Jetzt Tickets kaufen

DOKTOR SCHIWAGO – PREMIERE in Tecklenburg

Bei hochsommerlichen Temperaturen hat es uns am letzten Freitag in die russischen Weiten Russlands zur Freilichtbühne in Tecklenburg zur Premiere von DOKOTOR SCHIWAGO verschlagen.Dort feierte die Ullrich Wiggers Produktion DOKTOR SCHIWAGO seine Premiere. Bereits in den letzten Jahren haben die Freilichtspiele in Tecklenburg herausragende Musicalproduktionen in ihrem Programm dargeboten. 2017 REBECCA im letzten Jahr LES MISERABLES. Alles Stücke mit wirklicher Handlung, herausragender Musik und einer immer sehr exzellenten Cast. Mit DOKTOR SCHIWAGO in diesem Jahr setzt sich die Erfolgsstory der Freilichtspiele Tecklenburg fort.

Diesen Beitrag teilen


DOKTOR SCHIWAGO Jan Ammann/Wietske van Tongeren ©Stefan Drewianka

Hitze im eiskalten Russland bei der Premiere von DOKTOR SCHIWAGO

Bei 38° im Schatten empfängt uns ein winterliches Bühnenbild. Schneebedeckte Birken, zwei Spielebenen und die gewohnt schöne Naturkulisse der Burgruine Tecklenburg. Wer Tecklenburg schon einmal besucht hat, weiß, wovon wir reden.

Die Handlung von DOKTOR SCHIWAGO ist im Allgemeinen bekannt. Juri Schiwago (Jan Ammann) verliert im frühen Kindesalter seine Eltern und wird, nun Vollwaise, von der befreundeten Familie Gromeko (Antonina Gromeko – genannt Tonia gespielt von Wietske van Tongeren, Anna Iwanowna Gromeko – Tonias Mutter: Bettina Meske und Alexander Gromeko – Tonias Vater: Kevin Tarte) aufgenommen und großgezogen. Tonia Gromeko und Juri Schiwago wachsen gemeinsam auf und verlieben sich später in einander.

Kevin Tarte/Bettina Meske

©imarquardt

Zur selben Zeit gibt es einen zweiten Schauplatz. Larissa Guichard – genannt Lara (Milica Jovanovic) und ihre Mutter werden nach dem Tod von Laras Vater durch den verschlagenen Rechtsanwalt Viktor Komarovskij (Bernhard Bettermann) unterstützt. Seine Unterstützung ist jedoch nicht ganz uneigennützig. Er unterhält mit beiden Frauen eine Liaison, die sich als Lara älter wird, immer mehr auf sie fixiert.

Die Verirrungen nehmen zu

Lara will dieses Spiel nicht weiter mitspielen und versucht sich vergeblich Viktor Komarovskij zu entziehen. Das, was sie an ihm abstößt, zieht sie auf der anderen Seite an. Sie sieht nur eine Möglichkeit, seinen Avancen zu entkommen. Auf Jurijs und Tonias Hochzeit mischt sie sich unter die Hochzeitsgäste, um Komarovskij zu erschießen. Ihr Plan misslingt. Dort begegnen sich Lara und Jurij das erste Mal und das Liebesschicksal nimmt seinen Lauf. Jurij kann die Begegnung mit dieser unbekannten Frau nicht vergessen. Fragen über Fragen, die Jurij Schiwago bewegen, aber er kann keine Antworten finden. Wer ist sie, woher kommt sie?

Im Land herrschen Unruhen, die russische Revolution ist nicht mehr allzu weit entfernt. Die Hauptprotagonisten werden in den Strudel der Zeit eingesogen.

Wietske van Tongeren als Tonia

©imarquardt

Laras Freund und späterer Ehemann Pawel Antipov (Dominik Hees) ist Anführer der Rebellen  und wird später zum Revolutionär, dem von allen gefürchteten Strelnikow. Ein Mann der das Land in Angst und Schrecken versetzt. Die politische Situation im Land verschärft sich rasant und es verschlägt Jurij und Lara an die Front. In einem Lazarett in dem Jurij Schiwago seinen Dienst leistet wird ihm als hilfeleistende Krankenschwester Larissa Antipova zur Seite gestellt. Die beiden können sich nicht mehr aus dem Wege gehen, ebenso wenig, wie sie sich ihren immer intensiver werdenden Gefühlen zu entziehen vermögen.

Die Geschichte entwickelt sich, verwirrt sich und kommt schließlich zu Ihrem Ende.

Schlüssig umgesetzt

Die Story wurde in dem Musical DOKTOR SCHIWAGO wunderbar umgesetzt und die Handlungscharaktere geschickt miteinander verbunden. Gegner werden zu Leidgenossen und ansatzweise sogar zu Freunden oder zumindest zu Menschen, die einander verstehen. Für uns gab es zwei Schlüsselszenen, das Treffen von Antonia Schiwago und Larissa Antipova. Zwei Frauen, die denselben Mann lieben und einander verstehen, warum sie es tun. Der Gegenpart Pawel Antipov (Strelnikow) und Jurij Schiwago. Zwei Männer, welche dieselbe Frau anbeten und lieben und sich ebenfalls in ihren Gegner hineinversetzen können.

Gelungene Open Air Umsetzung und ein Spiel mit den natürlichen Gegebenheiten

Wir hatten das Stück ja bereits in Leipzig erleben dürfen und waren gespannt, ob und was sich in der Tecklenburger Inszenierung von Ullrich Wiggers verändert. Die erste Reaktion war: Es ist 1:1 wie in Leipzig, nur völlig anders. Sicher spielt die Umgebung, das Open Air Flair eine entscheidende Rolle. Einerseits die langsam hereinbrechende Dunkelheit während des darauf Zusteuerns auf die zerstörerische, politische Lage Russlands, andererseits die nun stärkeren Lichteffekte fokussiert auf die Erfüllung aber aussichtslosen, verzehrenden Liebe zweier Menschen, gaben dem Stück einen besonderen Reiz. Dieses unterstützte unnachahmlich die wirklich ergreifende Handlung und die wundervolle Musik von Lucy Simon und den Texten von Michael Weller.

Exzellente Cast Besetzung

Jan Ammann ist der personifizierte Jurij Schiwago schlechthin. Er lebt die Rolle bis ins kleinste Detail: Ob verliebt, leidend, im Zwiespalt seiner Emotionen. Man nimmt Jan Ammann die Gefühlswelten die DOKTOR SCHIWAGO durchlebt voll und ganz ab und man leidet bzw. man liebt mit ihm. Stimmlich überzeugend und perfekt in die Rolle integriert, agiert er in jeder Handlungsstrecke professionell und souverän. Hut ab vor der Leistung, fast das ganze Stück präsent auf der Bühne zu durchleben, bei 38 Grad und dem Stück angepasster Kostüme im winterlichen Russland.

Milica Jovanovic als Lara überzeugte ebenfalls auf ganzer Linie. Larissa Antipova eine zierliche Frau mit der Stärke einer ganzen Armee. Ohne Angst und Zweifel steht sie für die Sache ein, für die sie kämpft. Stimmlich und darstellerisch perfekt.

Milica Jovanovic/Jan Ammann

©imarquardt

Jurij Schiwagos Ehefrau Tonja (Wietske van Tongeren) überzeugte stimmlich und vor allem im Duett mit Milica Jovanovic, hätte für unseren Geschmack aber etwas mehr Farbe bzw. Emotionen in der Darstellung vertragen können.

Besonders gut gefallen hat uns Dominik Hees in der Rolle des Pavel Antipov. Interessant zu sehen, wie sich aus einem jugendlichen rebellischen Revolutionär ein mächtiger Mann des Landes heraus kristallisiert. Ein Mann ohne wenn und aber, der aber in Bezug auf seine Ehefrau Kompromisse eingeht, die man nicht vermutet hätte. Ein Mann, der das Scheitern seiner Ehe mit sich allein abrechnet. Auch die äußerliche Veränderung von Pawel zu Strelnikow, ein gelungener Schachzug der Produktion.

Nebenschauplätze komplettieren das Ganze

Neben den vier Hauptprotagonisten, wurde das gesamte Stück von den einzelnen Rollencharakteren getragen und rundeten damit die Perfektion ab.

Tonias Vater Alexander Gromekow (Kevin Tarte) war bzw. ist wie nicht anders zu erwarten, stimmlich und darstellerisch überzeugend. Die Rolle des Vaters, der liebevolle Umgang mit dem Enkelsohn perfekt. Kevin Tarte ist zu unserer Freude auch noch in einer weiteren Rolle bühnenpräsent. Als Oberkommandierender des Armeebattallions, dem auch Pavel Antipov und Liberius (Florian Soyka) angehören, zeigt er in dem Teil des Stückes doch das komplette Gegenteil. Ein Kerl, der eine Truppe von nicht überzeugten Soldaten zu befehligen hat und diese im Auftrag des Zaren für den Krieg in den Tod schickt.

Liberius – Florian Soyka

©imarquardt

Hier stellen sich die Weichen für Pawel und Liberius (Florian Soyka). Sie rebellieren und sind fortan als Partisanen Rebellen in den Weiten Russlands gefürchtet. Es hat uns sehr gefreut, Florian Soyka mal wieder in einer so tollen Inszenierung gesehen und vor allem gehört zu haben.

Ein Sommer Open Air, das seinesgleichen sucht

Das realistische Aufleben der russischen Seele auf der Tecklenburger Bühne ist in großem Maß der musikalischen Leitung von Tjaard Kirsch und dem Orchester zu danken. Die Harmonie zwischen den Musikern und den Darstellern scheint perfekt und schwappte im Laufe des Abends immer wieder bis in die Zuschauerreihen.

Zusammengefasst kann sich diese Inszenierung als ein weiteres musikalisches Highlight in das Tecklenburger Sommerprogramm der letzten Jahre einreihen und wird jedem der es sehen wird in unvergessener Erinnerung bleiben. DOKTOR SCHIWAGO ist noch bis Mitte September auf der Open Air Bühne der Tecklenburger Festpiele zu sehen und wir empfehlen jedem der gutes Musical schätzt, sich das nicht entgehen zu lassen.

Kleiner TIPP! Die Bestuhlung in Tecklenburg ist nicht die beste. Man sollte auf alle Fälle dick gepolsterte Sitzunterlagen dabei haben, um das Musical bequem genießen zu können.

Zum Ticket-Angebot
Zum Ticket-Angebot

Kategorie: Kritiken, Stadttheater

Tags: Tecklenburg

Autor: I. Marquardt(01.08.2019)

Diesen Beitrag teilen

Monatlicher Musical-Newsletter

Erhalten Sie einmal im Monat kostenlos die wichtigsten Musical-News im Überblick: Welche neuen Musicals laufen wo? Welche tollen Musical-Angebote gibt es? Verpassen Sie keine Hinweise mehr!

Die Abmeldung von dem Newsletter ist jederzeit möglich.

Kommentar hinterlassen

Hiermit stimme ich zu, dass meine Angaben aus dem Kommentarformular zur Beantwortung meiner Antwort erhoben und verarbeitet werden. Hinweis: Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per E-Mail an info@musical1.de widerrufen. Detaillierte Informationen zum Umgang mit Nutzerdaten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Newsletterhinweis schließen
Musical1 Newsletter
Zusammengefasste Musical-News
Hinweise auf gute Musical-Angebote
Regelmäßige Ticketverlosungen
Musical-Neuerscheinungen
Sicherheit des Newsletters