Tickets für die besten Musicals sichern: Jetzt Tickets kaufen

Serkan Kaya im Musical1-Interview

In JESUS CHRIST SUPERSTAR in Gelsenkirchen spielt er momentan den Judas: Serkan Kaya. Wir haben ihn für ein Musical1-Interview im "Musiktheater im Revier" in Gelsenkirchen getroffen. Unter anderem spricht er mit uns über die Rolle des Judas, sein Engagement im Sprechtheater und seine Pläne für die Zukunft.

Diesen Beitrag teilen

Serkan Kaya im Interview

Serkan, du spielst momentan im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen den Judas in JESUS CHRIST SUPERSTAR. Was ist für dich denn das Besondere an der Rolle?

Das Besondere an der Rolle kann ich so spezifisch nicht sagen. Aber in dieser Inszenierung hat es uns interessiert, wie sehr wir unseren eigenen Willen haben oder wie fremdbestimmt wir sind. Und so sind wir an die Rolle rangegangen. Immer wieder tauchen in dieser Inszenierung Hinweise darauf auf, was mit Jesus und Judas passieren könnte, aber Judas kann das nicht so wirklich in die Zusammenhänge bringen. Wie denn auch? Er weiß ja nicht, was passiert. Und so stürzt er immer weiter ins Verderben. Und in dem Augenblick, in dem er stürzt, bringt er die Puzzleteile zusammen und merkt: „Das war’s! Jetzt verstehe ich!“ Deswegen singt er am Anfang „My mind is clearer now“. Er sieht was kommen kann, will es noch abwenden, weiß aber nicht, was konkret passieren wird.

Du hast es ja gerade genannt. Die Rolle des Judas ist eine sehr emotionale Rolle. Er hat zig Gedanken in sich und weiß nicht so richtig, wohin mit sich selbst. Welche Szene in dem Stück fordert dich denn am meisten?

Schwierig… Es gibt die Szene, in der ich ihn verrate. Wirklich und wahrhaftlig verrate, indem ich singe: „On Thursday night you’ll find him, where you want him. Far from the crowd, in the garden of… Gethsemane!“ Und das ist der Moment, da wird’s klar. Da hat er ihn verraten. Noch ist es aber nicht vorbei. Aber das fällt mir als Darsteller ungeheuer schwer, in der Figur diese Schritte zu gehen, weil es echt heftig ist, den Menschen, den man so sehr liebt, auszuliefern. Das ist eine sehr schwierige Szene, die aber sehr viel Spaß macht zu spielen. Als Darsteller macht es schon Spaß, sich an diesen Klippen entlangzuhangeln. Ganz schlimm finde ich, wenn ich Jesus den Kuss gebe und dann seinen Blick aushalten muss. Das ist für mich das Schlimmste, das tut wirklich weh.

Meiner Meinung nach braucht man zu der Rolle, die man spielt, eine Verbindung. Stimmt das deiner Meinung nach? Und wenn ja, wo ist die Verbindung zwischen dir und Judas?

Oh, das weiß ich nicht. Ich habe auch lange gedacht, dass man eine Verbindung zu der Figur braucht. Zumindest zu den einzelnen emotionalen Etappen sollte man in irgendeiner Art und Weise ein Fenster finden, irgendeine Gemeinsamkeit. Aber mittlerweile bin ich davon auch etwas abgerückt. Sobald du emotional und intuitiv verstanden hast, in welche Richtung es geht, muss man es gar nicht so sehr festmachen, ob es was mit dir zutun hat. Das kann ich zum Beispiel bei Judas gar nicht sagen. Natürlich kann ich sagen, dass ich sehr loyal bin und ein unfassbar liebender Mensch und deswegen auch sehr emotional, wenn es dann darum geht, die Liebenden zu verteidigen oder Ideale und Werte.

Die Rolle des Judas hast du zum ersten Mal 2005 in Wien gespielt. Das ist mittlerweile 13 Jahre her. Hat sich deine Auffassung der Rolle irgendwie verändert?

Ja, das hat sich sehr verändert. Ich kann gar nicht richtig festmachen, warum. Damals in Wien war es ja eine konzertante Aufführung. Sie war zwar “gestaged” von Dennis Kozeluh und es war sehr durchdacht und toll. Deswegen hatten wir einen breiten Rahmen, der abgesteckt war und in dem wir uns frei bewegen konnten. Also so konzertant war’s gar nicht, es war schon sehr szenisch. Hier ist es eingebettet in eine Inszenierung und der rote Faden ist viel ersichtlicher, viel deutlicher für mich. Und deswegen hat sich die Auffassung der Rolle schon dadurch verändert. Wenn man ein junger Darsteller ist und man hört die Musik dann zum ersten Mal, wo man gar nicht glaubt, dass aus derselben Feder auch CATS stammt. Würde man gar nicht meinen. Wenn man das zum ersten Mal hört, packt es dich. Und gerade wenn man der Typ für diese Rolle ist, emotionalisiert es dich sofort und man geht volle Kanne auf die Emotionen. Und das sehe ich auch ganz oft bei Judasen, dass es oftmals über Aggressionen geht und über diese krassen Emotionen. Das habe ich früher auch gemacht, aber über die Jahre checkt man, dass das wenig interessant ist zu spielen. Es ist wenig interessant, das Offensichtliche zu spielen. Es ist interessanter, jemandem zuzuschauen, der gegen die Tränen kämpft. Und deswegen ist das für mich eine Weiterentwicklung, dem Offensichtlichen nicht die ganze Zeit den Raum zu geben.

Du versucht also, die verborgenen Facetten von Judas noch mehr ans Licht zu bringen.

Ja, und das ist auch viel härter. Es trifft einen als Schauspieler härter, aber auch das Gegenüber. Weil einen, der dich die ganze Zeit anschreit, den nimmst du ja nicht mehr wahr. Deswegen ist es spannender, es in die andere Richtung zu versuchen.

(Weiteres über Serkan Kayas Engagement im Sprechtheater und seine Pläne für die Zukunft gibt es im Video-Interview)

Kategorie: Interviews

Tags:

Autor: A. Satter (23.04.2018)

Diesen Beitrag teilen

Monatlicher Musical-Newsletter

Erhalten Sie einmal im Monat kostenlos die wichtigsten Musical-News im Überblick: Welche neuen Musicals laufen wo? Welche tollen Musical-Angebote gibt es? Verpassen Sie keine Hinweise mehr!

Die Abmeldung von dem Newsletter ist jederzeit möglich.
  • Stefan 23. April 2018 at 18:22 / Antworten

    Danke für den Beitrag und das Interview!

Kommentar hinterlassen

Hiermit stimme ich zu, dass meine Angaben aus dem Kontaktformular zur Beantwortung meiner Anfrage erhoben und verarbeitet werden. Die Daten werden nach abgeschlossener Bearbeitung Ihrer Anfrage gelöscht. Hinweis: Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail an info@musical1.de widerrufen. Detaillierte Informationen zum Umgang mit Nutzerdaten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Newsletter abonnieren (Jederzeit wieder abbestellbar)
Musical1 Newsletter
Zusammengefasste Musical-News
Hinweise auf gute Musical-Angebote
Regelmäßige Ticketverlosungen
Musical-Neuerscheinungen