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DIE PÄPSTIN ist zurück – Johanna-Darstellerin Misha Kovar im Interview

Sie ist stark. Sie ist außergewöhnlich. Sie geht ihren Weg. „Wer?“, mögen sich einige Leser nun fragen, „Johanna oder Misha Kovar?“ Wer das Musical DIE PÄPSTIN bereits gesehen hat, wird zunächst an Johanna denken. Wer Misha Kovar kennenlernen durfte, weiß aber, dass die Beschreibung genauso gut auf die Künstlerin passt. Bei der Wiederaufnahme des Stücks in Füssen können sich die Zuschauer ein Bild von beiden machen. Denn am 30. November 2019 ist Misha Kovar im Fespielhaus zum ersten Mal als Johanna zu sehen.

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Misha Kovar als DIE PÄPSTIN © Michael Böhmländer

„Die Liebe ist das Wichtigste, was es gibt“

Misha Kovar ist die Vielseitigkeit in Person. Musicalliebhaber kennen sie vor allem als Sarah (TANZ DER VAMPIRE), Ozzy Osbourne (WE WILL ROCK YOU) oder Elisabeth (LUDWIG²). Schlagerfans ist die Sängerin eher durch ihre Hits „Kann das Liebe sein“, „Hey hey Süßer“ und ihrem aktuellen Titel „Abschiedsküsse schmecken bitter“ bekannt. Doch das ist nicht alles. Hinter Misha Kovar steckt noch mehr.

Die Österreicherin mit den tschechischen Wurzeln hat ihr Studium am renommierten Konservatorium der Stadt Wien absolviert. Die Stadt Füssen hat die Künstlerin in ihr musikalisches Herz geschlossen, weshalb sie nun mit ihrem Ehemann Philipp dort lebt. Vor kurzem war Misha Kovar noch als Elisabeth im Musical LUDWIG² zu sehen. Vom 30. November bis 15. Dezember 2019 steht sie erneut auf der Bühne des Festspielhauses – als DIE PÄPSTIN Johanna im gleichnamigen Musical. Musical1 hat sich mit der Darstellerin unterhalten.

Frau Kovar, was fasziniert Sie an Füssen und der Arbeit im Festspielhaus?

Ich finde die ganze Geschichte um Ludwig II. herum sehr anspruchsvoll. Die Sisi hab ich ja schon 2011 in Kempten gespielt. Dieses Thema und die beiden Figuren, die es tatsächlich gegeben hat, faszinieren mich.

Was verbindet Sie mit Elisabeth und Ludwig?

Sowohl Ludwig als auch die Sisi hatten diese besondere Liebe zur Kunst. Ludwig war mehr dem Gesang zugeneigt. Elisabeth nutzte das Dichten, um sich in diesem dramatischen Leben, das beide hatten, auszudrücken. Daher finde ich die Rolle der Elisabeth und das gesamte Stück LUDWIG² sehr ansprechend. Die Musik ist sehr schön komponiert. Mich berührt es jedes Mal, wenn ich Sisi spiele. Vor allem, da ich selbst dramatisch veranlagt bin. Ich liebe es, in diese Traurigkeit und das Leben einzutauchen.

Haben Sie sich schon vor Ihrem Engagement mit der Geschichte des Märchenkönigs befasst? Oder hat erst die Rolle der Sisi Ihr Interesse geweckt?

Das kam tatsächlich erst durch das Musical LUDWIG². Natürlich kannte ich Elisabeth schon. Aber für Ludwig II. habe ich mich erst interessiert, als ich vor acht Jahren gefragt wurde, ob ich das Stück in Kempten spielen möchte. Ich habe dann angefangen, Bücher über ihn zu lesen, über sein Leben und die Hintergründe zu seinem Tod. Es ist wirklich eine spannende Geschichte, denn Ludwig II. ist ein sehr interessanter Charakter – sowie Elisabeth auch.

Welchen Song mögen Sie aus LUDWIG² besonders?

Einen Lieblingssong habe ich direkt nicht. Allerdings finde ich die „Schattenarie“ ganz toll.

Sisi war eine starke Persönlichkeit. Mit Johanna, der Päpstin, spielen Sie nun eine weitere bemerkenswerte Frau. Welche Parallelen sehen Sie zwischen den beiden?

Misha Kovar als Sissi

© Michael Böhmländer

Sisi und Johanna – sollte es Letztere tatsächlich gegeben haben – waren starke Frauen. Ich würde aber sagen, Elisabeth ist daran innerlich zerbrochen, Johanna nicht. Sisi ist es nicht gelungen, aus ihrem Käfig auszubrechen, weil sie die Möglichkeit nicht hatte. DIE PÄPSTIN dagegen hat dies geschafft. Sie hat sich unter dem Vorspielen falscher Tatsachen bis zum Schluss ausgelebt. Dabei ging sie keine Kompromisse ein. Sisi blieb nichts anderes übrig, als sich dem Hofe zu fügen. DIE PÄPSTIN hat ihren Moment genutzt, um etwas zu verändern. Ohne Wenn und Aber.

Was denken Sie: Hat es DIE PÄPSTIN tatsächlich gegeben?

Ich bin keine Expertin. Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es DIE PÄPSTIN gegeben hat. Wenn man das Buch liest, gibt es ja Angaben über reale Schriftstücke, die gefunden wurden. Ja, ich glaube, dass sie wirklich existiert hat.

Können Sie sich vorstellen, dass es eines Tages eine Päpstin geben wird, die sich nicht als Mann verkleiden muss?

Dazu müsste sich in der Kirche sehr viel ändern. Man orientiert sich ja vorwiegend an der Bibel, worin die Frau einfach nicht diese starke Stellung hat. Ich kann mir das daher nicht vorstellen. Jedenfalls nicht in unserer Zeit. Aber ich lasse mich gerne überrraschen.

Sind Sie religiös?

Ich glaube, dass es eine Schöpfung und einen Schöpfer gibt. Ich glaube auch sehr daran, dass ich hier eine Aufgabe habe.

Die Stellung der Frau hat sich seit Johannas Zeit glücklicherweise geändert. Dennoch wird das Thema Gleichberechtigung auch heute noch diskutiert. Wie erleben Sie diese Thematik im Alltag?

Ich persönlich erlebe kaum, dass ich benachteiligt werde. Ich bin allerdings bei der Wahl meiner Urlaubsziele sehr umsichtig. Ich meide Länder, in denen die Frau wirklich keinen Wert hat. Länder, in denen man sich als Frau unwohl fühlt, wenn man alleine auf der Straße unterwegs ist – obwohl es heutzutage vielleicht gar nicht mehr so ist. Ich war einmal in Tunesien. Da hatte ich als Frau in einigen Situationen kein gutes Gefühl. Aber sonst fühle ich mich nirgendwo nachrangig behandelt.

Dass Sie Ihre Frau stehen, zeigen Sie auch in Ihren Texten als Schlagersängerin. Die Liebe wird dort großgeschrieben.

Natürlich gibt es auch andere Themen. Aber die drei Songs gehen tatsächlich alle um die Liebe. Das Lied „Kann das Liebe sein“ wurde zum Beispiel für meinen Mann und mich geschrieben. Denn die Liebe ist das Wichtigste, was es gibt. Es gibt nichts Schöneres, als jemanden hinter sich stehen zu haben, der einen wirklich aufrichtig liebt und unterstützt. Das ist eine unglaubliche Kraft. Wenn ich singe, ist es mir wichtig, etwas auszusagen. Sicherlich sind es keine dramatischen Texte. Man kennt ja das Schlagerbusiness. Die Lieder sollen auch zum Mitschunkeln sein. Dennoch besitze ich eine Vorbildfunktion.

Inwieweit?

Texte wie „Du hast mich verlassen und ich zerstör jetzt Dein Auto“ sind nichts für mich. Bei meinem Song „Hey hey Süßer“ war mir zum Beispiel wichtig, zu sagen: Gebt euch nicht zu schnell her, nur weil jetzt ein Mann in euer Leben tritt. Da versuche ich schon, Werte zu vermitteln.

Wie hat sich die Schlagerwelt durch Künstler wie Helene Fischer verändert?

Heutzutage ist der Schlager nicht mehr das, was er früher war. Mittlerweile ist ja Schlager fast alles, das deutschsprachig ist. „Kann das Liebe sein“ ist auch nicht wirklich ein Schlagersong. Ich würde ihn eher als Popschlagersong bezeichnen. Früher war das Wort „Schlager“ meist mit Foxtrott verbunden. Heute ist der Begriff sehr offen. Warum soll man nicht auf Deutsch singen und Spaß dabei haben? Schließlich sind wir deutschsprachig. Ich finde, der Schlager ist eine Form von Musik, in der es noch schöne positive Texte gibt.

Wobei Sie ja zuvor auf Englisch gesungen haben.

Ich habe angefangen, selbst Lieder zu schreiben, als ich noch in der Ausbildung war. Und das, was ich früher geschrieben habe, war englischsprachig. Ich hatte neben dem Musical immer einen Plattenvertrag. Einer hat mich sogar nach Amerika geführt. Als ich zurückkam, hatte ich dann die Möglichkeit, mit Gary Lux „Kann das Liebe sein“ aufzunehmen – doch zunächst auf Englisch, da der Song eigentlich für den Eurovision Song Contest geplant war. Irgendwann hat mich Gary Lux angerufen und mich gefragt, ob ich mir vorstellen könne, das Lied auf Deutsch zu singen. Ich hab gesagt: „Warum nicht? Im Musical singe ich ja auch auf Deutsch.“ So ist das tatsächlich entstanden.

Gary Lux nahm bereits sechsmal am Eurovision Song Contest teil. Würden Sie nicht auch gerne mal Österreich als Interpretin vertreten?

Also ich hätte nichts dagegen, doch es muss nicht sein. Ich bin offen dafür, versuche aber nicht, unbedingt dort reinzukommen.

Können Sie sich als Schlagersängerin anders ausleben, als auf der Musicalbühne?

Misha Kovar - Schlagersängerin

© Oliver Topf

Es war für mich immer so, dass ich mich nie in eine Richtung zwängen lassen wollte. Was ich zuerst geschrieben hatte, war zum Beispiel eher RnB. Aber ich singe auch gerne Operetten. Ich singe gern Klassik. Eine zeitlang war ich Studiosängerin und habe Werbejingles eingesungen. Ich liebe die Vielfalt. Mal stehe ich als EVITA auf der Bühne, mal tobe ich mich im Studio am Mikro aus, indem ich eigene Songs aufnehme. Ich hab auch schon eine kleine Fernsehrolle gespielt.

Richtig, im Fernsehfilm „Schimanski“ neben Götz George. Sie lieben die Abwechslung.

Es war schon immer so. Im deutschsprachigen Raum ist es nicht so bekannt, dass man die Genres wechselt, dass ein Musicaldarsteller auch ein Schauspieler ist. Es wird nicht gemischt. Das habe ich nie verstanden, denn ich bin das alles. Ich habe Gesang und Schauspiel studiert. Da gehören die verschiedenen Genres zusammen. Ich will mich nicht auf einen Bereich fixieren. Das ist mein Luxus, den ich mir wirklich seit Jahren gönne.

Gab es jemals einen Plan B, falls es mit der Musik und dem Schauspiel nicht funktioniert hätte?

Also für mich nicht. Es gab nichts ohne Musik. Die Musik war immer für mich da, sie hat mich stets begleitet. Ich habe mich mit der Musik immer weggeträumt. Ich war nie wirklich Realistin. Das war auch gut für mich, da ich sehr jung war, als ich studiert habe. Ich hätte nie gedacht, je mit dem Singen Geld zu verdienen. Ich hab mir darüber gar keine Gedanken gemacht.

Im Nachhinein betrachtet, mussten Sie das auch nicht.

Ich bin teilweise immer noch sehr dankbar und überrascht. Ich habe so ein Glück, mich schon seit so vielen Jahren in jedem Genre austoben zu können. Das erfüllt mich sehr. Wenige Leute können ihren Traum zum Beruf machen. Das ist ein absolutes Glück.

Ein Highlight Ihrer bisherigen Karriere war die deutschsprachige Erstaufführung des Queen-Musicals WE WILL ROCK YOU.

Es war definitiv ein Highlight, Teil der deutschsprachigen Originalbesetzung zu sein. Alleine weil ich die Möglichkeit hatte, mit Queen zu arbeiten – also den Bandmitgliedern, die noch auf der Bühne stehen. Außerdem war es spannend, eine Rolle zu kreieren.

Sie meinen die Rolle der Ozzy Osbourne.

Der Regisseur war Engländer und verstand natürlich kein Deutsch. Plötzlich wurde ich während der Proben gefragt: „Was würdest Du singen? Wie würdest Du dies auf Deutsch ausdrücken? Würde Dir was anderes einfallen?“ Einige meiner Ideen stehen heute noch im Textbuch des Stücks. Es ist etwas ganz Besonderes, wenn man eine Rolle so mitkreieren darf. Und dann noch gemeinsam mit Brian May und Roger Taylor. Das war natürlich eine ganz große Ehre.

Brian May hat Sie persönlich gecastet. Haben Sie noch Kontakt zu ihm?

Wir haben immer wieder Kontakt. Ich hoffe, dass wir uns 2020 wiedersehen. Da sind Queen ja hier auf Tour unterwegs.

Aktuell laufen die letzten Vorbereitungen für die Wiederaufnahme des Musicals DIE PÄPSTIN. Sie sind in fünf der insgesamt acht Vorstellungen zu sehen. Anschließend geht LUDWIG² in die Verlängerung. Spielen Sie wieder die Sisi?

Das kann ich noch nicht sagen. Wir sind noch am Verhandeln (Anm. d. Red.: Mittlerweile wurde bestätigt, dass Misha Kovar ab dem 28. Dezember weiterhin die Elisabeth spielen wird). Als Päpstin bin ich jedenfalls sicher in der Premiere und Dernière zu sehen.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Auf Ihrer Website ist eine Fleur-de-Lys abgebildet. Hat diese eine bestimmte Bedeutung für Sie?

Es ist die Bourbonische Lilie. Ich hab sie auch überall in meiner Wohnung. Einerseits, da sie sehr ansehnlich ist, andererseits wegen Ludwig II. Wenn ich richtig recherchiert habe, war die Beziehung seiner Familie zum Königshaus der Bourbonen sehr bedeutsam für ihn. Mir geht es hier aber nicht um das blaue Blut, sondern um das, was Ludwig versucht hat. Ich denke nämlich, was wirklich hinter seiner Schwärmerei für die Musik und Kunst steckte, war, die Schönheit und Liebe in das Leben der Menschen zu bringen. Denn Schönheit und Liebe zeigen sich darin, wie man zueinander steht, sich untereinander verhält. Das hat eine gewisse Positivität. Damit verbinde ich diese Lilie.

Kategorie: Die Päpstin, Interviews

Tags: Füssen

Autor: B. Schlager (27.11.2019)

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