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DAS kurze LÄCHELN EINER SOMMERNACHT im März

Liebe ist…? Ja, was ist Liebe eigentlich? Leidenschaft, Treue oder doch eher Reue? Genau genommen ist sie alles. Und das hat Ingmar Bergman in seinem Filmklassiker DAS LÄCHELN EINER SOMMERNACHT aus dem Jahr 1955 erkannt. In der Komödie zeigt der schwedische Regisseur die schönste Nebensache der Welt in all ihren Facetten. Grund genug, die Handlung auf die Bühne zu bringen. Josef E. Köpplinger hat dies getan, indem er das Broadway-Musical mit den Stephen-Sondheim-Songs neu inszenierte. Nach der Premiere im Cuvilliéstheater vor einem Jahr führte das Münchner Gärtnerplatztheater das bittersüße Stück nun erneut auf. Frühlingsgefühle auf Schwedisch, die leider nur vier Tage anhielten. Denn bereits am Sonntag hieß es wieder: Hejdå!

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"Zwei Tage auf dem Lande..."
Erholsame Landpartie? Von wegen! © Thomas Dashuber

Liebe, Sex und Zärtlichkeit

Wir erinnern uns. Heimlich unter der Bettdecke schmökerten wir in der BRAVO, um uns zu „informieren“. Auch die junge Fredrika, gespielt von der zauberhaften Amelie Spielmann, wird aufgeklärt. Allerdings nicht von den Redakteuren einer Jugendzeitschrift, sondern von ihrer Oma, Madame Armfeldt (Gisela Ehrensperger). Mit trockenem, teils tiefschwarzem, Humor erklärt sie ihrer Enkelin die Bedeutung einer schwedischen Sommernacht. Die lächelt nämlich genau dreimal: einmal über die Jungen, die noch nichts (über die Liebe) wissen. Über die Narren im besten Alter, die noch zu wenig wissen. Und schließlich über die Alten, die zu viel wissen. Also letztendlich über die Torheit der liebestrunkenen Menschen, die in jeder Altersklasse dem weiblichen oder männlichen Geschlecht verfallen. Als ob es nichts Wichtigeres gäbe, als die Liebe. Na ja, jedenfalls nicht vom 2. bis 5. März auf der Bühne des Cuvilliéstheaters.

Jeder mit jedem wäre jetzt übertrieben. Besser gesagt: Am Ende kommt zusammen, wer zusammengehört. Romantisch. Doch das dauert. Zwei Akte benötigen die Charaktere, um letztendlich herauszufinden, wen sie wirklich lieben. Zuvor vernebeln Sinnlichkeit, Leidenschaft, Begierde und Eifersucht ihre Sinne. Ein chemischer Prozess eben, der vom gut in die Handlung integrierten Liebesliedchor kommentiert wird. Oder eine Mathematikaufgabe, deren Gleichung es herauszufinden gilt. Das fand zumindest Ingmar Bergman.

Zwischen Renoir und Addams Family

Zusammengefasst: Wir befinden uns in Schweden um 1900. Rechtsanwalt Fredrik – Nachtigall ick hör’ dir trapsen – Egerman (Erwin Windegger) heiratet nach dem Tod seiner Frau die jugendliche Anne (Beate Korntner). Die Immer-noch-Jungfrau vereehrt ihren Gatten, liebt allerdings dessen Sohn Henrik (Christof Messner), einen schwermütigen Theologiestudenten, der sich permanent quält. Religion oder Sex? Am besten beides. Hauptsächlich ist er aber in Anne verliebt, wie sein Vater. Doch ist Letzterer das wirklich? Egerman Senior hat nämlich eine Vergangenheit. Und die heißt Desirée (Sigrid Hauser) – Mutter von Fredrika und Tochter der Grand-Dame. Dass die fesche Bühnenschauspielerin natürlich nichts anbrennen lässt, kann man(n) und Frau sich denken. Dass ihr Graf Carl-Magnus Malcolm (Daniel Prohaska) allerdings nur fürs Bett taugt, will dieser nicht so recht wahrhaben. Immerhin zieht der Dragoner Desirée seiner schönen Ehefrau Charlotte (Julia Klotz) vor und macht daraus kein Geheimnis. Auf den ersten Blick scheint ihr die Liaison ihres Gatten egal zu sein, doch der Schein trügt.

Fiasko mit Happy End?

Fakt ist: Es ist kompliziert. Und so verabreden sich alle Beteiligten zum emotionalen Würfelspiel auf dem Landsitz von Madame Armfeldt, der die städtische Horde zunächst ein Dorn im Auge ist. Gefühlschaos hatte die reife Lady in ihrem Leben genug. Und nun das. Es wird geschimpft, gedroht, gesoffen, geknutscht, gevögelt und beinahe gemordet – was Menschen in einer dunklen Juninacht unter Birken halt so tun. Wobei ich mir die Frage stellte, ob der klare Sternenhimmel zu dieser Jahreszeit tatsächlich so in Schweden zu sehen ist. Ich meine: Mittsommernacht. Dämmert es? Nun ja, zurück zum Thema: der Liebe, mit der die Anwesenden schwer zu kämpfen haben. Am Ende ist es aber nur EIN SOMMERNACHTSTRAUM mit VIEL LÄRM UM NICHTS. Die „zwei Tage auf dem Lande“ haben den fehlgeleiteten Liebenden die Augen geöffnet. Möglicherweise auch dem einen oder anderen Zuschauer. Die Sommernacht hat nämlich tatsächlich gelächelt. Dreimal.

Was haben wir gelernt? Zum einen, dass die Ehe das ummöglichste Verwandtschaftsverhältnis ist. Doch das wussten die Theaterbesucher sicherlich schon vor der Aufführung. Ebenso vielleicht, dass nie in Erfüllung geht, was man sich wünscht. Eine traurige Erkenntnis der kleinen Fredrika, die ich so nicht akzeptieren möchte. Auch Madame Armfeldts Rat nehme ich vorerst nicht an. Oder sollte ich? „Heirate nie einen Skandinavier“, warnte die Großmutter ihre Enkelin. Stattdessen fühlte ich mich angesprochen. Zugegeben: Es war die Stelle, an der ich am lautesten lachen musste – ohne jetzt näher darauf einzugehen. Aber Frau weiß ja nie, wo die Liebe hinfällt. Richtig?

Kategorie: Kritiken

Tags:

Autor: B. Schlager (07.03.2017)

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