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HAIR Kritik: Das American Tribal Love-Rock Musical auf Tour

„Make Love, Not War“: Dem Vietnam-Krieg wollten die Hippies Frieden und Liebe entgegensetzen. Bereits 1967 fing das Musical HAIR dieses Lebensgefühl ein. Mehr als 50 Jahre nach der Uraufführung hat das „American Tribal Love-Rock Musical“ nichts von seinem Charme verloren. Das zeigt die Tour-Produktion, die gerade in Europa unterwegs ist. Wir haben uns HAIR in der Stadthalle Kassel angesehen.

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HAIR-Gruppenbild
HAIR-Gruppenbild © Showservice International

Zu Besuch bei HAIR in Kassel

Es ist der 2. April 2018. Die deutsche 68er Bewegung feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum. Schon 51 Jahre ist es her, dass in den USA ein Musical Premiere feierte, welches das damalige Zeitgefühl einfing wie kein anderes: HAIR – The American Tribal Love-Rock Musical. Galt MacDermot schrieb die Musik, Gerome Ragni und James Rado steuerten das Buch und die Texte bei. Die Premiere fand 1967 in New York unter der Leitung von Michael Butler statt.

Aktuell ist HAIR wieder unterwegs. Der Veranstalter Frank Serr Showservice Int. lässt das Musical 2018 durch mehr als 80 deutsche Städte touren – eine Wiederaufnahme der erfolgreichen Tour von 2016.

In Kassel macht das Musical in der Stadthalle Station. Schon bevor es losgeht, zeigen sich einige Darsteller in voller Hippie-Kostümierung im Foyer. Lautstark unterhalten sie sich und scherzen und versetzen die Zuschauer so schon vor dem eigentlichen Beginn des Abends in Stimmung. Schließlich geht es in den Saal – und dort beginnt eine Zeitreise in die 1960er Jahre.

Make Love, Not War

© Frank Serr Showservice Int.

Im Mittelpunkt von HAIR steht der junge Claude. Der hat gerade seinen Einberufungsbefehl für den Vietnam-Krieg erhalten. Bevor er eingezogen wird, trifft er allerdings auf eine Hippie-Gruppe um Berger und seine Freundin Sheila. Die Hippies lehnen den Vietnam-Krieg ab und versuchen, auch Claude von ihren Idealen zu überzeugen. In Claude wächst ein innerer Konflikt: Folgt er den Werten seiner konservativen Herkunft, dient seinem Land und zieht in den Krieg? Oder entscheidet er sich für die chaotische, aber friedliche Lebensweise der Hippies und riskiert damit eine Gefängnisstrafe sowie gesellschaftliche Ächtung?

HAIR (Regie: Kendra Payne) erzählt diese Geschichte vor allem durch Musik. Auf der Bühne entsteht ein teils chaotisches Spektakel, wer eine linear erzähle Geschichte erwartet, wird vielleicht enttäuscht. Die einzelnen Szenen erwecken vor allem die Stimmung und das Lebensgefühl der damaligen Zeit zum Leben. MacDermots Musik transportiert die Gefühle der Protagonisten gekonnt, vor allem Claudes innerer Zwiespalt wird deutlich. Songs wie „Aquarius“ oder „Let the Sunshine In“ sind auch heute noch Ohrwürmer. Teilweise fällt es aber etwas schwer, hinter den einzelnen Gesangsdarbietungen eine zusammenhängende Story  zu erkennen.

Überragende Darsteller entführen die Zuschauer ins Jahr 1967

Überragend ist allerdings die darstellerische Leistung. Alle Darsteller erscheinen äußerst authentisch. Nicht nur die bunten Kostüme (Design: Claudia Nitzsche), auch ihre Gestik und Mimik passen perfekt zu den dargebotenen Rollen. Als Zuschauer fühlen wir uns wirklich, als würden wir eine Zeitreise ins Jahr 1967 machen. Zwischen Esoterik, Räucherstäbchen, LSD und freier Liebe kommen dabei immer wieder auch Momente auf, die in große Albernheit abdriften und Fremdschämen auslösen. Aber genau das ist gewollt.

Die beste gesangliche Leistung zeigt an diesem Abend Nick Anastasia als Claude. Doch auch die anderen Sängerinnen und Sänger überzeugen. Die Darsteller agieren auf einer recht spartanischen Bühne, typisch für Tour-Produktionen des Musicals. Ein Gerüst, aufgebaut wie ein Trampolin in einem Meter Höhe, mit Zeltdach versehen, deutet das New Yorker Quartier der Hippies an. Die wilden, bunten Kostüme der Hippies stehen in einem krassen Gegensatz dazu. Auf Schildern halten die Darsteller zudem noch Sprüche aus der Hippie-Zeit hoch.

Überraschungseffekte und große Emotionen

Hair Hippies

© Frank Serr Showservice Int.

Bei all dem Gewusel auf der Bühne ist es manchmal nicht ganz leicht, alles mitzubekommen, was gesagt und gesungen wird. Das entspricht zwar durchaus dem, was das Musical transportieren soll, trotzdem ist es schade, wenn man Teile des Musicals nicht versteht. Dafür entschädigen einige Highlights. Kurz vor der Pause stehen plötzlich alle Darsteller nackt auf der Bühne. Ein super Statement, sehr authentisch dargeboten, und ein toller Überraschungseffekt. Einer der emotionalen Höhepunkte findet am Ende des letzten Aktes statt. Zum Lied „Let the Sunshine In“ wird es plötzlich ernst und die Gefühle können wirken.

Die Stadthalle Kassel bot einen angenehmen Hintergrund für das American Tribal Love-Rock Musical. Die schöne Stadthalle wirkt von innen leider etwas kühl, ist aber einfach zu erreichen, eine Haltestelle der öffentlichen Verkehrsmittel liegt direkt vor der Tür. Von den in der Mitte gelegenen Plätzen aus genießt man eine gute Sicht auf die Bühne. Von der Seite und ganz vorn ist die Sicht etwas eingeschränkt, da die Bühne recht hoch ist und man die unteren Teile der Bühne dann nicht genau sehen kann.

Unser Fazit: Hippie-Musical mit zeitloser Botschaft

HAIR gilt als Meilenstein der Pop-Kultur. Nach unserem Besuch der Tour-Produktion fällt es auch nicht schwer zu verstehen, warum das so ist: Das Musical fängt die Zeit der 1960er Jahre, eine Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs, perfekt ein. Dennoch erzählt HAIR auch eine zeitlose Geschichte von der Auflehnung gegen herrschende Prinzipien und vom inneren Konflikt zwischen konservativen und idealistischen, liberalen Wertvorstellungen. Die Umsetzung ist vielleicht nicht für jeden, zu wild und chaotisch ist das Treiben auf der Bühne manchmal. Wer von einem Musical nicht unbedingt eine klar strukturierte Geschichte erwartet, kann sich von dem bunten Spektakel aber mitreißen lassen.

HAIR ist noch bis zum 20. Mai 2018 in Deutschland unterwegs.

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Kategorie: Kritiken,Tour Musicals

Autor: S. Haselböck (12.04.2018)

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