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JESUS CHRIST SUPERSTAR in Gelsenkirchen

Die letzten Tage im Leben Jesu gibt es momentan im "Musiktheater im Revier" in Gelsenkirchen zu sehen. Wir haben JESUS CHRIST SUPERSTAR am 22. April besucht und waren schwer beeindruckt: Herausragende Darsteller und eine clevere Inszenierung, die so einige Überraschungen bereit hält.

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Jesus in der Menge ©Pedro Malinowski

Gesellschaftskritik mit doppeltem Boden

Die Vorstellung von JESUS CHRIST SUPERSTAR beginnt in Gelsenkirchen bereits beim Betreten des Zuschauerraums. Schon während man Platz nimmt, sieht man Jesus (Henrik Wager) und Judas (Serkan Kaya) auf der Bühne miteinander reden – eine Viertelstunde vor Vorstellungsbeginn. Spannung liegt in der Luft; es könnte jeden Moment losgehen. Unter den Zuschauern wird nervös getuschelt, verstohlen beobachtet man die beiden Darsteller auf der Bühne. Dann verdunkelt sich der Saal und die grandiose Ouvertüre von JESUS CHRIST SUPERSTAR ertönt.

Sofort fällt auf, dass das Bühnenbild anfangs sehr minimalistisch gehalten ist: Graue Betonwände gepaart mit einem schwarzen Boden kreieren eine kühle und industrielle Atmosphäre. Links und rechts, abseits der Bühne, strahlen dem Zuschauer Projektionen des Grabtuchs Jesu entgegen.

Im Laufe des Stücks besticht die Inszenierung von Michael Schulz durch liebevoll durchdachte Szenen und einer gnadenlosen Doppelbödigkeit. Ein Beispiel: Die Tempelszene, in der Jesus den heiligen Tempel als Markthalle missbraucht vorfindet, ist hier genial verpackt als Weihnachts-Shopping-Ansturm der Schönen und Reichen. Ein Zeichen der Konsumsucht und Kapitalismuskritik in einem. Sehr gesellschaftskritisch ist auch die Szene, in der Jesus von einer Meute belagert wird, die sich eine schnelle Heilung ihrer Krankheiten erhofft. Die “Kranken” sind in diesem Fall aber Handy- und Internetsüchtige, die wie Zombies mit ihren mobilen Geräten durch die Gegend ziehen. Das “Heilt euch doch selbst!” von Jesus lässt den ein oder anderen Zuschauer im Publikum verschämt zusammenzucken.

Eine grandiose Besetzung

©Pedro Malinowski

So vielschichtig und clever die Inszenierung ist, so sind es auch die Darsteller. Serkan Kaya überzeugt in seiner Paraderolle als Judas, der seinen Freund Jesus vor dem Schlimmsten bewahren möchte, aber letztendlich als sein Verräter Selbstmord begeht. Das Durcheinander seiner Gefühle und den irren Wahnsinn, der ihn am Ende packt, arbeitet Serkan Kaya sehr intensiv und beeindruckend heraus. Ein besonders starker Moment: Judas' Selbstmord-Szene, in der er sich mit einem Messer in die Stirn schneidet und so den blutigen Dornenkranz von Jesus spiegelt.

Vor Henrik Wager, der den Jesus verkörpert, muss man ebenfalls den Hut ziehen. Sein “Gethsemane”, das voller Facettenreichtum ist, lässt dem Publikum das Blut in den Adern gefrieren: Wut, Trauer, Unverständnis, Verzweiflung. Alles dargestellt von einer kraftvollen Stimme, die den großen Tonumfang der Rolle mühelos bewältigt.

Die Überraschung des Abends stellt Edward Lee dar, der in der Rolle des Pilatus brilliert. Wirkt er während “Pilate's Dream” noch verletzbar, so schafft er es, diese Facette bei “Pilate and Christ” komplett abzulegen. Hier bringt er vor allem die sarkastische Seite zum Vorschein, die er mit sprechgesanglichen Parts unterstreicht: “An amazing thing – this silent king…”

Es geht ums Aushalten

Was bis zum Ende der Inszenierung nachhängt, ist die Frage nach dem “Warum?”. Judas möchte wissen, warum er ausgewählt wurde, Jesus zu verraten. Jesus möchte wissen, warum er sterben muss. Und Pilatus versteht nicht, warum er Jesus kreuzigen soll. Die Tatsache, dass diese Frage nach dem “Warum?” stets unbeantwortet bleibt, lässt die Figuren in JESUS CHRIST SUPERSTAR leiden.

©Pedro Malinowski

Die emotionale Ebene, auf die sich die Darsteller begeben, und die Schonungslosigkeit der Inszenierung stellen den Zuschauer vor eine Herausforderung: Er muss es aushalten können. Die Verzweiflung von Judas, der größtenteils als Beobachter neben der Bühne sitzt und den Blick vom Unheil nicht abwenden kann. Die zitternden blutigen Hände von Pilatus, der sich als einzige Person bis zur allerletzten Minute schuldig fühlt. All das erzeugt eine Schwere im Publikum, die noch während der letzten Gospelnummer “Jesus Christ Superstar” ein flaues Gefühl im Magen hinterlässt. Denn der Zuschauer findet sich in der gleichen Situation wieder, in der auch die Charaktere der Geschichte sind: Er weiß, was passieren wird, kann aber nichts anderes machen als dabei zuschauen.

JESUS CHRIST SUPERSTAR am “Musiktheater im Revier” in Gelsenkirchen gibt es noch am 6. Mai und am 26. Mai 2018 zu sehen. Tickets gibt es hier.

Kategorie: Jesus Christ Superstar,Kritiken

Tags:

Autor: A. Satter (26.04.2018)

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