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Simon Mehlich: Hamburgs Erwin Bach im Interview

Weiter geht es mit unserer Interviewreihe rund um TINA-DAS TINA TURNER MUSICAL. Die Lebensgeschichte von Tina Turner zieht das Publikum im Hamburger Stage Operettenhaus regelmäßig in ihren Bann. Wir haben uns für Euch mit der Erstbesetzung des Erwin Bach getroffen: Simon Mehlich. Seine Rollenvorbereitung war natürlich eines unserer Themen, ebenso seine berufliche Vielseitigkeit und ein wunderbares Zitat durften wir auch noch hören. Selbstverständlich darf auch der obligatorische Fragen-Marathon nicht fehlen. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

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Simon Mehlich und Erwin Bach
Simon Mehlich und Erwin Bach © Stage Entertainment

Erwin Bach – Tinas Liebe ihres Lebens

Musical1: Wenn wir Deine Rolle des Erwin Bach im Musical TINA-DAS TINA TURNER MUSICAL betrachten: Kannst Du Deine Rolle für alle Leser, die das Stück noch nicht gesehen haben, in drei Sätzen beschreiben?

Simon Mehlich: Spontan würde ich sagen: Erwin Bach ist Tinas Liebe ihres Lebens. Er hat marketingtechnisch während seiner Zeit bei der Plattenfirma EMI Germany den deutschsprachigen Markt für sie erschlossen. Und er war bzw. ist ihr großer Beschützer, in allen Dingen ihres Lebens.

Musical1: Wie hast Du Dich auf diese Rolle vorbereitet? Hast Du das Stück in London gesehen?

Simon Mehlich: Ich habe das Stück in London nicht gesehen, das wollte ich nicht. Ich wollte keine Kopie darstellen. Ich glaube, die Gefahr ist groß, dass man dann vergleicht und denkt, dass man es genauso machen muss. Allerdings habe ich mich mit der Erstbesetzung des Erwin Bach von der Londoner Produktion getroffen: Gerard McCarthy.
Zur Rollenvorbereitung habe ich so weit es geht recherchiert: Ich habe das Buch von Tina Turner gelesen. Im Vorfeld der (Londoner a. d. R.) Produktion wurden mit allen – sofern noch lebenden Protagonisten – Interviews geführt. Das Interview mit Erwin Bach umfasste z. B. ca. 50 Seiten. Das habe ich natürlich gelesen und
intensiv durchgearbeitet.

Musical1: Hast Du in Hamburg auch persönlich mit Erwin Bach zusammengearbeitet?

Simon Mehlich Portrait

© Niklas Berg

Simon Mehlich: Im Januar gab es dieses eine persönliche Treffen mit Erwin Bach. Das dauerte circa 10-20 Minuten. Das war natürlich großartig und es hat mein Bild von ihm, das ich durch das Buch und das Interview gewonnen hatte, vervollständigt und plastischer gemacht. Ich wünschte, ich hätte länger mit ihm sprechen können.
Mein Hauptaugenmerk lag darauf, wie sehr er noch Akzent spricht. Wie stark ist das? Wie stark kann ich das auf der Bühne darstellen? Verstehen das die Leute überhaupt, habe ich mich gefragt. Oder finden sie es eher lustig, verpassen dann die nächsten drei Sätze und sind damit aus der Story raus. Das Stück ist ja sehr schnell.
Erwin Bach kommt aus dem Kölner Umland und ich habe das Glück, dass ich das bedienen kann, da ich selber aus dem Rheinland stamme. Es war wirklich ein Tanz auf dem Drahtseil: Wie viel Akzent kann ich reinbringen?
Lachen die Leute zu stark? Lachen sie ihn aus wegen dem Akzent, oder mit ihm –  weil sie es sympathisch finden? Ich wollte es so stark wie möglich machen und trotzdem das Ziel haben, ernst genommen zu werden.

„Ich bin sehr dankbar dafür, dass Erwin Bach noch am Leben ist“

Musical1: Oftmals gibt es – gerade im Musicalbereich – Shows über bekannte Persönlichkeiten; gern mit historischem Hintergrund. Wie ist es für Dich, eine Rolle zu spielen, mit Leben zu füllen und darzustellen, deren Protagonist noch lebt?

Simon Mehlich: Ich bin sehr dankbar dafür, dass Erwin Bach noch am Leben ist. In anderen Produktionen, z. B. bei ELISABETH oder DIE PÄPSTIN hat man diese Möglichkeit ja nicht. Dadurch konnte ich einen Eindruck gewinnen wie er ist und ob es für die Bühne funktioniert. Ich bin natürlich nicht er. Ich habe nicht seine Geschichte, seinen Hintergrund. Das war auch eine ganz andere Zeit. Erwin Bach hat in einem Interview einmal gesagt, dass es für ihn total komisch ist: Da steht jemand auf der Bühne, der sieht nicht aus wie er, der spricht nicht wie er – aber irgendwie ist es die gleiche Geschichte. Ich habe schon den Anspruch gehabt: Wie nah kann ich dem Original kommen? Es ist ja schon fast filmisch was wir auf der Bühne machen, aber es muss „größer“ und nicht so naturalistisch sein. Da ist es ganz automatisch ein bisschen anders, als die Originalgeschichte.

Musical1: Naturalistisch ist ein schöner Begriff, den wir direkt aufgreifen möchten. TINA-DAS TINA TURNER MUSICAL ist grundsätzlich ein Stück, das mit sehr wenig Equipment auskommt.

Simon Mehlich: Und genau das mag ich total an dieser Inszenierung. Ich habe letztens ein Zitat gelesen, von Antoine de Saint-Exupéry:

„Perfection is achieved, not when there is nothing more to add,
but when there is nothing left to take away.“

Ich finde, das trifft ziemlich genau diese Inszenierung. Ich wüsste nicht viel, was man noch wegnehmen könnte, damit es noch besser wird. Phyllida Lloyd (Director) hat hier einen super Job gemacht. Eine Tür oder ein Bett, um einen Raum zu etablieren – das reicht. Mehr braucht es für diese Produktion nicht, ein pompöses Bühnenbild ist
nicht nötig. Es ist ja auch kein Musical, welches nur unterhalten will.

Tinas Leben ist nicht nur Party

Musical1: Das ist richtig. In der Produktion wird abwechselnd auf Deutsch und Englisch gesungen. Die deutschen Übersetzungen sind gut gelungen und tragen zur Gesamtgeschichte bei. Wie siehst Du das?

Simon Mehlich

© Stage Entertainment

Simon Mehlich: Ich finde es gut, dass man sich getraut hat, eine Mischung aus Deutsch und Englisch auf die Bühne zu bringen. Aus einer Szene heraus bzw. wenn es die Story weiterbringt, wird in Deutsch gesungen. Die englischen Originaltexte sind zu hören, wenn es um eine Studioaufnahme oder ein Konzert geht. Mit dieser Mischung rechnet man nicht. Das merkt man immer daran, wenn das Publikum mitklatschen will, z. B. bei I Can´t Stand The Rain/Regen Fällt Wie Blei. Das wird dann eher verhalten, nach dem Motto: Oh – es ist ein deutscher Text, wir müssten mal zuhören. Ich persönlich habe mich – dadurch, dass die Lieder übersetzt wurden – das erste Mal auch wirklich mit dem Inhalt auseinandergesetzt. Mein absolutes Lieblingslied ist We Don´t Need Another Hero/Wir Wollen Keinen Neuen Helden. Wenn man sich mit dem Inhalt des Textes beschäftigt, dann sieht man, dass er eigentlich genau die heutige Situation darstellt, z. B. auf den Klimawandel bezogen. Und das Lied ist über 30 Jahre alt. Was da drin steht, ist wie ein Appell: Wacht doch mal auf. Die Übersetzungen müssen nicht vollkommen sein. Aber dass man sich mit ihnen auseinandersetzt, vielleicht in Kombination mit dem Originaltext, finde ich wichtig. Wären sie nicht ins Deutsche übersetzt worden, würden sie vermutlich an einem vorbeiziehen. Und man würde denken: Ach, schöne Musik. Aber dafür brauche ich ja nicht ins Musical zu gehen. Und in diesen Momenten ist im Stück die Partystimmung dann fehl am Platz. Tinas Leben ist eben nicht nur Party.

Die Bühne ist der sicherste Platz

Musical1: Du hast mit 11 Jahren das erste Mal in einem Musical auf der Bühne gestanden. Kannst Du dich noch daran erinnern? Hattest Du Lampenfieber, weil Du ja noch sehr jung warst?

Simon Mehlich

© Niklas Berg

Simon Mehlich: Nein, da bin ich mir ziemlich sicher, dass ich damals kein Lampenfieber hatte.
Das habe ich auch heute nicht, im Sinne von „Es könnte etwas falsch laufen.“ Nicht nachdem ich etwas zwei Monate oder sechs Wochen geprobt habe. Ich weiß dann, was ich auf der Bühne mache. Im Prinzip ist das dann der sicherste Platz überhaupt. Schlimm ist es manchmal nur, wenn ich weiß, dass Leute drin sind, die ich kenne. Dann denkt man wieder zu viel nach: „Hoffentlich wird es jetzt gut.“ (lacht)
Denn sobald man anfängt zu denken, ist man nicht mehr so tief in der Rolle. Aber das muss man auch einmal zulassen können, dass man sich z. B. verspricht. Das passiert einem normal genauso. Warum dann nicht auf der Bühne? Das ist eben Theater, kein Film. Es ist jedes Mal live, mit allen Fehlern, die dazu kommen können. Aber genau deswegen ist es umso direkter.

Musical1: Du hast Mediengestalter in Digital und Printmedien gelernt, also etwas „Solides“. War das der Plan B, falls es mit dem Bühnenberuf nicht klappen sollte?

Simon Mehlich: Das war mein Plan A. (lacht) Im Endeffekt hat es diverse Vorteile mit sich gebracht. So sind bestimmte Dinge wie eine Homepage gestalten, Bilder bearbeiten oder eine Vita schreiben keine Fremdgebiete für mich.

Künstlerische Vielseitigkeit & Special Skills

Musical1: Du hast im Beatles Musical ALL YOU NEED IS LOVE u. a. Gitarre gespielt. Gibt es noch weitere Instrumente, die Du beherrschst?

Simon Mehlich: Ich hatte ein paar Jahre Klavierunterricht. Das ist aber echt schon lange her. Ich versuche das gerade in meiner Freizeit wieder zu beleben. Die alten Notenhefte noch einmal durch zu arbeiten, mir eine neue Herausforderung zu suchen. Schlagzeugunterricht hatte ich beispielsweise auch. Ich würde sagen, Klavier und Schlagzeug sind die Grundlagen.

Musical1: Für die Uckermärkischen Bühnen Schwedt hast Du den Song Fliegen für PETER PAN komponiert. Damit hast Du schon eine ganze Bandbreite vor, hinter und auf der Bühne abgedeckt. Gibt es noch einen Job, den du gerne machen würdest?

Simon Mehlich: Ich würde gerne einmal Regie führen. Das fände ich spannend oder (überlegt), Coaching.
Gerade für Schauspieler, denn manchmal steht man sich als Schauspieler auch selbst im Weg. Wenn dann von außen ein anderer Input kommt, wird einem etwas dazugegeben. Das wäre sehr interessant. Und vielleicht ein bisschen Produktion. (schmunzelt)

Musical1: Du hast bereits in Kinofilmen, Kurzfilmen, Soaps & Werbespots mitgewirkt. Für den WDR warst u. a. als Autor & Sprecher tätig. Wenn Du einmal zurückblickst: Welcher TV Job am meisten Spaß gemacht? Was war am spannendsten?

Simon Mehlich: Oh, das ist jetzt echt schwer. Ich würde gerne wieder mehr drehen, weil es einfach eine komplett andere Arbeit ist. Da muss man im Spiel sehr privat sein. Sobald man es „größer“ macht, wie auf der Bühne, sieht es vor der Kamera fürchterlich aus. Und es macht mir großen Spaß, wenn man in der natürlichen Umgebung
spielen und drehen kann, in der man sich sonst normalerweise bewegt. Die Erfahrung habe ich bei einem Werbespot gemacht, der in Budapest gedreht wurde. Und bei der Telenovela „Jojo sucht ihr Glück“ für die Deutsche Welle.

Musical1: Spannend ist auch, dass Du in Deinen Special Skills angegeben hast, dass Du in Bühnen-& Schwertkampf sowie im Reiten ausgebildet bist. Gab es eine Produktion in der Du all das schon vereinen konntest?

Simon Mehlich

© Udo Krause

Simon Mehlich: Leider nein, aber ich würde wahnsinnig gerne einmal bei den Störtebeker Festspielen mitmachen. (lacht)
Oder in Bad Segeberg, dort habe ich vor Kurzem endlich mal die KARL-MAY-SPIELE gesehen. Da hätte ich echt Lust drauf. Bühnenkampf gepaart mit Choreographien und Stunts – das haben wir ein bisschen bei GRIMM! in Schwedt umgesetzt. Das hat echt Spaß gemacht! Während meiner Zeit bei den Burgfestspielen in Meyenburg habe ich Reiten gelernt. Ich war drei Monate in der Eifel und hatte mir überlegt, wie ich die Zeit am besten nutze. Innerhalb von drei Monaten habe ich dann ca. 40 Reitstunden genommen. Das letzte Mal war ich vor drei Wochen dort, denn ich habe immer noch eine gute Verbindung zu dem Reiterhof. Irgendwann bekommt man auch das Gefühl, dass das Pferd spürt, was in Dir gerade vorgeht. Mit einem Tier zu arbeiten und eine persönliche Beziehung aufzubauen, das ist schon eine tolle Erfahrung.

Der Fragenmarathon: 5 knackige Fragen, 5 knackige Antworten

Musical1: Deine größte Stärke ist?

Simon Mehlich: Disziplin

Musical1: Was und wo ist Heimat für Dich?

Simon Mehlich: Da wo ich groß geworden bin. Obwohl: Heimat ist das Eine, zuhause fühlen das Andere.

Musical1: Lieber böse oder nette Rollen?

Simon Mehlich: Ganz spontan: lieber böse. Obwohl es eigentlich ganz spannend ist, zu hinterfragen:
Wo ist das Problem bei den netten Rollen? Wo kriegen sie die Motivation her? Bei den Bösen ist es oft sehr offensichtlich.

Musical1: Du kannst nicht leben ohne?

Simon Mehlich: Sport und Kaffee. Kaffee ist ein Klischee. (lacht) Und Freunde.

Musical1: Du wolltest schon immer?

Simon Mehlich: Mal nach Kuba fahren.

 

Wir danken Simon Mehlich und Stage Entertainment ganz herzlich für das Interview. Wer TINA – DAS TINA TURNER MUSICAL noch nicht gesehen hat, sollte dies ganz schnell nachholen, denn auf der Bühne des Stage Operettenhauses wird ein Stück Musikgeschichte beschrieben.

Tickets für TINA - DAS TINA TUNER MUSICAL
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Hamburg ist auch immer eine Reise wert. Tipps und Tricks zur Anreise und Übernachtung sowie zu allen Theaterhäusern gibt es hier.

Kategorie: Interviews

Tags: Hamburg

Autor: M. Rose(02.10.2019)

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