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LUDWIG² – auch 2018 wieder in Füssen

Am letzten Wochenende haben wir von Musical1 uns zur königlichen Audienz bei LUDWIG² – der König kehrt zurück, begeben. Der Besuch im Festspielhaus Füssen, war schon ein besonderer Theaterbesuch. Der Blick vom Theater auf den Originalschauplatz - Schloss Neuschwanstein - das Märchenschloss von Ludwig II hat etwas ganz Spezielles. Ob auch das Musical speziell ist, erfahren Sie hier.

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Ludwig²-Logo © Big Dimension GmbH / Benjamin Sahler

Ein Schloss wie ein Traum, ein See ohne Wasser

LUDWIG²  – das Musical wird in einem besonderen Theater aufgeführt. Schon allein das Ambiente von Ludwigs Festspielhaus Füssen und der Blick auf den Ort, wo sich die Geschichte ereignet hat, schaffen ein besonderes Flair. Einzig etwas kurios und befremdlich erscheint der trockene Forggensee.

Zur Zeit wird der 64 Jahre alte Staudamm bei Rosshaupten saniert, weshalb der See ohne Wasser ist. Man arbeitet mit Hochdruck daran, im Juni das Wasser zurückfließen zu lassen.

Ein König, seiner Zeit zu weit voraus

Im Eingangsbereich des Festspielhauses hatten wir zunächst Gelegenheit, die Kostüme der letzten Jahre von LUDWIG² aus allernächster Nähe zu betrachten. Schon hier konnten wir einen Eindruck bekommen, mit wie viel Liebe und Detailaufwand diese Produktion angelegt ist.
LUDWIG² – das Musical über das Leben, Lieben, Leiden und Sterben des Bayernkönigs Ludwig II, welcher in seiner Zeit wohl zu fortschrittlich, zu ideenreich und zu idealistisch war.
Sein Traum von einer Welt in Frieden ohne Kriege, geprägt von Musik, Kunst und den Schönheiten der Natur und des Lebens, ist bis heute leider auf dieser Welt nicht in Erfüllung gegangen. Auch hier im Musical Ludwig² muss sich der Monarch dem politischen Druck und seinen Zwängen unterordnen, ja, sich mit einer Armee am deutsch-französischen Krieg beteiligen.

Träume die zum Wahnsinn führen

Ludwig verfolgte seinen Traum von einer friedvollen Welt euphorisch und aus Überzeugung! Seine verschwenderische Bauwut, sein kultureller Kosmopolitismus, sowie sein immer häufigeres Abdriften in eine Welt der Träume mehrten und nährten allerdings damals auch den Eindruck von Unzurechnungsfähigkeit, gar Anzeichen von Wahnsinn und Gefahr. Gefahr für das Königreich, für die Adligen, die Unternehmer der damaligen Zeit, für all jene, an den Hebeln der Macht. Das ihn dieser Traum umbrachte, steht außer Frage. Nur das „WIE“ wird wohl nie gänzlich geklärt werden.
Das tragische, manchmal skurril anmutende Leben von Ludwig II regt schon zum Nachdenken an – und wer es vorher nicht tat, ganz sicher auch zum Nachlesen.

Ein Theater mit Flair und technischer Raffinesse

Das Innere des Theatersaales des Festspielhauses Füssen empfing uns mit einem in königlichem Blau getauchten Vorhang, den die Silhouetten zweier zueinander geneigten, silbernen Schwäne zierte. Nachdem sich der Vorhang gehoben hatte, konnte man schon erahnen, dass uns vom Bühnenbild her etwas Außergewöhnliches erwarten würde.
Die Lösung des Bühnenbildes im Zusammenspiel mit den einzelnen Handlungspunkten muss man hier einfach als genial gelungen und exzellent umgesetzt bezeichnen.

©imarquardt

Die Drehbühne, die sich öffnen und schließen lässt, um den darunterliegenden „See“ in Szene zu setzen, eine völlig leere Bühne, welche durch ihre immense Tiefe und mit Nebel, sowie geschickt eingesetzten Lichteffekten ein wahrhaft traumhaft illusioniertes Bild entstehen lässt: Das ist schon sehenswert. Das Bühnenbild von Gerd Friedrich harmoniert mit dem Stück LUDWIG² in der Regie von Benjamin Sahler. Wir sind beeindruckt.

Königliche Kindheit und kein heiles Elternhaus

Ludwig und sein jüngerer Bruder Otto wachsen in einer Familie auf, wo Streit und strenge Sitten auf der Tagesordnung stehen. Einzig bei seiner Kinderfrau Sybille findet der kleine Ludwig, liebevoll Wiggerl genannt, Gehör für seine Vorlieben. Ludwig ist schon als Kind beseelt von Theater und Musik, vom Bau eines Märchenschlosses und getrieben von der Sehnsucht nach Liebe und Harmonie, welche er bei den Eltern nicht findet. Dann und wann weicht Ludwig² von der Realität um der Dramaturgie Willen etwas vom realen Leben ab. Hier darf man wohl anmerken, dass die Härte vom Vater ausging. Zumindest Überlieferung, Briefen und Biografien zufolge. Die Mutter soll ihrem Sohn sehr wohl mit Zuneigung entgegengekommen sein.
Ludwig ist noch keine 18 Jahre alt, als sein Vater stirbt und er die Herrschaft über das Königreich erhält. Die Rolle des Erwachsenen, als Ludwig II, hat auch in diesem Jahr wieder Jan Ammann inne. Er ist unserer Ansicht nach prädestiniert dafür. Nicht nur, dass wir eine gewisse Ähnlichkeit feststellen konnten und über die darstellerischen und gesanglichen Qualitäten von Jan Ammann hier wohl auch niemand im Zweifel ist, haben Jan Ammann und König LUDWIG II zudem am selben Tag Geburtstag.

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Machen Ideen und Träume gleich einen Wahnsinnigen aus?

Sollte die Rolle des Ludwig die Frage aufwerfen, Genie oder Wahnsinniger? Ganz sicher nicht! Ein Mensch mit ureigensten Wünschen, Vorlieben für die Natur, Frieden, Schönheit, Liebe zur Musik und Kunst: Ludwig ist ein Schöngeist. Doch weitestgehend unverstanden. Vielleicht auch durch das ständig streitende Elternpaar geprägt, sucht er Harmonie und Eintracht. Er ist ein Mann mit Phantasie, Kreativität – ist er deshalb verrückt? Zur Zeit Ludwig II. vermutlich schon. Er war zu fortschrittlich, zu ehrgeizig. Einzig sein Vertrauter, sein bester und einziger Freund Graf Dürckheim, steht ihm bis zuletzt zur Seite. Aber auch er kann das, was sich dort am Hofe gegen Ludwig zusammenbraut, nicht verhindern. Jan Rekeszus spielt Ludwigs Freund überzeugend und kann im gemeinsamen Duett mit ihm vollends mit seiner gesanglichen und darstellerischen Leistung überzeugen. Jan Rekeszus ist ein Darsteller, den man auch in Zukunft hoffentlich noch in vielen anspruchsvollen Rollen sehen kann.

Eine Liebe, die nicht sein durfte

Ludwigs wohl eigentliche große Liebe, seine Cousine Elisabeth in Bayern, ist zum Zeitpunkt von Ludwigs Thronbesteigung schon Kaiserin von Österreich. Sie ist nicht nur seine Seelenverwandte aus, bzw. seit Kindertagen, was Kunst, Literatur und Ansichten betrifft. Wir haben eine wunderbare Elisabeth von Österreich erlebt.

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Anna Hofbauer spielt diese Rolle zum wiederholten Male in Füssen. Ludwigs Sisi, die mit ihm leidet, ihn liebt, aber auch die Disziplin und Verantwortung in sich trägt. Die Kaiserin von Österreich kann und darf sich nicht ihren wahren Gefühlen hingeben. Was sie Ludwig auch unmissverständlich zu verstehen gibt; sie sind eben keine Kinder mehr. Wer in Palästen geboren ist, muss sich seiner Verantwortung fügen und seinen Pflichten als Herrscher unterordnen. Man leidet im Publikum mit Anna Hofbauer und Jan Ammann, wenn Ludwig Sisi seine Liebe gesteht und sie sich von ihm abwenden muss. Man verspürt förmlich den Zwang und das Leid, mit dem sie diese Entscheidung trifft. Eine wunderbare Harmonie zwischen den beiden Darstellern, die von Beginn bis Ende ins Publikum schwappt.

Innige Bruderliebe und verzweifelte Erkenntnisse

Eine weitere tragische Figur in Ludwigs Leben ist sein jüngerer Bruder Otto. Bereits als Kind zeichnet sich ab, das Otto immer jemanden brauchen wird, der sich seiner annimmt. Seine später ausgeprägte psychische Krankheit ist bereits in Jugendjahren unverkennbar. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb, verbindet Ludwig und Otto lebenslang eine innige brüderliche Zuneigung. Ludwig ist stets besorgt um seinen Bruder Otto gewesen. Nach Ende des deutsch-französischen Krieges, in welchen Ludwig von seinen Generälen gezwungen wurde, wird Otto offiziell für geisteskrank erklärt und unter Behandlung und Aufsicht von Dr. Bernhard von Gudden gestellt. 44 Jahre lang, weit über Ludwigs Tod hinaus, befand sich Otto in einer Nervenklinik und sein Zustand verschlimmerte sich bis zu seinem eigenen Tod 1916 noch dramatisch.

Ein brillanter Bruder

Julian Wejwar, der am Abend unseres Besuches Ludwigs Bruder Otto spielte, rührte uns. Seine darstellerische Umsetzung, des von Kindheit her angeschlagenen Bruders, ist ihm hervorragend gelungen und man hat von Anfang an bemerken und verfolgen können, dass dieser Prinz nie regierender König werden könnte.

Anm. d. R. : von 1886 bis zu seinem Tod war Otto auf dem Papier König von Bayern, aber auf Grund der Geisteskrankheit nicht aktiv. Bis 1912 nahmen sein Onkel Luitpold und von 1912 bis 1913 sein Cousin Ludwig, als Prinzregent, die Staatsgeschäfte für ihn wahr.

Bruderliebe, ein Arzt in den Fängen der Mächtigen, schicksalsbehaftete Entscheidungen

Besonders beeindruckend, die Szene in Dr. Guddens Irrenanstalt und Ludwigs Besuch bei seinem Bruder. Man spürt die Zuneigung, aber auch die Verzweiflung der beiden Brüder. Ludwig, der erkennen muss, dass er seinem Bruder nicht mehr helfen kann und die Hilflosigkeit von Prinz Otto, der dort bereits in eine andere Welt entschwindet.

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Ja, und dann war da eben noch dieser Dr. Gudden. Uwe Kröger, in einer für ihn wunderbar umgesetzten Rolle. Er präsentierte uns einen Dr. Gudden, einen Arzt aus Überzeugung, welcher aber der Staatsmacht und den Geldgebern gehorchend, gegen seine eigene Überzeugung handeln musste. Seine Erkenntnis am Ende und seine ehrlichen Schuldgefühle gegenüber Ludwig kommen für beide zu spät. Es ist nichts mehr rückgängig zu machen. Man kann in Uwe Krögers Darstellung den inneren Kampf des Dr. Gudden sehen und hören. Ein klein wenig zu überspitzt, aber auch das ist künstlerische Freiheit. Zum Schluss bleibt bei uns die Frage, soll oder muss man mit Dr. Gudden Mitleid haben? Was wäre geschehen, wenn er sich anders entschieden und das Komplott gegen Ludwig abgelehnt hätte?

Kinder, Kinder

Kinder sind im Theater immer ein Garant für Sympathie. Da es bei  LUDWIG² hier um Momentaufnahmen aus einem kurzen, aber intensivem Leben geht, darf ein Prinz zu Beginn der Geschichte nicht fehlen. Zu Beginn schon, aber als Traum? Oder im Traum? Oder als Hirngespinst? Als „erhobener Zeigefinger“?

Der kleine Ludwig sucht den großen Ludwig dann und wann heim. Mit, ein wenig, altklugen Sprüchen schleicht er sich ins Unterbewusstsein des Königs. Immer wenn dieser am hadern ist mit sich, seinen Gefühlen und Entscheidungen, taucht der kleine Ludwig auf und erinnert den König an seine Träume und Ideen. Ludwig war ja schon als Kind beseelt von Kunst, Musik und schönen Dingen, träumte von einem Märchenschloss. Der kleine Ludwig, eine wirklich gelungene Umsetzung, um als Unterbewusstsein des Erwachsenen Ludwig zu agieren. Kinder sind der Inbegriff für Unbeschwertheit, ohne Vorurteile zu träumen, Träume wahr werden zu lassen.

Cast, Kostüme, Bühnenbild und Musik in harmonischem Einklang

LUDWIG² – der König kehrt zurück, lebt von seiner effektvollen, facettenreichen Bühnenbildumsetzung, tollen Kostümen, und der harmonierenden Cast, in der sich, wie man den Anschein hat, jeder einzelne mit seiner Rolle identifiziert. Wir dürfen allerdings anmerken, dass rein optisch, einige Kammerdiener etwas zu alt erschienen, und die Kaiserin-Mutter Ludovika verwirrend bis wenig glaubwürdig, zu jung. Die Maske darf gerne ihr gesamtes Können zeigen. Der Choreographie von Stefanie Gröning ist es zu verdanken, dass die Tanzszenen im Stück etwas Märchenhaftes, Geheimnisvolles mit sich bringen.
Die Musik von Konstantin Wecker, Nico Raine und Christopher Franke trägt das Publikum von Anfang bis zum Ende. Wer kennt nicht „Kalte Sterne“, “In Palästen geboren”, “Freundschaft”, Titel die beim ersten hören nicht als Ohrwurm zu erkennen sind, aber sich dennoch einprägen und in die Erinnerung einbrennen. Dass die Musik ausschließlich vom Band kommt, empfanden wir nicht als störend. Da es in dem Theater nun mal nicht anders möglich ist, ist es auch kein Mangel.

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Auch wenn Ludwig² – das Musical nicht wirklich eine durchgängige, zusammenhängende Geschichte erzählt, sondern „nur“ punktuell Situationen und Stationen im Leben Ludwigs II. streift, ist das Gesamtpaket doch sehr sehenswert und optisch beeindruckend. Die Darsteller allesamt wunderbar, da sehr viel Herzblut und Liebe darin steckt. Das bemerkte man durchgängig im gesamten Stück.

Die Geschichte sollte man schon kennen

All jenen, die noch Ludwig² Fans werden wollen, möchten wir mit auf den Weg geben, dass sie keine 1:1 Umsetzung in Ablauf und Darstellung seines tatsächlichen Lebens erwarten können. Zum besseren allgemeinen Verständnis, ist ein Blick in die Vita von Ludwig II oder ein wenig Internetrecherche durchaus ratsam.

Das Musical ist noch bis Januar 2019 im Festspielhaus in Füssen zu sehen.

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Kategorie: Allgemein

Tags:

Autor: I. Marquardt(31.05.2018)

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