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OTELLO DARF NICHT PLATZEN – Verwechslungsspaß im Landestheater Coburg

Das Opernhaus in Cleveland steht vor dem Bankrott. Die letzte Rettung: Star-Tenor Tito Merelli. Der Italiener soll die Titelrolle in Verdis Oper Otello übernehmen. Doch dann: Worst Case! „Il Stupendo“ fällt aus und muss irgendwie ersetzt werden. Das Verwirrspiel beginnt. Seit dem 18. Januar ist das Musical von Peter Sham und Brad Carroll in Coburg zu sehen. Inszeniert wurde die Erstaufführung des Landestheaters von Gast-Regisseur Felix Seiler. Musical1 hat sich das turbulente Boulevard-Stück angesehen.

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Wer ist wer? Opernstar Merelli (Dirk Mestmacher, re.) versus Double (Stephan Mertl, li.) © Sebastian Buff

Musical meets Oper meets Boulevard-Komödie

„Warst Du schon in Othello?“, fragte eine Dame im Foyer ihre Begleitung. Othello mit H war der vierte Namensvetter an diesem Abend. Einem Theaterabend, der Musical-, Schauspiel- und Opernfreunde vereinte. Neben dem heiteren Musical OTELLO DARF NICHT PLATZEN führt das Landestheater Coburg in dieser Spielzeit auch William Shakespeares Tragödie Othello auf – ein gelungener Schachzug.

Liebhaber von Verdis Otello bekommen vor Ort zwar keine vier Akte zu sehen. LEND ME A TENOR, so heißt das Stück im Original, bietet den Opernfans dennoch einen Augen- und Ohrenschmaus. Als Diana Divane – wunderbar gespielt und gesungen von Dimitra Kotidou – ihr professionelles Arien-Potpourrie zum Besten gibt, wird im Saal mitgesummt. Wer nun meint, für die Vorstellung seien fundierte Opernkenntnisse vonnöten, darf beruhigt sein. Auch reine Musicalfans werden ihren Spaß an der spritzigen Komödie haben.

Buntes 30er-Jahre-Flair

Gast-Regisseur Felix Seiler und Kapellmeister Roland Fister wussten, wie sie das Publikum für die Coburger Inszenierung gewinnen und begeistern können. Am Premierenabend wurden sie dafür mit Standing Ovations belohnt. Am 4. März blieben die „Bravo“-Rufe ebenfalls nicht aus. Und das hat seinen Grund. Denn von den Protagonisten über das Ensemble bis hin zum Bühnenbild stimmt in der Opern-Persiflage alles. Zwar schmerzte anfangs der Klang der Mikrofone ein wenig in den Ohren. Das Problem wurde aber schnell gelöst, so dass sich die Zuschauer auf das bunte Geschehen einlassen und ins Cleveland der 30er Jahre eintauchen konnten. Letzteres liegt nicht zuletzt an den fabelhaften Kostümen, die zusammen mit der Kulisse ein wunderbares Ambiente schaffen.

Konzept „Bühne auf Bühne“ funktioniert

© Sebastian Buff

Ort eins der Handlung: die Bühne des Opernhauses Cleveland. Jeweils zu Beginn der beiden Akte spielt das Stück nämlich „on stage“. Nach der Pause ist das Publikum sogar „backstage“ dabei. Hinter den Kulissen erleben die Coburger, wie Theaterassistent Max Garber (Lean Fargel) in seinem urkomischen Otello-Kostüm für Tenor Tito Merelli einspringt und vom „lieblichen Boy“ zum Star avanciert. Witziges Detail: Aufgrund des Perspektivenwechsels werden die Übertitel ebenfalls spiegelverkehrt angezeigt, was für einige Lacher sorgte. Überhaupt nimmt das Musical in der zweiten Hälfte so richtig Fahrt auf. Wie im ersten Akt spielt auch im zweiten der Großteil der Story in Merellis schmucker Hotel-Suite, was einem Kammerspiel gleicht – einem lustigen und lebendigen Kammerspiel. Nachdem Max nämlich für den totgeglaubten Gast eingesprungen war, beginnt das Verwechslungschaos. Und der Bühnenspaß geht richtig los. Wer übrigens denkt, es bliebe bei einem Otello-Double, wird eines Besseren belehrt. Aller guten Dinge sind in diesem Musical tatsächlich drei.

Otello hoch drei – Wer mit wem?

Die Besonderheit des „Possenstücks“: das harmonische Zusammenspiel des durchweg sympathischen Casts. Der verliebte Max, die überschwängliche Diva Diana, der nervöse Theaterdirektor Henry Saunders (Stephan Mertl), seine lebenslustige Tochter Maggie (Veronika Hörmann), der leidenschaftliche Tenor Merelli (Dirk Mestmacher) und dessen eifersüchtige Gattin Maria (Emily Lorini) – alle Rollen werden von den Darstellerinnen und Darstellern überzeugt dargestellt. Nicht zu vergessen: die hysterische Groupie-Horde, die Mirelli auf den Fersen ist und sich trotz Lebensmittelvergiftung nicht davon abhalten lässt.

Highlight der schwungvollen Choreografie zum Ensemble-Finale: Dirk Mestmachers Steppeinlage als „El Stupendo“. Die rund zweieinhalb Stunden voller Trubel lohnen sich. Denn am Ende haben sich alle lieb. Ein Happy End genügt dabei aber nicht: Dem Otello-Trio folgt ein Pärchen-Triple. Wer bekommt wen? Lassen Sie sich überraschen. Noch bis zum 20. Juni ist OTELLO DARF NICHT PLATZEN im Großen Haus des Landestheaters Coburg zu sehen. Bis dahin: „Arrivederci, Bye-bye, Cleveland“! Und Vorsicht beim Krabbenessen!

Noch eine kleine Info zum Schluss:

Peter Shams (Buch, Gesangstexte) und Brad Carrolls (Komposition) LEND ME A TENOR basiert auf Ken Ludwigs Lustspiel (1986), das mit dem Tony Award ausgezeichnet wurde. Die Uraufführung der Musicalversion war offiziell am 15. Juni 2011 in London. In deutscher Sprache wurde die musikalische Boulevard-Komödie zum ersten Mal im März 2013 in Leipzig gezeigt. Im Landestheater Coburg stand OTELLO DARF NICHT PLATZEN schon im Oktober 1992 auf dem Spielplan  – allerdings als Schauspiel.

 

 

 

 

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Kategorie: Kritiken

Tags: Coburg

Autor: B. Schlager (07.03.2020)

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