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Swingpower bei DER GLÖCKNER VON NOTRE DAME

Seit dem 1. Mai hat die „Notre Dame“ in Stuttgart einen neuen Glöckner. Doch so neu sind die Rolle und das Stück für Jonas Hein nicht. Er war von Beginn an als Cover Quasimodo und Swing zusehen. Aber was ist eigentlich ein Swing und was macht dieser? Diese und noch andere Fragen haben der Ex-Swing, Chiara Cook, Kevin Köhler und Kevin Thiel für Sie beantwortet.

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Jonas Hein, Chiara Cook und Kevin Thiel
Jonas Hein, Chiara Cook und Kevin Thiel © S. Ahrens

Das Bühnenleben als Swing

DER GLÖCKNER VON NOTRE DAME ist in die zweite Runde gegangen. Nach der ersten Spielzeit in Berlin und München hat sich im Cast etwas getan. Es sind nicht nur Cast-Mitglieder gegangen und neue dazu gekommen, sondern auch zwei alte Hasen haben neue Positionen eingenommen. Jonas Hein wechselte im Mai vom Swing und Cover Quasimodo zum First Cast Quasimodo und Chiara Cook wechselte von First Cast F3 zum Swing und Assistant Dance Captain. Kevin Thiel kam für die zweite Spielzeit neu als Swing und Cover Quasimodo zur Cast dazu. Mit diesen Dreien haben wir uns nach einer Show getroffen und sie haben sich unseren Fragen gestellt. Auch mit Kevin Köhler als „Wiederholungstäter“-Swing, Cover Clopin und Cover Quasimodo wollten wir über das „Swing-sein“ sprechen, nur leider ist ihm etwas dazwischen gekommen und er konnte nicht persönlich dabei sein. Aber er war so freundlich und hat uns seine Antworten schriftlich zukommen lassen. An alle schon einmal vielen Dank!

Was ist offiziell ein Swing und würdet ihr es anders benennen?

Jonas: Chiara, einmal bitte das kleine 1×1 des Swings.

Chiara: Also, wir unterscheiden immer zwischen Hauptrollen und Ensemble. In erster Linie hat ein Swing alle Ensemblerollen drauf. Dann haben einige Ensemblerollen auch Hauptrollen-Cover und die rücken dann nach, wenn eine Hauptrolle aus irgendeinem Grund ausfällt. Die Swings füllen dann die fehlenden Ensemblerollen auf. Es gibt aber auch Swings, die eine oder zwei Hauptrollen covern. Hier beim Glöckner covern wir zwei Frauen-Swings alle vier Frauen-Ensemble-Positionen und rein theoretisch covern die Männer-Swings alle Männer-Ensemble-Positionen. Es ist aber so, dass wir schon ein bisschen darauf achten, dass Alter, Stimmlage etc. dazu passen. Zum Beispiel wird ein junger Swing vermutlich nicht den M6 (Pater Dupin) covern oder ein rein sängerisch ausgebildeter Swing wird auch nicht den M3 (Daniel Therrien), eine Tänzerrolle, spielen. Das ist in unserer Show so, aber nicht die allgemeine Regel.

Kevin Köhler

© Offstage Germany

Jonas: Der Swing hat auch keine regelmäßigen Shows. Er ist also nicht jeden Tag auf der Bühne, sondern immer nur dann, wenn irgendwo im Ensemble einer, sei es durch das Covern einer Hauptrolle, Krankheit oder Urlaub, fehlt. Am Ende einer Woche wird immer für die kommende Woche geplant. Da wird geguckt wer fehlt und die Swing füllen dann die Lücken. Wie Springer. Ich könnte auch gut Springer dazu sagen.

Kevin Köhler schrieb dazu: Der Swing ist ein Einspringer. Man muss wissen, was jede Rolle auf der Bühne macht, um einen Überblick über die ganze Show zu haben, um dann für die benötigte Rolle ein zu springen.

Spricht man bei der Audition für den Swing vor oder liegt es nicht in eurer Hand, ob ihr ein Swing werdet oder nicht?

Kevin T.: Bei mir war das so, dass auf der Audition-Ausschreibung stand, welche Rollen gesucht wurden und ich habe mich dann auf eine Rolle beworben, die zu mir passt. Man weiß natürlich nicht, was dann wirklich frei ist oder frei wird. Ich persönlich bin auch noch nie irgendwo hingegangen und habe gesagt, dass ich Swing sein möchte, sondern habe mich tatsächlich auf eine bestimmte Rolle beworben und habe dann abgewartet, was passiert.

Chiara: Das kommt aber, weil ihr euch auf Rollen bewerbt. Wenn man das nicht tut oder sich nur fürs Ensemble bewirbt, weil man eher aus der Tanzrichtung kommt, ist das schon so, dass man es angibt. Es gibt Leute, die sagen, sie wollen nur oder nie als Swing arbeiten oder dass Ensemble okay ist, aber man lieber Swing wäre und da entscheidet dann das Team im Endeffekt. Es ist auch schon so, dass bei den Swings auch gerne Leute genommen werden, die schon einmal Swing waren. Man würde selten in einer Produktion Swings besetzten, wo alle oder viele noch nie zuvor Swing-Arbeit gemacht haben. Es kommen immer mal Neue dazu, aber man würde das schon ausgleichen.

Kevin K. dazu: Ich glaube, man spricht da nicht für vor. Man geht zur Audition, die Jury schaut jemanden an und wenn sie einem das zutrauen, dass er vom Typ variabel einsetzbar ist und das Potential hat, viele Rollen zu lernen, zu spielen und zu singen, dann kommt man dafür in Frage.

Wie lief für euch die Probenphase ab?

Chiara: Swings sind immer mit dabei. Am Anfang ist es so, dass du ein oder zwei Positionen angegeben bekommst, auf die du dich erst einmal hauptsächlich konzentrierst und die du dann mitlernst. Dann ist es von Produktion zu Produktion unterschiedlich, wie viel man direkt schon mitmachen darf, wie viel man an der Seite sitzt und schreibt oder filmt. Das hängt aber auch von Urlaubsterminen und Krankheit während der Probenzeit ab.

Kevin K.: Viel schreiben. Ich habe immer, wenn der Choreograf etwas gestaget oder der Director was inszeniert hat, gleich alles aufgeschrieben. Nur so hast du die Möglichkeit, in schnellster und kürzester Zeit alles aufzufassen.

Wie ist euer Wochen-/Tagesablauf im Theater? Ist er anders als bei einem First Cast?

Jonas: Der beginnt wie bei jedem anderen auch. Wir sind eine Stunde vor Vorstellungsbeginn da. Wenn man jetzt eine Position am Abend spielt, die man zum ersten Mal macht oder schon lange nicht mehr gespielt hat, dann kommt man vielleicht ein bisschen früher, geht vielleicht vorher auf die Probebühne, geht die ganzen Wege noch mal ab und liest sich noch mal paar Punkte durch oder macht es noch einmal auf der Hinterbühne. Wenn man nicht drauf ist, also quasi „Stand-by“ oder „Off“, dann verbringt man die Zeit damit, dass man entweder noch andere Positionen lernt oder man sitzt in der Garderobe und wartet, bis die Show vorbei ist. Aber natürlich immer wachsam und aufmerksam auf das, was man über die Mithöranlage mitbekommt von der Show, weil es nämlich sein kann, dass man im Notfall auch jederzeit einspringen muss und da muss man innerhalb von paar Minuten fertig auf der Bühne stehen und muss dann wissen, was zu tun ist.

Chiara: Was vielleicht auch interessant ist, wir haben eine Krankmeldefrist. Also bis zu einem gewissen Zeitpunkt vormittags/mittags müssen sich Leute krankmelden. Natürlich geht es im Notfall auch mal später, wenn es erst später deutlich ist, aber als Swing wartest du schon die Frist ab, um dann zu hören, ob du vielleicht spielst oder nicht.

Kevin K.: Es gibt einen Wochenplan, auf dem man erfährt, was man geplant die Woche spielt. Dieser bleibt nur NIE so. Es ändert sich oft täglich durch Krankmeldungen oder andere Zwischenfälle. Wir kriegen dann morgens einen Anruf, was wir später auf der Bühne spielen werden. Und dann heißt es für mich früher ins Theater kommen um die Rolle zu wiederholen, damit man nicht auf der Bühne durcheinander kommt.

Was ist das schönste am Swing sein?

Kevin K.: Die Abwechslung. Das Springen zwischen den vielen Rollen. I LOVE IT!

Kevin T.: Für mich, da ich ja auch das erste Mal Swing bin, ist die Herausforderung mit das Schönste. Erst einmal liebe ich körperliche sowie mentale Herausforderung und Swing zu sein ist einfach eine riesen Herausforderung. Ich bereite mich auch darauf vor, alle Männerpositionen zu können und gleichzeitig kannst du halt in viele verschiedene Rollen schlüpfen. Das hast du halt nicht, wenn du nur eine feste Position hast. Das ist für mich wirklich schön.

Jonas: Und du spielst halt nicht immer acht Shows die Woche. Klar, wir machen alle den Beruf, weil wir ihn gerne mögen und weil wir ihn toll finden, aber acht Shows darf man nicht unterschätzen. Es ist natürlich anstrengend und da haben Swings schon mal, wenn jetzt grade keine große heiße Phase ist mit Urlaub und Krankheit und so, den Luxus vielleicht auch mal in der Woche nur 3-4 Vorstellungen zu spielen, während die anderen immer auf der Bühne sind.

Chiara: Aus der Erfahrung heraus kann ich nur sagen, dass es hier ein absoluter Luxus in dieser Produktion ist. Es gibt auch andere Produktionen, in denen sehr viel gespielt wird und du dann als Swing halt in acht Vorstellungen auf fünf verschiedenen Positionen spielst.

Was ist das Unangenehmste oder Härteste am Swing sein?

Kevin K.: Wenn man spontan für eine Rolle auf die Bühne muss, die man sehr lange nicht gespielt hat. STRESS PUR!

Chiara: Was schade ist, man spielt die Premiere oder Dernière nicht.

Jonas: Genau! Die Highlight-Vorstellungen in so einer Long-Run-Produktion spielt halt immer die Erstbesetzung.

Chiara: Wir sind auch oft nicht auf der CD mit drauf oder nicht im Bildband mit drin.

Jonas: Und machen dabei im Schnitt nicht weniger mit. Wir haben natürlich viel mehr Stress und einen größeren Arbeitsaufwand. Zum Beispiel unsere Probenzeiten gehen noch viel länger als bei den Erstbesetzungen. Nachdem die ihren Track können, sind wir immer noch dran. Das geht teilweise Monate noch nach der Premiere, bis man diese ganzen Tracks drauf hat. Ja, man ist da gut beschäftigt. Langweilig wird einem nicht als Swing.

Warum sollte man beim DER GLÖCKNER VON NOTRE DAME Swing sein?

Chiara: Also gerade für die Männer ist es interessant, weil es wenig Shows gibt, in denen die Bandbreite so groß ist. Unsere Tanztracks tanzen vielleicht nicht so viel wie in anderen Produktionen, aber das was sie tanzen, ist teilweise schon sehr herausfordernd und trotzdem haben alle Rollen Solosätze, sowohl gesanglich als auch Sprechtexte. Bei den reinen Schauspiel- und Gesangsrollen ist es gar nicht so einfach, was die singen und spielen müssen. Dementsprechend ist die Bandbreite sehr groß und das ist bei den Frauen nicht anders, finde ich, auch wenn es nicht ganz so viele Rollen sind. Das kann zwar ein Luxus sein, aber wenn man die Herausforderung möchte, wäre es schön, wenn es auch acht Positionen bei den Frauen wären.

Jonas: Das ist auf jeden Fall das Besondere. Egal auf welchem Track man jetzt drauf ist, man hat immer was zu tun und kann sich zeigen. Sei es mit einer kleinen Szene, mit kleinen Rollen, in die man hineinschlüpft oder bestimmten Gesangsparts. Das gibt es in größeren Stücken mit größeren Tanznummern und mehr Ensemble halt nicht. Da bist du dann einfach in einer Nummer jemand, der irgendwo links steht, statt sonst rechts und du fällst nicht auf. Alleine diese ganzen Sätze, die beim Glöckner so verschachtelt sind, weil die Geschichte von allen erzählt wird, da dann immer so wachsam zu sein und zu wissen „Ich bin heute auf dem Track. Der hat den und den Satz an der und der Stelle und bewegt gerade das Bühnenteil von da nach da.“ Das ist schon auf jeden Fall herausfordernd, aber das macht es natürlich auch so interessant.

So auch Kevin K.: Weil gerade in diesem Stück jede einzelne Rolle mit einem speziellen Charakter gefeaturet ist. Jeder im Ensemble singt Soli und hat was zu sagen. Das ist toll. Das Ensemble erzählt die Geschichte von Quasimodo. Das ist eine fantastische Herausforderung.

Bei welchem Stück würdet ihr gerne mal Swing sein?

Jonas: Also da sich die Swingposition immer nur aufs Ensemble bezieht und nie die Hauptrollen beinhaltet, es sei denn man hat ein Cover, muss ich schon sagen, dass ich den Glöckner für einen Swing von den Stücken, die ich bisher kenne und zum Beispiel bei Stage Entertainment gemacht werden, am „lukrativsten“ und am spannendsten finde. Das kann man einfach nicht anders sagen. Ob ich jetzt in MARY POPPINS der Baum rechts bin oder die Statue links, ist für das Gesamtbild zwar toll, aber als einzeln stehender Darsteller ist das natürlich nicht so interessant wie bei einem Stück, in dem man immer wieder seine kleinen Solo-Momente hat.

Chiara: Ich bin ja jemand, der nicht so viele Rollen spielt und wenn dann nur kleine Rollen covert. Aber wenn man aus der Sicht der Swings guckt, ist ein Stück wie TANZ DER VAMPIRE auch eine Herausforderung. Die Cross-Swings covern alle 20 Tracks. Alle Sänger, alle Tänzer, alle Männer und Frauen. Das finde ich persönlich, also wenn man die Herausforderung liebt, schon wahnsinnig toll. Das hat man auch nicht in jeder Show.

Kevin T.: Ich bin eh seit Jahren Glöckner-Fan. Ich habe damals den Disneyfilm gesehen und vergöttert. Das hat auch so viel mit meiner Jugend zu tun. Daher liegt mir ganz viel daran. Ich habe auch Ausschnitte aus der alten Inszenierung von 1999 gesehen und der Komponist Alan Menken ist sowieso ein Gott für mich. Die neue Inszenierung wurde ja zuerst in Amerika gespielt und davon habe ich mir auch Ausschnitte angesehen und mir war klar, dass ich diese Produktion spielen muss! Ich finde diese Inszenierung so großartig und egal was ich mache, ich muss diese Produktion spielen. Das war mein Wunsch. Als ich dann den Swing und Cover Quasimodo angeboten bekommen hatte, habe ich sofort gesagt „Mach ich! Ich mach alles! Hauptsache ich in dabei, auch wenn ich der Baum links wäre.“ Ich wollte einfach in diese Produktion, weil ich halt auch so viel damit verbinde.

Chiara, wie ist es denn eigentlich vom First Cast zum Swing zu wechseln?

Chiara: Vom First Cast zum Swing zu wechseln, ist meiner Meinung nach ideal, weil du alles gemacht hast. Du hast die CD eingesungen, du hast die Premiere gespielt, du kennst die Show und die Bühne schon, du weißt sehr gut, was um dich herum passiert und bekommst dann einfach die Chance, noch mehr von der Show zu sehen und in andere Rollen zu schlüpfen. Das ist für mich tatsächlich ideal.

Und wie ist es nun als First Cast, Jonas?

Jonas: Bei mir ist es im Grunde das Gleiche nur in grün. Ich habe nicht die Premiere gespielt, ich bin nicht im Bildband, ich habe das Stück aus allen Blickwinkeln kennengelernt und darf mich jetzt voll und ganz auf eine Rolle konzentrieren. Es ist für mich zu diesem Zeitpunkt noch ein bisschen surreal, auf der Bühne zu sitzen und zu wissen „Ja okay, da wirst du jetzt nicht mehr stehen und diese Position wirst du jetzt erst einmal nicht mehr spielen“ und ich muss ganz ehrlich sagen, dadurch, dass das Stück so ein Ensemblestück ist und viel mit den Kollegen auf der Bühne agiert, ist man als Quasimodo da schon ein bisschen außen vor. Quasimodo ist da schon so ein kleines bisschen Fluch und Segen zugleich, weil man mit dem Ensemble plötzlich fast gar nichts mehr zu tun hat, außer ein paar kleine Momente. Das ist etwas, wo ich sage „das werde ich vermissen“. Ich freue mich aber nun, meine komplette Energie und Aufmerksamkeit einer Rolle zu widmen und kann das natürlich auch in einem viel größeren Umfang machen, als wenn ich zwischendurch immer noch andere Positionen spiele.

Kevin K., warum hast du dich für eine zweite Spielzeit als Swing entschieden?

Kevin K.: Weil es Spaß macht. Und ich bin ja nicht nur Swing. Ich cover ja auch Quasimodo und Clopin, welche mir richtig viel Spaß machen. Die Show ist einfach fantastisch.

Wie ist es als „Newbie“ und dann gerade noch als Swing ins Stück zukommen, Kevin T.?

Kevin T.: Es war toll. Alle Neuen wurden herzlich von den alten Hasen aufgenommen. In der ersten Woche haben wir auch erst einmal alleine geprobt, bis dann die alten Hasen dazu kamen und das war super. Man wurde direkt mit in die Gruppe eingebunden. Ich hatte nie das Gefühl, außen vor zu sein. Es ist einfach ein toller Cast und ich liebe die Menschen hier, weil alle tolle Kollegen sind, die das Stück auch einfach tragen und ich glaube, da gibt es keine Besseren. Ich freue mich einfach hier zu sein!

Ich hatte schon immer das Gefühl, dass es ein sehr harmonischer Cast ist und man sich auf den Anderen verlassen kann. Ist es also tatsächlich so?

Kevin T.: Ja total!

Jonas: Es ist nicht immer so üblich und nicht immer in jeder Produktion so, dass es so harmonisch zugeht und größtenteils ohne privaten Zickenkrieg hinter den Kulissen auskommt. Wir wissen alle, was dieses Stück kann und was dieses Stück tagtäglich mit den Zuschauern macht und dafür stehen wir auf der Bühne als auch hinter der Bühne und geben dafür alle tagtäglich unser Bestes. Das Stück ich natürlich einfach auch ein Gemeinschaftsstück, das von allen gestaltet wird. Da ist natürlich auch der Zusammenhalt hinter der Bühne genauso groß wie auf der Bühne. Ich glaube, es würde auch nicht anders gehen. Da haben die großen Disneys und die Castingbeauftragten ein gutes Händchen bewiesen. Auch gerade das ist nicht selbstverständlich, wenn ein paar gehen und ein paar Neue in ein bereits bestehendes Ensemble dazukommen. Nach Tag 2 oder 3 war es schon irgendwie so, als wären sie schon immer dabei gewesen.

Habt ihr lieber eine feste Rolle (+Cover) oder seid ihr lieber Swing?

Chiara: Ich bin gerne First Cast, aber wenn ich wählen darf, wäre ich lieber Swing.

Kevin T.: Also ich würde lügen, wenn ich nicht sagen würde, dass ich nicht mal gerne First Cast bin. Aber jetzt gerade, weil das auch meine erste richtig große Produktion ist, ist es wirklich gut und das Richtige für mich, diese Erfahrungen zu machen und die Herausforderung als Swing anzunehmen, um mich auch noch einmal selber als Darsteller, wie auch meine Persönlichkeit, weiter zu entwickeln. Deswegen ist das jetzt auch ganz gut so.

Jonas: Als Swing sind die Aufgaben vielschichtiger, als wenn du nur eine feste Position hast, die du dann acht Mal die Woche, gefühlte 365 Tage im Jahr spielst. Das macht es natürlich spannender. Als Hauptdarsteller oder First Cast hast du andere Privilegien. Da hast du einen größeren Teil an Aufmerksamkeit, aber natürlich auch eine andere Verantwortung. In diesem Stück haben natürlich ALLE Verantwortung. Es ist wie so ein Uhrwerk. Wenn ein Zahnrad nicht funktioniert, dann fällt das ganze Ding zusammen. Man hat aber noch eine andere Verantwortung, weil man da halt im direkten Fokus ist. Aber ich kann mich da glaub ich nicht wirklich festlegen. Ich bin ja nun auch gerade dabei, beide Seiten kennenzulernen und schau einmal, wie sich das so anfühlt.

Kevin K.: Ich glaube, irgendwann kommt immer der Punkt, an dem man sich ein wenig nach der Routine sehnt. Es kann sehr anstrengend sein für den Kopf, jeden Tag einen anderen Track zu spielen. Aber ich könnte dir grade nicht sagen, was mir lieber ist. Routine oder Abwechslung haben beides ihre Reize.

Bekommt ihr die gleiche Wertschätzung (von den Fans)?

Kevin K.: Ich fühle mich von den Fans sehr wert geschätzt und ich danke jedem Einzelnen für die Unterstützung.

Jonas: Ich denke, dass wenn man als Zuschauer in der Show sitzt, man nicht unbedingt weiß, dass da ein Swing auf der Bühne ist. Du hast die einzelnen Positionen zwar auf der Cast-Liste eingetragen, aber den meisten Leuten ist es auch egal, wer da oben draufsteht. Hauptsache die Geschichte wird erzählt, vermittelt und berührt die Leute. Deswegen ist die Wertschätzung sowohl im Ensemble als auch bei den Hauptrollen, die natürlich auch noch einen anderen Fokus haben, in dieser Produktion gleichermaßen. Also ich als Darsteller, der das ein bisschen reflektieren und differenzieren kann, was die Kollegen da auf der Bühne machen, würde dem Ensemble auf jeden Fall den gleichen Zuspruch und die gleiche Aufmerksamkeit geben, wie den Hauptrollen. Weil auch jeder Einzelne dazu beiträgt, dass dieser Abend am Ende so ist, wie er ist. Klar hat Quasimodo oder Frollo einen anderen Stellenwert nach außen, wird ja nach außen so präsentiert, aber vom Kern her ist in dieser Produktion niemand weniger wichtig.

Kevin T.: Und nicht ersetzbar!

Chiara: Dem schließe ich mich nur an!

Nun zum letzten Punkt: Was nehmt ihr später aus DER GLÖCKNER VON NOTRE DAME mit und was ist für euch besondere?

Kevin K.: Kurz und knapp: Es kommt immer anders als man denkt. Versuche nichts zu kontrollieren. Starte den Weg und lass es laufen!

Kevin T.: Also was ich aus Cover Quasimodo mitnehme ist, wenn ich ihn spiele und merke, was beim Publikum ankommt. Da könnte ich jedes Mal heulen. Er ist ja eigentlich auch nur ein Mensch. Er sieht vielleicht anders aus, aber ist ganz normal wie jeder andere auch. Ich nehme also ganz viel Toleranz mit. Also ich bin eh ein toleranter Mensch, aber seitdem ich hier bin und seitdem ich Quasimodo spiele und gefühlt habe, was auf der Bühne mit einem und auch mit dem Publikum passiert, gehe ich noch einmal ganz anders durch die Welt. Gerade heutzutage, wo wir Situationen wie die „Flüchtlingskrise“ und so haben, bin ich einfach viel entspannter und noch toleranter gegen über allem geworden. Das Bewusstsein dafür hat sich einfach noch mehr durch diese Produktion gestärkt. Auch ganz viel Liebe nehme ich aus diesem Stück mit. Das klingt jetzt ein bisschen wie ein Hippie, aber das brauchen wir alle irgendwie. Seit Anbeginn der Probenzeit hat es ganz viel mit mir gemacht und ich kann das gar nicht so richtig in Worte fassen, aber es hat mich als Mensch sehr verändert und die Menschen, die das hier zum Laufen bringen, die sind da alle ein Teil von und jeder trägt seinen Teil dazu bei. Es ist ein schönes Gefühl, zur Arbeit zu kommen, wobei es für mich auch keine Arbeit ist, sondern meine Leidenschaft, die ich hier auf der Bühne präsentieren kann. Mit Menschen, die ich sehr gerne habe und das ist, glaube ich das, was ich nie vergessen werde.

Jonas: Ja, dem kann man sich gut anschließen. So ein bisschen aus der Rolle Quasimodo nehme ich mit, die Menschen im Alltag nicht zu sehr nach dem Äußeren zu beurteilen, weil man nie weiß, egal wie die Fassade von einem ist, was alles in ihm drinsteckt und was der alles leisten kann und auch schon geleistet hat. Weil jeder Mensch, egal woher er kommt, egal welche Hautfarbe, egal welche Optik er hat, einfach den Respekt verdient, den man sich selber geben wollen würde. Das ist ein bisschen die Moral, finde ich, die das Stück vermittelt. Als Swing ist es einfach die Vielseitigkeit. Man geht auch mit einem gewissen Stolz aus dieser Produktion raus und weiß, man konnte alles geben, man hatte auch die Möglichkeit alles zu geben und sich in jeder Rolle voll auszuleben, dabei auch zu merken „ah, da kann man noch was raus holen“ und „da passiert noch was Interessantes“ und einfach so wachsam zu sein. Das alles werde ich in andere Produktionen mitnehmen.

Chiara: Ich finde, dass der Glöckner eine sehr besondere Großproduktion ist. Es gibt sehr wenig große Musicalproduktionen, die so wertvoll inszeniert sind, wie der Glöckner. Es gibt ganz viele tolle große Musicals und auch eine Menge Musicals, die schöne Botschaften haben und das auch ganz nett rüberbringen, aber ich glaube, es gibt sehr wenige so, wie die Jungs schon gesagt haben, die so aktuell vom Stoff her sind und das auch auf eine so seriöse Art und Weise. Sie ist so gut inszeniert und das mit hervorragenden Mitteln. Sei es die Musik oder das Bühnenbild oder die Kostüme oder das Stageing oder die Choreografie, alles ist so gut zusammengefügt. Davon gibt es nicht so viele Stücke im Musicalbereich.

Jonas: Stimmt. Man guckt sich oft ein Stück an und fragt sich, was man aus dem Abend mitgenommen hat. Dann sagt man vielleicht „Die Musik fand ich ganz toll, das Bühnenbild war jetzt nicht meins, über die Inszenierung lässt sich streiten.“ Aber beim Glöckner ist das jetzt so, unabhängig davon, dass ich für das Stück brenne und mitmache, ich das ganz objektiv betrachte, dass alles einfach so schlüssig gemacht ist. Man bekommt in diesem Stück auch die komplette Bandbreite an Emotionen vermittelt, die man in einem Stück haben kann. Es gibt Momente, in denen man herzhaft lacht und dann schießt es im nächsten Moment einem die Tränen in die Augen oder es läuft einem ein eiskalter Schaure über den Rücken. Das ist einfach eine Achterbahn, die wir Darsteller auf der Bühne mitmachen und dann weiter ans Publikum übertragen. Es gibt selten Stücke, in dem Zuschauer und Bühne so ineinander verschmelzen und das ist einfach eine großartige Magie.

Kevin T.: Und es wird auch einfach dadurch gestärkt, dass halt alles so authentisch ist

Jonas: Ja, es ist so pur und auch nackt.

Kevin T.: Genau und mein Vater meinte auch, dass es nichts so klischeehaft inszeniert ist. Zum Beispiel hat man bei Quasimodo nicht gesagt „Mach mal einen Behinderten nach“ oder hat einen Frollo nicht als sabbernden Hengst dargestellt, sondern alles einfach pur und authentisch inszeniert.

Jonas: Man kann sich letzten Endes mit jeder Figur identifizieren, egal wie eklig sie ist. Man kann jede Figur auf gewisse Art und Weise nachvollziehen und ich finde, die einzelnen Figuren auf der Bühne sind so ein bisschen Stellvertreter für bestimmte Charakterzüge, die JEDER Mensch in sich hat. Auch wenn man raus geht und denkt „Was ist Frollo eigentlich für ein schlimmer Mensch“, aber das sind Gedanken, die völlig menschlich sind und Zwänge, die jeder haben kann. Aber ja, jede Figur hat etwas, womit man sich mit identifizieren kann. DER GLÖCKNER VON NOTRE DAME ist einfach genial geschrieben, hat eine geile Story, ist gut umgesetzt, gepaart mit geiler Musik.

Kevin T. und Jonas synchron: Was will man mehr?

Wir von Musical1 bedanken uns herzlich bei Chiara Cook, Jonas Hein und Kevin Thiel, die sich nach der Show noch für uns Zeit genommen haben und auch bei Kevin Köhler bedanken wir uns für seinen schriftlich nachgereichten Beitrag für dieses Interview!

Tickets für DER GLÖCKNER VON NOTRE DAME
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Kategorie: Der Glöckner von Notre Dame,Interviews

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Autor: S. Ahrens(04.06.2018)

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