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JERZY JESZKE – im Interview

JERZY JESZKE ist für viele der Inbegriff für die Rolle des Chagal in TANZ DER VAMPIRE. Dass er allerdings schon seit 45 Jahren auf den Bühnen der Welt steht, wissen wenige. Wir haben JERZY JESZKE zu einem Interview in Berlin getroffen, wo er derzeit im Theater des Westens wieder als Chagal auf der Bühne steht. Er hat uns einiges über sein vielfältiges und aufregendes Bühnenleben erzählt.

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Jerzy Jeszke ©Jerzy Jeszke photos 2019

Lieber Jerzy, schön Dich heute zu treffen.

Vor 45 Jahren begann Deine schauspielerische und musikalische Karriere in Polen. Seit über 30 Jahren bist Du auf deutschen und internationalen Bühnen unterwegs und hast in vielen Musicals gespielt.

PHANTOM DER OPER, LES MISERABLES, MISS SAIGON, JESUS CHRIST SUPERSTAR, THE KING AND I, SWEENY TODD,… um nur einige zu nennen. Ja und natürlich Chagal in TANZ DER VAMPIRE.

Ja es sind jetzt 45 Jahre, die ich auf der Bühne bin. Lange Zeit, wollte ich diese Zahl nicht nennen, man fühlt sich dann plötzlich so alt. Ich habe aber bereits mit 15 Jahren angefangen. Ich habe in der Schulzeit ein eigenes Theater gegründet, ich war Regisseur, Choreograf. Ich bin in Amateurclubs mit meinem Gesang aufgetreten und habe in der Schulzeit auch bereits in einer Volksmusikgruppe als Solist gearbeitet.

Wenn ich es allerdings ganz genau nehmen würde, habe ich noch viel früher angefangen (lacht) – als ich in die Schule kam, haben sie mich dort gleich in eine Schultheatergruppe gesteckt. Ich bekam dort in einem Märchenstück die Rolle des Storches. Das fand ich gar nicht toll. Ich habe mich versucht dagegen zu wehren, ich wollte da nicht auf der Bühne stehen.

War für dich denn schon immer klar, dass Du etwas mit Musik machen möchtest beruflich?

Eigentlich schon. Ich habe immer viel und vor allem laut gesungen und ich habe versucht alle möglichen Instrumente zu spielen. Als Kind hat mein Vater mich dafür sogar gerügt und gesagt: Hör auf, sing und spiel nicht so viel und so laut, es hat ihn gestört. Von meinen Eltern aus hat man dann versucht mich in eine andere Richtung zu lenken. Ich sollte einen Beruf mit Grundlage erlernen. Ich habe das dann auch wirklich erst einmal gemacht. Ich habe eine Lehre als Schlosser gemacht. Allerdings habe ich parallel dazu immer weiter gesungen und meine Theaterarbeitsgemeinschaft betrieben. Ich habe zu dieser Zeit auch viel gemalt, geschnitzt, hab mich als Bildhauer versucht, ich war sehr kreativ in jeder Hinsicht.

Ja und obwohl meine Umwelt versucht hat es zu verhindern, bin ich seinerzeit durch Zufall doch am Theater gelandet. 1976 habe ich dann mein Musik und Theaterstudium begonnen.

Gibt es da noch Rollen, die Du noch unbedingt gerne spielen und darstellen möchtest?

Ja es gibt da noch drei Rollen, die mich sehr interessieren. Als erstes wäre da die Zsa Zsa in LA CAGE AUX FOLLES, der Tewje in ANATEVKA und in DER MANN VON LA MANCHA. Dies wären schon noch so Traumrollen für mich, die ich sehr gerne einmal spielen möchte.

Der Tewje wäre so mein Wunsch, als letzte Rolle vor der Rente, ich liebe dieses Stück und den Charakter Tewje. Es wäre wirklich ein Traum für mich.

Allerdings ist es für mich auch gar kein Problem, wieder einmal in einem Stück als Chorsänger mitzuwirken. Wieder bodenständiges Theater machen. Stadttheater machen so tolle Produktionen, ich hoffe da kommt noch einiges spannendes auf mich zu in der nächsten Zeit. Ich würde gerne in Berlin bleiben, meine Töchter leben hier. Ich bin in meinem Leben als Künstler viel gereist und war überall zu Hause, aber es ist glaube ich langsam an der Zeit, wieder zurück zu kommen an den Ursprung. Ich habe in meiner Heimat in Polen eine tolle Auszeichnung bekommen, den Glory Artist Orden für mein künstlerisches Wirken, also ich habe vieles erreicht, worauf ich sehr stolz bin. Ich habe aber noch auf vieles Lust und bin offen für alles.

Gibt es eine Rolle, die Du gerne gespielt hättest, wofür es jetzt aber vielleicht zu spät ist, weil bestimmte Faktoren nicht mehr passen?

Wenn es hier wirklich nur um die Wunschrolle geht, dann wäre es der Krolock und ich fühle mich dafür weder zu alt noch glaube ich, dass ich es als junger Mensch verpasst habe. Dieser Charakter wäre schon ein Traum, aber dazu wird es wohl nie kommen. Das wird leider ein Wunsch bleiben.

Deine Laufbahn ist so vielfältig und teilweise auch sehr spektakulär. 2006 z.B bist Du fast ein Jahr als Straßenkünstler für Menschen aufgetreten, die es sich nie leisten könnten ein Theater zu besuchen. Du hast für Arme und Obdachlose gespielt und gesungen. Wie kam es dazu, woher kam diese Idee?

Das war nicht nur 2006. Zum ersten Mal kam die Idee, als das Stadttheater Oberhausen, wo ich engagiert war, aus kulturpolitischen Gründen geschlossen wurde. Da habe ich für mich beschlossen, nicht gleich wieder irgendwo in irgendeine Produktion einzusteigen, sondern etwas für Menschen zu tun, die sich das sonst nicht leisten können. Meine Idee dabei war auch, wenn mich die Leute mit meinem Können auf der Straße akzeptieren, dann habe ich auch das Recht auf der Bühne zu spielen. Mir hat das sehr gut getan, ich habe viele Erfahrungen gesammelt. Danach habe ich mich dann nach einem Jahr entschlossen, mich zur Audition für MISS SAIGON anzumelden, ich weiß nicht ob ich dies ohne diese Zeit davor getan hätte. Ich hatte dann die Ehre, in diesem großen Musical bei der Premiere in der Rolle des Chef im Ring mitzuwirken.

Die Idee mit der Straßenmusik war aber auch eine Art Protest von mir zur kulturpolitischen Situation und es gab mir auch eine kleine Pause, in der ich sehr viel Anerkennung und Dankbarkeit von Menschen erfahren habe, die so ganz andere Probleme haben, als der sonstige Zuschauer im Theater. Das waren Menschen, die unter Brücken geschlafen haben, die jeden Tag von Neuem um ihr Auskommen kämpfen müssen. Ich wollte, dass auch diese Menschen meine Musik hören können. Ich habe meine Auftritte meist vor großen Premieren- oder Konzerthäusern gemacht, um auf die Situation der Menschen aufmerksam zu machen.

Den Erlös habe ich dann mit den Menschen vor Ort gerecht geteilt. Ich habe zu dieser Zeit gemerkt, es müssen nicht immer die großen Bühne und Stücke sein, Kunst geht überall und jeder Mensch sollte das genießen können. Es macht einem auch bewusst, dass man immer mit den Füßen auf dem Boden bleiben muss.

Interessant dabei war, dass bei meinen Straßenkonzerten auch Menschen zugehört haben, die mich vorher z.B. in Hamburg als Phantom auf der Bühne gesehen haben. Dort haben sie gejubelt und viel Geld für ein Ticket bezahlt. Auf der Straße haben sie mich nicht erkannt und wollten manchmal nicht einen Euro dafür geben, für das was ich dort dargeboten habe. Dabei war es genau das Gleiche, was ich Monate zuvor auf der Bühne gespielt habe. Sehr interessant, wie Menschen etwas bewerten. Ich kann jedem meiner jungen Kollegen nur empfehlen, wenn sie den Plan haben bis zur Rente auf der Bühne stehen zu wollen, sollten sie sich die Erfahrung unbedingt gönnen. Das lernt man in keiner Schule, das kann man nur selber erleben.

Es wäre doch sicher spannend, wenn Du einmal deine Erfahrungen und die Erlebnisse Deines Lebens in einem Buch zusammenfassen würdest. Es würde sicher sehr viele Menschen interessieren, wie so ein Leben als Künstler wirklich funktioniert. Welche Höhen und Tiefen es gibt. Du hast so viel erlebt und geschafft, das sollte man weitergeben.

Das wäre sicherlich eine gute Idee. Ich möchte schon meine ganzen Erkenntnisse weitergeben und vielleicht auch auf einiges dadurch aufmerksam machen, aber ich bin kein Mensch, der schreiben kann. Ich kann es erzählen und darüber diskutieren, aber vielleicht sollte man darüber einmal nachdenken. Ein Leben ist nicht nur Glanz und Gloria. Es sind viele Fakten involviert und Emotionen spielen sicher eine große Rolle in einem Leben.

Ein Jahr später bist Du mit Deinem Solo-Musical-Konzert gestartet und bist damit bis heute sehr erfolgreich, auch auf internationalen Bühnen. Können wir Dich damit vielleicht auch einmal hier in Deutschland erwarten? Deine Fans würde es freuen.

Meine Broadway Live Show gibt es immer noch. Es ist immer spannend, etwas auf eigene Faust zu machen und sich künstlerisch in solch einem Konzert auszuleben. Es ist auch eine Form mein künstlerisches Leben in die eigene Hand zu nehmen. Ich mache das nur anders als meine Kollegen. Das Konzertformat JERZY JESZKE – Broadway live kann man buchen. Es wird über meine Agentur, die Künstlervermittlung PHÖNIX angeboten. Man kann sich Jerzy im Konzert buchen, für private Events, für große Veranstaltungen. Ich bin da variabel, ob eher klassisch, im Musicalbereich, Operette, Rock oder Pop, Open-Air,… alles ist möglich. Das kann man anfragen, buchen und dann singe ich. Das Format verkauft sich international sehr gut.

Ich hatte mit meinem Event auch ein wunderschönes Jubiläums-Open-Air-Konzert 2018 in Polen. Das war unbeschreiblich für mich und auch für die Zuschauer. Ein absolutes Highlight.

Ich würde so etwas auch sehr gerne hier in Deutschland machen und ich habe mit der Künstlervermittlung Phönix glaube ich einen guten Partner an meiner Seite. Wer weiß, vielleicht kommt da ja bald eine Anfrage. Ich bewundere echt meine Kollegen, die solche Events selber organisieren, ich allerdings möchte nicht mehr die Kraft aufbringen müssen, es selber zu vermarkten. Dafür habe ich meine Agentur und ich hoffe es wird gut laufen.

Seit der Premiere von TANZ DER VAMPIRE in Hamburg 2003 spielst Du nun schon Chagal. Das sind jetzt 15 Jahre Vampire. Macht einem nach solch langer Zeit das dann noch Spaß?

Ja 15 Jahre ist das nun her, seit meiner Premiere in der Neuen Flora in Hamburg und JA ich liebe die Rolle immer noch und es macht mir unbeschreiblich viel Spaß, auch nach dieser langen Zeit. Ich glaube, das ist aber auch meine Einstellung zum Beruf. Ich liebe die Bühne, das Schauspiel, den Gesang. Da fällt es einem leicht, seine Rollen auszufüllen und zu gestalten, auch über Jahre. Irgendwie ist es immer wieder neu.

Ich habe noch nie die Überlegung gehabt, dass es langweilig ist. Ich war und bin immer stolz auf die Rolle, die ich gerade verkörpere und auch dankbar dafür, sie spielen zu dürfen. Mit jeder Rolle erfülle ich meine Berufung, Schauspieler zu sein.

Hat sich die Rolle des Chagal deiner Meinung nach im Laufe der Jahre verändert?

Ja, natürlich verändert sich eine Rolle auch! Zwar dezent, aber es verändert sich was. Es gibt Veränderungen in der Show insgesamt, Verkürzungen in den Texten oder auch Erweiterungen und die Technik verändert sich. Mit Technik meine ich in diesem Fall die Interpretation der Rolle. Heute ist es mehr natürliche Komik, z.B. mehr Situationskomik und aktivere Gestaltung. Ich liebe es, die Rolle immer weiter zu kreieren und auszufüllen.

Man hört immer wieder Stimmen, die behaupten: Früher war TANZ DER VMPIRE schöner, besser, pompöser. Wie siehst Du das? Gibt es so gravierende Veränderungen?

Nein, das kann ich nicht bestätigen. Das Stück ist dasselbe, die Aussage auch. Das Stück ist sicher etwas rockiger geworden, aber es wurde auch durch die Darsteller geprägt. Steve Barton hat es auf seine Art geprägt und alle die danach kamen, haben ihre Persönlichkeit einfließen lassen. Aber das ist auch ganz normal und eben auch das Schöne am Theater. Es ist live, es lebt, es entwickelt sich. Genauso muss Theater sein. TANZ DER VAMPIRE ist eines der wenigen Musicals, das die Chance hat, weil es so lange immer wieder auf der Bühne präsent ist, sich zu entwickeln. Damals war es perfekt so wie es war und heute ist es perfekt so wie es ist.

Im Februar 2017 warst Du auch bei der wirklichen neuen, modernisierten und völlig veränderten Inszenierung in St. Gallen dabei. Wie war das für Dich?

Das war eine sehr tolle Erfahrung. Die Arbeit dort im Team war hervorragend. Ulrich Wiggers hat ja selbst den Chagal gespielt und es war spannend, da zusammen etwas Neues zu machen. Es war so ganz anders und erst einmal sehr gewöhnungsbedürftig. Allerdings ist das Stück ja dasselbe geblieben, nur eben in einer anderen Zeit angelegt, moderner. Das war sehr spannend und aufregend. Wir hatten die einmalige Chance, etwas traditionell bekanntes in einer neuen Form zu gestalten. Das würde ich immer wieder machen wollen.

Als im August 2013 der letzte Vampirvorhang gefallen war, hättest Du da geglaubt, dass Du hier in diesem wunderschönen Theater nochmals als Chagal auf der Bühne stehen würdest?

Ehrlich gesagt, NEIN. Ich hatte für mich damals einen Schlussstrich unter Chagal gemacht. Ich war fast versucht mich wieder einmal als Straßenmusiker zu engagieren. Allerdings kamen dann neue Rollenangebote, aber dass ich nochmals hier nach Berlin mit den Vampiren ins Theater des Westens zurückkehre, hätte ich nie gedacht. Aber wie das Leben so spielt: Man sollte niemals nie sagen und bei den Vampiren schon gar nicht.

Die Figur des Chagal ist ja recht vielseitig. Einerseits der liebevolle, besorgte Vater und andererseits der Ehemann Chagal, ein Schwerenöter. Schleicht er doch des Nachts von dannen und teilt dann auch noch seine Unsterblichkeit mit der Magd und nicht mit seiner Ehefrau. Wie viel Jerzy steckt in Chagal oder umgekehrt?

Da muss ich aber entschieden widersprechen. Chagal folgt nur seinem natürlichen Instinkt und man muss auch bedenken, dass Chagal in einem ganz anderen Kulturkreis und zu einer ganz anderen Zeit lebt. Heute kann man sich vieles kaufen, das World Wide Web bietet alle Möglichkeiten. Chagal lebt in seiner Welt, in seinem Wirtshaus, wer wird ihm da die kleine Abwechslung nicht gönnen?

Wieviel Jerzy in Chagal steckt? Das überlasse ich mal der Phantasie des Lesers.

Jerzy ist Familienmensch. Jetzt kurz vor Weihnachten: Wie vereinbart man Freunde und Familie mit dem Beruf?

Ich mag Weihnachten sehr, aber mein Beruf erlaubt es nicht wirklich, sich einem Familienleben zu widmen. Der Beruf des Schauspielers ist gnadenlos in dieser Hinsicht. Wenn ich einmal nicht mehr auf der Bühne stehe und mein Rentendasein genieße, werde ich sicher versuchen, dies alles nachzuholen. In diesem Jahr allerdings bin ich sehr froh und glücklich, Weihnachten und auch Silvester mit der Familie verbringen zu dürfen.

Lieber Jerzy vielen lieben Dank für die Einblicke in Dein doch so bewegtes und spannendes Leben als Schauspieler. Sicher könnten wir noch eine lange Zeit weiterreden. Bestimmt hast Du noch so viel mehr zu erzählen. Wir werden aber noch einmal Gelegenheit dazu haben und vielleicht schreibst Du ja doch irgendwann ein Buch über JERZY JESZKE und sein sehr spannendes Leben als Schauspieler und Künstler.

Wir wünschen Dir weiterhin ganz viele spannende Rollen und vor allem ein friedliches und besinnliches Weihnachtsfest.

Wer Jerzy gerne als Chagal in Tanz der Vampire im schönen Theater des Westens sehen möchte, hat nur noch bis 17. März 2019 dazu Gelegenheit.

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Kategorie: Interviews

Tags:

Autor: I. Marquardt(08.12.2018)

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