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Cirque du Soleil PARAMOUR Premiere

Das Cirque du Soleil Musical PARAMOUR lief bereits am Broadway. Songs und Lyrics stammen von Andreas Carlsson und wurden von Daniel Große Boymann übersetzt. Hamburgs Director und Chereographer ist Sergio Trujillo. Auf allen Ebenen der Show wurde großartige Arbeit geleistet. Ob dies ausreicht und ein Besuch wirklich empfehlenswert ist, erfahren Sie in folgendem Bericht.

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PARAMOUR Cleopatra Szene
PARAMOUR Cleopatra Szene © Joan Marcus

Cirque du Soleil PARAMOUR

Das neueste Musical im Hause von STAGE ENTERTAINMENT heißt Cirque du Soleil PARAMOUR. Und wie es der Name schon vermuten lässt, handelt es sich dabei um eine Kooperation mit dem Cirque du Soleil. Das Stück lief bereits 2016 für ein Jahr am Broadway. Die Premiere fand am 14. April 2019 im Stage Theater Neue Flora statt.

Während der goldenen Ära Hollywoods entstanden einige der bedeutendsten Meisterwerke der Filmindustrie. Schauspieler und Regisseure mussten versuchen sich in einem sogenannten Starsystem nach oben zu kämpfen. Oft stand ein Star für ein bestimmtes Genre und wurde größtenteils für Filme der gleichen Art gecastet. Neulinge hatten es schwer sich zu etablieren. Gleiches gilt für Regisseure. Ein Regisseur, der es geschafft hat, ist der ehrgeizige AJ. Er steht für opulente Kinofilme und möchte immer wieder Neues zeigen. Als sein weiblicher Star ausfällt, sucht er verzweifelt nach einem neuen Ausnahmetalent. Um den Produzenten weiter bei der Stange zu halten, schwärmt er ihm von einem großartigen Komponisten vor. Nun muss er nicht nur eine neue Schauspielerin finden, sondern auch den Komponisten, dessen Namen AJ zufällig auf einer Komposition gelesen hat. Die Suche führt ihn in einen Club, wo er den Komponisten findet, vor allem aber auch seinen neuen Star: Mildred. Die junge Frau ist Sängerin, doch AJ sieht in ihr etwas Besonderes und überredet sie zu Probeaufnahmen. Mit der aufstrebenden jungen Frau erschafft er einen neuen Star Hollywoods und benennt sie Indigo. Doch bald entwickelt sich eine Dreiecksbeziehung zwischen AJ, Indigo und dem Komponisten Joey. Indigo muss sich entscheiden, wählt sie ihren alten Freund oder den Regisseur und somit auch den Erfolg?

PARAMOUR HH Love triangle Akrobaten

Akrobaten Love triangle © John Davis

Die Show mit dem gewissen Extra

Der Glaube, dass der große Erfolg alles ist, was man zu seinem Glück braucht, ist in diesem Musical stark verbreitet. Dabei erhält der Zuschauer nicht nur Einblicke in die Leben der 3 Hauptdarsteller, sondern taucht auch immer wieder in die fiktiven Filme ein. Egal ob Cleopatra, Western oder eine Spionage Geschichte mit spannender Verfolgungsjagd, es wird auf viele klassische Genres der Filmgeschichte verwiesen. Diese Einblicke sind oft die Grundlage für die akrobatischen Szenen. Doch auch Traumwelten bieten den Akrobaten freien Raum für ihre grandiosen Darbietungen. Insgesamt stehen 36 Ensemblemitglieder auf der Bühne, 20 davon sind Akrobaten und 10 Tänzer. Die Fähigkeiten der Akrobaten sind wohl das Highlight der Show. Von Jonglage und Einradfahren über Kunststücke auf dem Trampolin bis hin zu Vorführungen am Seil über den Köpfen der Zuschauer ist alles dabei. Zu den eindrucksvollsten Auftritten können wohl die Zwillinge Andrew und Kevin Atherton gezählt werden. Sie entwickelten die Zweier-Strapatennummer für das Musical und waren bereits während der Spielzeit am Broadway ein Teil von PARAMOUR. Auch die Verfolgungsjagd darf an dieser Stelle nicht unbemerkt bleiben. Diese Szene ist Teil eines Filmes. Mithilfe von Trampolinen und Matten springen die Künstler von unterschiedlich hohen Ebenen und absolvieren dabei die unterschiedlichsten Kunststücke. Insgesamt ist jedoch zu sagen, dass jede akrobatische Nummer sehr eindrucksvoll und sehr gut in die Handlung integriert war.

Durchdachtes Bühnenbild. Stilechte Kostüme & Musik

Auf der Bühne der Neuen Flora sind nicht nur die gängigen Requisiten eines Musicals zu finden, sondern auch Matten, Trampoline und andere akrobatische Hilfsmittel. Diese sind teilweise gut getarnt beziehungsweise extra in Szene gesetzt und insgesamt gut in das Bühnenbild integriert. Das Bühnenbild von Jean Rabasse und die Kostüme von Philippe Guillotel sind zeitgemäß im Stil der goldenen Hollywood Ära. Auch bei PARAMOUR setzt STAGE ENTERTAINMET auf Videoprojektionen. So führt ein Video den Zuschauer durch die Straßen Hollywoods bis zu dem Club, wo die Hauptcharaktere anfangs noch arbeiten. Diese Projektionen helfen dabei die Atmosphäre authentisch zu gestalten und sorgen dafür, dass sich der Zuschauer noch besser in die Situation einfühlen kann.

Das Bühnenbild ist insgesamt sehr gut durchdacht und verweist immer wieder auf das wiederkehrende Motiv des Films. Ein Beispiel ist die Installation von 6 kleinen nebeneinanderliegenden Räumen, die durch Türen miteinander verbunden sind. Die choreografische Darbietung von Mildred, Joey und den jeweils 5 Doubles innerhalb dieser Installation erinnert an die Einzelbilder eines Filmstreifens. Momente wie diese bieten einen Einblick in die Gefühlswelt der Charaktere, in diesem Fall in Joeys. Darüber hinaus werden berühmte Filmplakate mithilfe von Actionkameras und Live-Projektionen nachgestellt.

Herausragende Darbietungen der Musicaldarsteller

Neben den Akrobaten und Tänzern gibt es nur ein kleines Ensemble von jeweils 3 Haupt- und Nebendarstellern. Vorab ist zu sagen, dass die Besetzung dieser Charaktere insgesamt sehr gelungen ist. Der ehrgeizige Regisseur AJ wurde von Pasquale Aleardi verkörpert. Der Drang nach Perfektionismus und dem stetigen Streben nach mehr und dem damit einhergehenden Egoismus wird von Aleardi auf den Punkt rübergebracht. Doch auch der Wandel der Figur im Laufe der Handlung wirkt sehr authentisch. Er schafft es die Emotionen des Regisseurs nicht nur durch sein Schauspiel, sondern auch mithilfe seiner Stimme zu vermitteln.

PARAMOUR van den Bosch und Zetterholm

Indigo und Joey © John Davis

Als Erstbesetzung der Mildred (bzw. Indigo) wurde Vajèn van den Bosch gecastet. Für die gebürtige Holländerin ist dies die erste Hauptrolle außerhalb der Niederlande. Sie überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. Die Figur der Mildred wirkt anfangs sehr zart, doch es wird schnell deutlich, dass sie sich selbst von einem Mann nichts vorschreiben lässt. Sie ist wortgewandt und entwickelt sich immer mehr zu einer starken Frau. Van den Bosch fällt vor allem mit ihrer kräftigen Stimmfarbe auf und unterstreicht so nochmals die Persönlichkeit.

Mit Anton Zetterholm ist ein alter Bekannter an die Neue Flora zurückgekehrt. Er begeisterte das Hamburger Publikum bereits als Tarzan und wird die Zuschauer mit großer Sicherheit auch in seiner Rolle des Joey überzeugen. Er mimt den aufstrebenden Komponisten, wessen Erfolg noch auszubleiben scheint. Er ist hoffnungslos verliebt in Mildred und kämpft um ihre Aufmerksamkeit. Neben der starken Persönlichkeit von AJ droht Joey den Kampf zu verlieren. Anton passt perfekt in die Rolle des gefühlvollen und zurückhaltenden jungen Künstlers. Egal ob durch Gesang, Mimik oder Schauspiel, er bringt dem Publikum die Gefühlswelt seines Charakters näher und ist emotional mit am stärksten.
Das Zusammenspiel von van den Bosch, Zetterholm und Aleardi ist gesanglich sowie schauspielerisch ein Genuss.

Die Nebenrollen erhalten leider nicht so viel aktive Präsenz auf der Bühne und auch kein eigenes Lied, doch nutzen die Darsteller die gegebene Zeit und schaffen es sich selbst und ihre Rolle perfekt in Szene zu setzen. Gina und Robbie sind die Assistenten von AJ und wurden bei der Medienpremiere von Laura Panzeri und Patrick Stamme gespielt. Beide sind durchweg präsent in ihrer Rolle und sorgen für einige lustige Momente.

Aaron Sebastian Dewitz ist als Buster auf der Bühne zu bewundern. Er gibt den Pantomimen und ist der heimliche Star der Show. Ihm fällt die Aufgabe zu, die Stimmung immer wieder aufzulockern. Er steht den Hauptrollen nicht nur tröstend beiseite, sondern führte sie auch auf die richtige Fährte. Dabei sorgt er nicht nur während der Show für eine gute Stimmung. Seine Rolle durchbricht die imaginäre 4. Wand einer Bühne und begeistert das Publikum auch während der Pause. Durch die spontane Interaktion mit dem Publikum wird der Zuschauer ein kleiner Teil der Show.

Es ist immer etwas los. In Hollywood, wie auf der Bühne

Die einzelnen Elemente sind sehr gut gelungen. Die Musik, die Stimmen, das Schauspiel, die Akrobatik, alles ist in sich schlüssig und abgerundet. Auch die Übergänge von den schauspielerischen Szenen zu den akrobatischen Nummern sind flüssig und wirken in keinem Fall unrealistisch. In manchen Szenen geschieht zwar sehr viel gleichzeitig, sodass man nicht jedes Kunststück oder Happening auf der Bühne mitkriegt. Allerdings könnte genau das für das immer höher strebende, stetig wandelnde Hollywood stehen. Wenn man also die teilweise überladen wirkenden Szenen als künstlerisches Element sieht, ist auch dieser Punkt keine Kritik wert.

PARAMOUR HH Hollywod Szene

die goldene Ära Hollywoods © John Davis

Doch auch wenn alle einzelnen Aspekte wirklich sehr gut umgesetzt werden, scheint etwas zu fehlen. Eventuell liegt es daran, dass viel Zeit für die spektakuläre Akrobatik geschaffen wurde. Diese geben ebenfalls tiefe Einblicke in die Charaktere, allerdings auf eine Art und Weise, die im Musical ungewohnt ist. Denn dort gibt es oft mehr Fläche für die Entfaltung der einzelnen Rollen. Wir verließen das Stück mit dem Gefühl, dass die Charaktere sehr viel mehr Tiefsinn haben, als gezeigt werden konnte. Gerade die Nebenrollen waren sehr unterhaltsam und gute Sidekicks, allerdings wünscht man sich, noch mehr von ihnen zu erfahren. Im Musical gibt es oft im Ensemble Charaktere, die Einfluss auf das Geschehen haben und eindrücklicher genannt werden. Bei PARAMOUR sind dies die Akrobaten, die einzeln durch ihr Können herausstechen.

STAGE ENTERTAINMENT erwähnt, dass mit PARAMOUR eine neue Dimension des Musical-Genres eröffnet wird. Und genau das muss dem Besucher bewusst sein. Es wird kein typisches Musical geboten. Der Fokus liegt ganz klar auf der Cirque du Soleil Show. Ein Musical allein mit dieser Story würde mit Sicherheit kein großer Erfolg sein, da sie doch sehr oberflächig gehalten ist und auch nichts Neues bietet.

Nichtsdestotrotz ist PARAMOUR aufgrund der Akrobatik und der ausgezeichneten Leistung der Darsteller, so wie der durchdachten Arbeit vom gesamten Kreativteam weiterzuempfehlen.

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Kategorie: Paramour

Tags: Hamburg

Autor: S. Müller(23.04.2019)

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