Jetzt Tickets kaufen

Uraufführung gelungen! KNOCKIN‘ ON HEAVEN’S DOOR im Stadttheater Fürth

Standing Ovations im Zuschauerraum, Jubel hinter den Kulissen – Die Premiere von KNOCKIN‘ ON HEAVEN’S DOOR hat berührt. Mit der Musicaladaption des gleichnamigen Kultfilms haben die Beteiligten ein ganz besonderes Bühnenerlebnis geschaffen. Seit Donnerstag ist die Uraufführung im Stadttheater Fürth zu sehen. Wer das von Gil Mehmert inszenierte Rock’n-Road-Musical erleben möchte, muss sich aber sputen. Denn die zwölf Vorstellungen sind eng getaktet. Bereits am 30. Oktober finden die letzten beiden Aufführungen statt.

Diesen Beitrag teilen


Dominik Hees und Jonas Hein als Martin Brest und Rudi Wurlitzer © Thomas Langer

Leiden und lachen: Ein Roadtrip zwischen Tragik und Komik

© Thomas Langer

Ein Blick auf die Besetzungsliste genügt, um zur Erkenntnis zu gelangen: Da kann doch gar nichts schiefgehen. Vor allem Gil Mehmert dürfte den Musicalfans als Regisseur bekannt sein. Der 56-Jährige inszenierte „KNOCKIN‘ ON HEAVEN’S DOOR nicht nur, sondern schrieb auch gemeinsam mit Star-Autor Christoph Silber und Mirco Vogelsang die Songtexte für das Werk. Komponiert wurden die Musikstücke von Alex Geringas, der schon einige Hits in den Charts landete, sowie Joachim Schlüter. Wirklich verantwortlich für die Uraufführung ist allerdings jemand anderes. Denn ohne die Idee von Tino Andrea Honegger würde es die Adaption vermutlich nicht geben. Der Darsteller wollte KNOCKIN‘ ON HEAVEN’S DOOR als Musical entwickeln. Produzent Andreas Kirnberger, der bereits den Kultfilm betreute, war begeistert. Die beiden brachten das Projekt ins Rollen und auf die Bühne des Stadttheaters Fürth, wo es seit Donnerstag Beifall erntet. Zehn Jahre wurde an dem Musical geschrieben, geprobt und immer wieder gedreht. Doch der Aufwand hat sich gelohnt.

Wer den Film mit Til Schweiger und Jan Josef Liefers aus dem Jahr 1997 kennt, weiß, dass es sich bei beim Grundtenor um keine leichte Kost handelt. Die jungen Männer Martin Brest (Dominik Hees) und Rudi Wurlitzer (Jonas Hein) erhalten in der Klinik eine niederschmetternde Diagnose: Krebs. Eine Nachricht, die nur schwer zu verdauen ist. Während sich der biedere BWLer Rudi betrübt fragt: „War das alles?“, versucht der coole Draufgänger Martin sein Schicksal eher „locker“ zu sehen. Trotz Charaktere freunden sich die zwei Leidensgenossen an und schmieden einen Plan: Sie wollen aus dem Krankenhaus fliehen, um Rudis Traum zu erfüllen – endlich das Meer zu sehen. Doch KNOCKIN‘ ON HEAVEN’S DOOR wäre kein Rock’n-Road-Musical, liefe auf der Reise alles glatt. Das Chaos beginnt, als die beiden einem Gangsterduo das „blaue Baby“ ihrer Chefin klauen – einen Mercedes Pagode. Der wilde, aber vor allem emotionale, Roadtrip nimmt damit seinen Lauf.

Zwei mal zwei – Verfolgungsjagd um eine Gangsterlady

Die zwei Akte zu je 60 Minuten sind ergreifend und gehen einem sehr nahe. Bei all der Tragik um das Schicksal der jungen Protagonisten fehlt es dem Stück aber nicht an komischen Momenten. Ganz im Gegenteil. Der Galgenhumor, der Martin und Rudi auf ihrer Zielgeraden zum Himmelstor begleitet, ist so schwarz, dass den Zuschauern das Lachen im Hals stecken bleibt. Er ist so schwarz wie die Tracht des Zimmermanns, der dem todkranken Paar im Nacken sitzt. Was es mit der mysteriösen Figur auf sich hat, stellt sich im emotionalen Finale als Highlight des Musicals heraus. Da kann es schon passieren, dass dem einen oder anderen Zuschauer eine Träne über die Wangen läuft. Es sei nur so viel verraten: Bob Dylans „Knockin‘ on Heaven’s Door“ hat selten so berührt. Dominik Hees und Jonas Hein glänzen in ihren tragischen Rollen. Wenn Martin gegen seinen Hirntumor ankämpft und Rudi seinem neuen Freund beisteht, ist es so überzeugend, dass es weh tut.

© Thomas Langer

Das Publikum könnte im Mitgefühl versinken, wäre da nicht das zweite Duo des Stücks. Frankies tollpatschige Gangstersklaven lassen kein Fettnäpfchen aus. Die schnippischen Dialoge zwischen Henk (Detlef Leistenschneider) und Abdul (Pedro Reichert) sitzen. Ihre Witze, mögen sie noch so flach sein, landen dabei nie unter der Gürtellinie. In Screwball-Manier weist der etwas schlauere Niederländer seinen türkischstämmigen Kollegen immer wieder zurecht. Ein herrlich albernes Ping-Pong-Spiel. Wenn die harmlosen Kriminellen nach der Pfeife ihrer Chefin tanzen, schmeichelt es jeder Frauenseele. Denn im Gegensatz zur Filmversion ist Frankie im Musical eine taffe Lady, die von Sidonie Smith stimmgewaltig dargestellt wird. Die Nachtclub-Besitzerin weiß, wie man Männer in die Schranken weist. Dennoch begleitet sie ein Hauch von Melancholie und Sentimentalität. Hinter Frankies Schale steckt ein weicher Kern, der in einer überraschenden Wendung kurz vor dem Finale besonders zum Vorschein kommt.

Schlicht und wandelbar: „Zauberkasten“ spielt Hauptrolle

Unterstützt wird die schauspielerische Leistung der Akteure von tiefgründigen Songtexten, bei denen jedes Wort trifft. Der Sound der Band (Leitung: Jürgen Grimm) hält sich wie die Musiker selbst im Hintergrund und ist weder zu laut noch zu leise. Die Befürchtungen von Produzent Andreas Kirnberger und Regisseur Gil Mehmert haben sich damit nicht bestätigt. Die Kompositionen reichen von Rockballaden über fetzige Ohrwürmer bis hin zu Eurodance-Rhythmen, bei denen die vier Soulgirls das Publikum zum Mitfeiern animieren. An dieser Stelle muss neben der Cast das gesamte Ensemble erwähnt werden. Denn ohne die einzelnen Charaktere könnte die Geschichte so nicht erzählt werden. Sabine Bönecker als Martins demente Mutter ist hier nur ein weiteres Beispiel. Die Choreografie von Simon Eichenberger ist in KNOCKIN‘ ON HEAVEN’S DOOR kein tänzerisches Beiwerk, sondern der dramaturgische Motor des Musicals.

Überhaupt ist es faszinierend, wie die Geschichte mit schlichten Mitteln zum Leben erwacht. Die fahrende Brückenkonstruktion und ein wandelbarer „Zauberkasten“ ersetzen eine opulente Kulisse, die eindeutig fehl am Platz wäre. Dabei ist die Vielseitigkeit des Hauptrequisits erstaunlich: Die variierbare Bühnenlösung dient über das gesamte Stück als Auto, Sitzgruppe, Hotelbett oder Fels in der Brandung. Grafische Videoanimationen übernehmen weitere Teile des Bühnenbilds und zeigen Szenen, die die Handlung vorantreiben. In KNOCKIN‘ ON HEAVEN’S DOOR macht „Not“ tatsächlich erfinderisch. Martins und Rudis Reise ins Licht ist das Ergebnis kreativer Köpfe, die mit dem Rock’n-Road-Musical einen innovativen Coup gelandet haben. Tiefgründige und zweideutige Aussagen wie „Ich hab mehr/Meer in mir“, lassen die Zuschauer genauer hinsehen und hinhören. Die Botschaft ist dabei eindeutig. Deshalb bleibt am Ende nur noch zu sagen: Carpe diem!

Diesen Beitrag teilen

Monatlicher Musical-Newsletter

Erhalten Sie einmal im Monat kostenlos die wichtigsten Musical-News im Überblick: Welche neuen Musicals laufen wo? Welche tollen Musical-Angebote gibt es? Verpassen Sie keine Hinweise mehr!

Die Abmeldung von dem Newsletter ist jederzeit möglich.

Kommentar hinterlassen

Hiermit stimme ich zu, dass meine Angaben aus dem Kommentarformular zur Beantwortung meiner Antwort erhoben und verarbeitet werden. Hinweis: Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail an info@musical1.de widerrufen. Detaillierte Informationen zum Umgang mit Nutzerdaten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Newsletterhinweis schließen
Musical1 Newsletter
Zusammengefasste Musical-News
Hinweise auf gute Musical-Angebote
Regelmäßige Ticketverlosungen
Musical-Neuerscheinungen
Sicherheit des Newsletters