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Selbstversuche mit Jekyll & Hyde in Merzig

Aus dem Merziger Zeltpalast klingen wieder Musicalmelodien und verschmelzen mit dem dazugehörigen Gesang von der wenige Meter entfernten Bühne zum diesjährigen Musical JEKYLL & HYDE. Der Rang aus dem Rund des Zeltpalastes wurde Corona-konform ins Freie verlegt und so entsteht eine ganz eigene Atmosphäre für das düstere Stück in der Freiluftarena am Zeltpalast.

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Kevin Tarte als Dr. Jekyll
Kevin Tarte als Dr. Jekyll © Jens Wendroth

Die Wissenschaft zwischen Versuch und Erfolg

Wenn man versucht, in einer laufenden Musicalinszenierung den Bezug zur aktuellen Gesellschaft zu finden, bietet JEKYLL & HYDE dafür wohl schon einen tragisch komischen Ansatzpunkt mit der wissenschaftlichen Forschung des Hauptprotagonisten. Doch sollte man aus der Szene in der sich Dr. Jekyll im Laufe des Stückes selbst mittels Spritze seine selbst erschaffene Droge injiziert, eher nicht zu viel interpretieren, da JEKYLL & HYDE als Musical in Merzig bereits Ende 2019 für die Saison 2020 angekündigt wurde.

2021 steht die Uhr nun auf Neuanfang für die Kulturbranche und damit auch für die Musicals im Merziger Zeltpalast, wo in den zurückliegenden Jahren unter anderem mit 9 TO 5 oder der ADDAMS FAMILY auch deutschsprachige Premieren gefeiert wurden. So hat sich auch Merzig den Umständen der Pandemie angepasst: Freiluftkonzept, Kürzung des Stückes auf unter zwei Stunden und ein überschaubares Ensemble. Es wirkt, als würde sich Merzig nach der Zwangspause erst nochmal warm laufen und dies müssen wohl auch die Zuschauerinnen und Zuschauer, denn für alle Vorstellungen, jeweils an den Wochenenden im August, sind noch ausreichend Karten zu erwerben.

Der Fokus liegt auf der Musik

Als Bühne fungiert eine haushoher Aufbau auf drei Ebenen mit LED-Leinwand, welche die düstere Stimmung im London des 19. Jahrhunderts mit passenden Einspielungen untermauert. Da uns der August nicht gerade hochsommerliche Temperaturen beschert, sollte man in Merzig nicht auf warme Kleidung verzichten, sonst kriecht einem das nasskalte englische Wetter auch den Rücken hoch.

Das zehnköpfige Ensemble wird angeführt von den drei Hauptcharakteren, Fabio Diso als Dr. Jekyll/Hyde, Milica Jovanivic als Lisa Carew und Miriam Neumaier als Lucy Harris. Diso wirkt wie ein noch recht junger aber umso selbstbewussterer Wissenschaftler. Es macht ihm sichtlich Spaß zwischen den beiden Charakteren, dem Gut und dem Böse zu springen, was für die Zuschauer schließlich auch die große Spannung des Stückes ausmacht.

Die Stärke der Frauen

Die beiden weiblichen Hauptrollen brillieren. Milica Jovanovic, welche die Rolle nicht zum ersten Mal spielt, singt klar und mit viel Gefühl. Ohne das Ende vorweg zu nehmen, kommt ihrer Rolle auch eine größere Einflussnahme auf die Handlung zu, als in anderen Inszenierungen.

Große gesangliche und schauspielerische Leistung erbringt Miriam Neumaier. Sie sprang erst kurz vor der Premiere als Hauptbesetzung ein, da sich Vasiliki Roussi verletzte. Neumaier bringt Energie und Farbe in das Stück, nicht nur weil sie den einzigen roten Farbtupfer in den sonst schwarz gehaltenen Kostümen tragen darf.

Regisseur Andreas Gergen erzählt das Stück fast ausschließlich über die Lieder, so entfällt die Pause aber es bleiben leider auch Zusammenhänge auf der Strecke. Verliebt sich Lucy beispielsweise wirklich nur durch einen Blick auf Henry Jekyll in seine Art und es wird ihre große Liebe und wo ist John (Peter Leys Preston) als der Selbstversuch von seinem Freund Jekyll das Gute und das Böse im Menschen zu trennen, zunehmend außer Kontrolle gerät.

Minimalistische Ausstattung und maximale Ensembleleistung

Der Gesamteindruck nach dem Abend in Merzig ist: endlich wieder Live-Theater in seiner Gesamtheit! Die Musik klingt voll, der Gesang sitzt, die Ensemble-Leistung ist überragend. Das Ensemble ist fast die gesamte Zeit auf der Bühne und wechselt zwischen Charakteren in den abwechslungsreichen Choreographien von Till Nau. Trotzdem bleibt man ein wenig verhalten, wenn man sich an zurückliegende üppig ausgestattete Musicals ins Merzig erinnert. Aber nach jedem Neustart braucht der Motor etwas Zeit, um wieder auf Touren zu kommen und so freut man sich schon auf den Sommer 2022 in Merzig, wenn das Konzept der Freiluftarena weiterentwickelt wird oder es zurück in den Zeltpalast geht.

 

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Kategorie: Theater Eigenproduktionen

Tags: Merzig

Autor: N. Kroj (08.08.2021)

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