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MARTIN MARKERT – Musicals around the World

Auch ein Musicaldarsteller hat ab und an Urlaub. Was macht er dann? Natürlich vielleicht auch ein Musical besuchen. Wenn dieser Musicalbesuch dann noch in der entferntesten Ecke der Welt stattfindet, in Sao Paulo, ist uns dies eine Berichterstattung wert. Nach fast einem Jahr on Stage verbringt MARTIN MARKERT derzeit seinen wohlverdienten Urlaub in Sao Paulo und er war so nett uns zu berichten, ob Musical dort anders ist.

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Martin Markert
Martin Markert Foto by Allan Lustosa

Musicals around the world – ein Gruß aus der Ferne von MARTIN MARKERT

Musicals in der Rahmengestaltung wie wir sie heutzutage erleben, wurden in den 1920er Jahren in New York kreiert. In Windeseile fand diese Unterhaltungsform neben dem New Yorker Broadway auch rasch Verbreitung im Londoner West End – bis heute DIE Metropolen des Genres.

Mittlerweile gibt es neben den richtungsweisenden „Geburtsstätten“ jede Menge großartiger Produktionen rund um den Globus, in oftmals architektonisch wunderschönen Häusern. Div. Internet- Chats, wie auch unsere Musical 1 Leser, wissen von unvergesslichen Erlebnissen zu berichten. Urlaub, Städtereisen, Business-Trips… gerne wird ein Musicalbesuch mit eingeplant.

Book of Mormon oder Westside Story in Sydney oder Melbourne, Evita in Vancouver, Tanz der Vampire in Paris, Helsinki, St. Petersburg, Scaramouche in Barcelona, König der Löwen in Tokio und Den Haag, Elisabeth in Shanghai… die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Kennt man gar das Stück, ist der Reiz es in einer anderen Sprache, oder der „Ursprache“ zu erleben, immens hoch.

Geht es einem Musicaldarsteller wohl ebenso? Geht ein Musical-Star im Urlaub selber auch mal ins Musical? Wir durften Martin Markert zu dem Thema ein bisschen aushorchen 😉

Hallo Martin, danke, dass wir Dich während Deiner Auszeit kontaktieren dürfen. Nach RENT, DIE NACHT DER MUSICALS und BURGFESTSPIELE JAGSTHAUSEN ist diese ja mehr als verdient. Das waren jetzt 10? 11? Monate am Stück?

Fala Galera, Tudo Bem?*  Ich sende Euch ganz liebe Grüße aus dem fernen Sao Paulo.

* portug. = Hi Ihr Lieben, alles ok?

Hm… Da muss ich jetzt mal überlegen – es müssten 10 Monate in einem Ritt durch gewesen sein. Mit mehr als sechs unterschiedlichsten Rollen. Das war einfach mal mega kreativ, ereignisreich und wirklich bereichernd, die letzten Monate.

Deinen Social Media Accounts kann man entnehmen, Du verweilst gerade in Brasilien. Faszination pur?

©Allan Lustosa

Ja, ich bin wieder hier! Wie viele mittlerweile mitbekommen haben, habe ich über die letzten 3 Jahre viel Zeit in Brasilien verbracht. Ein so wunderschönes, riesengroßes Land… Wenn man hier ist, gibt es Unzähliges zu entdecken und man ist von ganz wunderbaren Menschen umgeben. Der Latin-Flair hat echt was! 😉 Und Sao Paulo ist eine riesen Metropole, in der Langeweile ein Fremdwort ist.

Und zufällig steht ein Musical-Stück auf dem Programm, zu dem Du eine ganz besondere Beziehung hast…

Au ja… O Fantasma da Opera (DAS PHANTOM DER OPER). Ich habe dieses Stück in Deutschland, in London und nun auch in Brasilien erleben dürfen. Es war das erste Musical, das ich je gesehen habe. Mit 14 Jahren saß ich in der Neuen Flora in Hamburg und bin in die Katakomben der Pariser Oper abgetaucht. Als die Ouvertüre (für mich jedes Mal atemberaubend) los ging, und der Kronleuchter seinen Weg über die Köpfe der Zuschauer nach oben startete, hatte ich vor Aufregung Tränen in den Augen. Nach dem Schlussapplaus wusste ich was ich machen wil: Ich will auf die Bühne, will singen, Geschichten erzählen und in die verschiedensten Charaktere schlüpfen.

©Martin Markert

In welcher Stadt und welchem Theater wird Phantom gespielt? Ist es ein schöner Theaterbau? Wie groß ist es?

O Fantasma wird im Teatro Renault in Sao Paulo gespielt. Dieses Theater ist DER „Musical-Tempel“ Brasiliens. Hier kommt eigentlich jährlich eine große Musicalproduktion à la Broadway raus. Davor war es bekannt unter dem Namen Teatro Abril. Es ist ein ehemaliges Kino, im Zentrum Sao Paulos und hat die Größe von unseren großen Musicaltheatern. An die 1600 Zuschauer finden hier Platz. Man sieht wirklich sehr gut. Die Theaterfront und das Foyer erinnern mich immer ein klein wenig an das schöne Theater des Westens. Wirklich sehr beeindruckend! Der Zuschauerraum ist einfach, weniger verziert und verschnörkelt. Er lenkt den Blick direkt in Richtung Bühne.

Hat das Genre Musical in Südamerika allgemein, bzw. Brasilien speziell, einen ebenso hohen Publikumszulauf? Wie sind die Preise – immer eine viel diskutierte Frage?

Nun, Brasilien hat für seine Bewohner natürlich ganz andere Gegebenheiten. Es ist ein Land mit sämtlichen Facetten. Arm und Reich liegen unfassbar nah beieinander. Ich würde sagen, die Tickets sind verhältnismäßig teuer. Aber trotzdem haben die Produktionen hier einen großen Zulauf. Das Kulturelle spielt sich sehr konzentriert in Rio de Janeiro und Sao Paulo ab. Hier in Sao Paulo gibt es eben das Teatro Renault, welches als Teatro Abril mit der originalen Broadwayproduktion von Disneys Die Schöne und das Biest gestartet ist. Hier waren schon Stücke wie Mamma Mia, König der Löwen, Sister Act, Wicked oder Les Miserables zu sehen. Zusätzlich gibt es seit 3-4 Jahren noch das neu gebaute Teatro Santander, in dem zum Beispiel We Will Rock You und Arielle zu sehen waren. Gerade laufen hier die Castings für Sunset Boulevard, das dort im nächsten Jahr starten wird. Und dazu gibt es noch viele kleinere Theater, sowie DAS berühmte Teatro Muncipal – DIE Oper Brasiliens – die den großen Opernhäusern dieser Welt in Nichts nachsteht. In Rio gibt es auch viele Musicals und Theaterstücke zu sehen. Aber große originale Broadway-Importe gibt es eigentlich nur in Sao Paulo zu sehen. Schon interessant, wenn man bedenkt wie riesig dieses Land ist und wie viele große Musicals wir im vergleichsweise kleinen Deutschland haben.

Übrings gibt es in Mexico City auch ein Theater, das jährlich große Broadway Erfolge zeigt. Zur Zeit läuft dort zum Beispiel Les Miserables auf Spanisch.

PHANTOM DER OPER…  das Stück ist weltweit bekannt, Ausstattung und Handlungsabläufe liegen fest. Gibt es dennoch elementare Unterschiede? Und wir meinen natürlich nicht die Sprache *lach* Oder vielleicht doch. Ist es in Englisch oder auf Portugiesisch?

©Martin Markert

Phantom ist hier genauso zu sehen, wie in New York, in London oder in Hamburg damals auch. Es ist die typische „Franchise Idee“ der 80er, die ja zum Riesenerfolg wurde. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass es schon hier und da etwas anders ist. Der Piangi zum Beispiel, hatte viel mehr Komik und die Direktoren waren dafür weniger überdreht. Insgesamt war es sehr auf starke, klassische Stimmen gecastet. Ich hatte die gesamte First Cast. Christine Daaé kam mir hier z.B. viel erwachsener und gestandener vor. Stimmlich, so wie darstellerisch. Charlotta hatte Modelmaße mit einer fabelhaften Stimme. Gesungen und gespielt wird komplett auf Portugiesisch. Man bekommt aber zu Beginn den Hinweis, dass man gerne ein Tablet mit sämtlichen Untertiteln bekommen kann.

Gibt es emotionale Unterschiede? Wie ist das Publikum drauf?

Ich habe ja im Teatro Renault schon Wicked, Les Miserables und nun das Phantom gesehen. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass das Puplikum sehr, sehr stark mitgeht. Man gibt hier gern frenetischen, lauten Zwischenapplaus. Man lässt seinen Emotionen freien Lauf und dementsprechend ist die Atmosphäre. Bei Wicked war das zum Beispiel schon Popkonzert-mäßig. Darsteller erleben hier auch einen großen Hype.

Gerade aus der deutschsprachigen Musicalszene sind internationale Darsteller nicht mehr wegzudenken. Ebenso in Brasilien?

Nun, international würde ich nicht sagen. Es ist unfassbar wichtig, dass man die Sprache perfekt beherrscht! Aber ich muss feststellen: Das ist eh so ein Phänomen in Deutschland. Hier wird gerade bei den großen Produktionen gern international gecastet, leider oft zu Lasten der Deutschen Sprache. Da muss ich zugeben, dass es mich manchmal schon recht wundert. Bei den hochpreisigen Eintrittskarten ist bei uns beinahe normal, dass Hauptrollen nicht zu verstehen sind, geschweige denn, sie überhaupt wissen was sie singen oder ihr Gegenüber ihnen zu sagen hat.

Gibt es eine Stagedoor, wartende Fans, Autogrammjäger, After-Show-Foto-Optionen?

Die Stagedoor gibt es, und wie ich schon erwähnte, gibt es auch den Hype. Allerdings nicht zu vergleichen mit Tanz der Vampire oder Elisabeth. (Ihr seid einfach die Besten) Aber viel wird hier auch über Social Media abgewickelt. Hier haben Musicaldarsteller mal schnell 30.000 Follower und mehr auf Ihrem Instagram-Account. Übrigens ist es verrückt, aber ich wurde hier tatsächlich auch schon erkannt. Und es gibt einige brasilianische Fans, die Musicals wie Elisabeth lieben.

Gibt es einen Dresscode? Barfuß oder Lackschuh, von hui bis pfui, bei uns, GB, UK ist ja alles erlaubt… wie sieht es dort aus?

Also, man macht sich schon zurecht. Aber Brasilianer lieben es sowieso, sich schön zu machen und toll auszusehen. Ich finde es ganz toll, wenn man so einen besonderen Theaterabend auch richtig zelebriert. Allerdings ist es hier auch Tradition, riesige Becher mit Popcorn und Getränken mit ins Theater zu nehmen. Davon bin ich ja absolut kein Freund. Theater ist etwas ganz Besonderes, etwas Einzigartiges. Ich verstehe einfach nicht, wie man mitten im Livegeschehen Popcorn knuspern kann.

Du erzähltest, Du hast einige Musicals in Sao Paulo gesehen. Kribbelt es Dich innerlich, hier auch einmal auf der Bühne zu stehen

©Allan Lustosa

Oooh jaaa! Ich hätte große Lust in Brasilien mal etwas zu machen. Tatsächlich hatte ich mich für „O Fantasma da Opera“ auch beworben. Und zu meiner Überraschung war man tatsächlich sehr interessiert. Allerdings war der Audition Prozess geografisch schon eine große Herausforderung –  und wie ich schon sagte… das Portugiesisch muss nahezu perfekt sein!

Sprachlich befindest Du Dich sozusagen noch im Lernprozess?

Ich bin dran, am Portugiesisch lernen. Aber da ich in den letzten Jahren so viele verschiedene Produktionen hatte, gab es einfach schon von Haus aus ständig was zu lernen und vorzubereiten. Da ist es wirklich schwer, am Portugiesisch dran zu bleiben. Aber mich würde es unfassbar reizen, in fernen Ländern auf der Bühne zu stehen.

Auch wenn die Landesprache hier eine hoch liegende Messlatte ist, Englisch geht doch immer, nicht wahr? USA, UK? Schon mal vorgesungen? Oder gab es bereits Theater-Verlockungen aus Übersee?

Tatsächlich haben sich schon einmal mehrere Umstände miteinander verwoben. Konkret, als ich 2006 für längere Zeit in Los Angeles war. Damals war ich gleichzeitig im Final für die Welturaufführung von Rebecca am Raimund Theater. Da ging es um den Ben. Eine riesige Chance! Wie wahnsinnig aufregend…. und ich wollte natürlich unbedingt eine tolle finale Audition in Wien machen.

Also suchte ich mir zur Perfektionierung meiner Vorbereitung in L.A Coaches, und bin unter anderem zufällig an Carol Weiss gekommen. Sie war zur damaligen Zeit die beste Adresse für Musicalgesang in L.A. Nach 2 Unterrichtseinheiten war sie so begeistert von mir, dass sie mich unbedingt zu MAMMA MIA in Las Vegas bringen wollte. Wie ich dann erfuhr, hatte sie eine eigene Agentur und viele Kontakte. Schlussendlich habe ich dem nicht nachgegeben; zu diesem Zeitpunkt  wurde ich gerade alternierender Schattenmann bei Ludwig² in Füssen. Nun ja, und wegen der Vereinigten Bühnen Wien war ich sowieso ebenfalls völlig aus dem Häuschen. Aber vielleicht wäre das ein Beginn gewesen…

*schmunzel* Nun, Deine Fans in Deutschland, bzw. Europa dürften erfreut gewesen sein, wesentlich weniger als 6000 Meilen überbrücken zu müssen, um Dich auf der Bühne zu erleben.

Lieber Martin, ich möchte mich ganz herzlich bedanken, dass Du uns diesen interessanten Einblick gegeben hast.

Es ist nicht selbstverständlich, dass wir Dich im Urlaub ein bisschen stören durften, das ist großartig!  Ganz lieben Dank. Genieße Deine Auszeit, erhole dich gut und überrasche uns bald mit der Bekanntgabe eines neuen Projektes. Wir sind gespannt!

 

 

Kategorie: Allgemein,Darsteller Geschichten,Interviews

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Autor: I. Marquardt(01.10.2018)

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