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Unterwegs mit Marius Bingel – Interview

Kurz vor der Dernière von GHOST haben wir uns mit Marius Bingel, dem frisch gebackenen Absolventen der Stage School Hamburg, verabredet und ihn einen Tag lang begleitet. Dabei haben wir uns über seinen Werdegang, seine Freizeitgestaltung und natürlich über sein erstes großes Engagement nach der Ausbildung unterhalten.

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Marius Bingel
Marius Bingel © Alex Bach

Marius Bingel

Der '92 in Saarburg geborene Marius Bingel ist frisch gebackener Absolvent der Stage School Hamburg. Erst im Mai letzten Jahres beendete er seine Musicalausbildung mit Auszeichnung und fasst nun Fuß in der Musicalwelt. Er nahm sich einen Tag lang Zeit für uns und wir durften ihn durch Hamburg begleiten. Damit verbunden war ein Besuch in seiner ehemaligen Ausbildungsstätte, in der er uns ein wenig herumführte und von seinen drei Jahren dort berichtete. Im Laufe des Tages kamen wir an seinem aktuellen Lieblingsrestaurant und – Ort in Hamburg vorbei, sprachen über Freizeitgestaltungen und endeten im Operettenhaus hinter und vor der Bühne.

Back to School

Am Bahnhof Altona trafen wir Marius, der uns dann zur Stage School Hamburg führte. Dort zeigt er uns die Räumlichkeiten und erklärte, wie ein üblicher Tagesablauf dort aussah.

Marius: „Zuerst ging ich immer hoch zu den Umkleiden. Da habe ich auch mein Schließfach drin und hatte mich dann für meinen anstehenden Unterricht umgezogen. Hier oben ist auch ein Fitnessstudio. Die Schüler bekommen eine vergünstigte Mitgliedschaft und können alle drei Standorte in Hamburg nutzen. Das ist für uns dann doch ganz praktisch, wenn man sich nicht noch was anderes suchen möchte und es in unmittelbarer Nähe hat.“

Im Probenraum der Stage School

© S. Ahrens

Je nachdem, welches Fach dran war, ging es dann in die entsprechenden Unterrichtsräume. Darunter sind größere Tanzräume, kleine Gesangsräume für Einzelunterricht, in denen nur ein Klavier und ein Musikspieler stehen, und dann noch größere Räume. In denen finden dann die Liedinterpretations- und Schauspielkurse statt. Das ist auch naheliegend, da man sich in diesen Fächern meist auch mehr und freier bewegen muss.

Redaktion: „Hattest du Lieblings- und „Hass“-Fächer?“

Marius: „Hm… ich würde sagen Ensemblestaging und auch Liedinterpretation waren meine Favoriten. Liedinterpretation ist auch verdammt wichtig. Es ist eine Sache, technisch richtig zu singen, aber eine andere, die Story und Emotionen dahinter auch rüberzubringen. Naja, Hassfach würde ich jetzt nicht so sagen, aber so etwas wie Theatergeschichte ist jetzt nicht unbedingt das, worauf man sich in diesem Studium freut.“

Pausenraum

© S. Ahrens

Redaktion: „Wie hast du deine Pausen verbracht?“

 

Marius: „Wir haben hier einen Aufenthaltsraum, aber ich war dann auch mal im Flur oder draußen. Wenn Unterrichtsräume frei waren, hat man auch oft schon irgendetwas vorbereitet. Das ist wichtig, denn wenn man das Studium wirklich machen will, muss man auch viel eigenständig neben dem Unterricht an sich arbeiten. In den Ferien bekommen wir auch im Tanzunterricht Hausaufgaben auf, die wir dann hier in den Räumen einstudieren. Das können Einzel-, Paar- oder auch Gruppenchoreografien sein. Mittwochs gab es mittags die Möglichkeit, das  Geprobtes vor den anderen Mitschülern und Dozenten auf unserer Präsentationsbühne vor zu stellen. Wenn man da gut genug ist, kann man auch für das Vorsprechen von EINBLICKE oder MONDAY NIGHTS eingeladen werden. Und natürlich gibt einem das die Möglichkeit, auch ein Stück weit mehr Bühnenerfahrung sammeln zu können. ich stand während meiner Ausbildung bestimmt 200mal im First Stage Theater auf der Bühne unter anderem mit unserer Semesterproduktion ADDAMS FAMILY und der Abschlussproduktion FAME.“

Redaktion: „Warum ist es Hamburg geworden?“

Marius: „Ich wollte schon immer nach Hamburg. Nach meinem Auslandsaufenthalt war es eigentlich klar, dass ich da hin möchte. Ich hatte mich auch in Essen und Berlin beworben, aber auch durch einen Zufall, bin ich in Hamburg gelandet. Damals als für mich klar wurde, dass ich auf die Bühne will, hatte ich schon in Trier im Laien/Semi-Professionelen-Theater gespielt. Zu der Zeit konnte man über einen Radiosender Plätze für einen Stage School Workshop in Trier gewinnen. Zufälligerweise habe ich da dann einen Platz gewonnen und nach dem Workshop die Einladung bekommen, die Stipendiumsaudition mitzumachen. Das hat zwar dann nicht geklappt, aber so bin ich dann nach Hamburg gekommen. Es war schon eine schwere Entscheidung, da die Ausbildung nun nicht günstig ist, aber da war ich dann sehr dankbar, dass meine Eltern mich ermutigt haben, diesen Schritt zu gehen und nachdem mir der Studienkredit genehmigt wurde, war der Ausbildungsstart auch nur noch einen Umzug nach Hamburg entfernt.“

Redaktion: „Hattest du trotzdem jemals im Studium gezweifelt?“

Marius: „Oh ja, so richtig mittendrin! Am Anfang des 2. Jahres, aber das haben fast alle. Wir nennen das >Das 2. Jahrgangstief<. In Liedinterpretation hing ich an dem Song >Standzuhalten< aus ROCKY fest und kam nicht weiter. Das hat echt an mir genagt, aber ich hab es dann irgendwann einfach liegen gelassen. Seitdem habe ich es auch nicht mehr angefasst. Ich habe da dann das Lied >Abendbrot< aus DU BIST IN ORDNUNG CHARLIE BROWN gemacht, welches dann überraschend gut ging. Das hat mir dann wieder den Schwung und die Motivation für das Studium gegeben.“

Redaktion: „War das dann auch für dich auch das härtestes Jahr?“

Marius: „Hmmm. Also das dritte Jahr war schon anstrengend, hat aber mehr Spaß gemacht. Ja doch, ich denke, durch das Tief war das zweite Jahr das härteste.

Redaktion: „Du hast ja erwähnt, dass die Ausbildung an der privaten Schule ziemlich teuer ist und ohne Stipendium oder Kredit schwer finanzierbar ist. Hattet ihr die Möglichkeit nebenbei zu jobben beziehungsweise durftet ihr das überhaupt?“

Marius: „Also verbieten tun sie uns das nicht. Die meisten Schüler jobben nebenbei in der Gastro. So wie ich. Ich habe im Vorderhaus vom Operettenhaus gearbeitet. Was auch toll ist, da ich das Theater jetzt aus viel mehr Perspektiven kenne! Bei meinem Stundenplan hatte ich immer das Glück, zweimal in der Woche zu arbeiten und hatte dann das Wochenende freier zur Verfügung, während andere da dann noch arbeiten mussten. Ich denke aber, dass es schwieriger ist, parallel zum Studium schon auf der Bühne zu arbeiten, wenn man selber noch nicht so ausgebildet ist. Wobei Ausnahmen die Regel bestätigen. Olivia Grassner aus meinem Jahrgang ist seit Anfang Januar 2018 First Cast Sarabi in DER KÖNIG DER LÖWEN und macht jetzt hier noch ihre Abschlussprüfung nach.“

Kunst und Comedy

Marius in der Otto-Ausstellung

© S. Ahrens

Unser nächster Stopp war das Museum für Kunst und Gewerbe, in dem vom 14. September 2018 bis zum 17. Februar 2019 die Otto-Ausstellung zu sehen ist. Warum suchten wir uns diese Station aus? Wie auch Marius‘ ist Otto Waalkes' Werdegang nicht ganz gradlinig verlaufen. Dieser hatte Kunstpädagogik studiert und um sein Studium zu finanzieren, fing er an, erst musikalische Auftritte zu bestreiten, die schnell zu Comedyauftritten wurden. Nach seinem Studium hatte er aber nie gelehrt, sondern verfolgte weiter die in der Not entstandene Comedy. Auch Marius hatte zuvor eine Ausbildung gemacht, die nichts mit Musical zu tun hatte. Er ist nämlich gelernter Koch.

 

Redaktion: „Nun sind wir hier im Museum für Kunst und Gewerbe. Besuchst du Museen öfter oder doch eher nur bei bestimmten Gelegenheiten?“

Marius in der Otto-Ausstellung

© S. Ahrens

Marius: „Obwohl ich seit 3 Jahren in Hamburg lebe, war ich noch nie hier. Ich muss aber auch gestehen, dass ich allgemein nicht so oft in Museen gehe. Außer vielleicht im Urlaub. Als ich zum Beispiel in Paris war, war ich dann doch im Louvre, welchen ich total beeindruckend fand.“

Redaktion: „Jetzt sind wir hier in der Otto-Ausstellungen. Ist denn Otto überhaupt dein Fall?“

Marius: „Ja schon. Man ist halt auch durch seine Kindheit geprägt. Mein Vater war Fan, also kein Megafan, aber wenn Otto im TV lief, war er der Erste, der davor saß. Wir hatten auch immer Ottifanten-Becher und so zu Hause. Ich finde es beeindruckend, dass Otto auch heute noch bei allen Generationen so aktuell ist. Von ihm kann man schon viel lernen. Eigentlich hat er immer die gleichen Blicke und Lacher, aber weiß genau, wann und wie er sie einsetzten muss.“

Redaktion: „Wir haben dich schon bei BEST OF 2018 gesehen und deine Solopräsentation war ja komödiantisch angelegt. Diese Richtung liegt dir schon oder?“

Marius: „Anschneiden schon. Auch >Abendbrot< ist ja so eine komödiantische Nummer und Joe Vegas aus FAME ist es auf seine Weise auch, aber ich bin kein Comedian. Das wäre nicht ich.“

Marius sieht Otto und Charlie Brown

Foto © S. Ahrens
Gemälde © Otto Waalkes

Buntes in die Schüssel

Wir waren nun eine Weile unterwegs und Hunger machte sich bemerkbar, was Marius dazu veranlasste, uns zu seinem aktuellen Lieblingsrestaurant zu führen.

Redaktion: „Wie bist du auf U|F Poké Bar gekommen?“

Marius: „Hm… ich weiß nicht genau. Ich glaube, Roberta Valentini kam mal mit einer Bowl von hier im Theater an und jetzt gehen gefühlt alle aus der Cast hierher. Die schmecken aber auch einfach gut und sollte man einmal keine Zeit haben die Bowl vor Ort zu essen, kann man sie mitnehmen. Das sind sogar wiederverwendbare to go Bowls. Die halbe Cast läuft mit denen rum.“

Mittagessen mit Marius Bingel

© S. Ahrens

Redaktion: „So als Koch, ist dir da die Qualität wichtig? Achtest du da bewusst drauf?

Marius: *lachend* „Also meine Eltern haben am Anfang immer gesagt: >Mit dir kann man auch nicht essen gehen<, aber ich bin jetzt nicht mehr so schlimm. Qualität ist mir schon noch wichtig, aber zum Beispiel denke ich, dass es bei der Zubereitung dann doch kein eindeutiges Richtig oder Falsch gibt.“

Redaktion: „Und wenn du essen gehst, bist du dann alleine unterwegs oder eher mit Freunden oder Kollegen?“

Marius: „Also alleine geh ich nicht essen, außer eventuell mal einen Feierabend-Döner auf dem Heimweg. So richtig außer Haus essen tue ich dann doch mit Freunden und Kollegen.“

Redaktion: „Du bist ja Koch, legst du Wert darauf, viel selber zu machen?“

Marius: „Momentan komm ich da nicht zu. Ich bin viel in im Operettenhaus in der Kantine essen oder halt zum Beispiel hier. Ich wohne in einer WG und da ist es dann schwierig auch für Gäste zu kochen, wenn man nicht sein ganzes Equipment hat. Wenn ich wieder alleine wohne, dann möchte ich auch auf jeden Fall wieder öfter für Freunde kochen.“

Redaktion: „Was für ein Essens-Typ bist du? Eher herzhaft oder leicht? Süß oder salzig?“

Marius: „Ich bin schon für alles offen. Momentan ist es dann doch eher Trendfood, wie diese Poké Bowles zum Beispiel. *lachend* Süß und salzig geht auch ganz gut zusammen. Letztens hatte ich rechts Chips liegen und links M&Ms, aber das esse ich auch eher selten. Eigentlich nur dann, wenn ich so richtig Bock drauf habe. Manchmal liegen die Sachen dann auch einfach mal länger im Schrank, weil ich es dann doch nicht gleich esse.“

Mini-Cheesecakes

© S. Ahrens

Nach der kleinen Essenspause ging es in Richtung Hafen, weil sich dort einer der Lieblingsorte von Marius befindet. Vorher gab es noch einen kleinen Zwischenstopp bei Nord Coast Coffee Roastery.
Marius: „Ich hatte mich hier mal mit zwei Freundinnen getroffen. Da kannte ich das Café noch nicht, es ist aber ganz schön. Wenn man nach hinten raus am Fenster sitzt, dann hat man eine schöne Sicht auf das Nikolaifleet. Für GHOST hatten wir im Kehrwieder geprobt. Von da aus konnte man gut in den Pause hierher kommen, um einen Kaffee zu trinken. Man sollte hier auch unbedingt die Mini-Cheesecakes probieren. Die sind super!“

Verweilen in der Freizeit

Nur ein Paar Gehminuten weiter sind wir am Binnenhafen. Zwischen den Landungsbrücken und der Speicherstadt neben der Niederbaumbrücke sind ein paar Stufen mit Blick auf den Sporthafen, die Elbphilharmonie und die Stage Theater am Hafen und an der Elbe. Dort sitzt Marius gerne, um einfach mal nichts zu tut. Nur dasitzen, die Zeit genießen und verweilen.

Marius: „Hier bin ich gerne und als wir für GHOST im Kehrwieder geprobt hatten, war es oft noch warm, sodass man auf den Stufen noch sitzen konnte. Das mache ich gerne für mich.“

Redaktion: „Und was machst du sonst so, wenn du nicht grade den Tag mit Musical1 verbringst?“

Marius: „Also vermutlich hätte ich länger geschlafen *lachend* oder wäre noch zum Fitness gegangen, vielleicht hätte ich auch einen Film geguckt oder hätte Freunde getroffen. Durch diesen Job ist es schon schwieriger seine Freunde zu sehen, aber nicht unmachbar. Aktuell lerne ich auch meine Sachen für SATURDAY NIGHT FEVER. Der Tony hat nicht grade wenig zu tun. Wenn es die Zeit hergibt, vereise ich auch gerne. Momentan waren es eher nur Kurz-/Wochenendtrips zum Beispiel nach London oder Lissabon, aber jetzt nach GHOST erfülle ich mir einen Kindheitstraum und reise nach Island. Also eigentlich ist Island mehr Mittel zum Zweck. Als Kind habe ich den Film >Free Willy< geliebt und ich möchte unbedingt einmal Orcas sehen und zu dieser Zeit sollte die Chance ganz gut sein, dort welche zu sehen. Ich habe mir da einen Campingwagen gemietet, damit ich nicht an einem Hotel gebunden bin und spontan doch noch einen Tag länger an einem Ort sein kann, falls ich sie doch nicht sehe. Ich möchte aber natürlich auch gerne mal nach New York zum Broadway. Irgendwie naheliegend bei meinem Job und um ehrlich zu sein, war das auch die erste Idee, aber dann habe ich mich für Island entscheiden.“

Redaktion: „Wie viel Musical ist eigentlich in deinem Leben? Bestimmt es deine Playlist?“

Marius: „Ja schon. Wenn ich ein neuen Song finde, dann besorge ich mir das ganze Album und als es klar war, dass ich beruflich in diese Richtung gehen werde, habe ich mich immer mehr bewusster in diesem Genre bewegt. Ich höre aber auch andere Sachen. So ziemlich alles, außer Rap, würde ich sagen. *lachend* Wobei das Lied vom U-Bahn-Geist nun auch eher Sprechgesang ist. GHOST höre ich zum Beispiel privat aber auch heute noch rauf und runter. Aber auf einem Festival war ich noch nie und auf so vielen Konzerten war ich auch noch nicht. Ein Revolverheld und ein Ärzte Konzert fällt mir jetzt ein und zuletzt war ich hier in Hamburg bei Postmodern Jukebox, die finde ich richtig cool.“

Die Bretter, die die Welt bedeuten

Männerblackbox bei Ghost

© S. Ahrens

Apropos GHOST; mittlerweile kamen wir am Operettenhaus an und durch den Bühneneingang betraten wir das Gebäude. Bevor Marius uns von Musical1 als Besucher anmeldete, trug er sich in die Liste ein. Dies müssen alle machen, denn falls es mal brennen sollte, man weiß, wer alles im Haus ist und nach wem gegebenenfalls gesucht werden muss, wenn er/sie nicht am Sammelpunkt sein sollte. Bei den Darstellerinnen und Darsteller kommt noch dazu, zu wissen, ob alle da sind oder ob vielleicht die Cover und Swings einspringen müssen. Spätestens eine Stunde vor Showbeginn müssen sie im Haus sein.

 

Dann betraten wir die heiligen Hallen. Wir gingen zuerst in die Männerblackbox. Dort ziehen sich die Männer während der Show um. Dabei hat jeder seinen festen Platz und es hängen dort auch Bilder von den Kostümen, um zu zeigen, wann welches Kostüm dran ist. Hier ist auch ein kleiner Tisch mit Spiegel, an dem sich Marius selber zum U-Bahn-Geist schminkt.

Auf den Seitenbühnen und der Hinterbühne findet man Requisiten, die während der Show gebraucht werden, zum Beispiel der rote Kühlschrank von Molly und Sam oder auch Marius' U-Bahn.

Redaktion: „Hat es lange gedauert, bis du raus hattest, wie du da sicher hochkommst?“

Marius: „Ne eigentlich nicht. Bei den Proben hat man mir gleich gesagt, wie ich das am besten anstelle und dann war es nach zwei- bis dreimal probieren eigentlich schon drin.“

Dann saß er auch schon plötzlich oben auf der U-Bahn und erzählte, dass er auf einen gewissen Ton wartet, bis er hochklettert und Sam beobachtet.

Weiter geht es in die Maske, dort stehen die Perücken. Auch Marius' Haarteil steht hier für seinen Einsatz bereit.

Marius in der Maske

© S. Ahrens

Da die Techniker dabei waren die Lichter zu testen, konnten wir nicht auf die Bühne, stattdessen zeigte uns Marius die kleine Kantine und wir versuchten auf die „Probebühne“ zu gehen, leider wurde dort auch geprobt. Die Probebühne ist aber in diesem Theater eigentlich nur ein etwas größerer Raum. Daher werden die Anfangsproben immer woanders hin verlegt. Bei KINKY BOOTS ging es auf die Probebühne vom Theater an der Elbe und wie Marius schon erzählt hatte, ging es für GHOST in die Stage Entertainment Zentrale am Kehrwieder. Als die Proben dann im Operettenhaus begannen, probten einige auf die „Probebühne“, andere direkt auf der Bühne und andere im Rangfoyer.

Marius: „Sie haben uns hier einen Tanzboden verlegt, damit wir auch hier richtig proben können. Das war schon witzig, wenn man am Proben ist und dann immer die alten Kollegen aus dem Vorderhaus an einem vorbei gingen.“

Der Traum wird Wirklichkeit

Wieder in der Männerblackbox angekommen setzten wir uns noch zusammen und unterhielten uns über den Anfang seiner neuen Karriere.

Redaktion: „Meinst du, es ist gut oder eher schlecht für den Start eine Musicalkarriere nicht die Hauptrolle bekommen zu haben?“

Marius in Ghost

© S. Ahrens

Marius: „Beides kann Vor- und Nachteile haben, aber ich finde, dass der U-Bahn-Geist nun nicht die kleinste Rolle in diesem Stück ist und schon eine gewisse Größe hat. Viel beeindruckender ist doch eigentlich, direkt nach der Ausbildung ein solch großes Engagement auf seine Vita schreiben zu können. Darauf bin ich wahnsinnig stolz, dass Stage so viel Vertrauen in mich hatte und mir die Erstbesetzung U-Bahn-Geist anbot. Man muss auch sagen, dass ich mich nicht für die Rolle beworben hatte, sondern für das Stück allgemein, weil ich noch keine Vorstellung hatte, ob eine bestimmte Rolle zu mir passen würde. Ich hatte auch überhaupt keinen Druck, diesen Job jetzt zu bekommen, da ich noch vor den Abschlussprüfungen meinen ersten Job sicher hatte. Bei der Audition fragten sie mich, ob ich nochmal in zwei Tagen den U-Bahn-Geist vorbereiten möchte und ein paar Tage später, bekam ich dann den Anruf, dass ich ihn habe. Ich hab mich wirklich gefreut.”

Redaktion: „Wie nervös bist du noch?“

Marius: „Ich bin selten nervös und wenn, dann für fünf Minuten so richtig. Bei der Generalprobe war ich zum Beispiel schon nervös, aber da war auch meine Schule da und hat zugesehen und dann wieder bei der Premiere. Danach wurde es deutlich weniger. Man wird ja auch immer sicherer und die Nervosität kommt dann nur, wenn man weiß, dass zum Beispiel Freunde und Familie da sind.“

Redaktion: „Gibt es Stücke, von denen du hoffst, sie auch mal spielen zu dürfen?“

Marius: „Hat die nicht jeder? Da gibt es einige. Ich würde gerne mal WICKED spielen oder auch LES MISÉRABLES, WEST SIDE STORY, AIDA und auf AMERICAN IDIOT hätte ich auch Lust.“

Redaktion: „Hast du Angst vor der Zukunft?“

Schlussapplaus bei Ghost in Hamburg

© S. Ahrens

Marius: „Wenn man diesen Beruf machen möchte, dann sollte man das Risiko kennen, und wenn man Angst davor hat, dann ist es vielleicht nicht das richtige für einen. Zwar kann man mit der Einstellung >Ich weiß, wie es sein kann< nicht verhindern, dass man mal vielleicht keinen Job auf der Bühne bekommt, aber man kann es entspannter angehen, oder auch anders damit umgehen, wenn man sich auf so etwas auch vorbereitet. Ich hab jetzt auch kein Problem damit, wieder eine Zeit lang in der Gastro zu arbeiten, wenn es sein muss. Ich mag ja auch diesen Job, aber so richtig erfüllend ist für mich die Bühne. Wenn man es schafft, die Zuschauer für drei Stunden in eine andere Welt zu versetzen.“

Redaktion: „Die Dernière steht ja schon vor der Tür. Weißt du schon, was du für dich aus der Zeit von GHOST für dich mitnimmst?“

Marius beim Schlussapplaus von Ghost

© S. Ahrens

Marius: „Hm… Ich habe gelernt, wie man bei acht Shows in der Woche seine Kraft einteilt, und natürlich habe ich auch neue Freundschaften geschlossen, durfte tolle Kollegen kennenlernen und habe ein Stück mehr Professionalität gewonnen, die ich auch von meinen Kollegen lernen konnte. Das war ein ganz anderes Arbeiten als jetzt zum Beispiel die Produktion von FAME.

Redaktion: „Was würdest du einem potentiellen Bewerber für eine Musicalausbildung mitgeben?“

Marius: „Sei dir der Risiken bewusst und höre auf dein Bauchgefühl. Wenn du es wirklich willst, dann tu es auch und bleib dabei immer du selbst. Lass dich einfach nicht verbiegen, aber formen.“

Wir bedanken uns herzlich bei Marius Bingel für diesen Tag in Hamburg und dass wir einen kleinen Einblick in den Alltag eines Musicaldarstellers gewinnen konnten. Wir hoffen sehr, dass Marius sich weiterhin treu beleibt, dass Glück und Erfolg ihn nicht verlassen werden und dass er uns noch lange auf der Bühne in eine andere Welt versetzen kann.

Kategorie: Ghost - Das Musical, Interviews

Tags:

Autor: S. Ahrens(13.01.2019)

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