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REIFE DAMEN – Phänomenale Uraufführung in Schwedt

REIFE DAMEN - Das neue Musical von Sebastian Brand und Florian Stanek feierte am Freitag, den 15.10.2021 seine Uraufführung an den Uckermärkischen Bühnen Schwedt. Wie es uns und dem anwesenden Publikum gefallen hat und warum sich der eine oder andere Besucher auf der Bühne selber sehen konnte, ist hier zu lesen. Vorab sei direkt bemerkt, die weiblichen Besucher sollten auf allzu umfangreiches Make-Up verzichten, da es bereits in der ersten halben Stunde zu Lachsalven im Publikum kam, die kein Make-Up unbeschadet überstehen konnte. Die Lachtränen zerstörten jedes noch so perfekte Make-Up.

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REIFE DAMEN © udo krause/www.theater-schwedt.de

Von Lachtränen umjubelte Uraufführung des neuen Musicals REIFE DAMEN

Am letzten Samstag war es endlich soweit: Die wohl heißeste und lustigste Sex-Hotline Deutschlands startete am Uckermärkischen Theater Schwedt. Musical1 durfte dabei sein und live erleben, wie Anna (Gabriele Schwabe), Gerda (Ines Venus Heinrich) und Waltraud (Katarzyna Kluczna) durchstarteten. Das neue Musical REIFE DAMEN von Sebastian Brand und Florian Stanek ist ein Feuerwerk der guten Laune. Pointenreiche Dialoge und mitreißende Songs ergänzen sich perfekt.  Tabuthemen und Vorurteile in Bezug auf das Altern, Sex im Alter und die dort vorherrschenden Bedürfnisse werden mit einem Augenzwinkern konkret thematisiert und mit einem Angriff auf die Lachmuskeln angesprochen. Wer das Stück sieht und ehrlich zu sich ist, erkennt sich selbst oder zumindest jemanden, der große Ähnlichkeit mit einer der drei Protagonistinnen aufweist.

Drei Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein können

Anna hat nach über 50 Jahren Ehe ihren “geliebten” Mann Walter unerwartet verloren. Auf der Trauerfeier trifft sie auf ihre Freundinnen Gerda und Waltraud, die sie seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Beim gemeinsamen Leichenschmaus wird über die gute alte Zeit geplaudert und es kommen Dinge zur Sprache, welche erst einmal die Freundschaft der drei in ein anderes Licht setzt. Gerda ist nach ihrer Ansicht ein Bühnenstar und eine immer noch begehrenswerte Frau. Sie versucht die Spuren des Alterns zu ignorieren und sich “Forever Young” zu halten. Flippige Garderobe und perfektes sich in Szene setzen sind ihre Markenzeichen. Sie erkennt aber recht schnell, dass sie ihren Freundinnen im Grunde doch sehr ähnlich und nah ist.

Anna war Ärztin und erscheint recht bodenständig und abgeklärt mit der Situation, dass im Alter vieles anders und nicht mehr alles möglich ist.  Sie ist die nette alte Dame, die man sich so vorstellt. Gediegener Kleidungsstil, resolut, aber doch im Einklang mit sich und der Gesellschaft. Anna hat sich dem Altsein hingegeben und angepasst.

Waltraud, die Dritte im Bunde: Man fragt sich am Anfang der Show, war Waltraud eigentlich jemals jung und ausgeflippt. Schlecht vorstellbar. Eine unscheinbare graue Maus, die nie wirklich Spaß hatte. Sie ist Mitglied im Kirchenchor, eher konservativ, um nicht sogar zu sagen: Waltraud ist verklemmt. Die augenscheinliche “alte ” Jungfer. Das Thema Sex dürfte in ihrem Leben eher eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Allerdings ist sie organisatorisch hervorragend aufgestellt und kann Dinge gut koordinieren.

Meist kommt es anders als man denkt

Gerda – Ines Venus Heinrich

© udo krause/www.theater-schwedt.de

Wie so oft im Leben wird uns im Verlauf der Show allerdings auf sehr amüsanten Weise klargemacht, dass der erste Eindruck nicht immer der richtige ist. Einen Menschen nach seinem Auftreten oder Aussehen zu beurteilen, kann ein grober Fehler sein. Das Sprichwort “Stille Wasser sind tief” bekommt hier seinen Beweis geliefert.

Der erste Anschein der drei reifen Damen, in Würde gealtert zu sein, wird im Verlauf des Abends gänzlich auf den Kopf gestellt.

Ein Problem und eine Lösung

Der Tod von Annas Mann hält für sie jede Menge Probleme bereit. Das größte Problem, ein riesen Schuldenberg und der damit drohende Verlust ihrer “angeblichen” Eigentumswohnung. Anna spielt mit dem Gedanken in ein Seniorenheim zu ziehen und ihre Freiheit aufzugeben. Doch auch hier fehlt das Geld um noch einigermaßen gut untergebracht zu werden.

Hier kommt nun Gerda ins Spiel, sie hat die unglaubliche Idee, eine Sexhotline zu eröffnen. Dass Waltraud und Anna damit ihre Probleme haben, ist verständlich. Generelle Tabuthemen und ihr bisheriger Lebenslauf können diese Möglichkeit der Geldbeschaffung keinesfalls in Betracht ziehen. Unvereinbar ist diese Idee mit den Ansichten und Überzeugungen der beiden. Gerda ist aber mit ihrer hartnäckigen Art und der Überzeugung, selbst noch als Sexsymbol herhalten zu können, unermüdlich dabei, die beiden Freundinnen zu überreden. Man muss eben mit der Zeit gehen, sich den Umständen anpassen und alte Ansichten einfach über Bord werfen.

Wer sagt denn, dass reifere Menschen keine sexuellen Bedürfnisse mehr haben dürfen oder wer verbietet ihnen ihre jahrzehntelangen Erfahrungen an Jüngere weiterzugeben. Hier stellt sich natürlich direkt allen die Frage: Waltraud und jahrzehntelange Erfahrungen?

Gerda setzt ihre Idee durch und die Sex-Hotline REIFE DAMEN geht kurzerhand ans Netz.

Idee und Ausführung

Waltraud im Backrausch – Katarzyna Kluczna

© udo krause/www.theater-schwedt.de

Die Idee scheint perfekt. Waltraud, die auch ein Mathematikgenie ist, rechnet aus, dass in vier Monaten Annas Schuldenberg Geschichte sein könnte. Schnell stellen die drei fest, dass es nichts festzustellen gibt. Keine Anrufe, beunruhigende Stille. Kein Schwein ruft an. Zwei, drei Anrufe werden durch Waltraud vermasselt und verlaufen unter Lachsalven des Publikums im Nichts. Die Freundinnen vertreiben sich die Zeit des Wartens, naschen von selbstgebackenen Keksen aus Gerdas Keksdose. Das hebt die Stimmung enorm. Ein selbstgedrehtes Video geht viral und verschafft den dreien eine unerwartete Publicity. Das Geschäft blüht und auch Anna und vor allem Waltraud tauen so richtig auf.  Die Show erreicht einen ihrer Höhepunkte als Waltraud beim Sextelefonat Kuchen backt und das Kopfkino der Zuschauer anspringt.

Geld zerstört Freundschaften

Die Telefone stehen nicht mehr still, die Social Media Portale glühen, das Geld strömt herein. Damit ergibt sich dann das nächste Problem für die drei. Wenn man sich zwischenzeitlich auch einig ist zum Thema Tabuthemen, sind die eigenen Vorstellungen und Bedürfnisse anscheinend doch unüberwindlich.

Das Trio zerbricht am Geldsegen. Ob es für REIFE DAMEN dennoch ein Happy End gibt und ob sich ein neuer gemeinsamer Weg für die drei auftut, muss jeder selbst herausfinden, indem er sich das Stück ansieht.

Drei Charaktere der Extraklasse

Die Auswahl der Damen für die Rollen von Anna, Gerda und Waltraud ist absolut perfekt und gelungen.

Gabriele Schwabe (Anna) ist nicht nur im Stück die Lebenserfahrenste. Sie spielt auf der Bühne ihr eigenes Alter. Gabriele Schwabe ist eine erfahrene Schauspielerin und wir ziehen den Hut vor der Leistung des Abends. Es ist nicht selbstverständlich, mit so viel Liebe und Leidenschaft im hohen Alter noch auf der Bühne zu stehen. Man nimmt ihr ohne Wenn und Aber die Rolle der Anna ab und hat keinen einzigen Moment den Eindruck, dass sie das gespielte nicht auch im eigenen Leben vertreten könnte.

gerda-anna-waltraud

© udo krause/www.theater-schwedt.de

Ines Venus Heinrich (Gerda) ist im Damentrio die ausgeflippteste, sexyste und nach Rollenvorgabe der Bühnenstar. Gerda ist durch ihr eigenes Ego noch etwas näher mit der der modernen Welt vertraut. Marketing und das über-Bord-werfen von Tabus ist für sie kein Problem.  Die Kollegen von der Maske haben einen überzeugenden Job geleistet und Ines Venus Heinrich hat sich grandios in ihre Rolle als alternde Bühnendiva eingebracht.

Katarzyna Kluczna (Waltraud), das Küken am Set. Mit noch nicht einmal 30 Jahren präsentierte sie uns eine alte Jungfer vom Feinsten, welches jegliche Klischees dieser Figur bediente. Auch hier ein Kompliment an die Visagisten, genial, was geleistet wurde. Die Rolle der Waltraud ist der Spaßgarant des Stückes und für uns aufgrund der geforderten Situationskomik ein wirklich schwieriger Part. Hat doch jeder eigene Vorstellungen davon, wie eine alte Jungfer mit dem Thema Sex, Männer und den dazugehörigen Tabuszenen umgeht. Genau diese Vorstellungen bedient Katarzyna Kluczna als Waltraud mit ihrem unbeschreiblichen, fantastischen Spiel.

Alle drei ergänzen sich auf eine perfekte und geniale Weise, welche den Spaß an der Sache erkennen lässt. Authentisch und brillant.

Drei Männer für die Musik

Die Show REIFE DAMEN wird von drei Musikern begleitet, welche sich während des gesamten Stückes oberhalb des Bühnenbildes aufhalten und somit für das Publikum immer präsent sind, was sich aber keinesfalls als störend auswirkt. Die Band, bestehend aus Tom van Hasselt am Klavier, Tobias Fuchs am Jazzschlagzeug  und Geoffrey Dabrock an der Bassposaune, gehören zum Stück dazu und haben auch innerhalb des Stückes ihren eigenen famosen Auftritt. Eine tolle Idee, die Band in die Story einzubeziehen, sind sie doch wie in jedem Musical auch Hauptakteure. Ohne Musik ist es schließlich kein Musical.

Absolut empfehlenswert

Wir hoffen, dass dieses Stück sich seinen Weg in die Musicallandschaft bahnt und ganz bald auch in anderen Theatern zu sehen sein wird. Eine Deutschlandtour wäre wunderbar, damit sich die Liebhaber gelungener Musicals einen Eindruck verschaffen können und einen Abend voller guter Laune genießen.

REIFE DAMEN am Uckermärkischen Theater Schwedt ist ein echter Geheimtipp für einen Abend voller Humor und Stimmung aber auch für Nachdenklichkeit über das eigene Ich – und das nicht nur für reife Besucher.

Wer noch etwas mehr über die Hintergründe zum Stück und dessen Entstehung erfahren möchte, sollte sich unseren Artikel mit Interview ansehen, welchen wir vor ein paar Wochen auf Musical1 veröffentlicht haben.

Das Stück ist noch bis Ende des Jahres (23.12.2021) an ausgewählten Terminen zu erleben und wir können nur raten: Bnbedingt ansehen und Spaß haben. Da sich die Story unter Musicalfans bereits gut etabliert hat, sollte man sich seine Tickets schnell sichern.

Ein Musical von Florian Stanek und Sebastian Brand

©reifedamen

Im Theater gilt die 3G-Regel. Wer das Theater kennt, der weiß, dass es mit einer gemütlichen Atmosphäre aufwartet. Man kann auch während der Show genüsslich ein Glas Wein oder ein anderes Getränk genießen. Der Abend erhält somit noch ein wenig mehr an Behaglichkeit.

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