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MARGUERITE Musical – Zähe Kost zum Jahresende

Es war wohl die Premiere zum Jahresende, die in der Musicallandschaft am meisten beachtet wurde: die deutschsprachige Erstaufführung von MARGUERITE am Saarländischen Staatstheater. Wem zum Abschluss des Jahres nach fröhlicher Unterhaltung ist, der wird mit MARGUERITE nicht glücklich werden. Das Stück vermittelt die Atmosphäre zur Zeit des Zweiten Weltkrieges.

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Musical Marguerite Saarbrücken, Szene 1 © Martin Kaufhold

Inmitten von Jazz und Sirenen: Paris in den 40er Jahren

Paris 1942, die einst bekannte Sängerin Marguerite feiert ihren 40. Geburtstag. Dank ihrer Beziehung zum deutschen Wehrmachtsoffizier Otto von Stadt mangelt es ihr und ihren Freunden an nichts. Ein Swing-Quartett spielt Jazz, man tanzt und ist ausgelassen. Bis Bombenalarm die Stimmung unterbricht und die Gäste den Schutzraum aufsuchen. Marguerite bleibt mit Armand, einem der Musiker zurück. Die beiden küssen sich. Diese Annäherung ändert ihre Zukunft und auch das Paris um die beiden herum: Résistance, Judensterne auf Anweisung des Vichy-Regimes, horizontale Kollaboration…

Deutschsprachige Erstaufführung im Saarland

Das Musical MARGUERITE von Alain Boublil, Claude-Michel Schönberg und Jonathan Kent mit der Musik von Michel Legrand wurde 2008 zum ersten Mal in London aufgeführt. Das Duo Schönberg und Boublil dürfte als Kreativteam des Musicals LES MISERABLES bekannt sein, doch schafft es MARGUERITE auf diesem Niveau mitzuhalten? In den Bewertungskommentaren zum 2008 erschienenen Soundtrack der Londoner Erstaufführung findet sich die komplette Bandbreite von “eine herbe Enttäuschung” bis “musikalische Zeitgeschichte” wieder. Das musikalische Arrangement ist weitestgehend klassisch, mit sehr vereinzelten Ausnahmen, wie das schmissige “Jazz-Time” zu Beginn. Das Saarländische Staatstheater mit Sitz in der Landeshauptstadt Saarbrücken hat sich mit MARGUERITE ein Musical ausgesucht, das kein massentauglicher Selbstläufer sein dürfte.

Die Bühne bleibt dunkel

Was bietet also MARGUERITE wenn schon die Musik nicht vollumfänglich mitreißen kann? Wer ein abwechslungsreiches, opulentes Bühnenbild erwartet, wie es auf der Bühne des Großen Hauses des Saarbrücker Staatstheaters geboten werden kann, wird ebenfalls enttäuscht. Das Stück spielt auf einer überwiegend in schwarz gehaltenen Bühne, zwischen drei schwarzen Drehelementen, einem Klavier, einem Bett und mehreren Stühlen. Glitzernder Luxus bei Marguerites Geburtstagsfeier? Fehlanzeige! Einzig ein moderner Kronleuchter bringt etwas Licht um die authentischen und etwas Farbe bringenden Kostüme zur Geltung kommen zu lassen.

Musical Marguerite Saarbrücken, Szene 2

© Martin Kaufhold

Eine gelungene aber nur sehr kurze optische Abwechslung bietet die Silvesterfeier im Zweiten Akt. Ein bisschen Glitzer, ein bisschen Bühnentechnik und eine eindrucksvolle Darbietung der in Saarbrücken-Dudweiler geborenen deutschlandweit bekannten Sängerin Ingrid Peters reißen für einen kurzen Moment aus der Tristesse heraus.

 

Hauptdarsteller sorgen für Dramatik

Woran nichts auszusetzen sein soll, ist am Spiel der Darsteller. Jedem der drei Protagonisten Katja Reichert als Marguerite, Stefan Röttig als Otto von Stadt und Julian Culemann als Armand gelingt es den Charakter seiner Rolle gut zu zeichnen. Haben es doch alle drei Charaktere gemeinsam zwischen einem konformen Rollenbild gegenüber der Gesellschaft und innerem Drängen nach Freiheit gefangen zu sein. Hervor sticht auch Sybille Lambrich als Armands Schwester Annette, die viel präsent ist und schauspielerisch und gesanglich eine auffallende Darbietung zeigt.

Potential des Stückes bleibt abzuwarten

Ob es MARGUERITE gelingt die Zuschauerinnen und Zuschauer für sich zu begeistern, bleibt abzuwarten. Neben zahlreichen Juke-Box-Musicals und großen Broadway-Produktionen, die nach Deutschland kommen, ist MARGUERITE ein geschichtsträchtiges, dramatisches Musical, das jedoch in Musik und Buch Längen aufweist. Im Saarländischen Staatstheater in Saarbrücken sind in der laufenden Spielzeit noch Termine des Stückes bis in den Mai 2020 angesetzt. Sicher wird das Musical aber nun auch von anderen Produzenten entdeckt werden und man darf gespannt sein, ob andere Inszenierungen mehr Eindruck hinterlassen.

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Kategorie: Kritiken, Stadttheater

Tags: Saarbrücken

Autor: N. Kroj (24.12.2019)

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