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Der Regisseur als einer der ALTAR BOYZ – Michael Heller im Interview

Pünktlich zu Ostern befreiten die ALTAR BOYZ nun auch die Seelen der Hamburger Zuschauer. Wir waren dabei und durften uns nach der Show mit dem Regisseur Michael Heller unterhalten, der am Ostersonntag selbst als Abraham auf der Bühne stehen durfte und seinen eigenen Vorstellungen entsprechen musste.

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Finale Altar Boyz in HH © S. Ahrens

Rund um ALTAR BOYZ und OFFstage

Auch in Hamburg überzeugt die Show mit viel Stimmung, großartigen und typischen Boyband-Choreografien, hervorragend interpretierten Charaktere und den tollen Übersetzung von Laura Friedrich Tejero. In unserem Premierenbericht können Sie Details und unsere Meinung zur Show nachlesen. Was uns nun interessiert ist, wie Michael Heller sich nun selbst als Altar Boy auf der „Sensation Christ“-Tour geschlagen hat und ob es ihm gelang, seinen eigen Vorstellungen zu entsprechen.

Michael Heller im interview

Als Regisseur hast du deine eigene Vorstellung von der Inszenierung gemacht und die mit der Cast erarbeitet. Wie schwer oder auch leicht ist es dir jetzt gefallen, selbst deine Vorstellung zu verkörpern?

Michael Heller als Abraham

© S. Ahrens

Mir fällt erst einmal ein Stein vom Herzen! Natürlich habe ich mir das alles ausgedacht und da sollte man denken „Man kann das“, aber es ist was ganz anderes, wenn man sich was ausgedacht hat und dann auf einmal selber auf der Bühne steht. Das Adrenalin ist plötzlich so hoch, die Leute sind da, das Licht verwirrt einen manchmal total, man sucht seine Positionen etc.. Wenn ich als Regisseur von oben gucke, kann ich immer sagen „Du stehst falsch“, aber wenn ich dann da unten tanze und natürlich nicht auf dem Boden herumsuchen will, ist das schon eine Umstellung und muss dafür ein Gespür finden. Das war tatsächlich etwas schwierig, hat aber ganz gut geklappt. Dabei hatten wir heute nur eine Probe beziehungsweise einen Durchlauf dafür gehabt und ja, es hat funktioniert.

Ich bin wirklich happy und ganz schön müde, weil ich auch die letzten Nächte sehr wenig geschlafen hatte. Freitag hatten wir die Einrichtung gemacht. Das ging bis 5 Uhr nachts. In Berlin war das ja eine ganz andere Bühne, viel kleiner und rund. Was für uns bedeutete, hier alles neu anzupassen das alles an einem Tag ist eigentlich gar nicht möglich. Normalerweise probt man für so etwas 6 Wochen und mindestens 2 Wochen probt man im Theater. Bei so einer Produktion ist das natürlich nicht möglich und dieser ganze Aufwand geht nur durch die Arbeit von den ganzen Leuten, die sagen „Ja komm, wir machen das!“. Keiner ist am Jammern oder am Meckern. Es sind alle dabei und das ist einfach ziemlich cool an unserem Projekt.

Man merkte aber eher wenig bis gar nicht, dass es so ein Stressfaktor war. Konntest du die Show dennoch richtig genießen?

Danke! Eigentlich kann man es nicht so wirklich genießen, wenn man das nur einmal macht. Man muss tatsächlich ein paar Durchläufe und Shows haben. Erst dann fängst du richtig an, es zu genießen. Dann bist du auch nicht so gestresst und man will ja auch nicht so Löcher entstehen lassen.

Redaktion: Aber dennoch hat man improvisiert und ist über drei Reihen rübergeklättert?!

Ja genau *lach*. Da musste ich mich auch an nichts halten. Ich wusste, ich habe eine gewisse Zeit, um etwas zu machen. Dann dachte ich einfach, dass ich einfach mal über die Köpfe der Zuschauer kletter. Währenddessen dachte ich eher „Uh… Ist das jetzt eine blöde Idee gewesen? Wie kommst du jetzt wieder zurück?“. Da bin ich dann einfach über drei Reihen zurückgesprungen und hab da nur gehofft, dass ich nicht jemanden den Kopf wegkicke. *lach*. Aber Gott sei Dank hat alles geklappt.

Gab es Szenen bei denen du schon als Regisseur dachtest „Die ist jetzt nicht gerade einfach“ und dich nun selbst der Herausforderung steilen musstest?

Ja. Da wo Abraham seinen relativ langen Monolog hat. Er erzählt, wie wichtig ihm das ist, warum das jetzt so blöd gelaufen ist und das er es schade findet. Dabei musste ich immer auch ein Tränchen bei den Proben und Vorstellungen verdrücken, weil ich das irgendwie so emotional finde. Dann habe ich das heute gespielt und mir sind da sofort die Tränen in die Augen geschossen. Wenn man so emotional wird, vergisst man auch oft sein Text und so. Da hatte ich ein bisschen Respekt vor, aber es hat ja doch alles funktioniert.

Wie viel Altar Boy steckt in dir? Bist du mit den 90er/Millennium Boybands „aufgewachsen“ oder ist der Hype eher an dir vorbeigegangen?

Altar Boyz in HH

© S. Ahrens

Ich wollte schon immer Boygroup machen! Als ich jung war, hab ich gedacht, ich wäre perfekt für eine Boygroup und als ich mir mit Christopher diese Choreografien ausgedacht habe, haben wir wirklich viele Klischees von Boygroups benutzt. Stundenlang haben wir uns Videos von Take That, Backstreet Boys und co. angeguckt, um zu gucken, was genau nicht fehlen darf. Da hatte ich echt Spaß dran und hatte dabei gedacht „Tja schade. Du bis ein paar Jahre zu alt, jetzt noch in einer Boyband mitzusingen, aber früher wäre das was cooles für dich gewesen“. Ich hab es halt auch immer gehört. Bei Take That war ich vielleicht noch etwas jung. Da hatte ich es noch mitbekommen, wie die sich getrennt haben und was das für ein Riesendrama war, aber Backstreet Boys, *NSYNC, Touché oder Caught in the Act, das war meine Zeit, aber *NSYNC war, glaub ich, meine Lieblingsboyband. Die fand ich immer am coolsten. Also ja, ich liebe Boygroups und habe das immer gut gefunden und jetzt darf ich so was auf der Bühne selber spielen und vorher noch Mit-Choreografieren und Regie führen.

Wie stehst du zum Thema Kirche?

Ich war mal katholisch. Ich bin aus verschiedenen Gründen nicht mehr in der Kirche. Das aber auch erst so in Mitte meiner 20er.

Siehst du es als Problem so ein Stück an Ostern zuspielen?

Generell ist es schwierig, an Feiertagen was zu machen. Zumindest mit so einer kleinen Produktion. In Berlin waren wir immer gut verkauft, hier an diesem Wochenende scheint es schwieriger zu sein. Es war jetzt keine Katastrophe, nur wäre es schöner gewesen, wenn das Theater voller gewesen wäre. Zur Thematik: Wir sagen ja nie etwas gegen die Kirche. Die Boyz sind ja auch für Gott unterwegs. Was man dazwischen liest, ist jedem selbst überlassen, aber direkt etwas dagegen, wird nicht gesagt. In Berlin hatten wir aus einer katholischen Gemeinde Zuschauer da, die fanden das fantastisch und haben angeboten, es in deren Kirche aufzuführen. Die fanden es total erfrischend, ging nie unter die Gürtellinie und war mit Humor zu sehen. Natürlich hat es versteckt ein paar Kritikpunkte, aber wir sagen nichts böses und wir wollen auch nicht, dass sich jemand gekränkt fühlt.

Kommen denn noch weitere Spieltermine?

In Berlin haben wir am Pfingstwochenende wieder drei Termine. Vom 7.-9. Juni spielen wir im Tipi am Kanzleramt. Wir sind auch grade ganz aktuell dran, Termine im Süden von Deutschland zu verhandeln. Das ist tatsächlich noch nicht sicher, aber sobald wir die Verträge unterschrieben haben, wird es bekannt gegeben!

Und für THRILL ME?

Ich habe da schon weiter Pläne es noch mal zu bringen, aber es ist tatsächlich alles auch sehr, sehr viel Arbeit und sehr viel Zeit, die dafür drauf geht. Ich leite momentan den Verein fast alleine. Der Tom Schimon, den ich heute gecovert habe, der ist jetzt als neuer Vorstand dazu gekommen, muss sich natürlich erst einmal in alles einarbeiten. Das heißt, alles mach ich: Von Organisation über Kostüme, wer macht die Wäsche nach so einer Show, etc.. Das bleibt erst einmal an mir hängen und ich muss natürlich auch vorher alle logistischen Sachen planen, Hotels besorgen und Fotoshootings organisieren. Es ist grade echt ein Fulltimejob und ich mach das alles ehrenamtlich. In so einem Verein darfst du als Vorstandsvorsitzender eigentlich nichts verdienen, was bedeutet, dass ich daneben auch noch meinen Job machen muss. Ich bin da zum Beispiel in St. Gallen bei PRISCILLA momentan und im CLACK Theater in Lutherstadt Wittenberg.

Ich bin kein Musicalproduzent, ich versuche mein Bestes, aber es ist au jeden Fall sehr, sehr viel Arbeit. Deswegen will ich mir da auch nicht zu viel aufheizen. Wenn das mein Fulltimejob wäre, dann würde ich natürlich versuchen, jedes Wochenende irgendwo eine Produktion zu machen, aber so viel Energie und Zeit, die da aufkommt, habe ich noch nicht. Vielleicht wenn OFFstage größer wird und expandiert, dann kann man sich vielleicht darauf konzentrieren im kompletten, aber momentan ist es so ein Herzensprojekt von mir und von allen anderen, die dabei sind. Deswegen gibt es diese ganzen Vorstellungen nicht ganz so regelmäßig.

Vielleicht ist es auch spannend, wenn andere mal in die Rollen schlüpfen, damit es immer mal neue Kombinationen sind. Es wäre bestimmt spannend jemand wie Richard-Salvador Wolff da zu sehen oder den Philipp Büttner oder auch welche von ALTAR BOYZ zum Beispiel Tobias oder Christopher. Ich glaube, das könnte auch für die Zuschauer ganz interessant sein andere Facetten von den Darstellern zu sehen. Mal sehen was kommt.

Schlussapplaus Altar Boyz HH

© S. Ahrens

Anmerkung von der Redaktion: THRILL ME sollte eigentlich am 31. Mai in Vreden aufgeführt werden. Dies musste jedoch leider verschoben werden. Der Grund ist, dass die großartige Pianistin Lidia Kalendareva schwanger ist und leider durch eine Schwangerschaftsthrombose nun Komplikationen aufgetreten sind. Keiner möchte, dass Lidia und ihr Kind durch lange Reisen Schäden nehmen. Daher wird nun für einen Ersatztermin Ende des Jahres beziehungsweise Anfang nächsten Jahres gesucht. Wir gratulieren zur ersehnten Schwangerschaft und wünschen ihr vom ganzen Herzen gute Besserung!

Am 31. Mai organisiert Gerrit Hericks nun ein Konzert zusammen mit Lois van de Ven, Sander van Wissen und Kevin Köhler. Alle Tickets behalten ihre Gültigkeit.

Nun zur letzten Frage: Gibt es nach THRILL ME und ALTAR BOYZ eine weitere Produktion?

Noch gibt es nichts Neues. Wir haben jetzt diese beiden Produktionen und mit denen arbeiten wir erst einmal weiter. Vielleicht gibt es 2020 was Neues. Im Auge haben wir schon vieles. Das ist auch so ein langer Prozess erst einmal die Rechte dafür zu bekommen. Mal gucken, vielleicht schreiben wir auch ein Stück selber. Es gibt ja auch Musicals aus Deutschland und nicht nur aus Amerika.

Wir bedanken uns Herzlich bei Michael Heller, dass er sich für uns nach der Show noch Zeit genommen hat. Weiterhin sind wir gespannt, was von OFFstage Germany noch alles kommen wird und halten Sie dabei auf dem Laufenden. Wir empfehlen Ihnen die Wartezeit zu verkürzen, indem Sie sich einfach in Berlin im Tipi am Kanzleramt eine Show von ALTAR BOYZ anzusehen. Ein erneuter Besuch kann interessant sein, denn Daniele Alan-Carter wird die Rolle des Juans übernehmen. Tickets finden sie hier.

Kategorie: Interviews

Tags: Berlin, Hamburg

Autor: S. Ahrens(15.05.2019)

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