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Solokonzert: Tim Reichwein – Lifetime Stories

Am 22. Februar 2018 gab Tim Reichwein ein Solokonzert im FRITZ-Theater Bremen, als Beitrag zur Konzertsereie „FRITZ UNPLUGGED“. Ganz getreu des Titels "Lifetime Stories" gab er persönliche Geschichten aus seinem Leben und Songs, die er damit verband, preis.

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Tim Reichwein
Tim Reichwein © Milan van Waardenburg

Tim Reichwein à la Barbra Streisand im FRITZ

„In Bremen geht man zum Lachen in den Keller!“ so steht es auf einem der Plakate, die am Eingang des FRITZS hängen. Sie führen einen gleich die Treppe wortwörtlich hinunter in den Keller. Inmitten des Zuschauerraums ist eine kleine Bühne errichtet, die für diese Konzert-Serie typisch ist. Die Tische und Stühle sind im Kreis, primär in Vierergruppen, um die Mittelbühne positioniert, sodass man das Gefühl hat, hautnah am Geschehen zu sein.

Am Abend des Konzerts standen auf dieser kleinen Bühne ein E-Piano, Mikrofone und Barhocker. Zu Beginn betrat der Pianist die Bühne und begann den Song „Black and Gold“ von Sam Sparro zu spielen. Wenig später setzte Tim Reichwein aus dem Hintergrund in die Strophe ein und schritt langsam durch den Zuschauerraum auf die Mittelbühne. Im Anschluss begrüßte er das Publikum und stellte den Pianisten, Oliver Albrecht, vor und erzählte, dass ihnen am vorigen Tag bei der Probe alles so plötzlich erschien, obwohl das Konzert doch schon seit einem halben Jahr geplant wäre. Damit sorgte er für den ersten kleinen Lacher an diesem Abend. Auf einem der Barhocker stand ein Sektglas und ein Kübel mit einer Flasche. Es erinnert an ein Konzert von Barbra Streisand, die immer eine Tasse und ein Kännchen Tee parat stehen hatte. Da Tim aber nicht so gerne Tee mochte, nahm er lieber den Sekt und stieß mit dem amüsierten Publikum an.

Das Geheimnis der Jugend

Tim ging mit seinen Lebensgeschichten ganz an den Anfang. Er zeigte Kinderfotos von ihm als Baby und erzählte, dass Kinder sich doch immer älter machen: „»Ich bin schon fast sieben« oder »Ich geh schon zur Schule«, aber ab einem gewissen Alter macht man sich nicht mehr älter.“ Das bekam er deutlich zu spüren, als er in einem Interview auf die Frage „…Was ist Dein Rezept für jugendliches Aussehen?…“ mit „Ein Geheimnis zu meinem jugendlichen Aussehen gibt es, glaube ich, nicht. Jetzt nicht lachen: Aber ich habe die Gene meiner Mutter geerbt. Sie ist jetzt fast 70 und sieht aus wie 55. …“ antwortete. Kurz nachdem das Interview veröffentlicht wurde, rief seine Mutter ihn ermahnend an, dass sie, zu diesem Zeitpunkt, 66 wäre und da jedes Jahr zählen würde. Seine Mutter wie auch sein Bruder saßen an diesem Abend mit im Publikum und amüsierten sich mit den Gästen über Tims Geschichten.

Eine Reise durch die Vergangenheit

© S. Ahrens

Tim sang schon immer gern und hatte im Alter von sieben/acht Jahren seine erste Audition. Er musste, um in einem Chor aufgenommen zu werden, ein Lied vorsingen. Es war ein altbekanntes Abendlied mit dem Text von Matthias Claudius. Zart, ruhig und besinnlich, sang Tim die ersten zwei Strophen von „Der Mond ist aufgegangen“ nun auch für das Publikum.

Da Tims Chorleiter aus Amerika kam, hatte dieser Chor eine Chance, eine kleine Tour dort zu machen. In der Erinnerung hängen geblieben war Tim zu einem ein Erlebnis in einer Gastfamilie, als er zum ersten Mal auf krossem Bacon gebissen hatte. Gleich im Nebensatz entschuldigte sich Tim, kein Vegetarier oder Veganer zu sein, was wieder für einen Lacher sorgte. Zum anderen blieben ihm die Stadt New York und der Broadway im Gedächtnis. Passend dazu performte er mit viel Charme und passender Attitüde den Song „New York, New York“.

Killer-Viren-Zuchtstation

Tim ist ausgebildeter Erzieher und arbeitete in einem Kindergarten, wobei diese Einrichtungen viel mehr Killer-Viren-Zuchtstation heißen müssten. Er war noch nie so oft krank wie in der Ausbildung zum Erzieher. Schlimmer sind nur Eltern, aber auch die haben ein Problem: die Großeltern. Sind die Kinder einmal da und kommen wieder heim, sind sie auf Werkseinstellung zurückgestellt. Viele aus dem Publikum wussten, wovon Tim sprach und lachten herzlich über die scherzhafte Tatsache.

Zu dieser Zeit war Tim auch in einer Theater AG aktiv. Diese Truppe hatte ihn später auch in Hamburg für die Aufnahmeprüfung angemeldet. Dort gab es Persönlichkeiten, die mit ihrem Können prahlten: »Ich kann dies besonders gut«, »Ich kann jenes ganz gut. Tim was kannst du?« und sein Motto war: „Lieber scheiße tanzen, als dumm rumstehen“. Darauf folgte der Song „Save the last Dance for me“.

Bretter, die die Welt bedeuten

Tim Reichwein

© S. Ahrens

Sein erstes Engagement hatte Tim mit „zarten“ 22 Jahren in Tecklenburg. Dort hat er während den Freilichtspielen in EVITA mitgespielt. Danach ging es nach Essen ins Colosseum Theater. Dort spielte er den Kaiser Franz Joseph in ELISABETH. Aus diesem Stück sang nun kein Lied des Kaisers, da die ihm zu langweilig erschienen. Stattdessen entschied er sich für ein Lied aus dem Repertoire des Tods und sang „Der letzte Tanz“. Auch in diesem Block begleiteten uns Fotos durch die Zeit. So sahen wir Tim als Dorfbewohner oder als schwulen Vampir Herbert aus TANZ DER VAMPIRE, welches seine Paraderolle in Stuttgart sowie in Hamburg war. In Wien hatte er bei REBECCA mitgespielt. Auch war er beruflich schon zwei Mal im Theater des Westen in Berlin, zuletzt bei DER GLÖCKNER VON NOTRE DAME. Dort war er als Jehan Frollo und Cover Phoebus zu sehen. Doch vor 14 Jahren durfte er dort LES MISÉRABLES spielen und war ab und an auch als Cover Marius zu sehen. Ein berührendes Lied von dieser Rolle ist „Dunkles Schweigen an den Tischen“, was Tim auch für das Publikum sang.

Liebe und Trennungen

„Tell me his name,/ I want to know./ The way he looks and where you go./ I need to see his face,/ I need to understand,/ why you and I came to an end./Tell me again./ …“ Mit „Broken Vow“ von Lara Fabian in der Version von Josh Groban begann Tim nach der Pause. Ein Song über Liebe und die damit eingehende Trennung. Auch Tim war mal verliebt. Zum ersten Mal mit 14 Jahren in ein Mädchen. Nach drei Wochen hatten sie ihren ersten Kuss und währenddessen lief der Song, den Tim als Nächstes sang. Es war „Westerland“ von den Ärzten. Etwa zwei Jahre später gab es noch ein anderes Mädchen, mit dem er dann auch länger zusammen war, die ihn aber nach einer Klassenfahrt für einen anderen verlassen hatte. Auch wenn es erst einmal traurig klingt, war es einer der glücklichsten Tage seines Lebens, sagte Tim in einem scherzhaften Ton. Das Publikum amüsierte sich und Tim entschuldigte sich fröhlich bei seiner Mutter: „Das mit den Frauen hat einfach nicht so gut geklappt, Mama, aber ich hab mich wirklich bemüht!“.

Diagnose Geisteskrank

Der Philosoph Platon sagte: „Liebe ist eine schwere Geisteskrankheit.”. Dem konnte Tim zustimmen. Vor allem bei Teenies sei es so, bei denen dann Sprüche fallen wie „Ohne ihn kann ich nicht leben“. Er selber hatte auch so eine Situation. In Hamburg bei der Musicalausbildung waren ganz verschiedene, ganz verrückte und ganz normale Leute und da machte ihm ein Junge schöne Augen. Am Anfang wusste er nichts damit anzufangen, aber später kamen die Schmetterlinge im Bauch. Mit ihm war er auch relativ lang zusammen und hat auch heute noch guten Kontakt zu ihm.

Der Junge hatte Tim eines Tages nach der Arbeit zu sich bestellt. Dort war alles mit Kerzen geschmückt und er hatte eine Flasche Wein aufgemacht. So ganz romantisch saßen sie auf dem Bett, da sagte er zu Tim: „Es ist wohl besser, wenn wir uns trennen. Es liegt nicht an dir. Es liegt an mir. Ich brauche ein bisschen Zeit für mich. Ich muss ein bisschen allein sein.“. Tim machte sehr deutlich, dass „allein sein“ „Single sein und tun und lassen kann, was man will“ bedeutet. Dies hat ihn ziemlich fertig gemacht und er hatte sogar überlegt, Hamburg zu verlassen und die Ausbildung abzubrechen. Aber da ist ihm bewusste geworden, dass man immer ein eigenständiger Mensch bleiben und sein eigenes Leben nicht vergessen sollte. Passend dazu sang er „Liebeskummer lohnt sich nicht“ von Siw Malmkvist.

Die Affäre

Ja, auch die Affäre war Tim einmal. Tim war Single und der Andere hatte einen Freund. „So eine Affäre ist schon anstrengend, aber lieber eine gute Affäre als eine schlechte Beziehung“ so Tim. Aber irgendwann war es auch zu spät, um vernünftig zu sein und er ließ es weiter laufen. Mit diesem Mann hatte er eines seiner romantischsten Erlebnisse. Sie waren eines Sommers in Paris, gingen an einem Abend auf einen Hügel, saßen auf einer Decke und sahen mit Champagner im Glas über die Skyline von Paris. Zu dieser Geschichte sang Tim den Song „Under Paris Skies“ von Andy Williams.

Der Glauben ans Schicksal

Vor neun Jahren kam Tim dann nach Bremen. Damals hatte er ein Engagement für MARIE ANTIONETTE im Musical Theater Bremen. Vor der Premiere dachte er sich, dass er einen neuen Haarschnitt gebrauchen könnte. Da führte ihn das Schicksal in den Salon Conturen. Die Dame an der Rezeption wies ihn ab, da bei ihnen ohne Termin nichts gehen würde. Da kam ein Mann die Treppe herunter und sagte, dass er es eben schnell machen würde. In seine sympathische Art und seinen leuchtenden Augen verliebte sich Tim. Mit dem Song „Devil Moon“ von Frank Sinatra verzauberte er das Publikum in die passende Stimmung. Danach brachte Tim das Publikum wieder zum Schmunzeln, als er verkündete, dass am 11. April 2009 ihr Baby zu Welt kam. Ihr Hund Cooper.

Und dann kam das FRITZ

Tim beendete fürs Erste sein Zigeunerleben und begann sogar im Salon seines Lebensgefährten eine Ausbildung, bis er eines Tages einen Anruf von seinem Kollegen Tim Schulz, der leider die Welt viel zu früh verlassen hat, bekam. Sie bräuchten im Theater noch jemanden. Nach dem Vorsprechen bekam

Lena Wischhusen

© S. Ahrens

Tim schließlich den Platz. Später erfuhr er, dass er der einzige Mann war und die Auswahl dementsprechen nicht wirklich groß war. So fingen sie mit 4 Mann auf der Bühne an und sind im Laufe der Zeit gewachsen. Jetzt stehen 5, 6 oder auch mal 9 Leute auf der Bühne. Unter anderem Lena Wischhusen. Schon im Laufe des Konzertes hat sie Tim und Oliver auf der Gurke oder dem Akkordeon begleiten. Tim hatte ihr die Bühne überlassen, nur leider fehlten Oliver vier bis fünf Notenblätter. Lena überbrückten die Zeit, indem sie etwas über Tim erzählte. Seine Sprüche haben ihre Leben im Theater geprägt. Einen darf nur er sagen: Jedes Mal wenn sie hinten fragt, ob jemand was von vorne von der Bar bräuchte antwortet Tim: „Ein neues Leben und ein Bündel Hunderter.“ Eine ganz kurze schweigende Pause trat ein, da Oliver die Noten immer noch nicht gefunden hatte. Daraufhin sagte Tim: „Mir fällt auch gerade nichts ein, was ich sagen soll. So außerhalb vom Skript kann ich nicht viel erzählen“. Das Publikum amüsierte sich köstlich dabei und zum Glück wurden die Noten gefunden. Lena sang „Waiting for you“ von Adele. Auch Sarah Fleige, die später zum Ensemble dazu kam, hatte einen Gastauftritt bei diesem Konzert.

Verliebt in das Leben

„Freude und Trauer liegen dicht bei einander“. Tim wollte in diesem Konzert von Anfang an persönlich sein und alles aus seinem bisherigen Leben zeigen. So begann er ehrlich und voller Emotionen, dem Publikum eines seiner traurigsten Erlebnisse zu erzählen. In völliger Stille brauchte er zwei Ansätze und brach vor Trauer und aufkommenden Tränen einige Male ab, als er dem Publikum berichtete, dass dieser Mann, mit dem er die letzten Jahre sein Leben verbracht hatte, in den ewigen Schlaf gefallen ist. Um es allen noch ein wenig schwerer zu machen, zeigten sie noch ein Foto. Bei der Beerdigung sagte Tim: „Mein Herz ist gebrochen. Mein Leben wird nie wieder das gleiche sein“. In dem Song „In meinem Leben“ von Nena legte Tim all die Liebe und Trauer hinein und sang ihn so berührend, dass man im anschließenden Applaus die Rührung des Publikums spüren konnte. Aber das Leben geht weiter, wie im Song beschrieben ist. Auch Tim ist verliebt in das Leben, und auch wenn die Trauer noch anhält, werden neue schöne und auch traurige Momente kommen, die zum Leben dazugehören. Für die Unterstützung in dieser Zeit bedankte er sich von ganzem Herzen bei seiner Familie, Freunden und Kollege mit dem Song „That's what friends are for“, den er zusammen mit Lena und Sarah performte.

Nach einem langanhaltenden Applaus und zwei anschließenden Zugaben verabschiedete Tim sich vom Publikum und schloss damit ein wundervolles, emotionales und sehr persönliches Konzert.

Kategorie: Galas & Konzerte

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Autor: S. Ahrens (06.03.2018)

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