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Er singt (nicht nur) sein Lied – Gino Emnes

2017 war ein großes Jahr für Gino Emnes. Nicht nur dass er für die Hauptrolle der Lola im neuen Hamburger Kiez-Musical KINKY BOOTS ausgewählt wurde, er konnte sich einen weiteren Traum erfüllen und hat seine erste Solo-CD auf den Markt gebracht. Und die ist ganz anders, als man erwartet hätte. Grund genug für uns, Gino Emnes zu fragen, wie es dazu kam und etwas mehr über den Menschen hinter Simba, Eddie, Apollo Creed oder Lola zu erfahren.

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Gino Emnes Album sw 1
Gino Emnes Album sw 1 © Katrin Schoening

Ein Mann mit vielen Facetten

Gino Emnes ist Niederländer mit Eltern aus Südamerika und der Karibik. Geboren ist er in Den Haag. Automatisch erwartet man den charmanten, typisch niederländischen Akzent. Umsonst. Gino Emnes spricht hervorragend deutsch. Und schon sind wir mittendrin in den Fragen, die wir uns im Vorfeld zu diesem Interview gestellt haben. Wie kommt es, dass ein niederländischer Sänger, der sich in einer vorwiegend englischsprachigen Musical-Welt bewegt, ein deutschsprachiges Album aufnimmt, zu dem er teilweise auch noch die Texte beigesteuert hat?

“Deutsch ist die Sprache, die ich bei meiner Arbeit am meisten nutze”

“Englisch und Deutsch sind beides Fremdsprachen für mich“, erklärt er. Ein niederländisches Album kam nicht in Frage, dafür habe er dort zu wenig gearbeitet. In Deutschland fühlt er sich inzwischen sehr heimisch. „Ich bin sehr dankbar für mein Leben hier in Deutschland. Für die Rollen, die ich spielen durfte und die Bandbreite, die ich damit zeigen konnte.” Deutsch sei die Sprache, die er bei seiner Arbeit auf der Bühne am meisten benutze. Daher war es für ihn naheliegend, diese Sprache auch für seine CD zu nutzen. “Es ist meine Art, mich bei dem Publikum zu bedanken, das meinen Weg in den letzten Jahren begleitet hat.”

CD Cover Ich sing mein Lied

© Rey Rodriguez Productions

Herzensprojekt Solo-CD

Die im Dezember erschienene CD sei sein absolutes Herzensprojekt. „Mit der CD sollen die Menschen mich als Gino kennenlernen“. Das ist ihm wichtig. „Es war einfach an der Zeit, auch etwas von mir zu zeigen. Ich wurde oft gefragt, warum ich keine Solo-CD mache und ich habe immer abgelehnt mit der Begründung, das sei nichts für mich.“ Aber vor etwa zwei Jahren habe er gemerkt, dass er, wenn er ehrlich zu sich selbst ist, nur Angst davor habe. „Warum sollten die Menschen meine CD kaufen? Wollen die mich überhaupt hören, wenn ich keine Rolle spiele?“

Der richtige Zeitpunkt ist jetzt

Vor einem Jahr habe er dann aber gespürt, dass er bereit sei und habe mit seinem Manager und Produzenten Rey Rodriguez darüber gesprochen. Bei den Überlegungen, in welche Richtung die CD gehen soll, habe er sich an den musikalischen Leiter einer Schweizer HAIR-Inszenierung erinnert, in der er vor Jahren gespielt hat. „Er hatte damals eine Instrumental-CD aufgenommen, die mir sehr gefallen hat.“ Er habe ihn kontaktiert und ihm von seinen Plänen erzählt. Quasi umgehend habe der Musiker ein paar Arrangements geschrieben, um zu zeigen, wo die Reise hingehen könnte. „Ursprünglich sollte es musikalisch das Format eines Jazz-Trios haben. Also eher etwas bescheidener. Mit der Zeit wurde die Produktion dann aber immer größer und immer aufwändiger“, erinnert sich Gino Emnes.

Aufnahmen in Polen und Havanna

Aus dem Jazz-Trio wurde eine große Band mit richtigen Blasinstrumenten. Backing Vocals kamen ebenfalls dazu. Dieser Teil der Produktion wurde in Polen aufgenommen, da die Band und Musiker dort sitzen und in der Regel mit dem Arrangeur und musikalischen Leiter, Piotr Mania, zusammenspielen. Gino Emnes war von der Entwicklung begeistert. „Das Projekt nahm eine ganz andere Dimension an, als ursprünglich geplant. Es war – auf positive Weise – erschreckend für mich. Plötzlich klang es so richtig nach echter Musik!“

Aber es ging noch weiter. „Mein Produzent sagte, dass manche Titel unbedingt Streicher brauchen und dass falsche synthetische Streicher für ihn nicht in Frage kämen. Also ging es nach Havanna um ein Streichorchester aufzunehmen, welches wunderbar von Maestro Adonis Gonzalez arrangiert wurde.“ Mit dem Ergebnis sei er mehr als zufrieden. Und auch sehr stolz darauf, eine CD zu haben, welche – nicht immer selbstverständlich in der heutigen Zeit – noch mit echten Musikern aufgenommen wurde. „Da wurde noch richtige Musik gemacht. Ich muss sagen, das war einer der größten Späße meines Lebens und ich werde immer stolz darauf sein.“

Gino Emnes Album sw 2

© Katrin Schoening

Texte teilweise selbst mitgeschrieben

Aber nicht nur musikalisch ist die CD anders, als man vielleicht erwartet hätte. Auch die Texte überraschen. „Ich habe die Themen dazu geliefert, die mir am Herzen liegen und über die ich gerne singen wollte. Für drei Lieder habe ich gemeinsam mit einer Freundin die Texte selbst geschrieben.“ Die anderen Titel wurden aus einer langen Liste von neuen Songs von jungen, aber auch erfahrenen Komponisten und Freunden ausgesucht. “Sie sollten zu meinen Themen und zu meiner Geschichte passen. Sabine Ruflair, die auch für das ganze Textkonzept der CD verantwortlich ist, hat sie dann teilweise angepasst und übersetzt.”

Entstanden ist eine sehr persönliche CD, die aufhorchen lässt, die zum genauen Zuhören einlädt und in unserer hektischen Zeit angenehm entschleunigend wirkt.

Sehr persönliche Einblicke

Gino Emnes thematisiert sehr persönliche Dinge. Mit dem plötzlichen Tod der Mutter, der ihm lange sehr zu schaffen machte, befasst er sich in „Frag nicht warum“. Irgendwann habe er verstanden, dass es nicht für alles im Leben eine Erklärung gebe, auch wenn man sich das noch so sehr wünsche. „Manche Dinge muss man einfach hinnehmen und wird nie eine Antwort auf das Warum finden“. Mit „Leb wohl“ wird ein offensichtlich schwieriges Verhältnis zum Vater offenbart. Aber auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Mit „Du“ zeigt uns Gino Emnes, dass auch nach einigen Irrungen und Wirrungen noch die Liebe hinter der nächsten Kurve warten kann. Seiner Herkunft zollt er mit dem wunderschönen „Ik hou van jou“ Tribut – einem bekannten niederländischen Schlager, der auf der CD in neuem Gewand zu finden ist. Auch eine Hommage an die karibische Heimat Aruba seiner Mutter ist mit „Kuantu mi stimabo“ vertreten.

Gino Emnes als Lola

© Stage Entertainment

Von Kinky Boots und dem zugrundeliegenden Film begeistert

Die CD-Produktion in Polen fand fast zeitgleich mit den Proben für KINKY BOOTS statt. Der Dezember hatte es in sich für Gino Emnes. Kurz vor Weihnachten erschien die CD, Anfang des Monats feierte er Premiere als Lola. Auch wenn er dabei ganz unterschiedliche Facetten von sich zeigen kann: Parallelen gibt es auch hier. „Ich habe KINKY BOOTS vor drei Jahren am Broadway gesehen. Und ich liebe den Film.“, erzählt er. „Es gibt nicht allzu viele große farbige Männerrollen im Musicalbereich und mit Simon bzw. Lola kann ich mich gut identifizieren.“ So wie Simon sich schwer damit tut, sich selbst zu akzeptieren, habe auch er seine inneren Kämpfe zu kämpfen gehabt. „Jeder kommt mit einem gewissen Gepäck.“

In KINKY BOOTS gibt es nicht nur Spaß

KINKY BOOTS sei zwar eine leichte Show, aus der die Zuschauer in der Regel mit einem Lächeln rauskommen, aber dennoch mache sie auch nachdenklich. „Simon fühlt sich in Frauenkleidern wohler, er versteckt sein wahres Ich dahinter. Mit „Nicht dieser Sohn“ gibt es aber durchaus auch einen sehr ernsten Moment.“ Fällt es denn schwer, sich in Lola zu verwandeln und vor allem auf diesen unglaublich hohen Stiefeln zu laufen? „Die Verwandlung ist aufwändig, sie dauert fast zwei Stunden – schon allein da ich all meine Tattoos abdecken muss. Aber das Laufen auf den hohen Absätzen fällt mir nicht so schwer, vielleicht weil ich ursprünglich vom Tanzen komme.“

Mit klassischem Ballett angefangen

Der Weg von Gino Emnes zum Musical war also nicht vorgezeichnet? „Das stimmt. Aber ich habe schon als Kind mit der Haarbürste als Mikro gesungen und dazu getanzt. Deswegen schickte mich meine Mutter mit 12 Jahren an das Konservatorium, um klassisches Ballett zu lernen. Ich komme nicht aus einer ausgesprochen musikalischen Familie und das war daher nicht selbstverständlich.“ Das Konservatorium war weit weg von zuhause, aber gerade noch so nah, dass er nicht in das dort angegliederte Internat kam. Allerdings bedeutete dies für ihn einen Schulweg von fast zwei Stunden – jeden Tag – hin und zurück. Nach zweieinhalb Jahren wurde dies zu viel und er verließ das Konservatorium.

Gino Emnes Portrait

© EH Foto&Grafie

Erst auf Umwegen zurück zur Musik

„Ich habe dann nach der Schule Public Relations studiert.“ Nach dem plötzlichen Tod der Mutter, nach dem er durch eine schwere Zeit ging, habe ihn eine Freundin überredet, sie zu einer Aufnahmeprüfung an einer Musicalschule zu begleiten. Da Männer immer gesucht sind, habe er sich vor Ort überzeugen lassen, bei der Prüfung mitzumachen. „Der Rest ist Geschichte“, schmunzelt Gino Emnes. Es folgten Rollen als Tyrone in FAME und Benny in RENT. Für KÖNIG DER LÖWEN kam er nach Deutschland. Obwohl er immer wieder auch in den Niederlanden zu sehen war, fand der Großteil seiner Karriere hier statt. Er ging mit „THE BEST OF MUSICAL“ on Tour, spielte Eddie in SISTER ACT, den Apollo Creed in ROCKY sowohl in Hamburg als auch in Stuttgart und durfte nun die Lola in der deutschsprachigen Erstaufführung von KINKY BOOTS kreieren.

Was können wir noch von Gino Emnes erwarten?

Was kommt als nächstes? „Natürlich gibt es das ein oder andere, was ich mir noch vorstellen könnte, um weitere Facetten von mir zu zeigen.“ Fernsehen zu machen fände er zum Beispiel durchaus interessant. „Für den Moment bin ich aber sehr glücklich, dass ich mit Lola ein so breites Spektrum zeigen kann. Und es ist ein absolutes Geschenk, mit Dominik Hees zu spielen“.

Gino Emnes Auto

© Catharina Heydenreich/Colin Heydenreich

Manchmal liegt der Charme darin, dass etwas nicht perfekt ist

Zum ersten Mal in seinem Leben sei er an einem Punkt angekommen, an dem er Erfolg auch wirklich genießen könne. „Ich habe lange gebraucht, einfach „sein“ zu können“. Heute sei er zum Glück soweit, sich kleinere Fehler auch mal verzeihen zu können. „Manchmal machen gerade kleine Unperfektheiten etwas erst perfekt“, aber er habe lange gebraucht, um das zu verstehen. Hier schließt sich der Kreis zum Anfang und zu den guten Deutschkenntnissen. Gino Emnes ist ein Perfektionist. Wirklich bereit für eine Rolle bzw. eine Premiere fühle er sich eigentlich nie. In der Regel gehe es erst nach der Premiere so richtig los und erst dann käme er so richtig rein. „Wenn ich während der Show ganz bei mir bleiben kann und ich spüre, dass das Publikum auch ganz in der Geschichte und ganz bei mir bleibt, dann bin ich glücklich.“ Kürzlich sei er gefragt worden, ob er denn nun ein Schauspieler sei oder eine echte Dragqueen. „Zuerst fand ich das befremdlich, aber dann wurde mir klar, dass das eigentlich ein riesiges Kompliment war“.

Entspannung als Ausgleich

Zum Ausgleich von der anspruchsvollen Rolle brauche er Ruhe. „Der Job als Musicaldarsteller ist sehr körperlich, man muss sehr körperbewusst leben.“ Deswegen sei Entspannung für ihn sehr wichtig. „An meinen freien Tagen plane ich nicht gerne“, verrät er, „da entscheide ich dann lieber spontan, was mir guttut.“ Seine Freunde wüssten das und wären es gewohnt, dass er an den Tagen gerne kurzfristig entscheidet. Und was glaubt er, wissen sie sonst noch über ihn? Wie würden sie ihn in drei Worten beschreiben? „Diszipliniert, bodenständig und ich würde sagen sie finden mich fürsorglich“.

 

Kategorie: Darsteller Geschichten,Interviews,Kinky Boots

Tags:

Autor: M. Kanz (18.02.2018)

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