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Umjubelte Uraufführung von HERZ AUS GOLD

Am 30.06.2018 feierte das Fugger-Musical HERZ AUS GOLD in Augsburg seine Uraufführung. Das Stück ist trotz historischem Hintergrund im Musikstil moderner gehalten. Die Kulissen und Kostüme sorgten für das mittelalterliche Ambiente. Standing Ovations auf allen Tribünen bezeugten den Erfolg des Musicals.

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Tanzt! aus Herz aus Gold
HERZ AUS GOLD © Jan-Pieter Fuhr

Das Fugger-Musical

Die Familie Fugger ist untrennbar mit der Geschichte Augsburg verknüpft. Vor allem Jakob Fugger, der einen großen Teil dazu beitrug. Vor 500 Jahren verhörte man Martin Luther dreimal im Stadtpalast von Jakob Fugger. Ein solch historisches Jubiläum, das eng mit der bekanntesten Familie von Augsburg verknüpft ist, lieferte den Auftrag für ein Musical über Jakob Fugger. Unter dem Titel HERZ AUS GOLD schufen Stephan Kanyar (Musik) und Andreas Hillger (Text) ein Werk, das auch hohen Ansprüchen durchaus gerecht wird. Dies wird durch die nahezu ausverkaufte Show und die Standing Ovations des gesamten Publikums bewiesen. Es ist ein Stück, das noch vielen Besuchern einen unvergesslichen Abend schenken wird.

Jakob Fugger – aufstrebender Kaufmann und Wohltäter

Das Stück beginnt 1487 mit der Rückkehr von Jakob Fugger nach Augsburg. Dieser war zuvor in Venedig, wo er eine Ausbildung zum Kaufmann absolvierte und erfolgreich Geschäfte führte. Zurück in Augsburg stößt er auf alte Traditionen, denen er, der voller innovativer Ideen ist, nur schwer beugen kann. Schon im ersten Song „Tanzt!“ von Jakob Fugger wird dies überdeutlich. Während er mit neuen Tanzschritten für Aufruhr sorgt, versucht Jakobs Mutter ihrem Sohn klar zu machen, dass er sich eine Frau suchen muss. Auf dem Fest trifft Jakob auf seine Jugendliebe Sibylla und tanzt mit ihr. Seine Liebe für sie war nie erloschen, doch muss er feststellen, dass sich auch in Augsburg die Welt weiter drehte. Seine Jugendliebe ist verheiratet und hat bereits eine Tochter – Sibylla Junior.

Zurück im Familiensitz offenbart Jakob seiner Familie die neuen Wege, die er einschlagen wird. Durch Kredite an den zukünftigen Kaiser erhält er Zinsen und Land, auf denen Bergminen sind. Seine Brüder sind gegen dieses neue Geschäftsmodell, doch seine Mutter Barbara gibt ihm ihren Segen. Es vergehen Jahre, in denen sich Jakob Fugger zum reichsten Mann der Welt hoch arbeitet. Gleichzeitig lehnt er alle Heiratsanträge ab, vor allem die, welche ihm der einflussreiche Kaufmann Welser unterbreitet. Dieser hat die Hoffnung, dass die Ehe zwischen seiner Tochter und Jakob Fugger zwei große Handelsimperien verbindet. Jakob jedoch führt eine heimliche Affäre mit Sibylla, die diese schließlich schweren Herzens beendet. Auch nach dem Tod von Sibyllas Mann heiratet sie Jakob nicht, sondern arrangiert eine Ehe zwischen ihm und ihrer Tochter Sibylla junior. Eher widerwillig stimmt Jakob zu und eine prachtvolle Hochzeit findet kurz darauf statt.

Die Hochzeit von Jakob und Sibylla jr.

© Jan-Pieter Fuhr

1518 erscheint der Kaiser Maximilian I. zum Reichstag in Augsburg. Jedoch sieht jeder, dass dieser dem Tod nah ist. Auch Jakob Fugger entgeht das nicht und er fürchtet um seine Geschäfte, da er das meiste Geld an den Kaiser verliehen hat. Seine Jugendliebe Sibylla organisiert ein pompöses Fest, das Jakob die Möglichkeit bieten soll, den Kaiser vertraulich auf die bisherigen Schulden anzusprechen. Während alles für das Fest vorbereitet wird, kommt es zu einem Streit zwischen Sibylla und ihrer Tochter. Diese wirft ihr vor, sie zu dieser unglücklichen Ehe gezwungen zu haben. Jakob zeigt sich ihr gegenüber kühl und distanziert, da er weiterhin ihre Mutter liebt. Währenddessen taucht Welser auf, um sich am drohenden Ruin von Jakob zu laben, doch dieser präsentiert schon seine Lösung: die Reichtümer des neu entdeckten Amerikas.

Als das Fest stattfindet, spricht Jakob mit dem Kaiser und schließt einen letzten Handel mit diesem ab, der ihm die Goldschürfrechte in der „Neuen Welt“ zusichern. Im Gegenzug dafür soll Jakob seinen Stadtpalast zum Verhör von Martin Luther zur Verfügung stellen. Als Jakob auf Martin Luther trifft, kommt es zur Diskussion. Der Prediger verurteilt den Ablasshandel, den die Familie Fugger unterstützt. Jakob verteidigt sich damit, dass er eine Siedlung für arme Tagelöhner errichtet, Stiftungen unterstützt und so als Wohltäter seine Seele rettet. Sibylla junior stößt dazu und und findet sich sofort in den Worten des Predigers wieder, was in dem Lied „Was macht uns fromm?“ deutlich wird.
Schließlich verlässt sie Jakob, der am Ende allein bleibt.

Imposante Kulisse dreht die Zeit zurück

Die Freilichtbühne am Roten Tor bietet die perfekte Kulisse für ein Stück, welches im 15./16. Jahrhundert spielt.

Finale

© Jan-Pieter Fuhr

Das Tor, die Wallanlage und das Heilig-Geist-Spital sorgen für ein mittelalterliches Flair. Ins Auge stach auch die Treppe, die passend zur Hauptfigur aus riesigen Goldmünzen besteht. Eine Drehbühne verwandelt die Stadtmauern in das Arbeitszimmer von Jakob Fugger. Das Orchester ist überdacht in einem Seitenverschlag untergebracht, doch durch die Lautsprecher wurde ein Klangverlust verhindert. Die Tontechnik stellte zudem eine perfekte Balance zwischen Orchester und Sängern her, sodass das Orchester die Sänger untermalte und nicht übertönte. Dadurch wurde die Verständlichkeit des Textes sehr gut. Auch der Chor stach mit der Deutlichkeit der Ensemblenummern hervor, was eine große Herausforderung darstellt. Die Kostüme von Sven Bindseil waren sehr passend. Vor allem die von Jakob Fugger unterstrichen den Wandel des Kaufmanns im Stück gut. Die Adligen waren mit roten und grünen Kostümen in den Stadtfarben von Augsburg gekleidet.

Starbesetzung

Das Theater konnte einige Stargäste für diese Produktion gewinnen. Die Hauptrolle des Jakob Fugger wurde von Chris Murray verkörpert. Schon früher hat dieser in Uraufführungen von Stephan Kanyar mitgewirkt: In Innsbruck im Musical SHYLOCK und auch in Hof bei EINSTEIN (wir berichteten). Er brachte die verschiedenen Etappen von Jakob Fuggers Leben stimmig zur Geltung. Gleichzeitig sorgte er für viele Gänsehautmomente, wie zum Beispiel in dem Duett „Gefühle kann ich mir nicht leisten“ mit Fuggers Mutter Barbara oder auch der Solonummer „Nach oben“. Begeisterten Applaus erntete er vor allem mit dem Titellied „Herz aus Gold“.

"Du durftest mich nicht zwingen"

© Jan-Pieter Fuhr

Für Jakobs Jugendliebe Sibylla wurde Roberta Valentini gewonnen. Auch sie war durch CASANOVA schon mit dem musikalischen Stil von Stephan Kanyar vertraut. Als Jugendliebe, die nun erwachsen geworden ist und ihren Pflichten nachkommt, konnte sie überzeugen. Auch die innere Zerrissenheit war immer wieder spürbar. Eine der beliebtesten Nummern war „Du durftest mich nicht zwingen“, ein Duett, das sie mit Sibylla junior sang und das unter die Haut ging.

Katharina Wollmann als Sibylla junior stand Roberta Valentini in nichts nach. Sie kam von der Theaterakademie August Everding, die Kooperationspartner des Theaters Augsburg in diesem Stück ist. Sie überzeugte in ihrer Rolle völlig. Vor allem in dem Duett mit Roberta Valentini konnte sie Sibylla junior sehr gut herausarbeiten. Auch alle anderen Solisten und Ensemblemitglieder lieferten eine erstklassige Leistung ab, ebenso das Orchester.

Fazit

Die Uraufführung war ein mitreißender Abend, gespickt mit stimmiger Musik, die passend wirkte, obwohl sie modern war und immer nur einen leicht mittelalterlichen Touch hatte. Die Story war stimmig und die Inszenierung fast perfekt. Leider gab es eine Stelle, die sich nicht völlig lückenlos einfügte und es erschwerte, schnell wieder in das Stück zu finden: Bei dem Lied „Narrenschiff“, das von dem Regieteam zweifelsohne ein stilistischer Kunstgriff war, jedoch – mit ein oder zwei Sätzen – besser in das Stück hätte eingefügt werden können. Das Ganze schadete dem Gesamtverständnis jedoch nicht und es war dennoch ein Abend, der mehr als empfehlenswert ist. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Stück in Form einer CD oder DVD verewigt wird und so auch nach dem Ende der Produktion die Zuschauer in Erinnerung schwelgen lässt.

 

Kategorie: Allgemein,Kritiken,Open Air

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Autor: A. Polifka (02.07.2018)

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