Mal als Carlotta Giudicelli auf der Bühne stand, hatte ich die darstellende Kunst noch nicht ganz komplementiert. Ich habe fast alles auf der Bühne gelernt. Was ich aber in meiner Schule gelernt habe, hatte viel mit Sprache und Aussprache zu tun. Das war für mich als „Ausländer“ in Deutschland unglaublich kostbar.

Musical1: Das Genre Musical ist ja vor allem durch seine drei Komponenten bekannt: Gesang, Schauspiel & Tanz. Was ist für Dich das Besondere an diesem Genre?

Liebe stirbt nie Gustave mit Christine und Raoul

© Stage Entertainment

Rachel Anne Moore: Eine Rolle für eine längere Zeit zu spielen, das hatte auf mich einen großen Einfluss. Wenn man vier Wochen eine Opernrolle probt und danach nur zwei bis sechs Mal spielt – manchmal mit großen Pausen zwischen Vorstellungen – hat man nicht so viel Zeit den Charakter wirklich zu entwickeln.
Aber wenn man dann nach vier bis sechs Wochen Proben eine (Musical-)Rolle 500 Mal spielt, kann man so viele Nuancen darin finden und erleben. Für mich ist Musical-Theater auch eine große und schöne Möglichkeit Kommunikation mit dem Publikum zu entwickeln.

Musical1: In beiden Genres, Oper und Musical, ist die Konkurrenz sehr groß. Wie gehst Du mit Misserfolgen oder Druck um?

Rachel Anne Moore: Ich versuche immer, nur in Konkurrenz mit mir selbst zu stehen. Das was andere Leute in den Vorsingen mitbringen – besondere Talente, sehr gute Tanzfähigkeiten, ein bestimmtes Aussehen – hat mit mir nichts zu tun. Diese Sachen sind völlig außerhalb meiner Kontrolle. Ich bleibe mir selbst treu, wenn ich in ein Auditionzimmer eintrete. Wenn meine eigenen Aspekte für eine Rolle perfekt sind, wird das Casting-Team das merken. Und wenn ich nicht richtig dafür bin, ist das einfach ein Teil des Showbusiness. Wir sind alle unterschiedlich und das ist wunderbar. Das bedeutet aber, dass wir oft nicht ideal für eine bestimmte Rolle sein werden. Wenn es aber funktioniert – dann ist es herrlich. Misserfolg und Druck sind natürlich auch normale Aspekte des Jobs. Wir sind nur Menschen und werden zeitweilig Fehler oder Misserfolg erleben. Für mich bedeutet es, dass ich genug Schlaf haben muss und auf meine Stimmgesundheit aufpasse. Solange ich eine gesunde Stimme habe, fühle ich mich relativ stressfrei und zufrieden.

„Ich liebe es, meine Studenten zu unterrichten“

Rachel Anne Moore

© Stage Entertainment/Morris Mac Matzen

Musical1: Du hast auch immer wieder Gesangsschüler unterrichtet. Bleibt dafür aktuell noch Zeit? Was macht Dir daran besonders viel Freude?

Rachel Anne Moore: Ich habe erst im Jahr 2016 angefangen regelmäßig Gesangsschüler zu unterrichten. Seitdem habe ich immer ein bisschen Zeit dafür gefunden. Manchmal nutze ich auch Skype/FaceTime für die Schüler, die weiter weg sind z. B. in Deutschland, Los Angeles oder Oklahoma. Jetzt wohne ich hier in der Nähe von New York, daher kann ich in der Stadt oder zuhause lehren. Ich finde im Moment noch gut Zeit dafür, denn ich bin meistens nur abends im Theater. Dafür habe ich normalerweise tagsüber frei. Ich liebe es, meine Studenten zu unterrichten. Es macht mich so stolz, jeden kleinen und großen Erfolg anzuschauen. Ich fühle mich so wohl, ein Teil davon zu sein. Viele der Lehrer und Lehrerinnen, mit denen ich studiert hatte, sind schon pensioniert. Deswegen fühle ich eine Verantwortung in mir, diese Technik weiter zu lehren. Wenn man etwas Besonderes gelernt hat, dann hat man den Wunsch, es mit anderen zu teilen.

Musical1: Hast Du in den letzten Jahren Deine Heimat in den USA vermisst? Es war doch bestimmt sehr schön, wieder „nach Hause zu ziehen“?

Rachel Anne Moore: Es war ein komisches Gefühl wieder hier in den Staaten zu wohnen. Wir sind so oft umgezogen, meine Familie und ich. Da kann sich jede Stadt wie ein Zuhause anfühlen oder eben auch nicht. Ich glaube, obwohl wir jetzt in New Jersey – in der Nähe von New York City – sind, dass Seattle immer mein wirkliches Zuhause sein wird. Dort wohnen ganz viele Menschen aus unseren beiden Familien und diese haben wir sehr vermisst.

Work-Life-Balance und eine kleine Rückkehr nach Deutschland

Liebe stirbt nie Keyvisual

© Stage Entertainment

Musical1: Gibt es denn im Gegenzug etwas, was Du an Deutschland vermisst?

Rachel Anne Moore: Ach, ich vermisse so viele Leute, Sachen, das Essen und die Orte! Ich vermisse meine langen Spaziergänge im Braunschweiger Prinz-Albrecht-Park und die Teezeit im Café Britannia (das leider nicht mehr da ist).
Ich vermisse auch Hamburg: das Wasser, die Fährschiffe, die Fischbrötchen, die italienische Pizza in dem Restaurant Luigi’s im Portugiesischen Viertel. Dort wird die Pizza manchmal wie ein Herz geformt, es ist immer eine Überraschung, wie man sie erhält. Ich vermisse auch die Ordnung in Deutschland, dass alles so geregelt abläuft: Zum Beispiel das Fahren auf der Autobahn ist dort viel sicherer als auf unseren Freeways. Meistens vermisse ich LIEBE STIRBT NIE: Unser Cast war eine große Familie und wir hatten unglaublich tolle Fans.

Musical1: Könntest Du dir vorstellen, für eine Produktion oder ein Konzert wieder nach Deutschland zurück zu kommen?

Rachel Anne Moore: Ich würde gerne wieder in Deutschland singen. Im Moment bin ich wunderbar hier in New York bei THE PHANTOM OF THE OPERA engagiert. Aber irgendwann werde ich zumindest wieder Konzerte in Deutschland organisieren. Ich reise zum Beispiel diesen Sommer nach Deutschland und freue mich, meine Schüler bei der OnStage – School of Musical in Braunschweig noch einmal zu treffen.

Musical1: Entspannung und Work-Life-Balance: Was machst Du am liebsten, wenn Du nicht auf der Bühne stehst?

Rachel Anne Moore: Wenn ich nicht auf der Bühne stehe, liebe ich es, meine Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Ich mache auch gern viel an unserem neuen Haus, dekoriere oder arbeite im Garten. Backen ist auch ein Talent von mir. Ich backe gerne Pies und andere leckere Sachen, die ich manchmal ins Theater mitbringe. Ich genieße auch fast jeden Tag eine entspannende Teezeit für mich selbst. Und natürlich ist spazieren gehen wirklich schön hier, in unserem kleinen Dorf, außerhalb von New York City.

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Kategorie: Interviews

Tags: Hamburg

Autor: M. Rose (10.03.2020)

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