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Hamburgs alternierende TINA: Teil zwei der Interviewreihe mit NYASSA ALBERTA

Seit einem halben Jahr läuft TINA – DAS TINA TURNER MUSICAL mit großem Erfolg im Stage Operettenhaus Hamburg. Die Lebensgeschichte von Tina Turner zieht das Publikum regelmäßig in ihren Bann. Wir haben uns für Euch mit der alternierenden Besetzung der TINA getroffen: mit der bezaubernden Nyassa Alberta. Hier lest Ihr den zweiten und letzten Teil unserer Interviewreihe. Wir haben über ihre Solo-Konzerte gesprochen, ihre Rollenvorbereitung aber auch das Thema Rassismus nicht außer Acht gelassen. Und natürlich darf der obligatorische Fragen-Marathon nicht fehlen.

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Nyassa Alberta
Nyassa Alberta (c) Rey Rodriguez Productions

“Ich mag Herausforderungen”

Musical 1: Blicken wir auf Deine bisherige Karriere zurück: Du hast neben TINA – DAS TINA TURNER MUSICAL bereits in BODYGUARD, SISTER ACT, WE WILL ROCK  YOU, Aida und DER KÖNIG DER LÖWEN gespielt. Gibt es eine schönste Rolle für Dich?

Nyassa Alberta: All die Rollen waren sehr schön. Vor allem die großen Rollen. Man hat viel Raum, ein bisschen anders zu reagieren. Bei BODYGUARD, SISTER ACT, AIDA und jetzt auch TINA – da wird es nie langweilig. Man steht ja auch immer mit anderen Leuten auf der Bühne und hat dadurch einen ganz anderen Input. Je größer die Rolle und die Verantwortung, desto mehr Spaß macht es. Ich mag eine Herausforderung; daran zu arbeiten und es immer besser zu machen.

Musical1: Wie bereitest Du dich auf Deine Rollen vor, neben dem Textlernen und den Proben im Theater?

Nyassa Alberta Sister Act

© Stage Entertainment

Nyassa Alberta: Bei BODYGUARD und SISTER ACT habe ich mir die Filme angeschaut. Bei BODYGUARD habe ich damit allerdings ziemlich lange gewartet. Manchmal ist es auch schön, erst einmal selbst mit der Erarbeitung anzufangen und dann noch einmal den Film zu gucken. Dabei habe ich auch festgestellt, dass das Musical viel schöner ist (lacht).
Bei Tina habe ich die Bücher gelesen, die Videos, Interviews und den Film geschaut. Unser Associate Director Ola Ince hatte auch ganz viel Lesematerial mit. Vor der Probezeit in Hamburg hatten die Erstbesetzung und ich dann auch noch eine Bootcamp-Woche in London. Wir haben die meisten Choreografien dort gelernt und die Show geguckt. Das war auch ganz gut, um einfach mal zu sehen was es an Material gibt und ein bisschen ruhiger in die Hamburger Probezeit zu gehen. Natürlich habe ich dann angefangen, Sport zu machen. Gesungen habe ich auf dem Laufband. Das habe ich damals bei BODYGUARD gemacht und hier noch einmal. Am Ende, wenn man denkt, dass man eigentlich müde ist, bin ich dann immer noch zehn Minuten extra weitergelaufen. Das Show-Ende ist ja auch heftig, daher immer zehn Minuten länger (lacht).

„Wir sind alle nur Menschen – egal woher wir kommen“

Musical 1: In TINA – DAS TINA TURNER MUSICAL wird auch das Thema Rassismus in den Südstaaten der USA angeschnitten. Nun ist leider auch Deutschland ein Land, was seit einigen Jahren mit extremen Rechtstendenzen zu kämpfen hat. Ist Dir persönlich Rassismus im Alltag bereits begegnet?

Nyassa Alberta: Ja, schon – aber Gott sei Dank nicht so heftig. Mir passiert es vor allem, dass manche Menschen denken, es ist okay, etwas Blödes zu sagen. Aber das ist es nicht. Ich sage immer, sie haben Glück, dass sie auf mich treffen. Meistens kann ich darüber lachen und sage mir: Der andere ist einfach ignorant.

Ich kann zwei kleine Anekdoten erzählen:
Ich war bei einem Freund im Garten, wir haben gegrillt. Sein Nachbar über ihm hatte in der Wohnung einen Wasserschaden. Der Nachbar guckte mich an und sagte: „Das kennst Du gar nicht, zu viel Wasser.“ Der Freund sagte ihm dann, dass ich aus Holland stamme und schon Wasser kenne. Aber er musste dann noch einen draufsetzen: „Ja, aber Deine Vorfahren aus Afrika.“ Er muss natürlich so etwas sagen, damit es für ihn im Kopf stimmt; dass ich nicht aus Afrika komme, interessiert in dem Moment nicht.

Eine andere Situation war an der Bahn; da ist diese eine bestimmte Strecke nicht gefahren. Am Bahnsteig stand ein älterer Herr. Ich hatte dann zu ihm gesagt, die Bahn fährt diese Strecke nicht, da fahren jetzt Ersatzbusse. Daraufhin guckt er mich an und sagt: „Busse? Das ist doch eigentlich Negerverkehr, oder? Damit fahren die doch in den Dschungel.“

Ich dachte wirklich, ich stehe bei „Verstehen Sie Spaß?“. Wieso denken die Menschen, es ist okay mir so etwas zu sagen? Ich möchte einfach, dass die Leute realisieren, dass es überall dunkelhäutige Menschen gibt. In Holland ist das supernormal. Hier in Deutschland merke ich, dass ich eine andere Hautfarbe habe. In Holland würde so etwas nicht passieren. Es wäre einfach schön, wenn die Menschen sich mehr öffnen und realisieren würden, dass man nicht weniger oder mehr wert ist, aufgrund einer anderen Hautfarbe. Nicht alle dunkelhäutigen Menschen kommen aus Afrika und selbst wenn es so wäre, sind sie doch nicht weniger wert. Meine Eltern und Vorfahren sind z. B. aus Südamerika, aus der Karibik. Meine Oma hatte sogar noch chinesisches Blut (lacht). Ich wäre superfroh, wenn das weniger wird. Wir sind alle nur Menschen, egal woher wir kommen.

Eine andere musikalische Seite

Musical1: Blicken wir auf eine andere musikalische Seite von Dir: Deine Solokonzerte. Was für Musik und welche Musikrichtung hast Du dort gespielt?

Nyassa Alberta

(c) Rey Rodriguez Productions

Nyassa Alberta: Ich habe bisher drei oder vier Solokonzerte gegeben. Das Schöne ist, dass man tun kann, was man will. Ich habe meistens ein bisschen Soul, Funk und Pop/Rock gemacht. Das letzte große Konzert war 2018 in Wiesbaden. Es war eine Mischung aus Musical und von mir persönlich: Also mit Pop/Rock/Soul-Elementen. Ich habe damals gedacht, dass das Publikum auch erwartet, dass ich ein bisschen Musical singe. Es hat super funktioniert und war ein toller Abend!

Wir haben auch ein paar Sachen neu arrangiert. Ain´t Nobody´s Business If I Do von The Pointer Sisters war zum Beispiel ein bisschen mehr funky. Gino Emnes war dabei und Alex Avenell, eine gute Freundin von mir. Wir haben Songs aus ROCKY gesungen, aus WICKED und natürlich von BODYGUARD. Das war echt schön.

Musical1: Wird es in naher Zukunft wieder ein Konzert von Dir geben?

Nyassa Alberta: Lust hätte ich auf jeden Fall. Aber im Moment verlangt TINA meine ganze Energie (lacht). Da geht natürlich auch viel Zeit drauf: Man muss es planen; eine Band zusammen kriegen; die Songliste zusammenstellen; das Theater oder die Venue finden, in der man es veranstalten will. Ich glaube nicht, dass es dieses Jahr noch etwas wird. Wenn, dann sehr spontan was Kleineres; aber hoffentlich nächstes Jahr.

Ich kann mich noch gut an mein allererstes Konzert in Köln erinnern. Mein Vocal Coach ist da die treibende Kraft und sehr hinterher, dass man auch Solo-Konzerte macht. Das habe ich dann in der Musical Academy in Köln veranstaltet. Da fragt man sich: Soll ich da Eintritt nehmen oder nicht? Wer kommt überhaupt? Wollen die Leute das hören? Machen wir das mal lieber umsonst. (lacht) Wir haben sogar die Getränke umsonst angeboten. Eigentlich passten ca. 80 Leute in die Location. Am Ende waren es dann wohl 120 Personen. Das war für mich total interessant zu sehen, dass die Leute auch zu einem Solo-Konzert kommen. Es ist superschön, man lernt sehr viel und kann seine eigene Kreativität nutzen.

Der Fragen Marathon: 5 knackige Fragen, 5 knackige Antworten

Musical 1: Was oder wo ist Heimat für Dich?:

Nyassa Alberta: Ich glaube, da muss ich tatsächlich Hamburg sagen. Ich habe zufällig letzte Woche noch mit jemandem drüber gesprochen. Ich bin in Groningen geboren und aufgewachsen. Mit 20 Jahren bin ich dann nach Amsterdam gegangen und habe dort meine Ausbildung gemacht. Danach habe ich dort noch ein bisschen länger gewohnt und in DER KÖNIG DER LÖWEN gespielt. Als ich 2006 nach Deutschland gezogen bin, habe ich hier in Hamburg angefangen. Zuerst fand ich es furchtbar. Aber nach einem bis anderthalb Jahren war es okay. Dann war ich in Stuttgart, Köln und wieder in Hamburg. Das war der Moment, wo ich zu mir gesagt habe, dass es mit dem Umziehen reicht. Hamburg wird nun mein „Zuhause“. Das war im Jahr 2010. Seitdem wohne ich hier in meiner Wohnung und fühle mich echt wohl. Ich glaube aber, ich möchte ein Haus in Südspanien haben. Das kommt bestimmt auch irgendwann einmal (lacht).

Musical 1: Du reist am liebsten nach?:

Nyassa Alberta: (Lacht) Dorthin, wo die Sonne scheint.

Musical 1: Deine größte Stärke ist?:

Nyassa Alberta: (Überlegt) Ich glaube, ich bin ein sehr offener Mensch und sehr humorvoll. I think I´m very funny (lacht schallend). Ich liebe meine Freunde und sie können auch immer zu mir kommen, wenn es z. B. ein Problem geben sollte. Ich würde keinen verurteilen. Das ist auch eine gute Stärke von mir, die Selbstreflexion.

Musical 1: Du kannst nicht leben ohne?:

Nyassa Alberta: Meine Freunde und Familie.

Musical 1: Ich wollte schon immer?:

Nyassa Alberta: Auf die Malediven reisen. Thailand steht auch noch auf meiner Liste. Vielleicht eine schöne Rolle am Broadway spielen. Und eine CD aufnehmen. Aus dem Flugzeug bin ich schon einmal gesprungen. Das habe ich schon abgehakt (lacht).

Wir danken Nyassa Alberta, ihrer Agentur Rey Rodriguez Productions und Stage Entertainment ganz herzlich für den zweiten und letzten Teil der Interviewreihe.

Tina – Logo

©Stage Entertainment

Wer TINA – DAS TINA TURNER MUSICAL noch nicht gesehen hat, sollte dies ganz schnell nachholen, denn auf der Bühne des Stage Operettenhauses wird ein Stück Musikgeschichte beschrieben.

Tickets für TINA - DAS TINA TURNER MUSICAL
Tickets für TINA - DAS TINA TURNER MUSICAL

Hamburg ist auch immer eine Reise wert. Tipps und Tricks zur Anreise und Übernachtung sowie zu allen Theaterhäusern gibt es hier.

Kategorie: Interviews

Tags: Hamburg

Autor: M. Rose(15.08.2019)

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