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Karriere als Musicaldarsteller ohne Ausbildung?

Einmal mit Tarzan über die Bühne schweben, an der Seite von Elphaba für das Gute kämpfen oder mit Graf Krolock den Mitternachtsball eröffnen – der Traum vom Leben als Musicaldarsteller zieht viele junge Menschen jährlich zu den Aufnahmeprüfungen an die Musicalschulen. Doch ist das der einzige Weg auf die Bretter, die die Welt bedeuten? Welche Chancen haben Quereinsteiger?

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Chicago finale Castingrunde
Chicago finale Castingrunde © Stage Entertainment/Morris Mac Matzen

Hoher Leistungsdruck

Die Konkurrenz ist groß. So viel steht fest, wenn man sich um die heiß begehrten Rollen großer und kleiner Musicalproduktionen bemüht. Für gewöhnlich besuchen mehrere Hundert Bewerber aus dem In- und Ausland die ausgeschriebenen Auditions und lassen sich von professionellen Casting-Direktoren auf Herz und Nieren prüfen. Herausragende Fähigkeiten in Gesang, Schauspiel und Tanz bilden die drei großen Eckpfeiler eines guten Musicaldarstellers. Bei den wichtigen Auditions muss dann jeder Ton stimmen, jeder Schritt sitzen und jede Mimik überzeugen. Doch selbst ein rundum gelungener Auftritt ist kein Garant für Erfolg. Das Gesamtpaket muss stimmen und das schließt auch das äußere Erscheinungsbild mit ein. Leistungsdruck und Enttäuschungen sind da an der Tagesordnung.

Trotzdem lassen sich viele Menschen nicht von ihrem Traum, die Welt als Musicaldarsteller zu erobern, abbringen. Und das ist auch gut so. Ob sich der harte Kampf um Rollen und Erfolg aber auch als Quereinsteiger lohnt, ist fraglich. Drew Sarich, Elisabeth Hübert oder Felix Martin – sie alle wurden über mehrere Jahre an professionellen Schulen ausgebildet und auf das Leben als Musicaldarsteller intensiv vorbereitet. Um langfristig in diesem Beruf erfolgreich sein zu können und den hohen fachlichen wie auch körperlichen Anforderungen zu entsprechen, ist solch eine Vorbereitung auch unbedingt nötig, meint Annett Bär, Pressesprecherin der Stage School Hamburg, Deutschlands größter privater Bühnenfachschule. Denn eine gute Ausbildung bedeutet nicht nur die Vermittlung fachlicher Kompetenz, sondern bietet den Schülern auch physische sowie psychische Stabilität bei ihren täglichen Herausforderungen.

Probe Mary Poppins

© Stage Entertainment

Die Ökonomie des mühelosen Handwerks

So braucht es beispielsweise die richtige Technik, damit Körper und Stimme den enormen Strapazen standhalten können. Durch regelmäßige Auftritte vor Publikum und stetigem Feedback von Dozenten erhalten die angehenden Darsteller an Musicalschulen einen authentischen Eindruck von dem Leben hinter Scheinwerferlicht und Bühnenkulisse. Der richtige Umgang mit Konkurrenzdruck, Misserfolg und Lampenfieber wird auf diese Weise schon früh gelernt. Unabhängig von privaten Problemen und körperlichen Einschränkungen muss bei jedem Auftritt die optimale Leistung abgerufen werden. „Eine professionelle Musicalausbildung vermittelt einem die Ökonomie des mühelosen Handwerks“, fasst Annett Bär zusammen. Die Erfolgschancen für Bewerber ohne entsprechende Ausbildung seien in Anbetracht dessen sehr niedrig. „Das Risiko für Caster und Besetzer wäre viel zu hoch. Dafür sind zu viele gute Profis auf dem Markt“, sagt Bär, die selber jahrelang als Künstlerbesetzerin für Film, Fernsehen und Bühne tätig war.

Tatsächlich lassen sich kaum Beispiele für erfolgreiche Musicaldarsteller ohne professionelle Ausbildung finden. An dieser Stelle sei vielleicht Patricia Meeden genannt, die bereits Hauptrollen in BODYGUARD das Musical, JESUS CHRIST SUPERSTAR oder AIDA ergattern konnte. Die gebürtige Berlinerin absolvierte zwar erfolgreich die Ausbildung zur Bühnentänzerin, eine traditionelle Musicalausbildung schloss sie dem aber nicht an. Trotzdem gehört Patricia Meeden damit zu den wenigen Ausnahmen. Denn Talent allein ist in der Regel nicht ausreichend. Viele vermeintliche Quereinsteiger haben deshalb beim genaueren Hinsehen zumindest ähnlich umfassende Ausbildungen durchlaufen und blicken häufig auf langjährige Bühnenerfahrung in Teilbereichen des Musicals zurück.

Keine Rolle ohne Zeugnis?

Das eigentliche Abschlusszeugnis spielt laut Annett Bär aber nur eine untergeordnete Rolle bei den Auditions. „Ich habe nie einen Caster oder Besetzer gesehen, der nach dem Abschlussdiplom gefragt hat.“ Viel wichtiger sei stattdessen die Vita. Kann darin nachgewiesen werden, dass der Bewerber schon viele Rollen gespielt hat und somit Bühnenerfahrung mitbringt, steht dem Erfolg auch ohne Zeugnis nichts entgegen. So sind an der Stage School Hamburg gleich mehrere Schüler neben ihrer Ausbildung bereits in Musicalproduktionen tätig, weiß die Pressesprecherin. Das sei wesentlich häufiger als der unmittelbare Quereinstieg. „Die 21-jährige Bürokauffrau, die drei Jahre irgendwo Gesangsunterricht genommen hat und jetzt auf die große Rolle hofft, hat schlichtweg keine Chancen“, so Bär.

Wer also als Musicaldarsteller erfolgreich sein möchte, kommt um die klassische Ausbildung höchstwahrscheinlich nicht herum. Und auch hier sind die Anforderungen hoch und die Plätze begrenzt. Vorbildungen in Form von Schauspiel-, Tanz- und/oder Gesangsunterricht sind sicherlich von Vorteil. Und eines sollte dabei jedem bewusst sein: Der Weg zum Musicaldarsteller ist hart und steinig. Einmal oben angekommen heißt nicht automatisch, dass man dort auch bleibt. Nach Ablauf einer Spielzeit geht das Bewerben und Hoffen von neuem los. Wer trotzdem den Quereinstieg wagen möchte, braucht viel Talent, noch mehr Durchhaltevermögen und eine riesige Portion Glück. Aber wie heißt es so schön? Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel.

Kategorie: Ratgeber

Autor: L. Keil (21.03.2018)

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