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Der Rocker mit der vielseitigen Stimme – Sascha Krebs

Er fällt auf im Musicalbusiness. Seit Jahren unverändert ist sein Rocker-Outfit und die unverwechselbare lange Mähne: Sascha Krebs. "Vorzeige-Rocker" der Musical-Szene, meist mit Lederjacke, Cowboystiefeln und schweren Ringen bekleidet. Wer nun aber denkt, so einer sei ja auf einige wenige Rollen abonniert, irrt. Denn auch wenn er stimmlich natürlich diese Ecke perfekt bedienen kann, ist sein Repertoire durchaus breiter. Wir haben den überzeugten "Capitoler" im Casino des Capitol in Mannheim getroffen und ihm auf den Zahn gefühlt.

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Sascha Krebs am Mikrofon
Sascha Krebs am Mikrofon Foto: van der Voorden Photography

Vom Akkordeonspieler zum Hardrocker

Er ist seit über zwanzig Jahren im Geschäft, eine lange Zeit. „Davon habe ich rund 18, 19 Jahre lang zu 80% Musical gemacht.“, erzählt uns der gebürtige Heidelberger Sascha Krebs. Mit etwa 16 Jahren habe er im Mannheimer Rosengarten eine Aufführung von HAIR gesehen und sich gedacht, das sei etwas, das ihm auch Spaß machen könnte: auf der Bühne stehen und singen. „Allerdings komme ich aus einer Familie, in der keiner jemals professionell gesungen oder auf einer Bühne gestanden hat“, räumt er ein. Erst bei näherer Betrachtung habe er festgestellt, dass da doch etwas mehr dahintersteckt als sich einfach nur auf die Bühne zu stellen. „Ich konnte zwar Akkordeon spielen, aber ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, ob ich eine bühnentaugliche Stimme habe.“

Sascha Krebs - Tattoos

Foto: van der Voorden Photography

Ausbildung für erstes Engagement abgebrochen

Ein Chor in Sandhausen war seine erste Berührung mit gesungener Musik. „Aber meine Stimme war recht leise damals und somit taugte ich nicht als Solist“. Er bekam Unterricht bei einem Opernsänger und nach dem Abitur reichte die Stimme sogar für die Aufnahmeprüfung an der Stage School in Hamburg.  „Meine Eltern haben mich auf diesem Weg immer unterstützt, auch finanziell“, betont der inzwischen 41-Jährige. Die Ausbildungszeit geriet dann allerdings unerwartet kurz. „Nach einem Jahr hatte ich die Möglichkeit, bei den Freilichtspielen in Tecklenburg als Margaret Mead in HAIR mitzuwirken. Das war damals nicht so gerne gesehen, dass man während der Ausbildung ein Engagement annahm und ich brach die Schule daher ab.“

Besondere Beziehung zu Tecklenburg ist geblieben

Die Beziehung zu Tecklenburg blieb über die Jahre bestehen. Neben weiteren Engagements in THE ROCKY HORROR SHOW (Phantom), HELLO DOLLY (Barnaby Tucker), JOSEPH AND THE AMAZING TECHNICOLOR DREAMCOAT (Erzähler), JESUS CHRIST SUPERSTAR (Jesus), DRACULA (Nick) und nochmal in HAIR (Berger), prägte er ab 2000 die jährliche Musical-Gala in Tecklenburg mit. „2000 war das noch eine reine Musical-Veranstaltung. Aber ab 2001 haben wir bei der Pfingstgala dann Musical mit Rock/Pop gemischt. Seit 18 Jahren ist die Veranstaltung immer ein Happening“. Eines, das Krebs mitgeformt und geprägt hat und dies bis heute tut.

Herbert von Krolock am Wiener Raimund-Theater

In der Spielzeit 1998/99 hatte er sein dem breiten Musical-Publikum wohl bekanntestes Engagement als Herbert in TANZ DER VAMPIRE am Wiener Raimund-Theater. Außerdem war er dort auch als Drittbesetzung des Grafen von Krolock zu sehen und zu hören. Neben einer offensichtlichen Affinität zu Andrew Lloyd Webber, die sich neben den bereits genannten Werken auch mit EVITA und der Europa-Tournee der Andrew Lloyd Webber-Gala wie ein roter Faden durch seinen Lebenslauf ziehen, hat jedoch ein Stück seine Karriere geprägt wie kein anderes. Fast die Hälfte seiner Bühnenjahre stand Sascha Krebs an verschiedenen Standorten und in diversen Rollen in WE WILL ROCK YOU auf der Bühne. „Das war für mich der Startschuss auch mal was anderes zu singen.“ Mit dieser Art der Musik habe er Gefallen daran gefunden, als Frontman in Bands auf der Bühne zu stehen.

Queen-Musik läßt ihn nicht los

Inzwischen ist er seit rund 13 Monaten Lead-Sänger der „The Queen Kings“ und hat somit seinen Schwerpunkt vom Musical zur Rock-Musik verlagert. „Engagements bei Sommerfestspielen oder gar in Long-Run-Produktionen sind aus Zeitgründen nicht mehr möglich, das lässt sich mit über 80 Konzerten im Jahr nicht vereinbaren.“ Ganz abtrünnig ist er dem Genre aber nicht geworden. Nach wie vor ist er regelmäßig im Capitol Mannheim in verschiedensten Produktionen zu sehen. So ist er diesen Monat noch als Berger in HAIR und als Judas in den beiden restlos ausverkauften Vorstellungen von JESUS CHRIST SUPERSTAR IN CONCERT zu sehen. Aber auch in Capitol-Eigenproduktionen wie KARL DRAIS – DIE TREIBENDE KRAFT, wo er zukünftig die Hauptrolle übernimmt oder I WANT IT ALL gehört er seit vielen Jahren zum festen Ensemble des Capitols. Ab September gibt er dort den Che Guevara an der Seite von Roberta Valentini als EVITA.

Sascha Krebs im weißen Hemd

Foto: van der Voorden Photography

Der besondere Reiz der Capitol-Familie

Doch woher kommt diese Verbundenheit? „Wie das oft so ist, begann alles mit einem Zufall. Nach meiner Ausbildung erzählte mein Vater dem Vater von Thorsten Riehle, dem Geschäftsführer des Capitol, von mir. Sie waren Arbeitskollegen. So kam ich zum Capitol.“ Geblieben sei er, weil das Team einfach super passe. „Es wird seriös gearbeitet und gesund gewirtschaftet. Es gibt keinen Größenwahn und man wird nicht gleich übermütig, wenn mal ein Stück besonders gut läuft. Außerdem harmonieren wir Darsteller menschlich sehr gut und man hat eine große künstlerische Freiheit.“

Besorgt über die Entwicklung der Musicalszene in Deutschland

All dies ist ihm sehr viel wert. Schließlich hat er in über zwanzig Jahren Darsteller-Dasein die Entwicklung der deutschen Musical-Szene hautnah mitverfolgen können und weiß, worauf es ihm ankommt. „Die Entwicklung finde ich tatsächlich bedauerlich.“ Es sei sehr schade, dass man sich kaum neuer Stoffe annehme. „Eigentlich“, so Sascha Krebs, „müsste man Staats- und Stadttheater fördern und sie gleichzeitig verpflichten, alle zwei Jahre ein komplett neues Stück auf die Bühne zu bringen“. So würde man automatisch die ganze Branche von Autoren, über Komponisten und allem was dazu gehört, fördern. „Etwas Neues auszuprobieren ist natürlich immer riskant, deswegen greifen die meisten Theater auf altbewährte Stücke zurück.“ Das wichtigste Erfolgsrezept sei für ihn immer noch ein gutes Stück kombiniert mit sehr guten Darstellern. Bei kleineren Theatern wie dem Capitol helfe es, wenn ein, zwei bekannte Gesichter dabei sind, um auch überregional Musical-Fans anzusprechen. Inzwischen sei eine kleine Entwicklung zu beobachten. Einige Darsteller würden zum Beispiel selbst versuchen, unbekanntere Stücke und Stoffe nach Deutschland zu holen und sie auf die Bühne zu bringen. So entstehe ganz langsam eine kleine „Off-Szene“ als Kontrapunkt zu den Großproduktionen. „Auch bei den ganz großen Musicalmachern wird immer mehr gespart. Das merke man sowohl an den schrumpfenden Orchestern, den immer kleiner werdenden Ensembles und auch daran, dass eher auf bekannte Titel als auf neue Kompositionen gesetzt werde. Mit dieser Einschätzung steht der vielseitige Tenor sicher nicht allein.

Sascha Krebs und Victor H. Barreto

© Capitol Mannheim

Gute Vorbereitung ist wichtig

Egal ob im Musical oder als Lead-Sänger, Vorbereitung ist wichtig. „Wenn man sich durchmogeln muss, weil man zum Beispiel überstürzt einspringen musste, hat man so eine Art Tunnelblick und weiß danach gar nicht mehr so richtig, was man da oben eigentlich gerade gemacht hat.“ Premieren seien meist generell etwas wackelig, der Spaß komme meist erst bei den weiteren Aufführungen. Als Frontman sei er inzwischen aber recht routiniert. „Wenn die Band, das Publikum und auch ich selbst eine gute Zeit hatten, dann bin ich glücklich“. Wenn aber die äußeren Gegebenheiten nicht stimmen, die Technik unzureichend ist oder gar Kollegen schlecht vorbereitet auf die Bühne kommen, dann sei er schon mal unzufrieden oder verärgert.

Keine Panik, wenn der Hals mal kratzt

Zur guten Vorbereitung gehöre auch eine gute Ernährung, genügend Schlaf und ausreichend Regeneration. „Grundsätzlich gehöre ich aber nicht zu den Leuten, die gleich in Panik verfallen, wenn es mal im Hals kratzt. Man hat nun mal nicht alles selbst in der Hand. Ein erfahrener Sänger kann vieles kompensieren, aber wenn es nicht geht, dann geht es eben nicht.“ Er fange nicht schon gleich nach dem Aufstehen an, seine Stimme zu testen und nochmal alles durchzusingen. „Ein Fußballer rennt ja auch nicht vor dem Spiel schon mal 90 Minuten über den Platz, um sich vorzubereiten. Denn dann wäre er beim Spiel schon ausgepowert und genauso ist das bei der Stimme auch.“

Lights on Sascha Krebs

Foto: Florian Stangl

Keine negativen Fan-Erlebnisse

Gefragt, was er von den immer wieder mal aufkommenden Fan-Diskussionen halte und ob er schon negative Erfahrungen diesbezüglich gemacht habe, bleibt Sascha Krebs völlig entspannt. „Die sozialen Medien verändern da natürlich vieles, die Scheu ist im Netz oft viel weniger und es geht generell, zum Beispiel auch gegenüber Politikern, viel respektloser zu.“ Er persönlich habe aber noch keine negativen Erfahrungen mit Fans gemacht. „Wien damals war sicher am extremsten, da standen die meisten Fans am Bühnenausgang.“ Auch die ewige Grafen-Diskussion kenne er natürlich zur Genüge. Meist sei das Fan-Verhalten aber sehr personenabhängig. Und als Lead-Sänger sei es ohnehin nochmal anders, denn „Metal-Fans sind eh etwas anders drauf“, schmunzelt er. Wichtig sei es als Darsteller, sich immer wieder klar zu machen, was sehr schön in einer Liedzeile aus „New kid in town“ von den Eagles besungen wird: „They will never forget you till somebody new comes along“. Ruhm sei also sehr vergänglich.

Wenn zwei Künstler unter einem Dach wohnen

Noch eins hat uns interessiert: Wie sieht das Privatleben aus, wenn zwei Künstler zusammenleben und teilweise sogar zusammenarbeiten? Sascha Krebs‘ Partnerin Doris Marlis ist ebenfalls ausgebildete Musical-Darstellerin, hat sich aber seit einigen Jahren der Choreographie zugewandt und ist ebenfalls eine überzeugte „Capitolerin“. „Skype und Facetime sind tolle Erfindungen für uns, denn es gab natürlich immer wieder Phasen, in denen man sich aufgrund verschiedener Engagements nicht so häufig gesehen hat“. Da sei es dann schon ein größerer organisatorischer „Berg“, der da teilweise zu überwinden sei. Aber ganz wichtig sei es aus seiner Sicht, feste Zeiten einzuplanen. Zum Beispiel für gemeinsame Urlaube. „Die sind dann geblockt und in dieser Zeit nehmen wir auch nichts an“.

Sascha Krebs stehend

Foto: van der Voorden Photography

Gegenseitiges Verständnis hilft

Generell, ist Sascha Krebs überzeugt, helfe es aber doch eher, wenn beide in der gleichen Branche sind. „Man hat doch mehr Verständnis füreinander, weil man das Business ja kennt“. Das Leben finde eben recht stark unter der Woche statt, da die Wochenenden meist mit Konzerten oder Auftritten belegt seien. Allerdings habe er Glück, seine Frau sei durchaus auch gleichzeitig Fan von dem was er tue und komme so häufig mit zu Konzerten. Außerdem haben sie im Capitol immer wieder die Möglichkeit, zusammen zu arbeiten. Manchmal, gibt er zu, sei das schon etwas seltsam. „Gerade saß man noch gemeinsam am Frühstückstisch und dann steht man gemeinsam auf der Bühne und sie sagt mir, was ich tun soll“, grinst er.

Drei Eigenschaften und ein guter Rat

Und auch wenn sie ihn sicher am besten kennt, wollen wir doch lieber wissen, was andere über ihn sagen würden. Was glaubt Sascha Krebs sind die drei Eigenschaften, die ihm am ehesten zugeschrieben werden? „Hm, ich hoffe meine Kollegen finden mich kollegial und professionell. Und ich denke, die meisten würden mich als Rampensau bezeichnen!“ Wer sich sein eigenes Bild davon machen möchte, findet alle Termine auf der Homepage saschakrebs.com.

Hierzu passt auch der abschließende Satz unseres Interviewpartners, dem wir uns aus vollem Herzen anschließen: „Geht raus, schaut euch Sachen an – von der Nachwuchsband in einem kleinen Keller bis zur Großproduktion. Bleibt nicht zuhause sitzen – man darf danach auch gerne sagen, wenn einem etwas nicht gefallen hat. In normalem Ton und ohne jemanden zu beleidigen.

Kategorie: Darsteller Geschichten,Interviews

Autor: M. Kanz (27.03.2018)

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