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JESUS CHRIST SUPERSTAR – Judas rockt das Gärtnerplatztheater

Am 19. Juli feierte JESUS CHRIST SUPERSTAR, Andrew Lloyd Webbers berühmte „Rockoper“, seine Wiederaufnahme im Münchener Gärtnerplatzther. Die Inszenierung von Josef E. Köpplinger setzt auf einen modernen Stil und hat seit dieser Spielzeit mit John Vooijs einen neuen Hauptdarsteller. Musical1 war für euch bei der Premiere dabei.

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Jesus Christ Superstar
Jesus Christ Superstar Ensemble © Marie-Laure Briane

Ein Phänomen auf den Musicalbühnen

JESUS CHRIST SUPERSTAR, eines der ersten Stücke der Musical-Legende Andrew Lloyd Webber, ist ein Phänomen auf den Bühnen dieser Welt. Trotz des durchaus provokanten Inhaltes war das Musical, das Webber und Texter Tim Rice 1970 zunächst als Schallplatte veröffentlichten, ein weltweiter Erfolg und wurde bis heute etliche Male inszeniert. 

In die Fußstapfen zahlreicher erfolgreicher JESUS CHRIST-Inszenierungen zu treten, ist keine leichte Aufgabe. Doch Josef E. Köpplinger, Staatsintendant des Gärtnerplatztheaters, ist ein frischer Blick auf das Musical-Phänomen gelungen, der dennoch dem Original treu bleibt.
Am 18.05.2017 feierte seine Version des Musical-Klassikers Premiere in der Reithalle München und wurde nun zum Abschluss der Saison 2017/18 im Gärtnerplatztheater wiederaufgenommen.

Jesus (Armin Kahl) und Judas (John Vooijs)

© Marie-Laure Briane

 

Neuer Blickwinkel auf die Evangelien

JESUS CHRIST SUPERSTAR erzählt die altbekannte Geschichte der letzten sieben Tage im Leben Jesus von Nazareths. Besonders daran ist, dass das Stück sich vor allem auf Judas konzentriert und seine Gründe für den Verrat an Jesus darstellt, der letztendlich zu dessen Kreuzigung führt.

Judas bewundert Jesus und seine Ideen, betrachtet jedoch den wachsenden, beinah fanatischen Personenkult um ihn mit Sorge. Er warnt Jesus, der langsam unter dem auf ihm lastenden Druck zu zerbrechen droht. Als dieser auf seinen Rat nicht hören will, wendet er sich in seiner Verzweiflung an die Priester, denen Jesus schon lange ein Dorn im Auge ist. Doch diese haben eine drastischere “Lösung” im Auge als Judas, und der Konflikt eskaliert.

Starke Stimmen und musikalische Vielfalt

Obwohl JESUS CHRIST SUPERSTAR als Rockoper bezeichnet wird, beeindruckt das Stück durch musikalische Vielfalt. Neben der Rockmusik, die vor allem durch Judas eine Stimme verliehen bekommt, sind auch Soul und sanftere Balladen vertreten. So vielseitig wie die Musik müssen demnach auch die Darsteller sein, die die biblischen Figuren verkörpern.
Für seine diesjährige Inszenierung hat das Gärtnerplatztheater eine große Vielfalt starker Stimmen engagiert, die das Publikum mitzureißen verstehen.

Der Niederländer John Vooijs übernahm in dieser Saison die Rolle des Judas von David Jakobs, der sie in der letzten Spielzeit verkörperte. Vooijs hat die perfekte, raue, starke Stimme, um Judas‘ Wut und Verzweiflung überzeugend zu darzustellen. Mit Kraft und Emotion versteht er es, die Zuschauer mitzureißen und Judas‘ Leid spüren zu lassen.
Schade nur, dass seine Texte manchmal ein wenig schwer zu verstehen waren, obwohl sie für das Stück sehr wichtig sind.

Armin Kahl verkörperte erneut den Jesus und überzeugt mit jedem Ton. Ob selbstbewusst und gefeiert, unsicher und von Verantwortung erdrückt oder verzweifelt und dem Tode nah – Kahl stellt jede einzelne Emotion auf Jesus’ Leidensweg sowohl schauspielerisch als auch sängerisch perfekt dar. Sanfte Töne liegen ihm ebenso wie kraftvolle, mit denen er den ganzen Raum erfüllt, und beeindruckende Höhen. Am Ende des Stückes kann man kaum anders, als hin und weg zu sein.

Dionne Wudu ist ebenfalls ein neues Gesicht in dieser Inszenierung und übernahm die Rolle der Maria Magdalena. Die Liebe zu Jesus nimmt man ihr sofort ab und ihre warme, kraftvolle Stimme ist ein Genuss.

John Vooijs, Armin Kahl und Dionne Wudu beim Schlussapplaus

© S. Ahrens

Beeindruckendes Ensemble

Doch auch neben den Hauptdarstellern hat das Ensemble von JESUS CHRIST SUPERSTAR mehr als genug zu bieten. Previn Moore als Herodes und Erwin Windegger als Pontius Pilatus gewannen mit ihrer Stimmgewalt das Publikum auch mit wenigen Szenen sofort für sich. Maximilian Mayer als Simon und Benjamin Oeser als Petrus überzeugen an ihren Solo-Stellen ebenfalls auf ganzer Linie.

Den Kontrast zu den Pop- und Rockstimmen bietet Levente Páli als Kaiphas mit seinem beeindruckenden, klassischen Bass, begleitet von einem ebenso starken Juan Carlos Falcón als Annas, dessen Tenor in faszinierendem Kontrast zu Páli steht. 

Insgesamt ist das Ensemble von JESUS CHRIST SUPERSTAR sängerisch und schauspielerisch sehr stark; auch jene Sängerinnen und Sänger, die keine eigenen Soli haben. Die tänzerische Leistung des Ensembles und die Choreografien von Ricarda Regina Ludigkeit sind ebenfalls absolut sehenswert.

Alles andere als schwarz-weiß

Köpplingers Inszenierung spielt viel mit den Farben schwarz und weiß, sowohl durch das Bühnenbild von Rainer Sinell als auch durch die Kostüme von Anja Lichtenegger.
Fast alle Darsteller sind in schwarz, weiß und (jeans)blau gekleidet. Heraus stechen nur bestimmte Personen, beispielsweise Herodes, und bestimmte Szenen wie die im Tempel oder das Finale. Judas und die Priester sind komplett in schwarz gekleidet, Maria Magdalena dagegen trägt als Einzige rot. Durch die Kostüme werden auf diese Weise interessante Akzente gesetzt, besonders im Kontrast zum Inhalt, da sie Figuren des Stückes gerade alles andere als schwarz und weiß gezeichnet werden.

Die Bühne ist recht minimalistisch und besteht lediglich aus einem Gerüst mit Treppen auf jeder Seite und einer Tür dahinter, die die Bühne zur Band und dem Orchester hin abgrenzt. Durch flexible Requisiten und vor allem das wandelbare Ensemble wird sie jedoch schnell in all die Schauplätze verwandelt, die für das Stück nötig sind. Auch hier dominiert eine schwarz-weiße Farbgebung mit Akzenten in rot und blau.

Das letzte Abendmahl

© Marie-Laure Briane

Moderner Touch

Angesiedelt ist die Inszenierung in der Gegenwart, was sich sowohl durch die Kostüme als auch durch einige Requisiten zeigt. So tragen die Jünger beispielsweise zerrissener Röhrensjeans, Judas eine Lederjacke und Jesus eine der Beanie-Mützen, die vor einigen Jahren in Mode kamen. Besonders in den großen Ensembleszenen mit Jesus kommen auch häufig Smartphones zum Einsatz, mit denen beispielsweise Jesus gefilmt wird, wie man es heutzutage mit einem Filmstar machen würde.

Für große Erheiterung beim Publikum sorgte vor allem das letzte Abendmahl zu Beginn des zweiten Aktes. Die Jünger versammeln sich an einer langen Tafel – mit Döner und Pappbechern für Softdrinks, wie bei einer modernen Party – und positionieren sich auf die Aufforderung „Picture time!“ hin wie auf dem berühmtem Gemälde Leonardo da Vincis, das die biblische Szene zeigt.

Für diese Saison leider bereits wieder vorbei

JESUS CHRIST SUPERSTAR bildete den Abschluss der vergangenen Spielzeit im Gärtnerplatztheater, das sich aktuell in der Sommerpause befindet, und wurde nur an einigen wenigen Terminen im Juli gespielt. Bisher ist noch nicht bekannt, ob die Inszenierung wieder aufgenommen wird. Wir finden, es würde sich lohnen, denn sie ist definitiv einen Besuch wert.

Kategorie: Jesus Christ Superstar,Staatstheater

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Autor: C. Hain (08.08.2018)

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