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HEDWIG AND THE ANGRY INCH – Rock-Musical gastiert in Berlin

Nach großem Erfolg in Frankfurt kam die erste offMUSICAL-Produktion HEDWIG AND THE ANGRY INCH im August für ein zweitägiges Gastspiel nach Berlin, die Heimstatt der Hauptfigur. Musical1 berichtet von der Show der „internationalen ignorierten Rockchanteuse“, die das Publikum durch einen ungewöhnlichen Abend führte. ​

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Michael Kargus als Hedwig in HEDWIG AND THE ANGRY INCH
Michael Kargus als Hedwig © Agnes Wiener / Niklas Wagner

Ein einzigartiger Abend

HEDWIG AND THE ANGRY INCH sticht definitiv aus der Masse der Musicals heraus. Nicht nur, dass es mit seinen zwei Darstellern und einer vierköpfigen Band in recht kleiner Besetzung funktioniert – Es hebt sich auch von der Handlung her von anderen Stücken ab.
Aufgebaut ist es als Konzert der wenig erfolgreichen Rocksängerin Hedwig und ihrer Band „The Angry Inch“. Hedwig führt gemeinsam mit ihrem Mann Yitzhak durch den Abend und erzählt zwischen ihren Songs ihre Lebensgeschichte:

Aufgewachsen als Hansel in der ehemaligen DDR verliebte Hedwig sich in einen amerikanischen „Sugar Daddy“. Um ihn heiraten und ausreisen zu können, musste aus Hansel Hedwig werden. Doch die geschlechtsangleichende Operation lief schief und von Hansels Penis blieb ein „Angry Inch“ zurück.
Auch die USA brachten weder das erhoffte Liebesglück noch den Erfolg als Rocksängerin. So wirkt Hedwig während ihres Konzertes des Öfteren ein wenig zynisch und verbittert.

Eine weitere Besonderheit des Stückes: Die Figur der Hedwig wird von einem männlichen Darsteller verkörpert, ihr Mann Yitzhak dagegen von einer Darstellerin.

Die erste offMUSICAL-Produktion – Ein voller Erfolg

HEDWIG stammt aus der Feder von John Cameron Mitchell (Buch) und Stephen Trask (Musik und Texte), die mit dem Stück ihre Leidenschaften für Theater und Rockmusik verbanden. 1998 feierte das Stück seine Off-Broadway-Premiere und kam 2014 mit Neil Patrick Harris in der Hauptrolle an den Broadway, wo es mit mehreren Tony Awards ausgezeichnet wurde.

Im September 2017 bildete das Rockmusical, inszeniert von Thomas Helmut Heep und unter der musikalischen Leitung von Dean Wilmington, die Premierenproduktion von offMUSICAL. Nach großem Erfolg wurde es 2018 für drei Vorstellungen in Frankfurt und ein zweitägiges Gastspiel in Berlin verlängert. Am 10. und 11. August 2018 gastierte das Stück nun im Berliner Admiralspalast – in der Heimatstadt der Hauptfigur.

Grandiose Darsteller beweisen ihr Talent

Die Figur der Hedwig ist möglicherweise eine der anspruchsvollsten, die die Musical-Welt zu bieten hat: ein Mann, der eine Frau spielt, die als Mann geboren ist. Hinzu kommen Hedwigs tragikomische Lebensgeschichte, ihre über den Abend stark wechselnden Stimmungen und die Tatsache, dass sie häufig für kurze Zeit in die Rollen anderer Menschen schlüpft, die in ihrem Leben von Bedeutung waren und über die sie spricht. Auch musikalisch muss der Hedwig-Darsteller wandelbar sein, denn das Stück enthält von mit starker Stimme gesungenen Rocksongs bis Balladen im Falsett sehr unterschiedliche Lieder.
Michael Kargus meistert diese anspruchsvolle Rolle mit einer Bravour und Eleganz, die einer Hedwig würdig sind. Ob trockenen Humor, wahre Leidenschaft oder pure Verzweiflung – Man nimmt ihm jede Minute seiner kurzweiligen Performance ab.

Kathrin Hanak überzeugt als Yitzhak ebenfalls auf ganzer Linie. Den grimmigen, verschlossenen Mann, den man erst im Laufe des Stückes besser versteht, mimt sie so überzeugend, dass man zunächst zweimal hinsehen muss, um unter Kostüm und Maske eine Frau auszumachen. Auch wenn Hedwig die Hauptfigur des Stückes ist, erfordert die Rolle des Yitzhak definitiv ebenfalls Schauspiel- und Gesangstalent, das Kathrin Hanak hier beweist.

Kathrin Hanak als Yizthak

© Agnes Wiener / Niklas Wagner

Mehr als nur ein Musical

HEDWIG AND THE ANGRY INCH ist weit mehr als ein einfaches Musical. Vom Aufbau her ähnelt es einem Konzert, teilweise jedoch auch einer Comedy-Show oder einem Poetry Slam. Mal erzählt Hedwig unterhaltsame Anekdoten, mal stellt sie beinah poetische und philosophische Überlegungen an. Einzelne Elemente wiederholen sich als kleiner Running Gag und es gibt einige durchaus schmutzige oder äußerst böse Witze.
Auch das Spiel mit dem Publikum gehört zum Stück dazu. Da wird man in der ersten Reihe auch mal mit Bier bespuckt, geküsst oder bekommt das Mikro in die Hand gedrückt.
Das Stück traut sich in vielerlei Hinsicht so einiges.

Die Band wird ebenfalls in das Stück eingebunden. Die Musiker stehen genau wie Hedwig und Yitzhak auf der Bühne und werden nicht, wie in anderen Stücken, in einem Orchestergraben „versteckt“. Sie sind ebenfalls im Kostüm und werden von Hedwig häufig in ihr „Konzert“ eingebunden. So untermalen sie beispielsweise die Geschichte mit Soundeffekten oder müssen Witze auf ihre Kosten über sich ergehen lassen.

Passt nach Berlin wie die Faust aufs Auge

Mit dem Gastspiel im Admiralspalast Berlin kehrte Hedwig sozusagen zurück nach Hause. Denn die Hauptfigur wurde in Ost-Berlin, Teil der ehemaligen DDR, geboren und auch ein Teil ihrer Lebensgeschichte spielt sich hier ab. Dementsprechend enthält das Stück einige Anspielungen auf die Stadt und Deutschland, nicht zuletzt einen Vergleich von Hedwig mit der Berliner Mauer, da Hedwig Yitzak zufolge ebenfalls eine Grenze darstellt – unter anderem die zwischen Mann und Frau. Hinzu kommt, dass Hedwig in einer deutschsprachigen Inszenierung, insbesondere einer in Berlin, wunderbar berlinern kann. Auch die Erwähnung verschiedener kleiner Orte um Berlin herum, in denen Hedwig angeblich bereits getourt ist und die wohl zeigen sollten, wie unbekannt Hedwig ist, sorgten für Lacher beim lokalen Publikum.

Gelungene (Neu)-Inszenierung

Musicals in eine anders Sprache zu übersetzen, ist stets eine große Herausforderung, doch Rüdiger Bering und Wolfgang Böhmer haben bei HEDWIG ein gutes Händchen bewiesen. Die für die Handlung wichtigen Songtexte wurden übersetzt, viele Stellen jedoch auch auf Englisch beibehalten. Auf die Art hat man das Gefühl, dass der „Original-Charme“ des Stückes beibehalten und es dennoch geschickt an das deutschsprachige, insbesondere das Berliner Publikum angepasst wurde.

Wer die erfolgreiche Broadway-Inszenierung mit Neal Patrick Harris oder Darren Criss kennt, wird auch im Bühnenbild und dem Kostüm Unterschiede bemerken. In der offMUSICAL-Inszenierung sind Hedwigs Perücken, Kleidung und Make-up deutlich weniger ausgefallen und extravagant. Während sie in der Broadway-Version häufig wie ein aufgetakeltes Showgirl wirkte, strahlt sie in dieser Inszenierung Eleganz, Würde und Ernsthaftigkeit aus und kann als Figur ganz anders wahrgenommen werden.

 

Nach dem gelungenen Gastspiel in Berlin bleibt zu hoffen, dass HEDWIG AND THE ANGRY INCH bald wieder auf die deutschen Musicalbühnen zurückkehren wird.
Noch in dieser Woche beehrt offMUSICAL den Admiralspalast Berlin erneut mit einem Gastspiel: Am 31. August und 1. September wird dort AMERICAN IDIOT gespielt.

Kategorie: Kritiken

Tags:

Autor: C. Hain(28.08.2018)

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