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Mit Benjamin Eberling und Sebastian Krolik bei KINKY BOOTS – Teil 1: Interview

Anfang Mai trafen wir Benjamin Eberling und Sebastian Krolik im Operettenhaus. Sie stellten sich unseren Fragen und gaben uns einen Einblick in die Schuhfabrik von KINKY BOOTS. Wollten Sie schon immer mal wissen, warum die beiden bei dieser Show mitmachen wollten und was sie für die Audition vorbereitet hatten? Das erfahren Sie hier in diesem Interview.

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Sebastian und Benjamin im Operettenhaus
Sebastian und Benjamin im Operettenhaus © S. Ahrens

Benjamin Eberling und Sebastian Krolik

Benjamin machte seine Musicalausbildung in Hamburg und Berlin. Bekannt ist er unter anderem aus SHREK, HEISSE ECKE und SISTER ACT. Auch Sebastian, der seinen Abschluss zum Diplom-Musicaldarsteller in Hamburg machte, kennt man aus SISTER ACT. Dort standen sie schon zusammen auf der Bühne. Seit Dezember 2017 können Sie die beiden wieder zusammen in einem Stück sehen, und zwar in KINKY BOOTS. Benjamin und Sebastian haben sich Zeit genommen, uns ihren aktuellen Arbeitsplatz näher zu bringen und sich unseren Fragen zu stellen. Wir wollen uns schon jetzt noch einmal bei den beiden bedanken und wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Warum wolltet ihr bei KINKY BOOTS mitmachen?

Sebastian: Ich kannte die Show vorher nicht. Dann gab es die Audition-Ausschreibung und erst dann habe ich angefangen zu gucken, was es überhaupt ist. Ich habe wirklich erst einmal ganz platt gegoogelt und geguckt, was es davon gibt, zum Beispiel Trailer oder irgendwelche Aufnahmen. Natürlich habe ich mir die CD gekauft und sie dann rauf und runter gehört. Dabei hat es dann ganz schnell klick gemacht und ich war infiziert. Ich fand es richtig, richtig toll. Dann ging es auch ganz schnell, dass ich dachte: „Da will ich mitmachen! Das wäre mal was richtig geiles!“ und die Entscheidung war ganz schnell gefallen.

Benjamin: Bei mir war das ein bisschen anders. Ich hatte die CD schon. Die vom Broadway kam schon vor 5 Jahren raus und ich fand die Musik super, aber die Show hatte ich allerdings nicht gesehen. Kollegen hatten mir erzählt, dass die Show fantastisch sei. Mein Gesangslehrer Michael Dixon ist ein totaler Fan von der Show und hat sie hier auch mittlerweile schon fünf Mal gesehen. Okay, zweimal gezwungemaßen, weil sein Zug ausgefallen war, aber er hat es genossen. Eigentlich habe ich auch immer gedacht, die Show würde es nicht nach Deutschland schaffen. Es ist ein bisschen so wie mit HAIRSPRAY. Das hatte hier auch nicht so den besten Stand damals, wird aber jetzt in Stadttheatern oft gespielt, was mich total freut, weil ich die Show auch total liebe. Aber bei KINKY BOOTS dachte ich „Boar, das ist sooo speziell. Da weiß ich nicht, ob das Stück den Sprung nach Deutschland schafft.“ Als dann die Gerüchte hochkamen, das es kommen würde, war dann auch ziemlich schnell die Audition da, da musste ich mich dann doch nochmal damit beschäftigen, ob was für mich dabei ist. Ich bin halt einfach ein spezieller Typ und nicht jedes Musical bietet mir Rollen. Ich habe dann halt gemerkt, so, der Don ist eigentlich eine interessante Rolle. Auf der CD kam er nur kaum vor. Ein bisschen was bei „What a Woman wants“ und am Schluss, aber das war's. Das Boxing ist gar nicht auf der CD drauf. Ich war mir nicht ganz so sicher, ob das so DIE Rolle ist und habe mir dann auch auf YouTube Sachen angesehen. Dabei habe ich dann gemerkt, dass die Rolle eigentlich sehr spannend und mit die interessanteste Rolle ist, weil sie sich komplett ändert, unfassbar viel in dem Stück lernt und eine sehr, sehr schöne Entwickelung hat. Das hat mich dann sehr gereizt und davon überzeugt, die Rolle spielen zu wollen. Dass es dann geklappt hat, hat mich umso mehr gefreut und ich bereue es auf keinen Fall, dass ich hier dabei bin.

Was habt ihr für die Audition vorbereitet?

Benjamin: Man bekommt ja immer auch Material zugeschickt. Bei Don waren es zwei Szenen und das Finale, in dem er seinen großen Solomoment hat und jeder auf seinen hohen Ton wartet. Im Englischen ist es auch ganz super, weil „free“ lag für mich total gut im Hals, aber im deutschen „frei“ musste ich schon am Anfang viel mit arbeiten. Dann hatte ich noch von SHREK ein Stück vorbereitet, weil es so ein bisschen mehr erdiger ist, und ich hatte noch was Lustiges: „Crocodile Rock“ von Elton John. Das ist eigentlich ein Standard-Audition-Song von mir, weil ich damit die Leute ein bisschen überraschen kann. Die Leute denken immer erst so ein bisschen: „Joar, so ein gestandener Mann ist bestimmt kein Tanzbär“, aber nein, wenn ich will, kann ich auch das. Das sind so meine „Special Effects“!

Sebastian lachend: Ja, das stimmt! Das kann ich bezeugen!

Benjamin lachend: Das ist aber leider nie zum Einsatz gekommen. Ich habe immer nur das Material gezeigt in den Audition und ich hatte meine Bundeswehrstiefel an. Das war so lustig. Ich hatte sie seit meinem Dienst nicht mehr an gehabt und dann sind mir während der Audition die Sohlen abgefallen, weil die so porös waren. Sozusagen hatte ich die Stiefel zertanzt. Das war sehr lustig. Beim Rausgehen habe ich dann auch zum Team gesagt: „Ich freue mich schon auf meine neuen Kinky Boots!“ Es war wirklich lustig.

Sebastian: Ich hatte tatsächlich bei der KINKY BOOTS-Audition auch nur Show-Material und davon auch wahnsinnig viel.

Benjamin: Du warst ja auch noch für Angels im Rennen.

Sebastian: Genau! Ich hatte Material für die Angels, für Harry und für Charlie. Das war echt viel und wurde halt auch in der Audition gemacht und eben keine eigen mitgebrachten Songs.

Redaktion: Hättest du einen Notfallplan gehabt, falls das Team doch noch was anderes hätten sehen wollen?

Sebastian: Doch, hätte ich. Man hat ja so seinen Ordner, den man mitnimmt. Ich nehme den prinzipiell immer mit, egal wohin ich reise.

Redaktion: Wegen Spontancastings?

Sebastian: Ja, schon alles erlebt. Man kann halt sagen, dass man zur Not was mit hätte. Da ist zum Beispiel immer „Goodbye“ aus CATCH ME IF YOU CAN drin, weil das einfach meine Range ist. Die Songs sollten ja auch so sein, dass man sie mal eben schnell und gut singen kann und einen dabei von der besten Seite zeigt. Ja, und in Zukunft wird dann immer „Soul of a Man“ mit dabei sein.

Wie war es, als ihr die Tür ins Operettenhaus zum ersten Mal für KINKY BOOTS betreten habt?

Benjamin: Also für mich war es was ganz Besonderes. Ich habe hier im Operettenhaus, jetzt will ich nicht lügen, 1992 glaub ich, mein erstes Musical gesehen und es war CATS. Ich sag immer, weil ich es nicht mag, DAS PHANTOM DER OPER war mein erstes Musical. Das habe ich nämlich am nächsten Abend gesehen. Aber es war doch merkwürdig, dieses Haus zu betreten. Es ist was Besonderes, auch weil ich das Operettenhaus vom Theater her sehr mag. Es ist auch eins von den kleineren Theatern von Stage. Hier passen ca. 1300 Leute rein und es ist einfach nicht so ein Riesenkasten. Das ist das Schöne hier und man hat hier so eine wunderschöne Atmosphäre, was ich bei MAMMA MIA! erlebt habe oder auch bei FOSSE, OH WHAT A NIGHT!, ICH WAR NOCH NIEMALS IN NEW YORK und SISTER ACT. Es war für mich immer ein schöner Theaterabend im Operettenhaus. Ich finde es halt schön, jetzt einmal auch ein Teil davon zu sein.

Sebastian: Ich erinnere mich noch, wir waren ja auf dieser anderen Probebühne und haben alle so ein bisschen auf den Umzug hin gefiebert, weil es natürlich ein Highlight war. Dann war es endlich soweit und man musste nicht immer mit diesem blöden Schiff jeden Tag darüber. Das war einfach ein bisschen nervig. Du bist halt auf diese Fahrpläne angewiesen.

Benjamin: Was beim Proben echt blöd ist. Bei den Shows ist es kein Problem. Da fahren die ständig hin und her, aber beim Proben… Wenn du ein Schiff verpasst hattest, dann viel Spaß beim alten Elbtunnel!

Sebastian: Dann kamen wir hier an und hatten auch erst einmal so eine Führung durch das komplette Haus, damit man ungefähr weiß, wo was ist und hatten auch eine Bühneneinweisung. Die bekommt man immer aus Sicherheitsgründen und man muss das auch immer einmal unterzeichnen, wenn man neu im Haus ist. Danach durften wir das erste Mal in unsere Garderoben und das vergesse ich nicht! Das war richtig, richtig schön, weil da stand ein wunderschöner Blumenstrauß mit einer KINKY BOOTS-Postkarte auf der darauf stand: „Herzlich willkommen im Operettenhaus, Benjamin und Sebastian!“

Benjamin: Die Karte haben wir immer noch.

Sebastian: Genau, die hängt bei uns am Spiegel. Unsere zwei KINKY BOOTS-Bademäntel, auf denen in rot „Kinky Boots“ eingestrickt ist, hingen da noch und ich da stand dann da in unserer Garderobe und dachte: „Mein Gott, ist das geil!“ Das war so ein richtig schöner Moment.

War es das gleiche Gefühl wie bei eurer allerersten Produktion?

Sebastian: Für mich ist es nicht jedes Mal dasselbe Gefühl. Es ist immer anders. Die Räumlichkeiten und Gegebenheiten sind auch immer anders. Mein erster Job war ja in Kiel an der Oper und da bekommt man natürlich keinen Blumenstrauß und keinen Bademantel in der Garderobe und so, aber trotzdem war es herzlich und schön, aber halt eben auf eine andere Art und Weise. Hier wurde es nochmal besonders, weil wir uns alle eh auf die Produktion so mega gefreut haben und weil wir schon ein bisschen hingehalten wurden mit dem anderen Probenort. Es hat sich also eh eine Spannung aufgebaut. Deswegen war es hier schon nochmal eine Nummer besonderer.

Benjamin: Denke ich auch. Bei mir ist es mal so, mal so. Ich habe viel kleines Theater gemacht, zum Beispiel im Tipi und in der Neukölner Oper in Berlin oder auch im Theater der Jugend in Wien. Es war immer irgendwie was Besonderes ins Theater zu kommen, für sich so den Raum zu nehmen und zu sagen „So, das ist für eine gewisse Zeit mein zweites Zuhause“. Dadurch, dass man einfach auch in den Proben fast den ganzen Tag im Theater ist, ist es halt auch wie ein zweites Zuhause. Da ist das eine Theater mal einladender als das andere. Damals, als ich mein erstes professionelles Engagement bei den Burgfestspielen in Bad Vilbel hatte, war ich bei EVITA im Ensemble und das war für mich was richtig Besonderes. Das war auch das erste Mal, dass ich unter meinem Künstlernamen gearbeitet hatte. Das fand ich ganz spannend. Genauso wie das erste Mal bei SISTER ACT damals in Stuttgart. Das war meine erste Großproduktion. Es gibt ja dieses Denken „Alle MusicaldarstellerInnen wollen mal bei Stage bzw. damals noch Stella oder für den VBW arbeiten“. Das schwebt immer über einem Mal so drüber, weil das ja sozusagen das ist, womit man groß geworden ist. Es war dann schon was Besonderes, dass man sagen konnte „So diesen Schritt habe ich dann auch für mich auf meiner ‘To-do-Liste' geschafft.“ Aber das hier, da kamen so viele Faktoren zusammen. Es ist auch so schön, mit so vielen Kollegen, mit denen man vorher schon irgendwie mal was zu tun hatte, zu arbeiten und sich das so zusammen gesetzt hat.

Redaktion: Es ist hier auch ein kleines SISTER ACT – Klassentreffen oder?

Benjamin: Genau! Steffi, Denise, Gino, Sebastian und ich waren bei SISTER ACT. Es war auch sehr lustig. Es war ja auch in Niedernhausen, als wir mit SISTER ACT da waren, wo wir die Anrufe bekommen hatten. Sebastian kam noch nach, aber Gino wusste es schon, Denise hatte das Angebot auch schon vorher, meine ich, Steffi und ich haben dann während einer Vorstellung die Anrufe bekommen, also ich habe es in der Pause bekommen und Steffi 10 Minuten später. Es war schon sehr lustig.

Man merkt schon, dass ihr nicht nur auf der Bühne wie eine Familie seid, oder irre ich mich?

Benjamin: Das kommt aber auch sehr von der Probenzeit her, würde ich sagen. Die war auch eigentlich ein bisschen kurz. Wir haben knapp sechs Wochen bis zur Premiere geprobt. Dadurch waren es auch sehr intensive Proben. Dann noch mit einem amerikanischen Team und auch nicht hier im Theater, sondern drüben im Theater an der Elbe.

Redaktion: Haben die hier keine Probebühne?

Sebastian: Die haben hier nur einen ganz kleinen Ballettsaal. Also da kann man gar nicht richtig proben.

Benjamin: Da passt die Unit nicht rein. Das war eine sehr intensive und schöne Zeit. Da haben wir uns echt kennen und lieben gelernt. Das hast du wirklich gemerkt. Auch wie die Angels zusammen geklickt sind. Schon bei der Vorstellungsrunde hast du gemerkt, wie jeder seinen Charakter mit hingeschmissenen hat und was für eine lockere Stimmung es war.

Sebastian: Das nimm deine Frage vielleicht ein bisschen vorweg, die du noch stellen willst, die ich aber schon heimlich gelesen habe:

Was ist anders/besonders bei KINKY BOOTS?

Sebastian: Genau das ist es. Ich glaube, die Story liefert schon den Nährboden dafür, dass man super familiär zusammenwächst, weil sich auch jeder von vornherein getraut hat, man selber zu sein und sich nicht verstellen musste, wie man das manchmal vielleicht einfach so hat, wenn man in eine neue Gruppe kommt und man sich einfach ein bisschen anpasst oder Sachen nicht sagt, die man normalerweise aber sagen würde. Mir persönlich, und ich glaube, da spreche ich für fast alle, ist es so gegangen, dass durch diese Show und ihrer Message, es einfach gar nicht aufgekommen ist. Man hat sofort sich ganz normal miteinander beschäftigt, war ehrlich und hatte da keine Hemmungen. Auch die Angels, die sich in den Proben ausprobiert haben. Ob es nun zum Beispiel Klamotten-technisch war. Wir hatten da die absurdesten Outfits und private Perücken, aber es war total cool! Die haben natürlich rumprobiert und mussten das ja auch. Der eine oder andere hatte vorher noch nie Travestie oder Drag Queen gemacht und musste sich da auch irgendwie reinfinden. Das hat einfach so ein Ding aufgemacht, dass halt jeder so sein konnte, wie er ist, und das hat auch jeder so gemacht. Ich glaube, dadurch sind wir auch echt ziemlich zusammen gewachsen.

Benjamin: Die haben uns auch gesagt, dass sie uns deswegen gecastet haben, weil sie uns als Charakter spannend finden. So, wie wir sind. Sie wollten nicht, dass wir uns älter machen oder uns verstellen. Sie haben uns alle genau deswegen genommen, weil wir genau so richtig sind, WIE WIR SIND. Das war auch ein ganz spannender Moment. Es war auch einfach schön zu sehen, wenn jetzt an einer Szene gearbeitet wurde, bei der mal nicht alle drinnen waren, die anderen aber trotzdem dabei gesessen haben, interessiert waren und sich das angeguckt haben, genau weil es eben so familiär war.

Sebastian: Wir haben zusammen gelacht und geweint.

Benjamin: Was haben wir in den Proben teilweise geheult, als wir das erste Mal „Nie dieser Sohn“ gehört hatten. Das waren so schöne Momente und wie Sebastian das schon gesagt hat, es liegt einfach mit am Stück.

Sebastian: Das ist es vermutlich auch das was du (Redaktion) meintest, dass man es auf der Bühne sieht. Es ist das, was so den kleinen aber feinen und spürbaren Unterschied eben macht. Es sind Energien, die einfach von der Bühne in den Zuschauerraum überschwappen.

Benjamin: Was Jerry Mitchell damals auch gesagt hatte: „Egal ob ihr angeschlagen seid oder erkältet oder schlecht drauf seid, spätestens wenn das Opening losgeht, werdet ihr immer gute Laune haben!“ Und das STIMMT! Wenn es anfängt, wo mancher Zuschauer sagt „Das braucht so ein bisschen, bis es in die Gänge kommt und erst wenn Lola kommt, geht es so richtig nach vorne“, ja, aber das ist gerade das Schöne! Man kommt in so eine schöne Ruhe und man wird in diese Atmosphäre hineingenommen. Das ist ja auch in jedem normalen Film so. Erst einmal muss man ja wissen, worum es hier eigentlich geht. Man merkt einfach jeden Abend, egal wie gestresst man ist oder was man grade hatte oder auch nach Auditions, was jetzt gerade viele von uns haben, wie die Leute plötzlich wieder ankommen. Das ist wirklich schön.

Sebastian: Ja das stimmt! Da geht man jeden Abend hinter diese Wand auf seine Position und natürlich ist man manchmal müde oder hatte einen blöden Tag oder so, wir sind ja auch ganz normale Menschen, aber dann steht man da und das hört sich zwar immer kitschig an, aber es ist bisschen so wie nach Hause kommen. Ich merke selber, wie ich manchmal tief ein- und ausatme und dann bin ich da und dann ist es unsere Fabrik und wir machen das, was wir machen. Es ist ganz… eigenartig, in einer positiven Art und Weise. Und das kann man ruhig sagen, das hatte ich im Vergleich mit SISTER ACT da nicht. Ich habe das halt nicht bei jeder Produktion. Damit will ich jetzt auch überhaupt nicht sagen, dass SISTER ACT blöd war. Auf keinen Fall! Nur diesen Gefühlsunterschied hatte ich da nicht so wie hier.

Benjamin: Ich muss auch sagen, ich steh jetzt 12 Jahre auf Bühnen und bin unterwegs, aber KINKY BOOTS sticht da einfach total positiv raus!

Sebastian: Ja!

Also ist KINKY BOOTS mehr als „Party, Show und Heels“?

Sebastian: Ja klar! Also ich persönlich finde, das ist eine Version, die stimmt. Wir machen ja hier irgendwie jeden Abend Party, aber es ist ein bisschen schade, dass es nicht so richtig kommuniziert wird, dass es auch eine Komödie ist. Wir sind ja einfach eine unglaublich lustige Show und von mir aus auch „die Komödie das Jahres“. Sorry, aber in den ersten 10 Minuten des Stückes hat das komplette Publikum schon mindestens einmal laut gelacht. Es aber auch schade, dass nicht auch ein bisschen auf die „normalen“ Charaktere der Show eingegangen wurde. Sei es Don oder die anderen Fabrikarbeiter und halt eben aus deren Sicht auch mal zu sagen „Was passiert mit einem Dorfbewohner, der in einer Fabrik arbeitet, wenn da plötzlich eine Drag Queen vor ihm steht“ oder so… also dass man auch aus deren Sicht was gestaltet hätte und eben nicht „nur“ auf die Shownummern und so geht. Soll man natürlich auch, aber eine Kombination hätte ich schon toll gefunden.

Benjamin: Ich fand eigentlich den Ansatz ganz cool, als sie mit „Die schrillste Schuhfabrik der Welt“ angefangen haben. Das war super und ja, man kann sich immer über solche Sachen streiten. Es ist ja auch immer eine Geschmackssache und ich bin auch kein Werbefachmann, was das angeht. Aber das Einzige, was ich sehr schade finde ist, dass nicht so wie Trailer vom Broadway die ganze Bandbreite abdeckt wurde. Die Show ist einfach so vielfältig. Das Schöne an der Show ist, dass sie jedem, der hier abends drin sitzt, in irgendeiner Art und Weise berührt. Das kann die Existenzangst sein, das kann der Liebeskummer sein, das kann die Enttäuschung sein, das kann das Verbohrte von Don sein, das kann ein Outing sein, das kann das „zu sich selber stehen“ sein, das kann der Vaterkonflikt sein, den Charlie und Lola haben. Es gibt so viele Sachen und das sind alles so unfassbar alltägliche natürliche Probleme, in denen jeder sich irgendwo wiederfinden kann. Ich glaube, das ist auch der Schlüssel der Show, warum die Leute hier drin sitzen und denken „Damit habe ich jetzt gar nicht gerechnet“. Es ist einfach schön, jeden Abend immer wieder zu beobachten, wie die Leute hier am Anfang drinsitzen, größtenteils keine Ahnung haben, aber am Ende mitfeiern. Ich bin ja ab und zu mal vorne an der Kasse und dann kommen manchmal Leute so an: „Also meine Freunde haben gesagt, das soll ganz toll sein, aber ich weiß überhaupt nicht, auf was ich mich heute Abend einlasse“. Dann sagt Mario auch immer so schön: „Sie werden Spaß haben.“ Und das haben sie dann tatsächlich auch.

Was ist eure Lieblingsstelle in Kinky Boots?

Benjamin: Also ich persönlich mag den Moment mit Lola und Don in der Bar nach dem Boxkampf. Also dann, wenn sich mein Twist ankündigt. Das ist so ein wunderbarere ruhiger Moment und unfassbar lustig  und macht mir auch unfassbarer viel Spaß. Aber es gibt so viele schöne Momente eigentlich. Sei es die Kündigungs-Geschichten im ersten Akt mit Charlie, Trish, Lauren und mir. Das ist herrlich. Ich mag auch die Szene mit Charlie und Lauren, wenn die dann das erste Mal bei Lola sind und Lola sich Charlie aussetzen muss, der einfach wirklich nur blind in jedes Fettnäpfchen tritt, das er nur finden kann.

Sebastian: Am liebsten mag ich das Ende von „Nie dieser Sohn“. Dieser „machen wir Stiefel“- Moment, also das und der Duett-Part vorweg. Da habe ich tatsächlich immer eine Ganzkörpergänsehaut und ich liebe beide Intros, also das vor „Hier fängt es an“ und das vor „Soul of a man“. Die sind so ruhig und klar. Im Ensemble mag ich extrem den Tanzteil von „Sex is in the Heel“, da bin ich ja oben auf der Treppe und sehe das alles von da und das ist einfach so überwältigend. Ich sehe von da auch einfach die Gesichter der ersten Reihen. Das ist großartig. Je nachdem, wie die Lichtstimmung ist, sehen wir mehr oder weniger Reihen, aber zum Beispiel in der Szene sehe ich ziemlich weit. So ungefähr bis Reihe 12.

Benjamin: Daran habe ich auch viel Spaß, wenn ich mal einen Moment Zeit habe, um einfach nur zu gucken, wie das Publikum guckt. Das ist teilweise sehr lustig.

Gibt es noch eine andere Rolle aus dem Stück, die ihr gerne spielen würdet?

Sebastian: Also, ich muss mal eben kurz überlegen, ob ich es wirklich wollen würde. Aber neee! Ich muss echt sagen, ich bin wirklich happy mit Charlie. Also ich habe gerade einfach kurz überlegt, ob es Lola wäre. Das wäre natürlich auch irgendwie cool. Das ist eine super, super Rolle oder auch ein Angel wäre interessant. Ich steh halt auch irgendwie auf Make-Up-Sachen und so, aber eigentlich bin ich fein mit dem, was ich habe. Am Ende des Tages, wenn es jetzt heißen würde „Was willst du konkret spielen?“, würde ich einfach immer „Charlie“ sagen.

Benjamin: Mich würde schon eine Lola reizen. Die Rolle ist natürlich eine Abräumerrolle, muss man einfach dazu sagen. Die kann machen was sie will auf der Bühne und ihr fliegen einfach die Herzen zu. Dazu hat sie einfach mit die geilsten Songs in der Show und diese Kostümschlachten sind einfach wunderbar. Die Rolle ist einfach toll. Aber ich bin immer auch jemand, der realistisch ist und sagt „Lass mal die Kirche im Dorf“. Es ist eine schwarze Rolle, die halt dementsprechend auch aussehen muss und das bin ich nicht. Das muss man als Darsteller auch erst einmal lernen, dass man auch irgendwann mal für sich entscheiden muss „okay, ich bin halt jetzt nicht der Prinz, sondern ich bin halt eher der Onkel-Typ und die lustige Nebenrolle“, was auch toll sein kann und auch ganz oft der Zuschauerliebling ist. Es hat alles seinen Reiz und auch jede Rolle hier bei uns. Auch die kleinsten Rollen haben ihre kleinen Momente. Das merkt man ja auch bei Trish und Pat und Georg und, und, und. Das sind Rollen, ohne die würde das Stück nicht funktionieren. Da fehlt einfach Seele und dasselbe ist mit den Angels. Wenn sie nicht so eine geballte Macht wären bei „So ein sexy hohes Teil“ oder in der Fabrik, da würde einfach was fehlen. Deswegen, ist schon alles ganz klug zusammengesetzt.

Was nehmt ihr für euch nach dieser Produktion mit?

Sebastian: Das ist eine schwierige Frage, aber ich versuche das mal in Worte zu fassen. Also ich nehme vorne weg ein Haufen Erfahrung mit und mit Erfahrung ist auch Erfahrung in jeglicher Art und Weise gemeint. Natürlich erstens in meinem Handwerk, meinem Beruf, den ich ausübe und zweitens aber auch eine wahnsinnige menschliche Erfahrung. Ich habe ganz viel über Menschen gelernt und gleichzeitig was, das auch viel wichtiger ist, über mich gelernt. Ich bin mit der Produktion ein bisschen gereift. Also, ich habe einfach ganz viel über andere und über mich gelernt und dafür bin ich extrem dankbar. Hoffentlich kommt noch ganz viel mehr dazu. Und ich nehme mit, mich selbst zu lieben. Es ist einfach auch die Show. Sich selber treu sein. Sich selber so nehmen, wie man ist und wenn es einmal nicht passt, es einfach so sein lassen, wie es eben ist und das auch zu akzeptieren. Das ist auch völlig okay, dass es auch mal so ist.

Benjamin: Viele schöne Erinnerungen werde ich mitnehmen.

Sebastian: Und viele Lachanfälle!

Benjamin: Auf und neben der Bühne. Was in meiner Rolle sehr fatal ist.

Sebastian: Das ist immer das Schönste. Benjamin darf ja nicht lachen, da kann man so schöne Sachen machen.

Benjamin: Ja, alle um mich herum dürfen lachen und Gino reizt das manchmal ein bisschen sehr aus. Aber was Sebastian auch schon meinte „sich selber akzeptieren“, ist ein großes Thema, bei dem die Show mir auch sehr geholfen hat. Ich hatte 2015 privat einen ziemlichen Durchhänger und habe da auch sehr viel an mir arbeiten müssen. Die Show hat mir einfach wieder sehr viel Kraft und sehr viel Positivität gegeben. Das soll jetzt nicht heißen, dass die Sachen, die davor waren, schlecht waren. Das, was hier passiert ist, diese „Magie“ der Show, diese Atmosphäre, diese Gefühle, haben einfach wieder sehr viel Positivität in mir ausgelöst. Nicht, dass ich ein negativer Mensch bin, es hat mich einfach wieder in sehr vielen Dingen auf die Spur gesetzt. Ja, diese Produktion ist wirklich was Besonderes für mich.

Wir von Musical1 bedanken uns sehr bei den beiden, dass sie sich so viel Zeit genommen und die Fragen ausführliche und ehrlich beantwortet haben. Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, wie einige der Lachanfälle zustande gekommen sind oder wer eigentlich diese „Unit“ ist und wozu Sicherheitsnadeln noch dienen können, dann freuen Sie sich auf den zweiten Teil, der am 30. Mai erscheint. Wir gehen mit Benjamin und Sebastian Backstage und sie zeigen uns ein bisschen was vom Bühnenzauber.

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Kategorie: Interviews,Kinky Boots

Tags:

Autor: S. Ahrens (28.05.2018)

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